Dijon ist eine Stadt mit Einwohnern (Stand ) im Osten Frankreichs. Sie ist die Hauptstadt des Départements Côte-d’Or und der Region Bourgogne-Franche-Comté.

Dijon ist ein Verkehrs-, Handels- und Industriezentrum und Sitz der Université de Bourgogne, die 1722 gegründet wurde. Die Stadt ist berühmt für ihren Senf und ein wichtiger Handelsplatz für Burgunderweine.

Geografie mini|Klimadiagramm von Dijon Dijon liegt am Westrand der Saône-Ebene und am Fuß des nördlichen Ausläufers der Côte d’Or. Durch die Stadt fließen die Ouche und der Suzon; sie liegt am Canal de Bourgogne, der die Stadt mit der Saône und der Yonne verbindet.

Geschichte Antike Die frühesten Funde im Gebiet der heutigen Stadt Dijon stammen aus der Hallstattzeit, einer Epoche der Eisenzeit. In gallo-römischer Zeit existierte hier nur ein relativ unbedeutender Ort,Dijon. In: Larousse online. der den Namen Divio (Varianten: Diviodunum, Dibio, Castrum divionense) trug. Er lag an der Grenze der civitates der Lingonen und HaeduerYves Lafond: Divio. In: Der Neue Pauly. doi:10.1163/1574-9347_dnp_e321770. und gehörte zur Provinz Gallia Belgica. Der Missionar Benignus von Dijon, der nach christlicher Überlieferung lange in Dijon gewirkt hatte, soll hier im 2. oder 3. Jahrhundert den Märtyrertod erlitten haben.

Literarisch ist der Ort erst bei frühmittelalterlichen Autoren bezeugt. Gregor von Tours berichtet, dass Aurelian den Ort befestigt habe.Gregor von Tours: Zehn Bücher Geschichten. 3, 19. Diesen Schritt unternahm der römische Kaiser wohl um 273 n. Chr. wegen anhaltender Germaneneinfälle. Laut Gregor lag die einen Umfang von etwa 1200 m aufweisende befestigte Siedlung nördlich der Ouche und wurde vom Suzon durchflossen, mit dessen Wasserkraft Mühlen betrieben wurden. Unweit westlich des Orts befanden sich fruchtbare Weinberge. In der Nähe verlief auch die Via Agrippa, eine von Lyon (lat./keltisch Lugdunum) nach Trier (lateinisch Augusta Treverorum) führende Römerstraße.

Mittelalter mini|Château de Dijon (1512) mini|Palais des Ducs an der Place de la Libération mini|Palais de Justice mini|Fachwerkhaus und Zierbrunnen Fontaine du Bareuzai an der Place François Rude In den 470er Jahren gelangte Dijon unter die Herrschaft der Burgunden.Reinhold Kaiser: Die Burgunder. Kohlhammer, Stuttgart 2004, ISBN 3-17-016205-5, S. 53. Im Jahr 500 besiegten die Franken unter Chlodwig I. die Burgunden unter Gundobad in der Schlacht bei Dijon.Marius von Avenches, Chronik, ad annum 500; Gregor von Tours, Zehn Bücher Geschichten 2, 32; dazu Reinhold Kaiser: Die Burgunder, 2004, S. 60 f. und Sebastian Scholz: Die Merowinger. Kohlhammer, Stuttgart 2015, ISBN 978-3-17-022507-7, S. 51. 525 erfolgte hier die Gründung der mächtigen Abtei Saint-Bénigne. Es ist anzunehmen, dass Dijon auch Standort einer Königspfalz der Merowinger war. 737 wurde Dijon durch die Sarazenen, 888 durch die Normannen eingeäschert.

Zur Zeit der Karolinger kam Dijon im 9. Jahrhundert unter die Herrschaft der Bischöfe von Langres, von denen es die Grafen von Dijon zu Lehen hatten. Nachdem der letzte dieser Grafen 1007 verstorben war, gelangte die Stadt 1016 durch Kauf in den Besitz des Königs Robert II. des Frommen, der sie in das Herzogtum Burgund eingliederte und zu dessen Metropole machte. 1032 kam Dijon mit Burgund als Apanage an die Prinzen der Herrscherdynastie der Kapetinger. In Dijon wurden drei Kirchenversammlungen (Concilia Divonensia), 1077, 1116 und 1199, abgehalten.

Am 28. Juni 1137 zerstörte eine Feuersbrunst die Stadt, welche unter Herzog Hugo II. erneut aufgebaut wurde. Herzog Hugo III. erteilte Dijon 1187 das Stadtrecht und die Vorstadt Saint-Bénigne wurde mit einer Stadtmauer umgeben und eingegliedert. In dieser Zeit wurde auch das Krankenhaus der Charité gegründet. Durch die erwähnte Stadtrechtverleihung und die Abhaltung einer großen Messe nahm die Bedeutung von Dijon im 12. Jahrhundert zu.

