mini|Findling mit Inschrift zur Erinnerung an die Gründung des Schweizerischen Forstvereins 1843 in Langenthal Der Schweizerische Forstverein (SFV; (SFS); (SFS)) ist eine gemeinnützige Organisation in der Schweiz und der nationale Fachverband für Forstwirtschaft. Er wurde im Jahr 1843 gegründet und hat seinen Sitz in Pfäffikon.
Der SFV spielt als Vereinigung von Fachleuten kantonaler und kommunaler Forstbetriebe, öffentlicher und privater Waldbesitzer sowie von Personen und Institutionen der Forstwissenschaft eine wichtige Rolle für die Vermittlung von Informationen über den Zustand der Wälder in der Schweiz, über neue Methoden des Waldbaus und über ökologische Zusammenhänge und Entwicklungen in der Naturlandschaft und in den bewirtschafteten Sekundärbiotopen.
Zweck Der Schweizerische Forstverein setzt sich für eine auf forstwissenschaftliche Grundlagen gestützte, nachhaltige Pflege der Pflanzengesellschaften in den Wäldern ein, um die Holznutzung auch für spätere Generationen zu sichern und die allgemeinen Funktionen des Waldes als Teil der Landschaft, als Schutz vor Naturgefahren, als Grundlage der Biodiversität und der Trinkwasserreserven sowie als Erholungsraum zu fördern. Er organisiert Informations- und Fortbildungsangebote, Versammlungen und Exkursionen, publiziert eine Fachzeitschrift und andere Veröffentlichungen und engagiert sich in der Politik und gegenüber den Behörden für die Anliegen der Forstwirtschaft und für eine zweckmässige Forstgesetzgebung. Er unterstützt die Berufsausbildung der Forstfachleute.
Organisation Der Schweizerische Forstverein ist als Verein im Sinne des Schweizerischen Zivilgesetzbuches (ZGB) organisiert. Ihm gehören gemäss den Statuten von 1988 sowohl Einzelpersonen als auch Kollektivmitglieder wie z. B. Gemeinden, Forstbetriebe, Verbände und andere Fachvereine an. Schweizer Berufsleute aus den Fachbereichen Wald, Wildtiere, Landschaft, Naturgefahren, Naturschutz, Biodiversität und mit Fragen des Waldbaus vertraute Personen aus den Bereichen Raumplanung, Recht, Bauwirtschaft, Soziologie und Gesundheit können die Mitgliedschaft erhalten. Fachleute, die sich um das Forstwesen verdient machten, kann der Verein zum Ehrenmitglied ernennen.
Die Vereinstätigkeit wird von einem Vorstand geleitet, dem seit 2019 die Forstingenieurin Regina Wollenmann vorsteht.Regina Wollenmann wird erste Präsidentin des Schweizer Forstvereins auf zueriwald.ch, 2. September 2019, abgerufen am 24. März 2024. Für besondere Aufgaben sind eine Geschäftsstelle, eine Administrationsstelle, fachspezifische Arbeitsgruppen und die Redaktion der Vereinszeitschrift Schweizerische Zeitschrift für Forstwesen – Journal forestier suisse eingesetzt. Der Sitz des SFV befindet sich bei der Administrationsstelle in Pfäffikon, Kanton Schwyz, die von Lukas Denzler geführte Geschäftsstelle in Zürich. Der SFV führt für seine Dokumentationen ein Archiv.
Der SFV hat (Stand 2024) drei Expertengruppen eingesetzt: die Arbeitsgruppe «Wald und Wildtiere», die Arbeitsgruppe «Waldplanung und ‑management» und die Arbeitsgruppe «Waldbiodiversität».
Für die Redaktion der vom Verein herausgegebenen Schweizerischen Zeitschrift für Forstwesen sind (Stand 2024) der Umweltnaturwissenschaftler This Rutishauser, die Biologin und Politikerin Brigitte Wolf, die Forstingenieurin Christina Giesch und Thorsten Kaletsch, für die Version des E-Journal Alley Ulrich, Allen Press (USA) zuständig. Die Zeitschrift wird unterstützt durch das Bundesamt für Umwelt (BAFU), die Schweizerische Akademie für Naturwissenschaften (SCNAT) sowie die Kantone.
