Mit der Bezeichnung Meißner und Meißner Vorland wurden mehrere Flächen auf und um den Hohen Meißner, den höchsten Berg im nordöstlichen Hessen, als ein Fauna-Flora-Habitat-Gebiet (FFH-Gebiet) in das länderübergreifende Netz besonderer Schutzgebiete Natura 2000 integriert. Natura 2000 hat den Erhalt der biologischen Vielfalt zum Ziel und soll dem anhaltenden Rückgang von wildlebenden Arten und ihrer natürlichen Lebensräume entgegenwirken. Die rechtlichen Grundlagen für das Schutzgebietssystem bilden die Vogelschutzrichtlinie und die Fauna-Flora-Habitat-Richtlinie der Europäischen Union.

Begründet wurde die Schutzwürdigkeit des Meißners und seines Vorlands mit der außergewöhnlichen Vielfalt der Landschaft, die einen großflächig zusammenhängenden Lebensraumkomplex aus verschiedenartigen Wäldern, extensiv genutztem Grünland, naturnahen Fließgewässern und verschiedenen Sonderstandorten wie Blockhalden, Felsen und Mooren besitzt. Die in dem Gebiet vorkommenden edellaubholzreichen Blockschuttwälder mit ihren seltenen und gefährdeten Tier- und Pflanzenarten werden als von „nationaler Bedeutung“ angesehen. Schutzwürdig aus kulturhistorischer Sicht sind die stellenweise kleinräumig parzellierten Kalkmagerrasen und Magerwiesen, die als Überbleibsel einer historischen Landnutzungsform erhalten geblieben sind, die Kultplätze der Frau Holle, um die sich Sagen und Mythen ranken, sowie die Relikte des Braunkohlebergbaus, der zu den ältesten seiner Art in Deutschland gehört.BÖF Büro für angewandte Ökologie und Forstplanung: Grunddatenerfassung zum FFH-Gebiet 4725-306 „Meißner und Meißner Vorland“.Regierungspräsidium Kassel: Standard-Datenbogen für besondere Schutzgebiete, erstellt im März 1998 und im Januar 2015 aktualisiert.

Lage mini|hochkant=1.6|Topographische Gebietskarte des FFH-Gebiets Meißner und Meißner Vorland mini|Blick vom Rösberg bei Rommerode auf den Westhang des Hohen Meißners Mit einer Höhe von 751,232 m ragt der Meißner als langgestreckter Bergrücken im nordhessischen Werra-Meißner-Kreis deutlich aus der ihn umgebenden Mittelgebirgslandschaft heraus. Der oft als „König der hessischen Berge“ bezeichnete Meißner erhebt sich um rund 600 m über der Werraniederung. Das Fauna-Flora-Habitat-Gebiet liegt innerhalb des Geo-Naturparks Frau-Holle-Land und erstreckt sich zwischen einer Höhenlage von rund 195 m am Krösselberg auf bis zu 740 m im Bereich unterhalb der Kasseler Kuppe. Das Plateau des Meißners, deren ehemalige Wiesen und Weiden am Ende des 19. Jahrhunderts großflächig mit Fichten aufgeforstet wurden, gehört überwiegend nicht zu dem aus mehreren Teilgebieten bestehenden Fauna-Flora-Habitat-Gebiet. Dieses umfasst die bereits ausgewiesenen Naturschutzgebiete „Bühlchen bei Weißenbach“, „Kripplöcher und Hielöcher“, „Meißner“ und „Quellgebiet der Weißen Gelster“ sowie die Westhänge des Meißners zwischen Trubenhausen und Velmeden, die Gegend zwischen dem Meißner und Küchen, die Hänge des Krösselsbergs, das Kupferbachtal und den Bereich um den Todstein nördlich von Abterode, das Schweinsbachtal mit seinen Hängen zwischen Eltmannshausen und Gut Mönchhof, die Offenlandflächen nordöstlich von Kammerbach und im Otterbachstal sowie Gebiete in der Karstlandschaft nördlich und südlich von Frankershausen mit dem Kressenborntal und den Magerrasen „Auf dem Stein“.Sieglinde und Lothar Nitsche: FFH-Gebiete im Werra-Meißner-Kreis. In: Lothar und Sieglinde Nitsche, Marcus Schmidt: Naturschutzgebiete in Hessen, schützen-erleben-pflegen. Band 3, S. 194 f.

