mini|Berglandschaft am Chasseral Der Parc régional Chasseral (oder Parc Chasseral, deutsch Regionaler Naturpark Chasseral, oder einfacher: Naturpark Chasseral) ist sowohl eine Schweizer Landschaftsschutzorganisation als auch ein 474 Quadratkilometer grosser Naturpark im Juragebirge in den Kantonen Bern und Neuenburg, der 2012 vom Bund als Park von nationaler Bedeutung anerkannt wurde. Sein Zweck ist es, die Qualität der Naturlandschaft und der historischen Kulturlandschaft zu erhalten und bekanntzumachen, nachhaltige Wirtschaftsformen zu fördern und die Öffentlichkeit über Aspekte des Umwelt- und des Naturschutzes zu informieren.

Das Parkgebiet erstreckt sich von der Mitte des Kantons Neuenburg über die Gebirgslandschaft rund um den Höhenzug Chasseral bis an das Nordufer des Bielersees und über das Einzugsgebiet der Schüss sowie die Jura-Hauptwasserscheide hinaus auf einen Abschnitt der Freiberge (frz. Franches-Montagnes). Im Areal sind zahlreiche Schutzgebiete ausgewiesen. Am Nordrand stösst die Fläche des Parc Chasseral an das Gebiet des Naturparks Parc du Doubs an.

Organisation und Geschichte mini|Saint-Imier Träger des Naturparks ist der Verein Parc régional Chasseral mit Sitz in der Berner Gemeinde Saint-Imier. 23 Gemeinden schlossen sich, nach kommunalen Volksabstimmungen, als Vertragspartner mit dem Verein zusammen (Stand 2024); 20 davon liegen im Verwaltungskreis Berner Jura und drei im Kanton Neuenburg. Die Zahl der Neuenburger Parkgemeinden war anfänglich grösser, verringerte sich jedoch mit der Fusion von 15 kleinen Ortschaften 2013 zur Grossgemeinde Val-de-Ruz. Ausserdem gehören dem Parkverein 78 unterschiedliche Institutionen und 163 Einzelmitglieder an. Zur Finanzierung des Naturparks tragen hauptsächlich der Bund, die beiden Kantone Bern und Neuenburg, die Parkgemeinden und private Geldgeber bei.

Schon um 1997 bereitete eine private Organisation die Gründung eines Naturparks in der Landschaft am Chasseral vor. 2001 gründete der Regionalverein Association régionale Jura-Bienne, der 1978 als Gemeindeverband entstanden war,Association régionale Jura-Bienne (ARJB) auf diju.ch, abgerufen am 21. März 2024. zu diesem Zweck den neuen Verein Parc régional Chasseral. Dieser forderte die Gemeinden im Gebiet des vorgesehenen Parks und andere Interessierte offiziell und erfolgreich zum Beitritt auf; um 2009 gehörten schon 29 Gemeinden, 78 Institutionen und 163 Einzelmitglieder dem Verein an, der seinen Sitz in der zentral gelegenen Ortschaft Saint-Imier einrichtete. mini|Orvin, Mitgliedsgemeinde des Naturparks Chasseral Als 2007 die nationale Verordnung über die regionalen Naturpärke erlassen wurde, anerkannte der Bund 2008 den Verein als Kandidaten für das staatliche Label «Regionaler Naturpark».Parc régional Chasseral (PRC) auf diju.ch, abgerufen am 12. März 2024. 2012 erhielt der Naturpark die offizielle Anerkennung durch den Bund. Eine professionell geführte Geschäftsstelle nahm die Tätigkeit auf. In den folgenden Jahren verringerte sich die Zahl der Parkgemeinden durch mehrere Gemeindefusionen und 2016 beschloss die Stadt Biel wegen allgemeiner Sparmassnahmen, ihren vorher für besondere Projekte des Naturparks jahrelang ausgerichteten Beitrag aus dem städtischen Haushalt zu streichen. Seit 2022 ist der neue, für zehn Jahre gültige Parkvertrag in Kraft, dem wieder alle Gemeinden im Gebiet zustimmten.

Die Mitgliedgemeinden des Naturparks sind (Stand 2024): Corgémont, Cormoret, Cortébert, Courtelary, Enges (NE), Evilard, La Neuveville, Lignières (NE), Mont-Tramelan, Nods, Orvin, Péry-La Heutte, Plateau de Diesse, Renan, Romont, Saint-Imier, Sauge, Sonceboz-Sombeval, Sonvilier, Tramelan, Twann-Tüscherz, Val-de-Ruz (NE), Villeret.

Nachdem sich inzwischen weitere Gemeinden in kommunalen Plebisziten für den Anschluss an den Naturpark entschieden haben, ist eine bedeutende Erweiterung des Parkgebiets im Jahr 2025 vorgesehen.

