mini|Das Goldene Tor in Kiew, fast komplett rekonstruiert, um das Jahr 1100 mini|Die verschiedenen Bauwerke des Kiewer Höhlenklosters stammen aus unterschiedlichen Epochen und bieten durch ihre Stile einen Einblick in die Geschichte der Ukraine und die reiche Handwerkskunst, die in dieser langen Zeit entwickelt wurde.
Die ukrainische Architektur hat ihre ersten Wurzeln im ostslawischen Staat der Kiewer Rus. Nach der mongolischen Invasion der Kiewer Rus setzte sich die ausgeprägte Architekturgeschichte im Fürstentum Galizien-Wolhynien sowie später im Großfürstentum Litauen fort. Während der Epoche der Saporoger Kosaken, entwickelte sich unter dem Einfluss des Polnisch-Litauischen Staatenbundes ein für die Ukraine einzigartiger Stil.
Nach der Vereinigung mit dem russischen Zarenreich begann sich die Architektur in der Ukraine in unterschiedliche Richtungen zu entwickeln. Im größeren östlichen Teil, vom russischen Zartum beherrscht, entstanden Bauwerke nach dem Stil der russischen Architektur dieser Zeit, während sich das westliche Galizien unter österreichisch-ungarischen architektonischen Einflüssen entwickelte, wobei in beiden Fällen schöne Beispiele der jeweiligen Richtung entstanden. Ukrainische Nationalmotive kamen während der Zeit der Sowjetunion in Gebrauch und werden in der heutigen unabhängigen Ukraine verwendet.
Epoche der Kiewer Rus (988–1230) links|mini|Kirche des Heiligen Pantaleon (Panteleimon) in Schewtschenkoje von 1194 mini|Die Verklärungskathedrale in Tschernihiw stammt aus dem Jahr 1030 (links), die nahe gelegene Boris-und-Gleb-Kathedrale aus dem Jahr 1123 (rechts).
Der mittelalterliche Staat der Kiewer Rus war der Vorläufer der modernen Staaten Ukraine, Russland und Belarus und ihrer jeweiligen Kulturen, einschließlich der Architektur.
Die großen Kirchenbauten und deren Architektur, die nach der Annahme des Christentums im Jahr 988 errichtet wurden, waren die ersten Beispiele für monumentale Architektur in den ostslawischen Ländern. Der sich schnell durchsetzende architektonische Stil des Kiewer Staates zog starke Einflüsse von der byzantinischen Architektur. Die frühen ostorthodoxen Kirchen wurden hauptsächlich aus Holz gebaut, wobei die einfachste Form der Kirche als Zellenkirche bekannt wurde. Große Kathedralen wiesen oft zahlreiche kleine Kuppeln auf, was einige Kunsthistoriker dazu veranlasste, dies als Hinweis auf vorchristliche heidnische slawische Tempel zu werten.
Mehrere Beispiele dieser Kirchen sind bis heute erhalten. Im Laufe des 16. bis 18. Jahrhunderts wurden jedoch viele von ihnen äußerlich im ukrainischen Barockstil umgebaut. Beispiele dafür sind die große Sophienkathedrale (das Jahr 1017 ist die früheste Erwähnung der Grundsteinlegung), die Erlöserkirche in Berestove (erbaut von 1113 bis 1125) und das St.-Kyrill-Kloster (12. Jahrhundert). Sie alle sind noch in der ukrainischen Hauptstadt zu finden.
Während des späten 19. Jahrhunderts wurden mehrere Gebäude rekonstruiert, darunter die 1160 erbaute und 1896–1900 rekonstruierte Mariä-Himmelfahrt-Kathedrale in Wolodymyr, die 1201 erbaute und in den späten 1940er Jahren rekonstruierte Piatnyzka-Kirche in Tschernihiw und das 1037 erbaute und 1982 rekonstruierte Goldene Tor in Kiew. Die Rekonstruktion des Goldenen Tores stellte einen Streitpunkt unter Kunst- und Architekturhistorikern dar, von denen einige die Rekonstruktion als Fantasie einer Wiedergeburt beschrieben. mini|Mariä-Himmelfahrt-Kathedrale in Wolodymyr Von der Architektur der Kiewer Rus sind nur wenig weltliche oder traditionelle Beispiele erhalten geblieben.
Epoche der Kosaken (17. und frühes 18. Jahrhundert) mini|hochkant|St.-Georgs-Kathedrale des Wydubyzkyj-Klosters, Kiew (1696) links|mini|Eine Kirche in Subotiw, dem Geburtsort des ukrainischen Hetman Bohdan Chmelnyzkyj mini|Khanpalast von Bachtschyssaraj
Ukrainischer Frühbarock Der ukrainische Barock entstand während der Ära des Hetmanats im 17. und 18. Jahrhundert. Die ukrainische Barockarchitektur, die für die Kosakenaristokratie repräsentativ ist, unterscheidet sich vom westeuropäischen Barock dadurch, dass ihre Entwürfe konstruktiver waren, eine gemäßigtere Ornamentik aufwiesen und eine einfachere Form hatten.
