rechts|125px|Wappen der Stadt Kitzingen Die Liste von Persönlichkeiten der Stadt Kitzingen enthält alle Personen, die mit der unterfränkischen Stadt Kitzingen in Verbindung stehen. So werden alle berühmten, in der Stadt und ihren Stadtteilen geborenen Personen aufgezählt. Ebenso sind hier die Ehrenbürger des Ortes versammelt. Eine dritte Liste verzeichnet Persönlichkeiten, die mit Kitzingen verbunden sind oder hier lange Zeit wirkten.

Personalgeschichte der Stadt Kitzingen Kitzingen war im Mittelalter eine der drei einwohnerreichsten Städte im heutigen Unterfranken und brachte bereits in dieser Zeit eine Vielzahl an berühmten Persönlichkeiten hervor. In der feudalen Gesellschaft des Mittelalters hatten vor allem die Mitglieder des regionalen Adels die Chance, in bedeutende Positionen zu gelangen. Der Aufstieg zur Stadt war in Kitzingen eng mit dem Benediktinerinnenkloster verknüpft, das bereits im 8. Jahrhundert gegründet wurde. Mit dem Kloster ist, neben der Verwaltungs- und Repräsentationsarbeit der Äbtissinnen, auch das Wirken einiger Heiliger verbunden. Dazu gehört vor allem die heilige Hadeloga, deren Existenz zwar belegt ist, die allerdings lediglich in späteren Zuschreibungen als erste Äbtissin von Kitzingen ausgemacht wurde. Im Hochmittelalter war das Kloster ein geistliches Zentrum im Heiligen Römischen Reich. Hier wurde die heilige Elisabeth von Thüringen erzogen.

Die Stadt entwickelte sich im Laufe des Spätmittelalters zu einem Treffpunkt für Humanisten. In Kitzingen wurde mit Konrad Stürtzel der unter Kaiser Maximilian I. amtierende Hofkanzler des Heiligen Römischen Reiches geboren und der Wiener Geograph Ladislaus Sunthaym schuf um 1500 eine ausführliche Stadtbeschreibung. Die Annahme des lutherischen Bekenntnisses erfolgte in Kitzingen früh und wurde von Friedrich Bernbeck und Paul Eber vorangetrieben. Die ursprünglich fürstbischöflich würzburgische Stadt gelangte durch Verpfändung im Jahr 1443 an die Markgrafen von Brandenburg-Ansbach, die der evangelischen Konfession anhingen. Diese Geschichte führte zu einer starken konfessionellen Durchmischung, wobei sich im 16. Jahrhundert die Oberschicht der Stadt überwiegend aus Lutheranern rekrutierte.Erdmann Weyrauch: Die politische Führungsschicht Kitzingens vornehmlich im 16. Jahrhundert. In: Ingrid Bátori, Erdmann Weyrauch: Die bürgerliche Elite der Stadt Kitzingen. Studien zur Sozial- und Wirtschaftsgeschichte einer landesherrlichen Stadt im 16. Jahrhundert (= Spätmittelalter und Frühe Neuzeit Bd. 11). Klett-Cotta Verlag, Stuttgart 1982, ISBN 3-12-911610-9. S. 266–274.

Infolge des Dreißigjährigen Krieges, der für Kitzingen mit vielen Zerstörungen und großen Bevölkerungsverlusten einherging, verloren die Markgrafen ihren Einfluss über die Stadt. Die Würzburger Fürstbischöfe mussten allerdings eine lutherische Gemeinde im jetzt wieder mehrheitlich katholischen Kitzingen tolerieren. Dadurch entstand die im Barockzeitalter typische, konfessionelle Durchmischung der Stadtbevölkerung. In Kitzingen siedelten sich viele lutherische Künstler an, die von den Würzburger Fürstbischöfen auf den Baustellen in der Bistumsmetropole Würzburg herangezogen wurden. Der heutige Stadtteil Sickershausen entwickelte sich zeitgleich zu einem Anlaufpunkt für Botaniker wie den Odenwälder Christian Gottfried Daniel Nees von Esenbeck oder Ernst Friedrich Berger, die hier ihre Forschungen betrieben.

Mit der Industrialisierung im 19. Jahrhundert stieg die Stadt zu einem bedeutenden Zentrum für verschiedene Wirtschaftsbereiche auf. Allerdings setzten in Kitzingen diese Entwicklungen später ein und blieben, aufgrund des weiterhin vorherrschenden Konflikts zwischen den Konfessionen auch auf einem lediglich lokal bedeutsamen Niveau stehen.Christian Wolfsberger: Kitzingen. Kommunalpolitik und Modernisierung einer bayerischen Stadt 1818–1918 (= Mainfränkische Studien Bd. 72). zugl. Diss. Hart Druck, Würzburg 2005. S. 206. Dennoch brachte die Stadt mehrere Kaufleute und Unternehmer hervor. Bei der Rekrutierung des Nachwuchses spielte das 1871 gegründete Gymnasium eine große Rolle, das sich allerdings aus einer bereits im Spätmittelalter etablierten Lateinschule entwickelt hatte. Als typische Vertreter dieser Ära können die Vertreter der Familie Deuster gelten. Sie konnten durch den wirtschaftlichen Erfolg in den Adel des Königreichs Bayern aufsteigen und besetzten schließlich auch politische Ämter. Aus der Stadt gingen Landräte und Abgeordnete hervor.