Geschichte 19. Jahrhundert mini|hochkant|Eingabe des Schweizerischen Forstvereins an den Bundesrat über den Zustand der Wälder und Probleme der Forstpolitik in der Schweiz Als eine Versammlung von Oberforstbeamten des Kantons Bern am 29. Januar 1843 die Idee zur Gründung eines nationalen Forstvereins unterstützt hatte, sandten der Oberförster, Berner Regierungsrat und Professor für Forstwissenschaften an der Universität Bern Karl Albrecht KasthoferAlbert Hauser: Zur Bedeutung Karl Kasthofers für die schweizerische Forstwirtschaft und Forstgeschichte des 19. und 20. Jahrhunderts. In: Schweizerische Zeitschrift für Forstwesen. 117. Jg., 1966, S. 879–899. und der Berner Forstfachmann und ehemalige bayerische Forstinspektor von Augsburg Gottlieb von Greyerz am 10. Februar 1843 an die ihnen bekannten Forstwarte in der Schweiz die Einladung zur Gründungsversammlung vom 27. bis 28. Mai 1843 in Langenthal. 42 Personen aus 6 Schweizer Kantonen – Förster, Forstinspektoren, grosse private Waldbesitzer und kantonale Oberförster – folgten dem Aufruf und konstituierten sich bei der Versammlung sogleich als Schweizerischer Forstverein. Sie setzten die Statuten des neuen Vereins in Kraft und bestimmten als erstes Vereinsorgan die Mittheilungen über Haus-, Land- und Forstwirthschaft für die Schweiz, eine Zeitschrift, die von der 1838 gegründeten Landwirthschaftlichen Gesellschaft im Kanton Aargau herausgegeben wurde.Schweizerische Zeitschrift für das Forstwesen. 1863, S. 26.G. Vögeli: Geschichte der Aargauischen landwirtschaftlichen Gesellschaft. In: Die Landwirtschaft im Kanton Aargau. Festschrift zur Feier des 100 jährigen Bestehens der Aargauischen landwirtschaftlichen Gesellschaft. Aarau 1911, S. XII.
Wie der schweizerische Verein entstanden um die Mitte des 19. Jahrhunderts noch andere regionale Forstvereine im deutschen Sprachraum, so zum Beispiel 1839 der Forstverein für das badische Oberland, 1847 der Sächsische Forstverein, 1851 der Verein Thüringer Forstwirte sowie der Forstverein österreichischer Alpenländer und 1852 der Forstverein für Tirol und Vorarlberg.Forstvereine. In: Meyers Großes Konversationslexikon. 4. Auflage, Band 6 (1887), S. 449–450.
Seit 1843 führte der Schweizerische Forstverein jedes Jahr in einer Stadt der Schweiz eine mehrtägige Vereinsversammlung durch, ausser in den Jahren 1845, 1848 und 1859, wo die politischen Verhältnisse – Freischarenzüge, Folgen des Sonderbundskriegs, Grenzbesetzung während der österreichisch-italienischen Kriege – die Zusammenkünfte verhinderten. Die ersten Tagungsorte lagen alle in der Deutschschweiz (Aarau, Solothurn, Zürich). Bis 1850 waren dem Verein erst drei Mitglieder aus der Romandie beigetreten, darunter waren der bedeutende Forstwissenschaftler und Botaniker Albert Davall von Vevey und sein Vater Edmond Davall (1793–1860), ein Offizier und Forstfachmann, der die erste Jahrestagung des Vereins in der Westschweiz im Juni 1853 in Lausanne und eine Exkursion in den Joratwald leitete.J. Barbey: Les forestiers Davall. In: Schweizerische Zeitschrift für Forstwesen. Bd. 104, 1953, S. 391–395. Mit dem etappenweisen Bau der Eisenbahnlinien in den 1850er Jahren wurde die Reise zu den Versammlungen einfacher. Durch die in der Zeitschrift veröffentlichten Protokolle wurden stets neue Informationen über aktuelle forstwirtschaftliche Probleme der Schweiz veröffentlicht. In jedem Kanton sammelten Mitglieder des Vereins Informationen über die Forstwirtschaft der RegionenSammlung forststatistischer Notizen für die Schweiz. In: Schweizerisches Forst-Journal. 1951, S. 230–232. und berichteten an den Versammlungen und mit Artikeln in der Zeitschrift über die kantonale Forstgeschichte.