Nachdem Philipp I. von Burgund 1361 gestorben war, übergab der französische König Johann II. der Gute 1364 das Herzogtum Burgund mit Dijon als Hauptstadt an seinen Sohn, Philipp den Kühnen. Dieser erwarb 1377 einige Grundstücke vor den Toren der Stadt und errichtete 1384 die Chartreuse de Champmol, ein Kartäuserkloster und die künftige Grabstätte der Herzöge von Burgund.

Im Gegensatz zu den anderen Teilen seines Reichs verwaltete Philipp der Kühne Burgund selbst und etablierte einen ihn bei dieser Regierungstätigkeit unterstützenden ständigen Rat, der in Dijon tagte. Die Stadt war auch der Ort der zeitweilig erfolgenden Zusammenkunft einer 1386 gegründeten, u. a. aus Delegierten des Adels und der größeren Städte bestehenden Ständeversammlung, die nur vom Herzog einberufen werden konnte.Joachim Ehlers: Geschichte Frankreichs im Mittelalter. Darmstadt 2009, ISBN 978-3-89678-668-5, S. 288. Unter Philipp dem Kühnen und seinen Nachfolgern, die alle aus dem Haus Valois stammten und von 1364 bis 1477 über Burgund herrschten, erlebte Dijon eine kulturelle Blütezeit. Es war eine Residenz dieser Herzöge, deren glänzender Hof Musiker und Künstler anzog.

Nach dem Tod von Karl dem Kühnen im Januar 1477 ließ der französische König Ludwig XI. Burgund besetzen. Im Juni 1477 kam es in Dijon zu einem spontanen Aufstand, der sich im Land ausbreitete, aber rasch vom zum Statthalter Burgunds ernannten Charles d’Amboise gedämpft wurde. Ludwig XI. ließ ab 1478 eine Festung (das Château de Dijon) auf der heutigen Place Grangier errichten, von dem keine Überreste erhalten sind. Dieses sollte, ebenso wie die Burgen von Beaune und Auxonne, seine Herrschaft über das Herzogtum Burgund militärisch absichern. 1510 wurde die Festung vollendet. Später wurde sie Gefängnis und 1887 abgerissen; in der Mitte des freien Platzes wurde ein Postgebäude errichtet. Ludwig XI. ließ auch das Parlament für Burgund aus dem aufständischen Beaune nach Dijon transferieren. Der König besuchte am 31. Juli 1479 persönlich die Stadt, wo er in der Kirche Saint-Bénigne den Lehnseid seiner neuen Untertanen entgegennahm und die Privilegien Dijons bestätigte.Joseph Calmette: Die großen Herzöge von Burgund. dt. Ausgabe Eugen Diederichs Verlag, München 1996, ISBN 3-424-01312-9, S. 346 f. Das Parlament, das bis zur Französischen Revolution 1789 existierte, erhielt 1524 einen eigenen Flügel am Palais de Justice. Die Seitenflügel wurden später barock umgestaltet.

Neuzeit mini|Place Darcy und Porte Guillaume mit Straßenbahntriebwagen (vor 1919) mini|Empfangsgebäude des Bahnhofs an der Place da la Gare (vor 1911) mini|Zerstörter Bahnhof Dijon-Ville (1944) mini|Von der Wehrmacht beim Abzug gesprengte Brücke über den Canal de Bourgogne (September 1944) Dijon war 1513 dem Angriff von 20.000 Schweizern und Deutschen ausgesetzt (Dijonerzug). Der französische Statthalter Louis II. de La Trémoille musste nach wenigen Tagen kapitulieren, weitgehend die eidgenössischen Forderungen erfüllen und eine hohe Kriegsentschädigung versprechen, woraufhin das Belagerungsheer wieder abzog. In den Hugenottenkriegen stand die Stadt stets auf Seite der Katholiken, blieb aber von den Massakern im Gefolge der Bartholomäusnacht (1572) verschont. Sie unterwarf sich 1595 König Heinrich IV.

Im 17. und 18. Jahrhundert begann der Aufstieg zu einer Großstadt. Besonders im 18. Jahrhundert war Dijon eine prosperierende Stadt. 1722 wurde in Dijon die Universität gegründet und 1731 das Bistum Dijon errichtet, dessen Kathedrale die alte Abteikirche des Klosters Saint-Bénigne wurde. 1740 wurde vom Burgunder Parlament die Akademie der Wissenschaften, der Künste und Literaturwissenschaft ins Leben gerufen. Des Weiteren wurden in dieser Zeit auch ein botanischer Garten und ein Naturkundemuseum eingerichtet.

Am 18. Juli 1766 gastierte anlässlich eines Gouverneurbesuchs Wolfgang Amadeus Mozart – er war damals zehn Jahre alt – mit seinem Vater und seiner Schwester in der Stadt. Gemeinsam gaben sie ein Konzert.

