Nördliches Niederdeutsch oder Nordniederdeutsch ist eine Gruppe von Dialekten des Niederdeutschen. Plautdietsch gehört nach der Herkunft, aber nicht der ganzen aktuellen wissenschaftlichen Literatur zum nördlichen Niederdeutschen. Dem Nordniederdeutschen steht das Südliche Niederdeutsche oder Südniederdeutsche gegenüber.
Das traditionelle Verbreitungsgebiet des Nordniederdeutschen ist in Deutschland die Nordhälfte Niedersachsens, Bremen, Hamburg, Schleswig-Holstein, Mecklenburg-Vorpommern sowie die brandenburgischen Prignitz gesprochen, in den Niederlanden Groningen gesprochen.Alfred Lameli: Strukturen im Sprachraum. Analysen zur arealtypologischen Komplexität der Dialekte in Deutschland (= Linguistik – Impulse und Tendenzen. Band 54). Walter de Gruyter, Berlin/Boston 2013, S. 147–148, 182–198 und besonders 214–225.Baldur Panzer, Wolf Thümmel: Die Einteilung der niederdeutschen Mundarten auf Grund der strukturellen Entwicklung des Vokalismus (= Linguistische Reihe. Band 7). München 1971, zusammenfassend S. 165 ff.Peter Wiesinger: Phonologische Vokalsysteme deutscher Dialekte. Ein synchronischer und diachronischer Überblick. In: Werner Besch, Ulrich Knoop, Wolfgang Putschke, Herbert Ernst Wiegand (Hrsg.): Dialektologie. Ein Handbuch zur deutschen und allgemeinen Dialektforschung. 2. Halbband. Berlin / New York 1983, S. 1042–1076, besonders S. 1062 ff.
Das Konzept des Ostniederdeutschen und Westniederdeutschen ist in dialektologischer Hinsicht nicht aufrechtzuerhalten.Peter Wiesinger: Die Einteilung der deutschen Dialekte. In: Werner Besch, Ulrich Knoop, Wolfgang Putschke, Herbert Ernst Wiegand (Hrsg.): Dialektologie. Ein Handbuch zur deutschen und allgemeinen Dialektforschung. 2. Halbband. Berlin / New York 1983, S. 807–900 (Handbücher zur Sprach- und Kommunikationswissenschaft 1.2), besonders S. 828 f.
Altniederdeutsch und mittelniederdeutsch mini|Altniederländische, altsächsische, altfriesische und althochdeutsche Sprache
Alle niederdeutschen Dialekte gehen direkt auf das Mittelniederdeutsche und Altsächsische zurück. Die niederdeutschen Dialekte sind stark vom Hochdeutschen beeinflusst.
Niederdeutsch und die friesischen Sprachen sind, wie das Angelsächsische, möglicherweise nordseegermanischen (ingwäischen) Ursprungs. Dies zeigt sich in einer idiosynkratischen Grammatik und einem eigenen Sonderwortschatz. Obwohl das Niederdeutsche vom Altfränkischen durchdrungen ist, unterscheidet es sich jedoch immer noch grundlegend von den niederfränkischen Dialekten, einschließlich der Aussprache. Ein Teil des typisch ingväonischen Wortschatzes fand auch Eingang in das Mittelniederdeutsche und ist bis heute im Niederländischen erhalten geblieben.
In der Hanseregion war das Mittelniederdeutsche die bevorzugte Schriftsprache, auch für diplomatische und juristische Dokumente. Es gab keine feste Zuordnung für den u-Laut (konnte v oder u sein), Wörter wurden in ein und demselben Dokument unterschiedlich geschrieben. Diese „Normen“ aus dem Mittelalter sind nicht mit der heutigen Standardisierung zu vergleichen, denn es handelt sich eher um gewisse Tendenzen zu einem überregionalen Ausgleich, z. B. im Mittelhochdeutschen um 1200 auf der Basis des Schwäbischen oder im Nordniederdeutschen auf der Basis des Lübecker Dialekts.
Das Mittelniederdeutsche wurde bis zu einem gewissen Grad, auch in Bezug auf die Grammatik, auf der Grundlage des Lübecker Niederdeutsch vereinheitlicht. Das Problem der früheren Untersuchungen ist, dass sie einfach den Sprachgebrauch der Hanse als Grundlage für die Untersuchung des Mittelniederdeutschen genommen haben (weil die Hanse einen regen Schriftverkehr pflegte). Die Untersuchungen haben gezeigt, dass es keine Lübecker Norm gab (auch wenn dies in der älteren Literatur immer wieder behauptet wird).