Weil sich Schweizer Berufsanwärter in der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts nur an Fachschulen wie der führenden Königlich-Sächsischen Forstakademie in Tharandt, der Land- und Forstwirtschaftlichen Akademie Hohenheim und dem Polytechnikum Karlsruhe oder in grossen Forstdomänen im Ausland zu Förstern ausbilden konnten,Markus Matthias Neuhaus: Forstliche Wissenschaftsgeschichte des langen 19. Jahrhunderts – Institutionalisierung forstlicher Ausbildung in Baden und Württemberg. Dissertation Albert-Ludwigs-Universität Freiburg im Breisgau. 2014. verfügten die Gründer des Schweizerischen Forstvereins über gute Beziehungen zu dortigen Lehrpersonen. Einige davon wurden von der Vereinsversammlung zu Ehrenmitgliedern gewählt. Bis 1860 zählten unter anderen folgende Personen zu dieser Gruppe: Edmund von Berg, Direktor der Forstakademie zu Tharandt in Sachsen (heute Fachbereich Forstwissenschaften der TU Dresden) August Cotta, Forstinspektor und Professor an der Forstakademie zu Tharandt Karl Gebhard, fürstlich Fürstenbergischer Forstrat, DonaueschingenRichard Hess: Gebhard, Karl. In: Allgemeine Deutsche Biographie. Bd. 8, 1878, S. 480 Wilhelm Heinrich von Gwinner, Administrator der hohenzoller’schen Besitzungen Böhmen, Bistritz (heute in Tschechien) Gustav Heyer, Oberförster, Professor an der Universität Giessen Adolphe Parade, Schüler der Forstakademie zu Tharandt, Direktor der königlichen Forstschule École royale forestière zu Nancy, Frankreich (seit 1965 Teil der École nationale du génie rural, des eaux et des forêts) Max Pressler, Professor der Mathematik an der Forstakademie zu Tharandt
Schon bald nach dem SFV wurden auch in ersten Schweizer Kantonen regionale Forstvereine gegründet, zum Beispiel der Bernische Forstverein 1845 und die Société vaudoise de Sylviculture (Kanton Waadt) 1853. Andere Kantonalvereine bildeten sich ein halbes Jahrhundert später so wie der St. Galler Forstverein 1899, der Bündner Forstverein 1901 und die Société Neuchâteloise des Forestiers (Kanton Neuenburg) 1909.
1849 beschloss der Schweizerische Forstverein auf seiner Jahresversammlung in Burgdorf, eine eigene Publikationsreihe herauszugeben, und veröffentlichte ab dem folgenden Jahr die Zeitschrift «Schweizerisches Forst-Journal»,Schweizerisches Forst-Journal auf e-periodica.ch. deren Redaktion zuerst in den Händen von Karl Albrecht Kasthofer und seit dem zweiten Jahrgang bei Walo von Greyerz, dem langjährigen Forstverwalter von Lenzburg, lag. 1856 wurde für die Westschweiz eine französischsprachige Version der Reihe eingeführt. Kasthofer widmete schon das erste Heft vom Januar 1850 wichtigen Fragen der Schweizer Forstwirtschaft. Er wies auf einen Missstand hin, mit dem sich der Schweizerische Forstverein seit seiner Gründung und auch in den folgenden Jahrzehnten immer wieder zu befassen hatte: dass nämlich gerade in einigen Kantonen im Hochgebirge, wo die Wälder eine wesentliche Funktion zum Schutz von Siedlungen und Kulturland haben, gar keine staatliche Forstwirtschaft oder Waldaufsicht vorhanden war und die Gemeinden und Korporationen wegen der vorherrschenden Weidewirtschaft nichts gegen die Übernutzung der Wälder unternahmen: «Die Entwaldung, deren verderbliche Folgen wir beklagen, ist vielmehr die Folge der gegenwärtigen Betriebsart der Alpenwirthschaft, der unbeschränkten Viehweide, der fehlerhaften, die natürliche Besaamung vereitelnden Führung der Holzschläge.»Schweizerisches Forst-Journal, 1850, Heft 1, 1850, S. 13. Nach den Bemerkungen zum Zustand des Waldbaus in der Schweiz stellte Kasthofer programmatisch die forstwirtschaftlichen Themen vor, deren sich die Redaktion der Zeitschrift annehmen wolle: «Da in mehreren Kantonen noch keine Forstwirthschaft besteht, und in den mehrsten die Volksbegriffe über ihre Zwecke sehr mangelhaft oder irrig sind, so geben wir schliesslich die Uebersicht ihrer verschiedenen Zweige mit Bezug auf die der Schweiz eigenthümlichen Verhältnisse und Bedürfnisse.»Schweizerisches Forst-Journal, 1850, Heft 1, 1850, S. 20.