Im 17. und 18. Jahrhundert wurden die meisten mittelalterlichen Kirchen der Rus erheblich umgestaltet und erweitert. Es wurden unter anderem zusätzliche Kirchenkuppeln sowie aufwendige Außen- und Innenverzierungen hinzugefügt.
Berühmte Beispiele der ukrainischen Barockarchitektur sind z. B. der Kiewer Mariä-Himmelfahrt-Komplex, das Wydubyzkyj-Kloster und das Mariä-Entschlafens-Kloster.
Krimtatarische Architektur In der Zeit, als die Krim vom Khanat der Krim regiert wurde, entstanden mehrere von islamischen Motiven inspirierte Bauwerke. Das berühmteste war der Bachtschyssaraj-Palast, der von persischen, türkischen und italienischen Architekten gemeinsam entworfen wurde.
Ukrainischer Spätbarock Rekonstruktion der Sophienkathedrale Bahnhof Kyjiw-Passaschyrskyj
Epoche der Kaiserreiche (spätes 18. und frühes 19. Jahrhundert) mini|hochkant|Die St.-Andreas-Kirche, ein berühmtes Beispiel der Barockarchitektur aus dem 18. Jahrhundert
Russisches Kaiserreich Mit der zunehmenden Integration der Ost- und Zentralukraine in das Russische Kaiserreich hatten russische Architekten die Möglichkeit, ihre Projekte in der malerischen Landschaft zu verwirklichen, die viele ukrainische Städte und Regionen boten. Die Kiewer St.-Andreas-Kirche (1747–1754), erbaut von Bartolomeo Rastrelli, ist ein bemerkenswertes Beispiel für barocke Architektur, und ihre Lage auf dem Kiewer Berg machte sie zu einem erkennbaren Denkmal der Stadt. Ein ebenso bemerkenswerter Beitrag von Rastrelli war der Marienpalast, der als Sommerresidenz für die russische Kaiserin Elisabeth gebaut wurde. links|mini|Marienpalast Während der Herrschaft des letzten Hetman der Ukraine, Kirill Rasumowski, entstanden in vielen Städten des Kosaken-Hetmanats wie z. B. in Hluchiw, Baturyn und Koselez prachtvolle Projekte, die von dem zum Architekten Kleinrusslands ernannten Andrei Kwassow erbaut wurden.
Das Russische Reich, das mehrere Kriege gegen das Osmanische Reich und dessen Vasallen das Krim-Khanat gewonnen hatte, annektierte schließlich den gesamten Süden der Ukraine und die Krim. Nach einer Umbenennung der Region in Neurussland, wurden die Gebiete kolonisiert und neue Städte wie Mykolajiw, Odessa, Cherson und Sewastopol entstanden. In diesen Städten wurden bemerkenswerte Beispiele der kaiserlich-russischen Architektur errichtet. Beispiele für die neoklassizistische Architektur dieser Epoche sind der Kachaniwka-Palast, das Mykolaiwer Observatorium, das Verklärungskloster in Nowhorod-Siwerskyj und das Samtschyki-Gut.
Österreich-Ungarisches Kaiserreich In den westlichen Teilen der Ukraine, die einst zur österreichisch-ungarischen Monarchie gehörten, finden sich einige herausragende Beispiele mitteleuropäischer Architektur des 19. Jahrhunderts, wie die Nationaloper Lwiw. mini|Nationaloper Lwiw
Traditionelle Architektur Der Begriff der traditionellen Architektur kann austauschbar mit den Begriffen „volkstümlich“, „gewöhnlich“, „heimisch“ und „vernakulär“ verwendet werden und steht in der Regel am anderen Ende des Spektrums als das professionell von Architekten entworfene Bauwerk. Das Bauwissen in der traditionellen Architektur beruht auf lokalen Traditionen und somit weitgehend auf dem Wissen, das von Generation zu Generation meist mündlich oder teilweise schriftlich weitergegeben wird. Verschiedene Regionen in der Ukraine besaßen ihren eigenen unverwechselbaren Stil der traditionellen Architektur. In den Karpaten und den umliegenden Vorgebirgen beispielsweise sind Holz und Lehm die wichtigsten traditionellen Baumaterialien.