Neuzeitliche Geschichte mini|Westgermanische Dialekte in Europa 1900 So spricht heute einerseits jede Person, die in Norddeutschland aufwächst, Standardhochdeutsch, andererseits gibt es aber auch heute noch im mehr oder weniger gesamten niederdeutschen Sprachgebiet solche Personen, die Niederdeutsch als Regional-/Minderheitensprache sprechen, je nach Region zwischen <1 % und bis zu 25 % (Schleswig-Holstein) oder noch mehr (Ostfriesland möglicherweise). Letztendlich gibt es die Dialekte, wie sie auf den gängigen Sprachkarten dargestellt werden, nicht mehr. Sämtliche Karten der deutschen und niederländischen Dialekte sind als historisch zu verstehen. Deutsch in Deutschland ist fast überall nicht mehr die Dialekte, sondern regional gefärbte Varianten.
Bis ins 20. Jahrhundert gab es ein geschlossenes nordniederdeutsches Sprachgebiet von den Niederlanden bis weit in den Osten Mecklenburgs und von Westfalen bis Schleswig. Es gab grenzüberschreitende Schriftsprachen einschließlich des Niederländischen. Im nördliches Niederdeutsch sprechenden Teil der Niederlande wird nur die niederländische Sprache als Kultursprache verwendet.
Die gegenseitige Verständlichkeit ist auch zwischen benachbarten Dialekten, selbst wenn sie auf derselben Seite der Benrather Linie liegen, nicht gewährleistet.
Die nieder- und mitteldeutschen Dialekte sind in Deutschland und den Niederlanden in erheblichem Umfang an politischen Grenzen festzumachen, auch wenn sie früher nahtlos ineinander übergingen.
„Mittelniederländisch“ und „Mittelniederdeutsch“ sind sprachliche und literarische Begriffe. Schließlich wurde die Sprachgeschichte in zwei verschiedenen Sprachräumen getrennt erforscht, die Niederländer beschäftigten sich vor allem mit Quellen aus ihrem Herrschaftsgebiet und die meisten deutschen Sprachwissenschaftler hatten keinen Bezug zum Niederfränkischen. Im Laufe ihrer Entwicklung wurde die Schriftsprache immer wieder an die Aussprache angepasst. In den meisten niederländischen Dialekten wurde zum Beispiel das niederdeutsche al wie das deutsche au ausgesprochen, weshalb es zu einer schriftlichen Anpassung kam (halden – houden).
Die Grenze zwischen der niederfränkischen und der niedersächsischen Dialektgruppe verläuft in den Niederlanden von der Grenze bei Isselburg (wo sie die deutsch-niederländische Staatsgrenze schneidet) in nordnordwestlicher Richtung zum Ostufer des IJsselmeers bei Kampen und in westnordwestlicher Richtung in die Nähe von Hilversum, so dass sie südlich des IJsselmeers verläuft. Die Grenze zwischen der niederfränkischen und der nordniederdeutschen Dialektgruppe verläuft in den Niederlanden von Isselburg (wo sie die deutsch-niederländische Staatsgrenze schneidet) in nordnordwestliche Richtung zum Ostufer des Ijsselmeeres bei Kampen in westnordwestliche Richtung auf Hilversum zu, so dass sie südlich des Ijsselmeeres verbleibt.
Niederlande Niedersächsisch (Niederlande) (eine der Eigenbezeichnungen Nederlaands-Nedersaksisch) ist der in den Niederlanden gesprochene Teil des Nördlichen Niederdeutschen. Er wird in den nordöstlichen Teilen der Niederlande gesprochen und mit den Dialekten im westlichen Norddeutschland auch als eigenständige niedersächsische Sprache betrachtet. Es handelt sich möglicherweise nicht um eine Dialektklassifizierung, sondern nur um einen Begriff, der alle Varianten des Niedersächsischen in den Niederlanden umfasst. Der Begriff Niederländisch in Niederländisch-Niedersächsisch stuft die niedersächsischen Varianten nicht als Teil des Niederländischen ein, sondern gibt an, dass diese Varianten in den Niederlanden gesprochen werden. Niederländisch-Niedersächsisch schließt Dialekte, die oft als westfälisch angesehen werden, und Dialekte, die oft als nordniedersächsische Varietäten (letztere mit Einflüssen der westfriesischen sowie ostfriesischen Sprache) angesehen werden, ein. Sie sind in die niederländische Sprache integriert und wurden im Laufe der Zeit vom Standardniederländischen und unter anderem nicht standardisierten holländischen Varietäten beeinflusst. Die benachbarten niedersächsischen Varietäten in Deutschland wurden vom Standarddeutschen beeinflusst oder vollständig ersetzt. Es gibt für folgende Unterteilung des Niedersächsischen der Niederlande je einen eigenen ISO-Code: Achterhoeks, Drents, Groningsch, Sallands, Stellingwerfs, Twents und Veluws.
