Ludwig Eduard Uhlenhuth (geb. 20. Juli 1821 in Aschersleben,Kerstin Delang, „Uhlenhuth, Eduard <1821>“, Künstler-Datensatz 90067879, in: Deutsche FotothekDr. U., „Ein Leben“, in: Saale-Zeitung, 30. Dezember 1899, S. 1/2, gest. 9. November 1899 in Quedlinburg)Quedlinburg, 10. Nov. [E. Uhlenhuth †], in: Saale-Zeitung : allgemeine Zeitung für Mitteldeutschland ; Hallesche neueste Nachrichten, 3. Beiblatt, Samstag, 11. November 1899, S. 1, war ein deutscher Pädagoge, Bildhauer, Chemiker, Kartograph und Fotopionier.

Lebensweg mini|„Standbild Friedrich’s des Großen für den Marktplatz zu Bromberg entworfen und modelliert von Eduard Uhlenhuth in Berlin 1861“ mini|Die Büste von Carl Ritter in Quedlinburg, von Eduard Uhlenhuth mini|Landkarten mit Gradnetz von Eduard Uhlenhuth

Ludwig Eduard Uhlenhuth wurde am 20. Juli 1821 in Aschersleben am Harz geboren. Sein Vater Friedrich Uhlenhuth (1769–1834) war Brauherr und „Oeconom“Dr. U.: „Ein Leben“, in: Saale-Zeitung, 30. Dezember 1899, S. 1/2, (Landwirt) in Aschersleben. Seine Mutter war Friedrike Uhlenhuth, geb. Kayser (1786–1844). Eduard Uhlenhuth verlor seine Eltern früh: Als sein Vater am 17. Mai 1834 starb, war er noch keine 13 Jahre alt; als seine Mutter am 3. Mai 1844 starb, war er noch nicht 23 Jahre alt.

Eduard Uhlenhuth besuchte die Gymnasien in Quedlinburg und Wittenberg. Schon als Schüler zeigte Uhlenhuth seine Neigung zum plastischen Gestalten; er schnitt Petschafte und Scherenschnitte.

Uhlenhuth studierte Philologie und Naturwissenschaften an der Universität Berlin. Die Lehramtsprüfung bestand er dort am 12. August 1848. Zu seinen Lehrern zählten der Geograph Carl Ritter (1779–1859), die Mineralogen und Chemiker Heinrich Rose (1795–1864), Gustav Rose (1798–1873), Christian Samuel Weiss (1780–1856) und Eilhard Mitscherlich (1794–1863) sowie der evangelische Theologe und Kirchenhistoriker August Neander (1789–1850).

Als Student schrieb Ludwig Eduard Uhlenhuth ein kleines Werk über Daguerreotypie, „das selbst von Universitätsprofessoren anerkannt wurde“. Bereits im Jahr 1845 und damit nur sechs Jahre nach Veröffentlichung des fotografischen Verfahrens von Louis Daguerre (1787–1851) im Jahr 1839 veröffentlichte er sein Fachbuch Praktische Anweisung zur Daguerreotypie. Nach den neuesten Verbesserungen in möglichster Vollständigkeit dargestellt von L. E. Uhlenhuth,Greven-Archiv, Fotografen-Wiki, „Eduard Uhlenhuth“, Max Frank kommentiert im Jahr 1908 Auszüge aus Eduard Uhlenhuths zu dieser Zeit bereits 63 Jahre alter Praktischer Anweisung zur Daguerreotypie in seinem folgenden Artikel: Max Frank, Aus alten Annalen, In: Photographische Chronik, Nr. 63, 2. August 1908, S. 386–389, Digitalisat das 1849 in zweiter Auflage erschien.

Uhlenhuth schnitzte Porträts und andere Kunstgegenstände aus Elfenbein.