Für die Bewahrung dieser traditionellen Bauarten der Ukraine setzen sich mehrere Einrichtungen ein z. B. das Museum der Volksarchitektur und Lebensweise am mittleren Dnepr in Perejaslaw oder auch das Museum für Volksarchitektur und Brauchtum der Ukraine im Rajon Holossijiw, Kiew. Das Museum der Volksarchitektur und Lebensweise am mittleren Dnepr beherbergt so zum Beispiel: 13 verschiedene Themenmuseen, 122 Beispiele nationaler Architektur und über 30.000 historische Kulturgüter.
Beispiele ukrainischer Architektur
Holzkirchen in der Westukraine
Architektur des späten 19. und frühen 20. Jahrhunderts Zentral- und Südukraine Ginzburg-Haus in Kiew Haus mit den Chimären in Kiew Rus-Byzantium in der Ukraine (Wladimirkathedrale) in Kiew Nationaloper der Ukraine in Kiew Heimatmuseum (Semstwo-Gebäude) in Poltawa Historisches Zentrum von Odessa – UNESCO-Weltkulturerbe
Westukraine
Historisches Zentrum von Lwiw – UNESCO-Weltkulturerbe Gebäude der Czernowitzer Universität – UNESCO-Weltkulturerbe Bahnhof Lwiw
Ära der Sowjetunion (1917–1991) Nach der Oktoberrevolution und dem russischen Bürgerkrieg, an dem auch die Ukraine beteiligt war, wurde der größte Teil des ukrainischen Territoriums in die neue kommunistische Ukrainische SSR eingegliedert. Zum ersten Mal wurden die Ukrainer als Nation anerkannt, und infolgedessen wurden große Anstrengungen unternommen, einen eigenen ukrainischen Architekturstil zu entwickeln.
Hauptstadt: Charkiw (1917–1934) mini|Der riesige Freiheitsplatz in Charkiw vereint frühe konstruktivistische und spätere stalinistische Merkmale. Er war das erste große Architekturprojekt der Sowjetukraine. In den ersten Jahren der sowjetischen Herrschaft wurden viele ukrainische Architekten durch die Ukrainisierungspolitik ermutigt, nationale Motive zu verwenden, die nur in der Ukraine vorkommen. Gleichzeitig wurde die Architektur standardisiert und alle Städte erhielten allgemeine Bebauungspläne, nach denen sie bebaut werden sollten. Die nationalen Motive wurden jedoch nicht aufgegriffen, da sich der Konstruktivismus als neue Hauptarchitekturform innerhalb der Führungsriege der Ukrainischen Sowjetrepublik etablierte.
In der sowjetischen Ukraine war die Hauptstadt in den ersten 15 Jahren die östliche Stadt Charkiw. Sofort wurde ein großes Projekt entwickelt, um das bürgerlich-kapitalistische Gesicht der Stadt zu „zerstören“ und ein neues, sozialistisches zu schaffen. Ein talentierter junger Architekt, Wiktor Trozenko, schlug einen großen zentralen Platz mit großen modernen Gebäuden vor, der zum zentralen Mittelpunkt der Hauptstadt werden sollte. So entstand in den Jahren von 1926 bis 1931 der Dserschinskij-Platz (heute Platz der Freiheit), der ein Beispiel konstruktivistischer Architektur in der UdSSR und im Ausland werden sollte. Mit einer Gesamtfläche von 11,6 ha ist er heute der drittgrößte Platz der Welt.
Das berühmteste von allen war das massive Derschprom-Gebäude (1925–1928), das nicht nur zu einem Symbol für Charkiw, sondern für den Konstruktivismus im Allgemeinen wurde. Das von den Architekten Sergei Serafimow, Samuil Krawez und Mark Felger errichtete Gebäude wurde in nur drei Jahren zum höchsten Bauwerk Europas und zeichnet sich durch eine Symmetrie aus, die nur an einem Punkt, nämlich in der Mitte des Platzes, zu spüren ist. Als Tribut an die Ingenieurskunst der Technischen Universität von Charkiw war keiner der Versuche, das Gebäude während des Zweiten Weltkriegs zu sprengen erfolgreich und es ist bis heute das Symbol von Charkiw geblieben.
Andere Beispiele auf dem Platz hatten jedoch weniger Glück. So war das Schicksal des Hauses der Projekte (der heutigen Universität Charkiw), das ebenfalls von Serafimow entworfen und zur Symmetrierung des Derzhprom auf der Krümmung des Platzes gebaut wurde. Es stellte ebenfalls eine monumentale Leistung des Konstruktivismus dar. Während des Krieges wurde es jedoch schwer beschädigt und in einem halbstalinistischen Stil wiederaufgebaut, bei dem nur wenig vom ursprünglichen Gebäude erhalten blieb.
Hauptstadt: Kiew (1934–1991)