Unter die Münzprägungen im Namen Alexanders des Großen (kurz: Alexandermünzen) fallen alle Prägungen, die während seiner Regentschaft geprägt wurden und zudem die Münzen, die nach seinem Tod in seinem Namen geprägt wurden und dabei die unter Alexander etablierten Motive zumeist nicht bis kaum verändert weiter führten.

Alexander III. von Makedonien, auch „der Große“ genannt, erlangte 336 v. Chr. die Königswürde, nachdem sein Vater Philipp II. im selben Jahr ermordet worden war. Wie sein Vater zuvor ließ er sich vom Korinthischen Bund zum Hegemon ernennen und den Auftrag zur Befreiung der griechischen poleis in Kleinasien von der persischen Vorherrschaft erteilen. Im Jahr 334 v. Chr. begann der als Alexanderzug bekannte Feldzug mit der Überquerung des Hellespont. Binnen weniger Jahre eroberte Alexander das Persische Reich, wobei er Zugriff auf die Schatzkammern des persischen Großkönigs Dareios III. erlangte. Antiken Quellen zufolge betrug der Wert des erbeuteten Edelmetalls 180'000 Talente in SilberPrice 1991, S. 25–27.

Die erbeuteten Edelmetallbestände ermöglichten Alexander und seinen Nachfolgern eine Monetarisierung des durch die Eroberungen stark ausgeweiteten Herrschaftsgebietes in bislang nicht bekanntem Ausmaß. Dabei nutzte er bestehende Münzstätten oder gründete neue, wie beispielsweise in Damaskus, Babylon und Alexandriade Callataӱ 2016, 179. Die Münzprägung Alexanders charakterisiert sich durch ihr außergewöhnlich großes PrägevolumenHowgego 2000, 57 und de Callataÿ 2012, 178–179, die Verwendung des attischen MünzfußesLe Rider 2007, 2–3 und Troxell 1997, 17 samt einheitlicher Prägebilder und eine Akzeptanz als quasi „universelles“ Zahlungsmittel, die weit über die Grenzen des Machtbereichs hinaus reichtePrice 2007, 65–66 und Howgego 2000, 58. Es wurden Münzen in Gold, Silber und Bronze geprägt, wobei die Gold-Statere und silbernen Tetradrachmen den Großteil der Münzprägungen ausmachten und am weitesten verbreitet warensiehe Abschnitt "Prägeumfang" unten.

Forschungsgeschichte Eine erste Chronologie von Alexandermünzen und Zuordnung zu Münzstätten wurde von Ludvig Müller 1855 vorgenommenMüller 1855. E.T. NewellNewell 1911–1912 und 1923 brachte die Forschung 1911/1912 auf ein neues Niveau, indem er die Münzen in Gruppen aufteilte und diversen Münzstätten zuwies.Le Rider 2007, S. 4–14 Er erkannte das Phänomen der Stempelüberschneidungen, d. h., dass Münzen vom selben Aversstempel unterschiedliche Rückseiten von diversen Reversstempeln aufweisen konnten. Daraus schloss er, dass sie in derselben Münzstätte geprägt wurden. Weitere stilistische Merkmale erlaubten die Aufteilung der Münzen in Gruppen. In einer weiteren Publikation von 1923 wertete er mehrere Tausend Tetradrachmen eines Hortfundes bei Demanhur aus. 1991 veröffentlichte Martin J. PricePrice 1991 und 1991 II eine umfassende Untersuchung aller bis dato bekannten Alexandermünzen. In einer detaillierten Analyse von fast 3000 makedonischen Alexandermünzen aus dem Bestand der American Numismatic Society modifizierte Hyla A. TroxellTroxell 1997 die von Newell entwickelte Chronologie der Alexandermünzen und nahm die bereits seit langem bestehende Kontroverse über den genauen Beginn der Prägungen der Alexandermünzen wieder auf, indem sie einen späteren Beginn um 333/332 v. Chr. favorisierte (siehe unten).Le Rider 2007, 2–6

Münzarten Goldmünzen Wie weiter unten ausführlicher dargestelltsiehe unten "Beginn der Prägung von Alexandermünzen", ist unklar, ob der Beginn der Prägungen 336 oder 333/32 v. Chr. anzusetzen ist. Die Goldmünzen Alexanders wurden bis zum Ende des 3. Jh. v. Chr. geprägt, wobei der Prägeumfang bereits zu Beginn dieses Jahrhunderts rückläufig war und gegen Ende nur noch im Schwarzmeerraum (Odessus und Sinope) geprägt wurdesiehe "Chronologie" unten sowie Price 1991, 76. Zu Alexanders Lebzeiten waren wichtige Prägeorte die kleinasiatischen Städte (u. a. Tarsus, Abydos, Sardes und Side), Zypern, Phönizien, Memphis, Babylon und Susa.