Im August 1850 heirateten Eudard Uhlenhuth und Marie Caroline Hedwig, geb. Pröhle, (1826–1887).Magdeburgische Zeitung 1850, 7/9, 20. August 1850, Familien-Nachrichten (Digitalisat): „Als eheliche Verbundene empfehlen sich Verwandten und Freunden bei ihrer Abreise nach Bremen Eduard Uhlenhuth und Marie Uhlenhuth, geb. Pröhle. Hornhausen, den 16. August 1850“ Heinrich Pröhle (1822–1895), Publizist, Volksgutsammler und Lehrer, wurde dadurch Uhlenhuths Schwager.siehe: Heinrich Pröhle, Der deutsche Unterricht in seinem Verhältnisse zur Nationalliteratur, Berlin : Moeser, 1865, S. 63, Fußnote (Digitalisat): „XV. Ueber die deutschen Lesebücher der Schulen. […] *) Ich glaube, daß mein Schwager Uhlenhuth in dieser Beziehung über den Flachs in seinen »Heimatstudien« (Berlin, Kastner, 1865) einen kleinen Musteraufsatz geliefert hat.“ Mit seiner Ehefrau Maria Caroline Hedwig, geb. Pröhle, hatte Ludwig Eduard Uhlenhuth mehrere Kinder, darunter die Söhne Heinrich Eduard Uhlenhuth, geboren 15. Juli 1853 in Guben, und Johann Uhlenhuth, geboren 26. Januar 1867 in Anklam. Beide wurden Fotografen.

Von Ostern 1852 bis Ostern 1853 legte Uhlenhuth sein Probejahr am Dom-Gymnasium (Stephaneum) in Halberstadt ab.Franz Kössler: Personenlexikon von Lehrern des 19. Jahrhunderts, Berufsbiographien aus Schul-Jahresberichten und Schulprogrammen 1825–1918, mit Veröffentlichungsverzeichnissen, „Uhlenhuth, Eduard“, S. 10 der PDF-Datei, Danach war er Lehrer für Naturwissenschaften an Gymnasien und Realschulen in Bremen, Halberstadt, Guben,Siehe: Regierungsbezirk Frankfurt (Oder): Amtsblatt der Regierung zu Frankfurt a.d. Oder. 10. Januar 1855, S. 12, (Digitalisat): „Personal-Chronik. […] Die Berufung des Schulamts-Candidaten Ludwig Eduard Uhlenhuth zum zweiten Lehrer an der Bürger- und Elementar-Schule in Guben ist bestätigt worden.“ Siehe auch: Programm der Städtischen Realschule zu Bromberg, durch welches zu der öffentlichen Prüfung am 6. und 7. April 1857 ehrerbietigst einladet der Director Dr. Gerber. Bromberg, 1857, Buchdruckerei von F. Fischer, S. 43, Kap.: „C. Chronik“, (Digitalisat): „Die durch den Abgang des Herrn Dr. Delbrück nöthig gewordene Vertretung übernahm namentlich in den Naturwissenschaften für das verflossene Schuljahr Herr Eduard Uhlenhuth, bisher Lehrer an der Bürgerschule zu Guben.“ Bromberg (von Ostern 1856 bis Ostern 1857), Solingen (1859/60)Siehe Solinger Zeitung, Di., 20. Oktober 1891, S. 2, : „Lehrkörper. Die Mitarbeiter der vier Rektoren, welche von Anfang bis jetzt in der höheren Schule Solingens walteten, waren oder sind die folgenden: [… 7) Eduard Uhlenhuth 59, 60. […]“], an der Dorotheenstädtischen Realschule in Berlins.: Über Land und Meer. Deutsche illustrierte Zeitung. 6. 1861 = Jg. 3, 15. September 1861, (Digitalisat: „Denkmäler. […] Im Oktober wird in Bromberg die Statue Friedrich’s des Großen im Beisein des preußischen Königspaares enthüllt werden; dieselbe rührt von Uhlenhuth, Lehrer an der berliner Dorotheenstädtischen Realschule, her.“ sowie an der Berliner Gewerbeschule.„Uhlenhuth, Eduard“, in: Johann Christian Poggendorff: Biographisch-Literarisches Handwörterbuch zur Geschichte der exacten Wissenschaften, enthaltend Nachweisungen über Lebensverhältnisse und Leistungen von Mathematikern, Astronomen, Physikern, Chemikern, Mineralogen, Geologen usw. aller Völker und Zeiten, gesammelt von J. C. Poggendorf, Mitglied der Akademie der Wissenschaften zu Berlin, Zweiter Band M–Z, 3051 Seiten, S. 1151, Am 8. Juni 1865 wurde Uhlenhuth zum Rektor der gehobenen Bürgerschule in Anklam berufen, was er bis zu seiner Pensionierung im Jahr 1875 blieb.