Der Naturpark ist offiziell zweisprachig. Die östliche Grenze der Parklandschaft fällt ungefähr mit der Sprachgrenze zwischen der französischsprachigen Westschweiz und dem Sprachraum des Schweizerdeutschen, genauer des nördlichen Berndeutschen, zusammen. Twann-Tüscherz, Magglingen, das zur Gemeinde Evilard gehört, und Ligerz (Mitglied ab 2025) sind die einzigen deutschsprachigen Ortschaften im Naturpark. Der Juraraum vom Bielersee bis zu den Freibergen war früher dialektgeografisch gesehen eine Begegnungszone der älteren romanischen Umgangssprachen Frankoprovenzalisch und Franc-Comtois, die im 20. Jahrhundert praktisch ganz vom Französischen verdrängt wurden. Nur einzelne Orts- und Flurnamen im Gebiet überliefern noch Elemente aus dem Wortschatz der früheren Sprachen.

Geografie mini|Bergweiden am Mont Racine Die Gebirgslandschaft des Parc régional Chasseral umfasst mehrere ganz unterschiedliche Naturräume. Das namengebende Chasseralmassiv mit dem Berggipfel auf im Zentrum des Parks dominiert den Nordwestschweizer Faltenjura. Die Antiklinale Chasseral-Mont d’Amin-Tête de Ran beginnt im Südwesten an der Areuseschlucht und setzt sich im Nordosten ausserhalb des Parkgebiets bis in den Kanton Solothurn fort. Parallel dazu folgen auf beiden Seiten kürzere und weniger hohe Antiklinalen, die Seekette im Südosten mit einem steilen Berghang bis zum Bielersee () hinunter und die Montagne-du-Droit-Kette im Nordwesten.

Südöstlich des Chasseral liegt das Hochplateau des Tessenbergs. Von den Gemeinden in der Uferlandschaft am Bielersee und am Jurasüdfuss sind die Stadt La Neuveville und Twann-Tüscherz Mitglieder des Parks (Stand 2024); dazwischen liegt die kleine Gemeinde Ligerz, die sich 2025 der Parkorganisation anschliesst. Die Sankt Petersinsel im Bielersee gehört zum Territorium von Twann-Tüscherz und somit ebenfalls zur Parklandschaft.

Nördlich der Chasseralkette erstreckt sich das Sankt-Immer-Tal (frz. Vallon de Saint-Imier) über 27 Kilometer in ostnordöstlicher Richtung; der Talboden liegt bis zu 900 Meter tiefer als der Berg. Die Schüss entwässert das Tal von der Gemeinde Renan () bis Péry-La Heutte () und durchquert die Chasseral-Antiklinale in der Klus von Rondchâtel; danach passiert der Fluss ausserhalb des Naturparks die Taubenlochschlucht und die Stadt Biel, wo sie in den Bielersee mündet. mini|Mont Soleil mit Solarkraftwerk Im Norden schliesst die Montagne du Droit-Kette das Sankt-Immertal ab. Sie kulminiert im Bergrücken des Mont Soleil () und wird von der Passstrasse des Mont Crosin () überschritten. Nördlich davon gehört der bernische Abschnitt an der Hochebene der Freiberge bis zur Grenze zum Kanton Jura zum Parkgebiet, dessen nördlichste Gemeinde Tramelan auf liegt. Westlich der Freiberge und des Sankt Immertals stösst die Parklandschaft mit der Kantonsgrenze zwischen Bern und Neuenburg an das Gebiet der Stadt La Chaux-de-Fonds an, die ebenfalls nicht zu den Parkgemeinden gehört. Südlich davon umfasst der Naturpark das weite Neuenburger Hochtal Val de Ruz mit der 2013 neu gebildeten Grossgemeinde Val-de-Ruz, die mit einer Fläche von 124 Quadratkilometern bei weitem die grösste Parkgemeinde ist. Im Süden grenzt Val-de-Ruz an die ebenfalls nicht dem Naturpark angeschlossene Stadt Neuenburg, die Hauptstadt des gleichnamigen Kantons. Nordöstlich von Neuenburg liegen am Berghang unter der Chasseralkette die anderen beiden Neuenburger Parkgemeinden Enges und Lignières.

Die Schüss im Kanton Bern und der Seyon im Kanton Neuenburg sind die einzigen Flüsse im Parkgebiet. Auf dem stark verkarsteten Gebirgsboden sind kaum Oberflächengewässer zu finden. Von den Zuflüssen der Schüss sind etwa der Pichoux, dessen Wasserfall eine Sehenswürdigkeit ist, der Terbez und die Orvine zu erwähnen. Die Ebene des Tessenbergs südlich des Chasseral wird vom Ruisseau de Vaux und vom Twannbach zum Bielersee entwässert. Durch die wilde Twannbachschlucht führt ein erlebnisreicher Wanderweg.