Administrativ befinden sich die Flächen in den Gemarkungen von Dudenrode und Kammerbach der Stadt Bad Sooden-Allendorf, Eltmannshausen der Stadt Eschwege, Frankenhain und Frankershausen der Gemeinde Berkatal, Laudenbach, Trubenhausen, Uengsterode und Weißenbach der Stadt Großalmerode, Hausen, Küchen und Velmeden der Stadt Hessisch Lichtenau, Abterode, Alberode, Vockerode, Weidenhausen und Wolfterode der Gemeinde Meißner und Hasselbach der Stadt Waldkappel.

In der naturräumlichen Gliederung Deutschlands, die auf der Geographischen Landesaufnahme des Instituts für Landeskunde Bad Godesberg basiert, liegt das FFH-Gebiet in der Haupteinheitengruppe des Osthessischen Berglands (35). Der Kernbereich wird den Nördlichen Meißnervorbergen (357.80) und dem Hohen Meißner (357.81) zugeordnet. Nach Westen fällt das Gebiet in das Velmeder Tal (357.52) und nach Süden in das Waldkappeler Wehretal (357.54) ab. Sie sind alle Teileinheiten des Fulda-Werra-Berglands (357). Die östlichen Flächen gehören zu den Teileinheiten Meißner (358.03) und Weidenhäuser Hügelland (358.23) innerhalb des Unteren Werraberglands (358).Hans-Jürgen Klink: Blatt 112 Kassel. In: Naturräumliche Gliederung nach der Geographischen Landesaufnahme des Instituts für Landeskunde Bad Godesberg.

Geologie Der über einem Sockel aus den sedimentären Gesteinen der Trias, Buntsandstein und Muschelkalk, aufgebaute Bergstock erhielt sein heutiges Aussehen durch die Auswirkungen des tertiären Vulkanismus und der saxonischen Bruchschollentektonik aus der Kreidezeit. Sie begannen vor rund 145 Millionen Jahren, gegen Ende des Erdmittelalters, und währten bis in das späte Pliozän, vor etwa zwei Millionen Jahren. In diesem Zeitabschnitt der Erdgeschichte zerlegten umfangreiche Verschiebungen und Absenkungen innerhalb der Erdkruste den Untergrund der Hessischen Senke. Es bildeten sich mit dem Gelstertalgraben, der entlang des Westrands des Meißners verläuft, und der Störungslinie, die sich in südöstlicher Richtung zwischen Thüringer und Teutoburger Wald erstreckt, zwei Grabenbruchsysteme aus. An ihren Rändern drangen vor rund fünf Millionen Jahren, an der Wende vom Miozän zum Pliozän, basaltische Lavamassen an die Erdoberfläche und überdeckten den Untergrund. Durch Einwirkung von Druck und Hitze auf die überlagerten Sumpfwälder, die in dem damaligen tropischen bis subtropischen Klima in flachen Mulden wuchsen, entstand durch die Inkohlung des Holzes Braunkohle. Als Aufstiegsschlote des Magmas werden die Bereiche um Kitzkammer, Kalbe, Seesteine sowie um einen beim Kohleabbau entdeckten Basaltpfropf zwischen Bransrode und dem Friedrichstollen gedeutet. Der heißen Lava, die über die weiche Erdoberfläche floss und zu hartem, verwitterungsresistenten Basalt erstarrte, verdankt der Meißner seine gegenwärtige Form. Als „schützender Mantel“ deckte die vulkanische Gesteinsdecke, die heute eine Nord-Süd-Ausdehnung von rund vier Kilometern und eine Ost-West-Ausdehnung von etwa zwei Kilometern besitzt, die unter ihr lagernden Sande, Tone und Braunkohleschichten zu und verhinderte deren Abtragung. Die überhängenden Ränder an den Flanken des Basaltplateaus stürzten unter den periglazialen Bedingungen während der Eiszeiten ab und es entstanden die für den Meißner typischen großflächigen Blockhalden, die wegen ihrem Artenreichtum zu den wertvollsten Biotopen für Moose und Flechten in Mitteleuropa zählen.

