mini|Überprüfung eines Bohrlochkopf über einer Rohöllagerstätte im Untergrund bei Bryan Mound, südlich von Houston an der Golfküste. Das DOE betreibt vier (früher fünf) Lagerstätten als Teil der Strategic Petroleum Reserve (SPR). Die maximale, autorisierte Lagerkapazität der vier Speicher umfasst 714 Mio. Barrel. Aufnahme c. 1970er Jahre. Als strategische Ölreserve bezeichnet man eine strategische Bevorratung von Erdöl, Benzin, Heizöl (Kraftstoffen) und Erdöl-Zwischenprodukten. Die Reserve dient dazu, einen potenziellen, kurzfristigen Erdöl-Versorgungsengpass eines Landes oder Staatengemeinschaft zu überbrücken. In vielen Staaten ist die Erdölbevorratung wegen ihrer volkswirtschaftlichen und sicherheitspolitischen Bedeutung gesetzlich geregelt.

Geschichte

Seit der Entdeckung großer Ölvorkommen im Süden der Vereinigten Staaten wurde Kohle als vorrangiger Energieträger durch Erdöl abgelöst. Kaum einer der für die menschliche Gesellschaft elementaren Lebensbereiche in den Industrienationen, insbesondere Landwirtschaft und Transport kommt heute ohne Erdölprodukte aus.

Da historisch ein großer Teil der Lagerstätten in der Region des Nahen Osten konzentriert ist, z. B. das größte Ölfeld der Welt, Ghawar, muss das Öl über weite Wege mit Öltankern zu den Raffinerien und Abnehmern, wie der chemischen Industrie, transportiert werden. Pipelines werden vor allem für die Transporte zu Land, z. B. aus Russland (vgl. Erdölleitung Freundschaft), eingesetzt.

1973 stieg der Ölpreis auf Grund einer politisch motivierten Minderung der Erdölförderung durch die Organisation erdölexportierender Länder (OPEC) rapide an. Weil es bis dahin keine Vorratsspeicherung an Erdöl gab, konnte dem nicht entgegengewirkt werden. Daraufhin wurde die Internationale Energieagentur (IEA) von 16 Industrienationen (Stand 2026: 32 Mitglieder) gegründet, welche die Energiepolitik koordinieren und eine zuverlässige Energieversorgung sicherstellen sollte.Erneuerbare Energien und Klimaschutz. Hintergründe - Techniken - Anlagenplanung - Wirtschaftlichkeit von Volker Quaschning, Hanser Fachbuch, 2013, S. 40

Strategische Erdölvorräte (Übersicht) Die Reserven einiger Staaten werden seit der Gründung der Internationalen Energieagentur (IEA) im Jahr 1974 als Folge der ersten Ölkrise von dieser für ihre 32 Mitglieder verwaltet. Diese Notfallölreserven der IEA-Mitglieder umfassen (Stand 2026) circa 1.200 Millionen Barrel (bbl) und weitere 600 Mio. bbl „Industriereserven“ werden im Rahmen staatlicher Vorgaben gehalten.

Die Reserven der USA werden als Strategic Petroleum Reserve (SPR) bezeichnet, welche Rohöl als auch Erdölprodukte einbeziehen. Sie liegen (Stand 2026) unter 500 Mio. bbl von maximal rund 700 Millionen bbl. Die US-amerikanischen SPR erreichten den Füllstand von 500 Mio. bbl im Jahr 1986 und hielten diesen Wert bis 2021, da es im Jahr 2022 zu einer großen Freigabe kam. Die nächste große Freigabe folgte 2026 im Zuge des Irankriegs und reduzierte den Füllstand des SPR auf ca. 240 Mio. bbl, den niedrigsten Stand seit 44 Jahren. Die Reserven wurden ab 1982 datentechnisch erfasst.

Freigaben Im Zuge von verschiedenen Energiekrisen und anderen Notfällen hat die IEA historisch bereits mehrere Freigaben von Öl beschlossen.

2000er Jahre Nach der Katastrophe durch den Hurrikan Katrina im Jahr 2005 und dem folgenden starken Ölpreisanstieg wurden ca. 450.000 m³ freigegeben.

2010er Jahre Auch im Rahmen des Bürgerkriegs in Libyen 2011 und der ausfallenden Ölproduktion des Landes wurden Ölreserven freigegeben. Presseerklärung der IAE vom 23. Juni 2011 Auch wurden von der Bundesregierung ebenfalls Reserven freigegeben. Deutschland beteiligte sich an der Freigabe von Ölreserven durch die Internationale Energieagentur mit ca. 4,3 Mio. Barrel (bbl).