Es gab verschiedene Nominale, Distater, Stater, Hemi-, Viertel- und Achtelstater, wobei nur die Statere dauerhaft und in weitaus größtem Umfang geprägt wurden.Le Rider 2007, S. 3 Die Goldmünzen unterschieden sich in Gewicht und Durchmesser, wobei die Metallmenge auch den Wertstufen entsprach: Distater wogen ca. 17,2g, Stater 8,6g, Hemi- 4,3g, Viertel- 2,2g und Achtelstater 1,1g.

Die Münzen waren weitgehend einheitlich gestaltetPrice 1991, S. 29 (siehe Abbildungen):mini|217x217px|Distater, Avers: Makedonien, Alexandros III., Aigeai, 336-323 v. Chr. https://ikmk.smb.museum/object?id=18250657 Avers (Vorderseite)

Athenakopf mit korinthischem Helm, nach rechts schauend; auf dem Helmkessel ist meist eine geringelte Schlange abgebildet, gelegentlich auch ein Greif, eine sitzende Sphinx, eine fliegende Ente oder Taube.Price 1991, 29

Revers (Rückseite)

Stehende Nike in Vorderansicht, nach links blickend; sie hält in der rechten Hand einen Kranz und in der linken einen stilisierten Schiffsmast (griech. stylis); im freien linken Feld ein Blitzbündel (wobei auch andere Motive wie z. B. Kantharos, Dreizack oder Monogramme vorkommen können); am rechten Rand der Schriftzug (Legende) ΑΛΕΞΑΝΔΡΟΥ (alexandrou).Price 1991 II, Tafel I: 163 a-b, 167 a-c, Tafel II: 172 a-d mini|216x216px|Distater, Revers zu oben Während das Aversmotiv einheitlich war, zeigte das Revers bei Viertel- und Achtelstateren andere Motive, waagerechte Blitzbündel, Bogen und KeulenPrice 1991, 30, wobei der Schriftzug dann zwischen oder unter die Motive eingefügt war.Price 1991 II, Tafel XVII: 165 a-d, 169 a-c, 169A

Das Aversmotiv der Athena, der Göttin der Weisheit und Strategie, dürfte in engem Zusammenhang mit dem Zweck der Münzprägungen stehen, der Finanzierung des Krieges gegen die Perser. Auch ein politischer Bezug zur Stadtgöttin der Polis Korinth, des Sitzes des Korinthischen Bundes, wäre nach Price naheliegender als zur Stadtgöttin der Polis Athen.Price 1991, 29 Das Reversmotiv der Nike, der Siegesgöttin, hat entsprechende Konnotation, wobei die stylis wohl die griechische Überlegenheit zur See symbolisieren und konkret an den historischen Sieg der Griechen über die Perser bei Salamis erinnern sollte. Einen Bezug auf die Hellespont-Überquerung Alexanders 334 v. Chr. lehnt Price mit Verweis auf bereits unter Philipp II. in Asien stationierte Soldaten ab.Price 1991, 30

Eine konträre Position für die Interpretation beider Münzbilder nimmt KaiserKaiser 1986 ein. Die Stylis auf dem Revers nehme direkt Bezug auf die Überquerung des Hellespont 334 v. Chr., ein riskantes Unternehmen, dessen Erfolg Alexander durch umfangreiche Opfer feierte.Kaiser 1986, 45–49 Des Weiteren vertritt Kaiser die Ansicht, dass die Athena auf dem Avers auf die athenische Stadtgöttin verweist, wobei die Schlange auf dem Helmkessel sowohl für einen RachekriegKaiser 1986, 52–53 steht (die Akropolis war von einer Schlange bewacht, die 480 v. Chr. vor der Zerstörung durch die Perser verschwand, die aber bei Rache-Feldzügen wieder erscheint) als auch die mythische Zeugung Alexanders durch eine Schlange symbolisiertKaiser 1986, 53–54.

mini|197x197px|Avers Tetradrachme, Makedonien, Alexandros III., Lampsakos, 328-323 v. Chr. Herakles mit Löwenfellhaube nach rechts, https://ikmk.smb.museum/object?id=18250344

Silbermünzen Wie bei Goldmünzen ist auch bei Silbermünzen der Prägungsbeginn (336 oder 334/33 v. Chr.) umstritten. Die Prägungen insbesondere der Tetradrachmen wurden weit über Alexanders Tod hinaus bis Mitte des 2. Jh. v. Chr. fortgesetzt, im Schwarzmeerraum bis Mitte des 1. Jh. v. Chr.Price 1991, 71–80 Tetradrachmen wurden praktisch durchgehend an allen Münzstätten geprägt.Price 1991, 71–80, siehe auch unten "Chronologie" +Bei den Silbermünzen gab es zahlreiche Nominale (Gewichts- und Größenangaben sind Näherungswerte)Mittag 2016, 12–13:NominalDekadrachmeTetradrachmeDidrachmeDrachmeHemidrachmeDiobolObolHemiobolGewicht in g4217,28,64,22,11,40,70,35Größe in mm36271816131197 Eine Drachme war 6 Obolen wert. 6000 Drachmen entsprachen einem attischen Talent.