Die regionalen Sprachvarianten, insbesondere die Umgangssprache der niederländischen Städte, haben sich auf die geschriebene Alltags- und Mediensprache ausgewirkt (einige Redewendungen, Idiome, Abkürzungen, Dialektbegriffe, Slang). Die Umgangssprache, die in den Niederlanden gesprochen wird, ist viel mehr Regiolekt als in Deutschland. Ein gewisses Maß an Willkür und Subjektivität ist bei der Festlegung von Dialektgrenzen und -gruppierungen zwischen Deutsch und Niederländisch unvermeidlich. Zumindest bei schriftlichen Texten bleibt ein gewisses Maß an gegenseitiger Verständlichkeit erhalten. Auch hier wird oft Regel eine Isoglosse als Sprachgrenze verwendet, die die Verbreitung des niederdeutschen Einheitsplurals auf -(e)t begrenzt. Durch den Einfluss der beiden Standardsprachen auf die Dialekte hat sich die Staatsgrenze vor dem 20. Jahrhundert jedoch zu einer Dialektgrenze entwickelt. Groningsch (echtes Gronings, nicht Gronings Tussentaal, ein Regiolekt oder Gronings Nederlands, eine standardnahe Varietät) liegt unter anderem wegen der standardniederländischen Einflüsse auf näher an Dialekten, die möglicherweise Teil des Westniederdeutschen in den Niederlanden sind, als am ostfriesischen Niederdeutsch. Es handelt sich bei anderen Dialekten in den Niederlanden nicht immer um Dialekte der niederländischen Sprache, aber sie zeichnen sich hauptsächlich durch ihre Ähnlichkeit aus und werden in den meisten Fällen lediglich auf niederländischem Gebiet gesprochen.
Das Niederfränkische hat Formen, die mit dem Infinitiv übereinstimmen („hij kijkt“ oder „he kiekt“). Diese Isoglosse verläuft auch ungefähr entlang der IJssel. Wenn Veluws (das -en Plural hat) historisch einen Einheitsplural hatte, wäre das ein niedersächsisches Merkmal. Allerdings wird West-Veluws (das den -en Plural hat und eine Übereinstimmung zwischen der 3. Person und dem Infinitiv aufweist) auch oft zum Niedersächsischen gezählt. Dies geschieht dann aufgrund eines Isoglossenbündels, das u. a. die Isoglosse kiekt/kijkt enthält. Dieses Isoglossienbündel, das in der Eem-Mündung endet, ist zweifellos eine sehr wichtige Grenze. Die westlichen Dialekte werden ohne großen Zweifel als niederländisch eingestuft. Das West-Veluws zeichnet sich durch das Fehlen zahlreicher niederländischer Marker aus und weist einige deutliche niedersächsische Merkmale auf. Nach Osten hin sind die Hollandismen stark reduziert. Die Saxonismen werden jedoch erst ab der IJssel-Linie so deutlich, dass man die Dialekte mit einiger Sicherheit als niedersächsisch einstufen kann. Linguistisch gesehen ist die West-Veluwe etwas fragwürdig. West-Veluws hat historisch gesehen einen einheitlichen Plural. Die 2. Person Singular ist „jie maken“ (du machst), während das niederländische Äquivalent „jij maakt“ ist. Da diese Form den ursprünglichen Plural der 2. Person darstellt, gab es im Veluws „wi maken“, „ji maken“, „ze maken“. Mit anderen Worten: der niedersächsische Einheitsplural, in der Form, die typischerweise in kolonisierten Gebieten auf -en vorkommt und die auch dort zu finden ist, wo Sachsen die Sprache der Slawen, Jüten oder Friesen überlagert haben. Ob der -en Plural in Teilen Hessens auf einer sächsischen Überlagerung der zuvor dort ansässigen Franken oder auf einer jüngeren Neuerung beruht, ist unklar.