Zu einem vorübergehenden Niedergang von Dijon kam es nach dem Ausbruch der Französischen Revolution (1789). Doch wuchs die Stadt im 19. Jahrhundert erneut. Der Abriss der alten Befestigungsanlagen wurde notwendig. 1833 wurde der Canal de Bourgogne fertiggestellt. 1851 wurden die ersten Eisenbahnverbindungen nach Dijon gelegt, als der spätere Kaiser Napoleon III. den Anschluss an die Bahnstrecke Paris–Marseille eröffnete. Hierdurch gelangte die Stadt zu erneutem Wohlstand.

Während des Deutsch-Französischen Kriegs fand am 30. Oktober 1870 bei Dijon ein Gefecht zwischen der badischen, zu August von Werders Korps gehörigen Division und vorgeschobenen Teilen der Armee von Lyon statt. Nachdem die Stadt selbst am 31. Oktober mehrere Stunden lang hartnäckigen Widerstand geleistet hatte, kapitulierte sie, und General Werder richtete dort sein Hauptquartier ein. Als gegen Ende Dezember 1870 die französische Ostarmee unter Charles Denis Bourbaki heranrückte, wurde Dijon am 27. Dezember von den Deutschen geräumt und am folgenden Tag von Giuseppe Garibaldi besetzt. Am 21. und 23. Januar 1871 fanden in der Gegend von Dijon Gefechte zwischen den Truppen Garibaldis und detachierten Abteilungen des 2. deutschen Armeekorps statt, durch die Garibaldi mit seinem Korps bei Dijon festgehalten wurde, während General Edwin von Manteuffel der Armee Bourbakis die Rückzugslinien abschnitt. Garibaldi musste, als Ende Januar General Hann von Weyhern anrückte, in der Nacht des 31. Januar die Stadt räumen, woraufhin am 1. Februar die Deutschen wieder einzogen. Am 10. Februar 1871 verlegte Manteuffel sein Hauptquartier nach Dijon.

1899 wurde Dijon „à titre collectif“ (als Gesamtheit seiner Bürger) in die Ehrenlegion (Légion d’honneur) aufgenommen, was eine Änderung des Stadtwappens zur Folge hatte.

Dijon wurde im Juni 1940 während des Westfeldzuges von der Luftwaffe bombardiert und um den 20. Juni (Tag des Waffenstillstand von Compiègne) von Wehrmacht-Truppen besetzt. Drei der Flugzeuge, die am 10. Mai 1940 Dijon bombardieren sollten, verflogen sich und bombardierten irrtümlich Freiburg im Breisgau.

Nach der deutschen Besetzung der Stadt war von Februar bis Juni 1941 ein Teil des Frontstalags 155 in Dijon untergebracht.Liste deutscher Kriegsgefangenenlager. Abgerufen am 18. Februar 2024 Am 7. März 1942 erschossen Deutsche vier junge Primarschullehrer. Es existierten im Stadtgebiet mindestens zwei weitere Internierungsorte: die École Jules Ferry und das Maison d’arrêt de Dijon.AJPN – Anonymes, Justes et Persécutés durant la période Nazie dans les communes de France. Die Seite ist seit dem Überfall der Hamas vom 7. Oktober 2023 auf Israel nur noch eingeschränkt zugänglich. In seiner Übersicht zur „Lage der administrativen Internierungszentren im Dezember 1944“ führt der Historiker Dennis Peschanski zwei weitere zu Dijon gehörende Internierungseinrichtungen auf: „Clos-Sainte-Marie à Dijon“ mit 81 InsassenSiehe auch: EHRI-Portal: Lager Clos Sainte-Marie (Côte d'Or) und „Dijon (MA)“ mit 128 Insassen.Denis Peschanski: Les camps français d’internement (1938–1946) – Doctorat d’Etat. Histoire. Université Panthéon-Sorbonne – Paris I, 2000, S. 784. (Online1 oder Online2). In solchen „administrativen Internierungszentren“ wurden unter dem Vichy-Regime politische Gegner nicht aufgrund dessen, was sie getan hatten, inhaftiert, sondern ohne richterlichen Beschluss alleine aufgrund der potenziellen Gefahr, die sie in den Augen der Machthaber darstellten.Denis Peschanski: L’internement: La France des camps (1938–1946), online auf der Webseite Chemins de Mémoire des Ministère des Armées. Ob die von Peschanski verwendete Abkürzung „MA“ für das von der AJPN erwähnte „Maison d’arrêt“ steht, ist nicht verifizierbar.

mini|Pont Eiffel 11. September 1944 Am 7. September 1944 näherten sich französische Truppen der 1. Armee Dijon. Wehrmacht-Soldaten sprengten am 7. September den Bahnhof Dijon-Ville und die Eisenbahnbrücke Pont Eiffel über den Canal de Bourgogne. Die Wehrmacht-Truppen zogen sich einige Tage später zurück und am 11. September 1944 befreiten die französischen Truppen Dijon.