Die Münztypen waren recht einheitlich: mini|195x195px|Revers Tetradrachme, Zeus sitzend auf Thron nach links, ausgestreckte rechte Hand hält einen Adler, linke Hand ein Zepter Avers

Es wird der Kopf des Herakles dargestellt, bartlos mit Löwenfellbedeckung, nach rechts blickend. Dieses Motiv wurde durchgehend auf allen Silbermünzen genutzt, wie auch weitgehend bei den Bronzemünzen (siehe unten).Price 1991, 30

Mit Herakles wird Alexander wohl seinen Anspruch auf Verwandtschaft mit diesem Helden und damit auch seine Zugehörigkeit zur griechischen Kultur dokumentiert haben.Price 1991, 31 und Howgego 2000, 75 Des Weiteren war wohl die Abbildung eines unbesiegbaren griechischen Helden passend zu dem vorwiegend kriegerischen Zweck der Münzprägung.

Revers

Nach Price sind die Reverse bei allen Drachmen-Nominalen und großen Bruchteilen davon einheitlich, wobei letztere nicht genauer bezeichnet sindPrice 1991, 30–31. Es wird Zeus sitzend auf Stuhl oder Thron, nach links gewandt, dargestellt, der mit der rechten ausgestreckten Hand einen ihm zugewandten Adler hält (Zeus aetophoros, Adlerträger). In der linken Hand hält er ein Zepter.

Dieses Zeus-Motiv auf der Rückseite könnte die göttliche Unterstützung für den Alexanderzug beschwören, wobei die motivische Ähnlichkeit mit dem Baal von Tarsos (siehe unten „Chronologie“) auch den Herrschaftsanspruch über das Perserreich belegen könnte.Howgego 2000, 75

Bei kleineren Bruchteilen von im Osten geprägten Münzen werden die Motive der größeren Nominalen verwendet, während auf makedonischen Münzen das lokale Adlermotiv erscheint.Price 1991, 31

Auf den Feldern links vor Zeus oder unter dem Thron gibt es unterschiedliche Motive, Buchstaben und Monogramme. Am rechten Rand wie bei den Goldmünzen die Legende ΑΛΕΞΑΝΔΡΟΥ (alexandrou).

TroxellTroxell 1997, 30 und 34–35 (Tabelle 6) beschränkt die Einheitlichkeit des Zeus-Motivs auf dem Revers auf Tetradrachmen und Didrachmen. Bereits bei Drachmen und Triobolen gibt es neben dem Zeus-Motiv auch einen stehenden Adler nach rechts gerichtet und teilweise zurückgewandt. Bei Diobolen sind zwei einander zugewandte Adler abgebildet und bei Obolen Blitzbündel. Ihre Angaben beziehen sich auf die von ihr untersuchten makedonischen Prägungen.

Neben dem Zeus-Motiv sind also auch bspw. Adler stehend auf Blitzbündel oder, ähnlich den Viertel- und Achtelstateren, Blitzbündel, Keulen, Bogen und Köcher abgebildet. Bei den Tier- und Gegenstandsmotiven variiert die Legende, indem sie waagerecht zwischen oder unter die Gegenstände eingefügt ist oder die Tiere umfasst.

Bronzemünzen Nach PricePrice 1991, 31–32 können bei Bronzemünzen vier Größen unterschieden werden, wobei er für die größte Münzgruppe keine Bezeichnung vorschlägt. Des Weiteren können die fünf häufigsten Prägetypen unterschieden werden: +Die Bronzemünzen von Alexander III. (AE = aes, lateinisch Bronze)Es gibt keine Nominalen-BezeichnungDoppeleinheit 2AEEinheit AEHalbeinheit 1/2AEVierteleinheit 1/4AEGewicht in g5-83,3-4,21,2-2,2Größe in mm16-2014-1710-13Nominalbezeichnungsvorschlag von PricePrice 1991, S. 404-Chalkous (Hemiobol)Dichalkon (Tetartemorion)Chalkous (Hemitetartemorion)Die fünf häufigsten Prägetypen1: Avers 1: Reversbartloser Kopf des Herakles nach rechts blickend Köcher auf Bogen und Keule; unterschiedlich angeordnet2: Avers 2: Reversbartloser Kopf des Herakles nach rechts blickend Bogen in Bogenfutteral und Keule, unterschiedlich angeordnet3: Avers 3: Reversbartloser Kopf des Herakles nach rechts blickend Adler auf Blitzbündel nach rechts, zurückblickend4: Avers 4: Reversjunger Männerkopf (Apollon?) mit Diadem nach rechts blickend galoppierendes Pferd nach rechts5: Avers 5: Reversrunder makedonischer Schild, zentraler Schildbuckel mit diversen Symbolen verziert überkronter makedonischer Helm mit WangenklappenQuelle: Price 1991, S. 31–32

Chronologie, Umfang und Prägeorte Beginn der Prägung von Alexandermünzen