mini|Michaelskirche (Oberböbingen) Die evangelische Michaelskirche steht in Oberböbingen, einem Gemeindeteil von Böbingen an der Rems im Ostalbkreis in Baden-Württemberg. Das Bauwerk ist beim Landesamt für Denkmalpflege Baden-Württemberg als Baudenkmal eingetragen. Die Kirchengemeinde gehörte bis Ende 2025 zum Kirchenbezirk Schwäbisch Gmünd und gehört seit 1. Januar 2026 zum neuen Kirchenbezirk Ostalb der Evangelischen Landeskirche in Württemberg.
Geschichte und Baubeschreibung Archäologische Grabungen des Landesdenkmalamts ab 1976 im Turm- und Chorboden haben Reste von ein bis zwei früheren Kirchenbau-Schichten sowie Begleitfunde aus dem 10. oder sogar 8. Jahrhundert freigelegt. Die heutige geostete spätgotische Saalkirche ist auf eine bereits 1084 in früher Stauferzeit errichtete romanische Kapelle mit Chorturm zurückzuführen,Datierung nach einem dendrochronologischen Befund (Fälldatum 1083) an zwei Eichenbalken des Turms, in: Gerhard Leidenbach: Die Michaelskirche in Oberböbingen. (Hrsg.) Evangelische Kirchengemeinde Oberböbingen; Oberböbingen 2004, S. 4. und ist damit mindestens der dritte, vielleicht auch der vierte Kirchenbau an dieser Stelle. Über dem Turmchor befindet sich wie in zahlreichen ähnlichen Kirchen ein als sicheres Archiv, Reliquien- oder Tresorkammer genutztes Obergeschoss.Ulrich Zimmermann: Die Predigtkirche und die Querkirche – Protestantischer Kirchenbau in Württemberg. Eine Studie zur Geschichte und Theologie des Kirchenraums und zur Entstehung zweier Kirchenbautypen. Ubstadt 2025, S. 77 – ISBN 978-3-95505-592-9. Nach einem Brand 1416/17 erhielt der Turm einen von Strebepfeilern gestützten und fünfseitig geschlossenen spätgotischen Choranbau im Osten und einen Ausbau des Kirchenschiffs nach Westen. Der bisherige Turmchor und der neue Choranbau mit seinen drei Maßwerkfenstern sind seither mit einem gemeinsamen Sterngewölbe überspannt, das Langhaus flachgedeckt. In die Südwand des Turmchors wurde ein gotisches Maßwerkfenster eingebaut und der bisher romanisch niedrige Chorbogen der neuen Chorraumhöhe angepasst. Der größeren Höhe des Chordaches wurde auch das Langhausdach angeglichen, was eine Turmerhöhung nach sich zog: Auf den romanischen Turm wurden vier Giebeldreiecke als Basis für den achtseitigen spitzen Turmhelm gesetzt. Seit 1358 hatte das Kloster Königsbronn durch Kauf des Kirchensatzes und eines Teils des Dorfes Oberböbingen das Patronatsrecht inne und war also für diese baulichen Veränderungen zuständig. Die nördliche Sakristei mit ihrem Tonnengewölbe ist wesentlich älteren Datums.
Das Kloster Königsbronn verkaufte die Kirche, ihren Ortsteil und alle Rechte im Zuge der Reformation an Württemberg, was für die Innengestaltung der Kirche Folgen hatte: Bereits 1553 wurde in Oberböbingen die erste evangelische Predigt gehalten. Es ist nicht überliefert, wann die Kanzel aufgestellt wurde, aber spätestens am Beginn des 17. Jahrhunderts stand sie mittig vor der Nordwand und auch die Emporen im Westen und Süden waren vorhanden. Wohl etwas später kam an der Stelle des früheren Hochaltars im Chor oberhalb der Parterrebestuhlung noch eine Orgelempore hinzu, mit Treppenzugang von außen durch eines der Chorfenster. Das gesamte Kirchengestühl war nun auf die Kanzel ausgerichtet, womit der Innenraum für gut zweihundert Jahre den Charakter einer Querkirche bekam.Ulrich Zimmermann: Die Predigtkirche und die Querkirche – Protestantischer Kirchenbau in Württemberg. Eine Studie zur Geschichte und Theologie des Kirchenraums und zur Entstehung zweier Kirchenbautypen. Ubstadt 2025, S. 245, 304.
Im Jahre 1852 wurde der bisherige Haupteingang, das romanische Portal in der hinteren Südwand, zugemauert und durch einen neuen Westeingang ersetzt. Auch wurden die Fensteröffnungen des Schiffs wesentlich vergrößert und die Westempore etwas tiefer gesetzt. 1877 wurden neu der Altar, der Taufstein und die Kanzel in neugotischem Stil aufgestellt. Hundert Jahre später nahm Architekt Walter Schink aus Stuttgart eine umfassende Sanierung und Innenrenovierung sowie 1981 eine Außenrenovierung vor. Dabei wurden die Chorempore und die alte Orgel der Gebrüder Link aus Giengen an der Brenz entfernt und dadurch die Chorfenster freigestellt. Bei der Renovierungs-Farbgebung im Innenraum erhielt der Chorbogen wieder die Farbfassung von Diamantquadern des restauratorisch freigelegten Befunds.
Ausstattung Epitaph: Eines Angehörigen der früheren Ortsherrschaft, Hans Wolf von Woellwarth, gestorben 1558, wurde mit einem steinernen Epitaph innen auf der Südwand des Turms gedacht.
Kanzel und Emporen: Die Kanzel wurde zum Reformationsjubiläum 1817 von der Nordwand an den jetzigen Platz am Chorbogen versetzt, die Südempore abgebaut und mit dem Material die Westempore vergrößert.
Glasgemälde: Der Stuttgarter Glaskünstler Adolf Valentin Saile schuf 1977 die Farbverglasung für das Ostfenster mit dem Bildthema der Auferstehung Christi und einem Engel über dem leeren Grab, darunter die Schrift: „Christus spricht: Ich lebe und ihr sollt auch leben“.Ehrenfried Kluckert, Axel Zimmermann (Bearb.): Adolf V. Saile - Städtische Galerie Filderstadt, Kleines Kunst-Kabinett Bernhausen; vom 13.10.1985–6.11.1985. (Hrsg.) Städtische Galerie Filderstadt; Band 1: Ausstellungskatalog, Band 2: Werkverzeichnis; Filderstadt 1985, Werkverzeichnis Nr. 1a/77/1.
Geläut: Im Glockenstuhl des Chorturms hängen vier Kirchenglocken.
Orgel: 1981 wurde eine neue Orgel auf der Westempore eingebaut.
Literatur
Gerhard Leidenbach: Die Michaelskirche in Oberböbingen. (Hrsg.) Evangelische Kirchengemeinde Oberböbingen; Oberböbingen 2004. Böbingen. Ein Lese- und Bilderbuch der Gemeinde. (Hrsg.) Geschichts- und Heimatverein Böbingen e.V., Böbingen 2010. Gerhard Leidenbach: Geschichte und Geschichten rund um die Michaelskirche. (Hrsg.) Geschichts- und Heimatverein Böbingen e.V.; Böbingen 2013. Die Reformation und ihre Folgen für Böbingen – eine Spurensuche. Begleitheft zur Ausstellung. (Hrsg.) Geschichts- und Heimatverein Böbingen e.V., Böbingen 2017.
Einzelnachweise
Weblinks
Website der Kirchengemeinde Kirchbaudatenblatt
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