Zu Beginn des 20. Jahrhunderts gehörte Kitzingen zu den Städten im Deutschen Kaiserreich, in denen eine besonders große jüdische Minderheit lebte und deren Vertreter vor allem als Weinhändler tätig waren. Der Aufstieg des Nationalsozialismus erfolgte in der lutherisch geprägten Stadt bereits früh. Die nach der sogenannten Machtergreifung begonnene Verfolgung und Vernichtung Andersdenkender führte zu einem Niedergang der Stadt Kitzingen und einer unter rassischen Vorzeichen eingeleitete Homogenisierung der Bevölkerung. Allerdings erlebte Kitzingen nach dem Zweiten Weltkrieg einen schnellen Wiederaufstieg. Hierzu trug auch die lange Tradition als Krankenhausstandort bei. Bis heute werden viele Persönlichkeiten, die im Umland der Stadt aufwachsen, in der Geburtsstation der Klinik zur Welt gebracht.

Liste von Persönlichkeiten Söhne und Töchter der Stadt Es wurden alle Personen aufgenommen, die in Kitzingen und seinen Ortsteilen geboren wurden und überregionale Bedeutung erlangten. Daneben sind auch Personen versammelt, die lediglich in Kitzingen selbst wirkten, aber einen Einfluss auf die Geschichte der Stadt hatten. Nicht aufgelistet sind die Mitglieder der Adels- und Bürgergeschlechter, die in Kitzingen und den Ortsteilen ihren Sitz hatten. Sie brachten vor allem im Mittelalter und der Frühen Neuzeit wichtige Persönlichkeiten hervor. mini|hochkant|Paul Eber auf seinem Epitaph in Wittenberg mini|hochkant|Georg Anton Abraham Urlaub auf einem Selbstbildnis Konrad Stürtzel (* um 1435 in Kitzingen, † 1509), Jurist und Hofkanzler unter Kaiser Maximilian I. Michael Lancz (* um 1470 in Kitzingen, † 1523), Maler, Lancz wirkte in der polnischen Hauptstadt Krakau. Thomas Zweifel (* um 1485 in Kitzingen, † 1540), Stadtschreiber, Zweifel wirkte als Schreiber und Syndikus in Rothenburg ob der Tauber und verarbeitete hier den Bauernkrieg in Form einer Quellenchronik. Kilian Goldstein (* 25. März 1499 in Kitzingen, † 25. Januar 1568 in Halle (Saale)), Jurist, Hochschullehrer an der Universität Halle und Politiker. Friedrich Bernbeck (* 1511 in Kitzingen, † 20. Januar 1570 in Kitzingen), Bürgermeister und Gestalter der Reformation in Kitzingen. Paul Eber (* 8. November 1511 in Kitzingen, † 10. Dezember 1569 in Wittenberg), Theologe, ab 1560 Landesbischof des Kurfürstentums Sachsen, Kirchenliederdichter und Reformator. Christoph FlurheimDeutsche Biographie: Flurheim, Christoph, abgerufen am 30. März 2024. (gen. 1528), Schriftsteller, Flurheim schuf mehrere Gesangbücher in deutscher Sprache. Johann Stössel (* 23. Juni 1524 in Kitzingen; † 18. März 1576 in Senftenberg), evangelischer Theologe und Reformator, Superintendent in Jena. Georg Seyfridt der Jüngere (* um 1531 in Kitzingen, † 1566 in Nördlingen), Arzt, Seyfridt wurde Leibarzt des Markgrafen Georg Friedrich I. Georg Besserer (* 7. Oktober 1544 in Kitzingen, † 20. April 1604 in Simmern), evangelischer Theologe, Hofprediger des Markgrafen Georg Friedrich I. Mathias Tinctorius (* 27./28. Oktober 1568 in Kitzingen, † 10. Mai 1632 in Hüfingen), Notar und Richter, wurde in einem Hexenprozess in Hüfingen hingerichtet. Michael Virdung (* 5. Juni 1575 in Kitzingen, † 28. Oktober 1637 in Altdorf bei Nürnberg), Dichter, seit 1605 hatte Virdung die Professur für Rhetorik an der Altdorfer Universität inne. Bartholomäus DietwarKitzingen: Stadtgeschichte, abgerufen am 1. April 2024. (* 7. September 1592 in Kitzingen, † 20. August 1670 in Segnitz), Pfarrer in Hofheim, Stierhöfstetten, Gnodstadt und Segnitz, Chronist des Dreißigjährigen Krieges. Johann Michael Fehr (* 9. Mai 1610 in Kitzingen, † 15. November 1688 in Schweinfurt), Arzt und Gründungsmitglied der Leopoldina. Christoph ColerDeutsche Biographie: Colerus, Christophorus, abgerufen am 4. April 