Im östlichen Vorland dominieren neben unterschiedlichem Solifluktionsschutt die Ablagerungen des Zechsteins: Muschelkalk, Dolomit und Gips. Durch Abtragungs- und Auslaugungsprozesse von Gips- und Salzeinlagerungen im Zechstein entstand die Karstlandschaft um Frankershausen mit Erdfällen, Dolinen sowie herausragenden Felsen und Kuppen. Kleinflächig kommt auch Grauwacke und westlich des Meißners, bei Uengsterode und Laudenbach, Keuper vor. Im Nacheiszeitalter lagerten sich in Senken und Bachauen Löss, Lösslehm, Lehm und alluvialer Auelehm ab.Der Hohe Meißner. In: Adalbert Schraft: GeoTouren in Hessen. S. 510 f.Geologie In: Harry Träger und Clemens Marzela: Der Braunkohle-Bergbau am Meißner. S. 57 f.

Klima Das Meißnergebiet liegt im Übergangsbereich vom atlantisch zum mehr kontinental geprägten Klima. Bedingt durch die unterschiedlichen Höhenlagen und das vielfältige Relief des Meißners und seines Vorlands variieren die kleinklimatischen Verhältnisse jedoch sehr stark und weisen beachtliche Unterschiede auf. Das Klima auf der Hochfläche wird als kühl, feucht und windreich bezeichnet und ist mit dem in Mittelschweden vergleichbar. Das Plateau des Meißners hat die niedrigsten Temperaturmittel, die kürzeste Vegetationsperiode und die längste Schneebedeckung in der Region. Die ehemals oft bis in das Frühjahr reichende Schneekappe gab dem Berg vermutlich auch seinen ursprünglichen Namen „Wissner“. Die besonderen Bedingungen der Gipfellagen ermöglichen das Vorkommen zahlreicher montaner und borealer Arten, beispielsweise Echte Arnika (auch Bergwohlverleih genannt), Purpurreitgras und Wiesen-Knöterich. Im östlichen Vorland finden sich dagegen eher wärmeliebende Arten, zu denen die Kartäusernelke und einige Ragwurzen und Knabenkräuter zählen.

Wegen seiner Höhe und der Ausrichtung quer zu den vorherrschenden westlichen Winden erreichen die Niederschläge an der dem Wind zugewandten Seite und auf der Hochfläche ihre Maximalwerte, während sie nach Osten, im Regenschatten, abnehmen.

Kulturgeschichte

Der Name Meißner unterlag im Laufe der Jahrhunderte einem Wandel, was zu verschiedenen Erklärungsversuchen führte. Ursprünglich hieß er vermutlich Wissner oder auch Wissener, was mit Wiesenberg oder „der Weiße“ gedeutet wurde. Die Schreibweise veränderte sich später unter anderem von Wiesener über Wißner zu Weißner. Die heutige Form trat erstmals im 16. Jahrhundert auf. Den Namenszusatz „Hoher“ verdankt der Berg dem Ersten freideutschen Jugendtag, der als Alternativveranstaltung zum Fest zur Einweihung des Völkerschlachtdenkmals in Leipzig gedacht war. Im Oktober 1913 kamen rund dreitausend Menschen aus höchst unterschiedlichen Jugendgruppen, die mehr Freiheit und Selbstbestimmung einforderten, auf den Wiesen der Hausener Hute in freier Natur zusammen. Die Teilnehmer des Ereignisses berichteten später oft von der Aura des Ortes, den sie in ihren Schriften den Hohen Meißner nannten.Nordwestdeutsche Forstliche Versuchsanstalt und Hessen-Forst (Hrsg.) Hessische Naturwaldreservate im Portrait: Meißner; abgerufen am 18. März 2024.Sein Name. In: Hanna Wallbraun: Auf Entdeckungsreise am Hohen Meißner. S. 32.

Unter den früheren Landnutzungen auf dem Meißner und im Vorland waren die Viehwirtschaft auf Waldweiden und die Heugewinnung auf den Wiesen von großer Bedeutung. Die Bewohner der umliegenden Dörfer trieben ihr Vieh auf Triftwegen in die Waldungen. Durch den Verbiss der Tiere entstanden Huteflächen, die fast kahl waren. Die ausgedehnten ehemaligen Weiden auf dem Plateau wurden zwischen 1890 und 1900 zum größten Teil mit Fichten bepflanzt. Diese Fichtenforste gehören nicht zum FFH-Gebiet. Die heute noch vorhandenen Bergwiesen auf der Hochfläche gelten als Überbleibsel der ehemaligen Hutebeweidung. Sie werden zu artenreichsten und farbenprächtigsten Grünlandgesellschaften Hessens gezählt.