Geologie mini|Klus von Rondchâtel Mesozoische Sedimentgesteine aus der Jurazeit und der darauffolgenden Kreidezeit bilden den Untergrund der Gebirgslandschaft im Chasseralgebiet. Während der Entstehung der Alpen wurden die mächtigen Schichten aus Kalkstein gegen Nordwesten gedrückt und zu hohen Falten verformt und stellenweise zerrissen und übereinandergeschoben. Dabei entstanden allmählich die heute noch vorhandenen Bergketten des Faltenjuras, von denen die Chasseral-Antiklinale eine der markantesten ist.

Im Westen des Parkgebiets wurden die stark beanspruchten Gesteinsschichten entlang einer Bruchlinie getrennt, die von Süden nach Norden verläuft und die Gebirgsketten durchschneidet. Das Gestein wurde auf der Ostseite viel weiter verschoben, so dass zwischen Renan und La Chaux-de-Fonds die Täler und Bergketten unterbrochen sind. Die auffällige Verwerfung wird französisch als décrochement de La Ferrière bezeichnet.Philippe Bourquin: Atlas géologique de la Suisse 1:25'000. Feuilles 114 Biaufond, 115 Les Bois, 116 La Ferrière, 117 St-Imier. Notice explicative. Bern 1946, S. 20.

Niederschläge und Gewässer erodierten schon vor der Entstehung des Juragebirges andauernd den Kalkstein und setzen den Prozess der Verkarstung seither unablässig fort. Auf der Chasseralkette, der Montagne du Droit und den Freibergen sind an vielen Stellen zahlreiche Dolinen (Einsturztrichter) zu sehen. Ein besonders grosses Schluckloch haben die Gewässer in der Moorlandschaft Chaux d’Abel geschaffen. In den umliegenden Tälern tritt das unterirdisch abfliessende Wasser in Karstquellen wieder an die Oberfläche, so wie bei der Quelle der Dou und in der Merlinquelle. mini|Karstquelle der Dou Als die Auffaltung der Jurahöhen begann, lagerten frühe Flüsse in Senken und den langsam entstehenden Tälern Molassesandstein ab, der heute den Untergrund der Talböden und einiger Stellen auf den Hochebenen ausmacht und mit seiner geringen Durchlässigkeit die Entstehung von Moorböden begünstigte. Wegen der Ausbeutung und Trockenlegung der Torfmoore sind davon nur noch kleine Reliktflächen vorhanden, die seit dem 20. Jahrhundert als Schutzgebiete ausgewiesen sind.

Die Bergketten sind entlang der Flüsse von tiefen Quertälern durchschnitten. Im Chasseralgebiet gibt die Klus von Rondchâtel Einblick in den Gebirgsaufbau, und die Steinbrüche von Reuchenette in dieser Klus und im Gebiet La Tscharner westlich davon haben zusätzliche geologische Strukturen zugänglich gemacht.

Im Eiszeitalter erreichte der aus den Alpen vorstossende Walliser Gletscher mehrmals die Südseite des Juras. Bei mindestens einer frühen Kaltphase floss das hoch aufgestaute Eis aus den Alpen stellenweise sogar über die Bergketten nach Norden. Die höchsten Partien des Gebirges waren zeitweise von lokalen Juragletschern bedeckt. Von den Gletschervorstössen aus den Alpen zeugen Findlinge auf den Anhöhen wie zum Beispiel der Felsblock im Weidegebiet Jobert oberhalb von Orvin. Von der letzten Eiszeit stammen Seitenmoränen und andere Findlinge, die an vielen weniger hohen Stellen im Gebiet des Naturparks Chasseral zu sehen sind.

Vegetation mini|Bergwald in der Schlucht Combe Grède Bis auf die Höhe von etwa ist das Berggebiet am Chasseral bewaldet; über der natürlichen Waldgrenze liegt der Bergrücken mit Felsformationen und Trockenrasen, der einer extensiven Weidewirtschaft dient. Die hohe Berglandschaft mit einem rauen Klima ist reich an alpinen Stauden, die dort seit der letzten Eiszeit als Relikte überlebten.Maurice Thiébaud: La flore de Chasseral. Ses éléments alpins. In: Les Alpes, 1957. Zu erwähnen sind etwa der Gelbe Enzian, die Zwerg-Glockenblume, die Türkenbundlilie, der Berg-Hahnenfuss, Krokusse, das Gold-Fingerkraut, der Zweiblättrige Blaustern, der Alpenrachen, die Alpen-Wiesenraute, der Alpen-Blasenfarn, das Alpen-Weidenröschen und die Alpen-Anemone.