Uhlenhuth war ein vielseitiger Autor. Bis 1863 war er Redakteur des Landwirthschaftlichen Intelligenz-Blattes und allgemeine landwirthschaftliche Zeitung, die bei der Allgemeinen Deutsche Verlags-Anstalt in Berlin erschien.Archiv der landwirthschaftlichen Literatur des In- und Auslandes. 1864, (Digitalisat): „91. Landwirthschaftliches Intelligenzblatt und allgemeine landwirthschaftl. Zeitung. Red. Eduard Uhlenhuth. Berlin.“ Landwirtschaftliche Jahrbücher. Band 18, 1889, Verlag: Wiegandt & Hempel, 1889, S. 633, (Digitalisat): „Zur Geschichte der landwirthschaftlichen Zeitschriften. […] 4. Landwirthschaftliches Intelligenzblatt und allgemeine landwirthschaftliche Zeitung. Herausgegeben und redigirt von EDUARD UHLENHUTH (bis 1863, MELZER 1864, KROCKER 1865, G. WEGENER 1866 u. 1867). …“ Er schrieb Aufsätze und Bücher im Bereich Chemie, bildende Kunst, Geographie und Heimatkunde, etwa über die Photogen-Photogen ist ein leicht flüchtiges, gereinigtes Mineralöl, das unter anderem als Brennstoff in Petroleumlampen verwendet wurde; siehe: „Mineralöle“, in: Meyers Großes Konversations-Lexikon, Band 13. Leipzig 1908, S. 867, zeno und „Paraffin“ in Pierer’s Universal-Lexikon, Band 12. Altenburg 1861, S. 661/662, zeno und Paraffinfabrikation, die Leuchtgasfabrikation (1856) und die Herstellung von Seifen aus Wollabfällen (1856). Uhlenhuths Buch Der junge Chemiker oder Anleitung zur Experimentalchemie wurde 1859 von Franz Duncker in Berlin verlegt. Die Ergebnisse seiner im Auftrage der preußischen Regierung unternommenen Reise durch den Netzedistrikt schrieb Uhlenhuth in der Geognostischen Beschreibung des Netzedistrikts nieder, die 1859 in Danzig bei A. W. Kasemann erschien. Uhlenhuth veröffentlichte auch zahlreiche Aufsätze in verschiedenen Zeitschriften, darunter Daheim, Die Gartenlaube und Auerbach’s Volkskalender. Einige seiner Aufsätze wurden in dem Buch Deutsche Heimathsbilder gesammelt, das von Hugo Kastner 1865 in Berlin verlegt wurde. Uhlenhuths Grundriß der Heimathkunde erschien 1875. Uhlenhuth schrieb Anleitungen im Bereich bildende Kunst, darunter: Technik der plastischen Kunst, Berlin, R. Wagners Verlag 1854; Technik der Bildhauerei und theoretisch-praktische Anleitung zur Hervorbringung plastischer Kunstwerke, Wien, A. Hartleben’s Verlag 1893 und Vollständige Anleitung zum Formen und Gießen, Wien, A. Hartleben’s Verlag, 4. Auflage 1899.