Im Oktober 2018, als infolge der Dürre und Hitze in Europa 2018 der Rheinpegel stark sank und somit Schiffe nicht mehr voll beladen werden konnten, gab die Bundesregierung begrenzte Mengen der Reserve frei. vom 24. Oktober 2018

2020er Jahre Aufgrund des russisch-ukrainischen Kriegs gaben verschiedene Mitgliedstaaten der IEA sowie die USA Reserven im Millionenbereich frei. Laut Angaben wurde Notölreserven in Höhe von 60 Mio. Barrel (bbl) im Rahmen des steigenden Ölpreises freigegeben.

Im Jahr 2022 wurden circa 187 Mio. bbl (Administration Biden) und als Folge des Irankriegs im Jahr 2026 rund 400 Mio. bbl durch die IEA freigegeben. Weitere Informationsquellen sprechen von 426 Mio. bbl. Letztere Freigabe stellt die größte Freigabe von Öl aus Vorräten seit der Gründung der Organisation dar. Nach Angaben planen die USA (Administration Trump II), rund 172 Mio. bbl innerhalb von 120 Tagen freizugeben. Dies reduziert die Reserven (SPR) auf rund 240 Mio. bbl.

Dies geschieht vor dem Hintergrund, dass im Nahen Osten ein großer Teil der Welterdölproduktion von den Mitgliedern der Organisation erdölexportierender Länder (OPEC) bzw. den Golf-Kooperationsrat (GCC)-Staaten stammt. Beispielsweise ist Ghawar das größte Erdölfeld der Welt und wird seit den 1950er Jahren durch Saudi Aramco ausgebeutet.

Durch die Straße von Hormus laufen etwa 1/5 des weltweit zu See beförderten Erdöls. Diese o. g. 400 Mio. bbl Freigabe entsprechen einem Volumen von etwa 20 Tagen Öltransport durch die Straße von Hormus, d. h. 20 Mio. bbl pro Tag. Davon sind rund 14,9 Mio. Barrel aufbereitetes Rohöl und 4,9 Mio. Barrel Erdölprodukte wie Naphtha, Benzin, Diesel und Kerosin. Weitere (vom Export blockierte) Produkte sind Dünger oder Heliumgas. Am globalen Energieverbrauch gemessen machen die Lieferungen durch die Straße von Hormus rund 2,5 % aus.

Der Direktor der IEA, Fatih Birol, fasst zusammen: Wegen den beiden Ölkrisen der 1970er Jahren gingen jeweils fünf Millionen Barrel (bbl) pro Tag verloren. Seit dem Beginn des Irankriegs am 28. Februar 2026 sind bis zum 23. März 2026 rund 11 Mio. Barrel pro Tag verloren gegangen und warnte vor den Folgen für die Weltwirtschaft. Zwischenzeitlich kommt es zu einem Ölpreisschock (vgl. auch Energiekrise) und Rohöl steigt auf über 100 USD pro Barrel, was wiederum die Kraftstoffpreise (speziell Diesel) in die Höhe getrieben hat.

Im Mai 2026 äußerte sich Energy Secretary Chris Wright, man werde die Reserven mit 1,2 Barrel je freigelassenes Barrel wieder auffüllen.

Strategische Reserven einiger Länder Deutschland 2011 umfassten die Vorräte in Deutschland 25 Mio. Tonnen. 13,4 Mio. t entfallen auf Rohöl und 11,8 Mio. t auf Erdölprodukte (Angaben für 2005). Mit diesem Volumen soll der deutsche Erdölbedarf im Notfall für mindestens 90 Tage gedeckt werden. Die Vorratsstätten für Rohöl befinden sich überwiegend in 1.000 bis 1.500 m Tiefe in Kavernenspeichern in Niedersachsen. Diese wurden in geologischen Salzformationen speziell für diesen Zweck angelegt. Ein großer Teil der Ölreserven befindet sich in der Kavernenanlage Etzel der Firma IVG. Die Reserven an Erdöl-Zwischenprodukten werden oberirdisch in bundesweit verteilten Tankbehältern vorgehalten. Der Wert der Reserven erreicht bei einem Ölpreis von 70 US-Dollar pro Barrel etwa elf Milliarden Euro.

Unabhängig von der strategischen Reserve bestand früher eine so genannte Bundesrohölreserve aus 7,32 Mio. t, die von 1974 bis 1981 aufgebaut wurde und in künstlich angelegten Speicherkavernen in der Nähe von Wilhelmshaven, Bremen, Hamburg und weiteren Orten gelagert wurde. 1997 wurde von der damaligen Bundesregierung der Verkauf dieser Reserve angeordnet. Heute sind an verschiedenen Standorten in der Bundesrepublik verschiedene Mineralölprodukte, wie Benzin, Dieselkraftstoff, Heizöl, Kerosin und Schweröl gelagert, die, weil schon raffiniert, kurzfristig einsetzbar sind.