2024. (* um 1572 in Kitzingen, † um 1651), Philologe und Jurist, Colerus gab unter anderem eine Ausgabe von Tacitus’ „Germania“ heraus. Johann Paul Codomann (* 3. September 1656 in Kitzingen, † 20. April 1716 in Kitzingen), Maler, Codomann schuf unter anderem Altarblätter für die barocke Abteikirche in Münsterschwarzach. Johann Konrad Brandenstein (* 1. August 1695 in Kitzingen, † 21. November 1757 in Stadtamhof), Orgelbauer, Brandenstein wirkte vor allem in der Stadt Regensburg und ihrem Umland. Johann Kaspar Barthel (* 10. Juni 1697 in Kitzingen, † 8. April 1771 in Würzburg), katholischer Kirchenrechtler und Hochschullehrer, Barthel wirkte als Kirchenrechtsprofessor an der Universität Würzburg. Johann Michael BachmannLudwig-Maximilians-Universität München: Bayerisches Musikerlexikon Online, abgerufen am 17. April 2024. (* 2. Dezember 1699 in Kitzingen, † 23. Oktober 1757 in Würzburg), Musikschriftsteller, Sänger, Gesanglehrer und Herausgeber. Johann Joseph Emmert (* 27. November 1732 in Kitzingen, † 20. Februar 1809 in Würzburg), Lehrer, Musiker, Komponist und Kapellmeister. Georg Anton Abraham Urlaub (* 31. Dezember 1744 in Kitzingen, † 31. August 1788 in Mainz), Maler, Urlaub wirkte vor allem als Porträtmaler und malte Persönlichkeiten über die Konfessionsgrenzen hinweg. Georg Ernst Kletten (* 13. April 1759 in Kitzingen, † 22. Oktober 1827 in Wien), Mediziner, Chirurg und Hochschullehrer an der Universität Greifswald. Johann Philipp Kirch (* 27. November 1767 in Kitzingen; † 6. Dezember 1829 in Karlsruhe), römisch-katholischer Geistlicher und Schriftsteller Karl RuttaDeutsche Biographie: Rutta, Karl, abgerufen am 30. März 2024. (* 24. Dezember 1776 in Kitzingen, † 1837 in Würzburg), Geistlicher, Mitglied des Geistlichen Rates im Hochstift Würzburg, Dompfarrer in Würzburg Friedrich von Greis (* 27. Mai 1779 in Kitzingen, † 6. Februar 1847 in Würzburg), Militär, Greis wirkte als Generalmajor der bayerischen Armee. Johann Georg Bausback (* 29. März 1780 in Kitzingen, † 1. September 1851 in Bamberg), Jurist, Bausback arbeitete in Bamberg als Gerichtsrat und veröffentlichte mehrere rechtsdidaktische Werke. Georg Ernst VendDeutsche Biographie: Vend, Georg Ernst, abgerufen am 30. März 2024. (* 1781 in Kitzingen, † 1831), Mediziner, Vend wirkte als Stadtphysikus von Würzburg und veröffentlichte eine Vielzahl an medizinischen Schriften. Joseph Heim (* 1784 in Kitzingen, † nach 1862), Hofmusiker in Würzburg, Geiger und Bratschist. Franz von Soden (* 12. August 1790 in Kitzingen, † 17. Oktober 1869 in Nürnberg), Oberstleutnant und Historiker, Soden wirkte als Lokalhistoriker in Nürnberg. Michael Friedrich Reinhard (* 24. Juni 1793 in Kitzingen, † 20. April 1867 in Neustadt an der Saale), Kaufmann und Landtagsabgeordneter, Reinhard war zwischen 1849 und 1855 Karl Ferdinand Schmauß (* 1807 in Kitzingen, † 1879), Weinhändler, Kunstsammler und MalerHeiner Dikreiter: Kunst und Künstler in Mainfranken. Ein Beitrag zum mainfränkischen Kunstschaffen im 19. und 20. Jahrhundert (= Mainfränkische Hefte 18). Volkach 1954. S. 21 f. Friedrich Anton Reuß (* 18. September 1810 in Kitzingen, † 4. März 1868 in Nürnberg), Arzt, Philologe und Bibliothekar, Reuß stand als Direktor der Universitätsbibliothek in Würzburg vor. Alexandre Laemlein (* 9. Dezember 1813 in Hohenfeld, † 27. April 1871 in Pontlevoy, Département Loir-et-Cher), Maler und Lithograf, Dozent an der École spéciale de dessin de Paris. Friedrich Spiegel (* 11. Juli 1820 in Kitzingen, † 15. Dezember 1905 in München), Orientalist, Iranist und Kenner des Zendavesta. Paul von Braun (* 16. September 1820 in Kitzingen, † 26. Februar 1892 in Speyer), kgl. bay. Staatsminister, Paul von Braun war Staatsrat und Regierungspräsident der Pfalz.