Als Bildhauer bekannt geworden ist Uhlenhuth durch seine Bronzestatue Friedrichs des Großen, die am 31. Mai 1862 auf dem Friedrichsplatz in Bromberg enthüllt wurde, sowie durch seine Plastik des Geographen Carl Ritter, die am 7. August 1865 in Quedlinburg eingeweiht wurde. Auch in Steinau in Oberschlesien stand ein Denkmal Friedrichs des Großen von Ludwig Eduard Uhlenhuth.Ramdohr: Rezension von: Uhlenhuth’s „Vollständige Anleitung zum Formen u. Giessen“, in: Chemiker-Zeitung No. 36, Cöthen, den 4. September 1879, Jahrgang III., S. 521,

Eduard Uhlenhuth schuf zahlreiche Büsten aus Marmor oder Gips von bekannten Personen, darunter Kaiser Wilhelm I., der preußische Kultusminister Adalbert von Ladenberg (1798–1855), Eilhard Mitscherlich, August Neander und Giovanni Battista Morgagni (1682–1771). Für die Portale des Postgebäudes in Quedlinburg erstellte Uhlenhuth Porträts der Kaiser Wilhelm I. und Friedrich III.

Erwähnenswert sind auch Uhlenhuths Arbeiten auf kartographischem Gebiete. Im Jahr 1872 erschien bei Theobald Grieben in Berlin Uhlenhuths Atlas mit Kartenmodellen mit Gradnetzen. Die plastischen Karten wurden nach einem von Uhlenhuth erfundenen Verfahren geprägt. Sie gaben, in Papier gepresst, das Höhenprofil des dargestellten Terrains wieder. In dreijähriger Arbeit erstellte Uhlenhuth ein exaktes plastisches Gips-Modell des Harzes im Maßstab 1:25.000. Offenbar hat Uhlenhuth auch ein Relief des Kyffhäusergebirges erstellt.siehe Börsenblatt für den deutschen Buchhandel, Mo., 11. Juni 1877, S. 16, : „Vermischte Anzeigen. [22040.] Mein neues Relief des Kyffhäusergebirges, Maßstab 1 : 25.000, militärisch genau, [...] stelle ich, sammt Vervielfältigungsrecht im Wege des Lichtdrucks, hiermit zum Verkauf. Eduard Uhlenhuth in Quedlinburg.“

Eine Anleitung zum Gebrauch des Himmelsglobus schrieb Uhlenhuth für die Geographisch-artistische Anstalt von Ernst Schotte & Co. in Berlin.

Das von Uhlenhuth entwickelte Tellurium wurde fast fünfzig Jahre lang verkauft. Es veranschaulichte die Bewegung der Erde um die Sonne und des Mondes um die Erde und ließ auf diese Weise erkennen, wie Tag und Nacht, Winter und Sommer, Vollmond und Neumond, Sonnen- und Mondfinsternisse zu Stande kommen.siehe zum Beispiel Leipziger Tageblatt und Anzeiger, Mi., 13. Dezember 1893, S. 21, 1875, im Jahr seiner Pensionierung, zog Uhlenhuth von Anklam nach Quedlinburg.

In Anerkennung „seiner hervorragenden, verdienstvollen Thätigkeit auf künstlerischem und schriftstellerischem Gebiete“ erhielt Uhlenhuth im Oktober 1895 den Königlichen Kronenorden vierter Klasse.Königlich preussische Ordensliste. 1895, Nachtr. 1 = 1895/96, 1. Apr. - 31. Jan. [1895/96], (Digitalisat): „Königlicher Kronen-Orden. Vierte Klasse. 1895 […] 30. Okt. Uhlenhuth , Schulrektor a. D. zu Quedlinburg.“

Ludwig Eduard Uhlenhuth starb im 79. Lebensjahr am 9. November 1899 in Quedlinburg.

Werke Eine Wanderung durch die Kreise Bromberg, Wirsitz, Chodziesen, Czarnikan zur Feststellung der geographischen und geognostischen Verhältnisse des Netze-Distrikts. Kasemann, Danzig 1839.