Obwohl sich die Bevorratungspflicht des Erdölbevorratungsverbandes auf 90 Tage beläuft, ist der Gesamtvorrat an Rohöl und Ölprodukten in Deutschland wesentlich höher. Das Land verfügte Ende 2021 über 267 Mio. Barrel (etwa 35 Mio. Tonnen) gewerbliche und staatliche Ölreserven. Sie könnten rechnerisch die Gesamtversorgung für 117 Tage gewährleisten.https://www.greenpeace.de/publikationen/Oelembargo_statt_Kriegsfinanzierung.pdf Hohe Mengen werden freiwillig von den Verbrauchern, besonders im Heizölbereich gelagert. Weiterhin besitzen Raffinerien operative Bestände zur Sicherstellung ihres Produktionsbetriebes.

Erdölbevorratungsverband

Gesetzliche Grundlage für die Erdölbevorratung und den Erdölbevorratungsverband (EBV) ist das „Gesetz über die Bevorratung mit Erdöl und Erdölerzeugnissen (Erdölbevorratungsgesetz – ErdölBevG)“. vom 16. Januar 2012 ()

Die Ölreserve wird vom EBV organisiert und überwacht. Im EBV sind alle in der EU, der Schweiz oder Norwegen ansässigen Unternehmen Pflichtmitglieder, die Öl einführen oder verarbeiten,§ 13 Abs. 1 ErdölBevG insbesondere die großen Mineralölkonzerne. Der EBV ist eine Körperschaft öffentlichen Rechts, die 1978 von den in Deutschland tätigen Mineralölkonzernen gemeinsam mit den mittelständischen Mineralölimporteuren und unter Mitwirkung der Bundesregierung gegründet wurde, nachdem die Bundesregierung bereits 1966 die Konzerne dazu verpflichtet hatte, auf eigene Kosten eine strategische Erdöl-Notreserve zu schaffen, mit der die Ölversorgung der Bundesrepublik Deutschland in Kriegs- und Krisenzeiten vorübergehend gesichert werden kann.Gesetz über Mindestvorräte an Erdölerzeugnissen vom 9. September 1965 () Der EBV hat seinen Verwaltungssitz in Hamburg. Der sogenannte Bevorratungsbeitrag ist in Höhe von ca. 0,5 Cent pro Liter auf den Preis von Benzin, Diesel und Heizöl festgelegt. Der EBV darf die Reserven nur auf Weisung des Bundeswirtschaftsministers und nur zum aktuellen Marktpreis veräußern. Ein Mitspracherecht haben die IEA und die EU. 1991 wurde ein Teil der deutschen Ölreserven während des Golfkrieges verkauft, als das Fass 30,55 Dollar kostete.

Österreich Die Ölreserve Österreichs betrug für das Jahr 2011 2,918 Mio. t Öl und Ölprodukte, die die Versorgung des Landes für 90 Tage abdecken sollen. Die Vorratsmenge wird jährlich an den durchschnittlichen 90-Tage-Verbrauch des Vorjahres angepasst. Verantwortlich ist die Erdöl-Lagergesellschaft. Die gesetzliche Grundlage ist das „Bundesgesetz über die Haltung von Mindestvorräten an Erdöl und Erdölprodukten“ (Erdölbevorratungsgesetz 2012 – EBG 2012). Davor war das „Bundesgesetz vom 21. Oktober 1982, BGBl. Nr. 546, über die Haltung von Notstandsreserven an Erdöl und Erdölprodukten und über Meldepflichten zur Sicherung der Energieversorgung (Erdöl-Bevorratungs- und Meldegesetz 1982)“ gültig.

Einer der seltenen Zugriffe auf die Reserve erfolgte im Juni, Juli und September 2022, nachdem eine Havarie in der einzigen Raffinerie Österreichs etwa 80 % der Treibstoffproduktion lahmlegte und ein mehrmonatiger Ausfall der beschädigten Anlage absehbar war. Die Bundesregierung gab in drei Raten insgesamt 373 000 t Diesel, Benzin und Halbfabrikate frei. Danach reichte der Treibstoffvorrat nur noch für 65 Tage. Nachdem die reparierte Raffierieanlage am 7. Oktober wieder in den Vollbetrieb ging, war die Reserve bis Ende November 2022, früher als erwartet, bereits wieder auf 79 Tagesbedarfe angewachsen. Bis zum Jahresende wird ein Füllstand von etwa 97 % der vollen Kapazität erwartet.

Im April 2026 erfolgte infolge der durch die Konflikt an der Straße von Hormus stark gestiegenen Öl- und Treibstoffpreise eine Freigabe von 56 000 t Rohöl, entsprechend 2 % der Gesamtvorräte. Die daraus gewonnenen Produkte dürfen nur innerhalb Österreichs verkauft werden.

Schweiz Die Schweiz lagert Öl in Form von Benzin, Diesel, Flugbenzin und Heizöl. Diese Reserven decken den Bedarf für viereinhalb Monate. Der Bestand wurde in den 1940er-Jahren angelegt und seitdem erstmals 2005 wegen der Folgen des Hurrikans Katrina angerührt.

Japan