300px Der Bahnhof Aschdod – ʿAd Halom (, ) ist ein Bahnhof der Rakkevet Israel (RI) für Passagiere an der Sinai-Bahn in Aschdod,ʿAmmiram Oren (), “” (31. März 2017), auf: ; abgerufen am 10. Dezember 2023. der seit 1952 nach der Ortslage ʿAd Halom benannt ist, die am östlichen Stadtrand Aschdods liegt. Die Station eröffnete im November 1917 als militärischer Halt der Palestine Military Railways (PMR), die seinerzeit den Bau der Bahn von der Halbinsel Sinai in Richtung Lod vorantrieben. Deren Nachfolger, die zivilen Palestine Railways (PR), eröffneten 1920 den fahrplanmäßigen Bahnbetrieb, wozu sie den Halt nach dem benachbarten Dorf Isdud (), heute eine Wüstung, benannten. Arabisch Isdud und hebräisch Aschdod sind in diesen beiden Sprachen die Exonyme für den einst hier bestehenden philistäischen Stadtstaat . Die RI übernahm den Bahnhof im Oktober 1948, doch den Bahnbetrieb nahm sie erst 1950 wieder auf. Der Bahnhof ist wichtigster Verkehrsknoten des öffentlichen Personenverkehrs im Mischor Pleschet (Tiefland Philistäas), rangierte 2019 in puncto Passagierzahl auf Platz 8 der damals 68 Bahnhöfe des Landes und soll laut Israels strategischer Bahnplanung des Verkehrsministeriums bis 2040 zentraler Umsteigepunkt der Schnellbahnen im Unterbezirk Aschqelon werden.

Lage Die Station liegt in ʿAd Halom, eine Ortslage Aschdods am Mittelmeer, im küstennahen Tiefland Mischor Pleschet (). Der Bahnhof liegt an der Sinai-Bahn, zu der hier 100 Meter östlich parallel die Autobahn Kvisch  () verläuft, beide folgen der Trasse der historischen Handels- und Heerstraße Via Maris, die am westlichen Vorplatz des Bahnhofs passierte. Ihr alter Verlauf nordwärts war die Straßenverbindung in die Stadt. Westlich vorm Bahnhof erheben sich Kämme aus Kurkar (, DMG Kurkār; eine an Israels Küstenstreifen verbreitete Art kalkhaltigen Tuffs), dahinter Aschdods haDjunah haGdolah ().Mirit Friedman (), Ashdod Travelers Guide, Tel Aviv: , 2018, Seite wie gesondert angegeben. ISBN 978-965-7326-66-4.

Der Bahnhof liegt gut zwei Kilometer Wegs nördlich der Wüstung Tel Aschdod, auf dem sich Ruinen des Dorfes Isdud finden,Seit Ende Mai 1948 lag Isdud im umkämpften Gebiet an der Front zwischen Ägyptern und Israelis. Die Einwohner flohen, denn am 2./3. Juni des Jahres griffen es Israelis an (Operation Philistäa), scheiterten zwar, nahmen aber in der Nacht 7./8. des Monats Isdud ein. Halten konnten sie es nicht, doch die Gefahr blieb. Am 28. Oktober 1948 kam Isdud an Israel. dem der Bahnhof bei Anlage 1917 räumlich und namentlich zugeordnet war, jetzt aber südöstlich außerhalb der Stadtgrenze Aschdods liegt. Mit Bau der Anschlussstelle ʿAd Halom () zur Autobahn Kvisch  entstand bis 2008 in Folge moderner Verkehrsführung eine neue 1.200 Meter lange Zufahrt, davon die 450 Meter lange Derech haRakkevet () gerade auf den Bahnhof zu. An der nordwestlichen Seite des Platzes eröffnete 2015 das Modezentrum BIG Fashion Aschdod (). Bis 2040 sollen zwei Schnellbahnlinien in die nord- bzw. südöstliche Umgebung den Bahnhof erreichen, um den Umstieg zur Sinai-Bahn zu ermöglichen.

Geschichte Nach der Schlacht von Birüssebi (Beʾer Scheva) im Ersten Weltkrieg verfolgte für die Triple Entente die Egyptian Expeditionary Force (EEF) unter Edmund Allenby an der Palästinafront zehn Tage lang die sich zurückziehenden Streitkräfte der Mittelmächte durchs Tiefland Philistäas, bis berittene Australian and New Zealand Army Corps (ANZAC) unter Edward Chaytor am 10. November 1917 die Gegend des heutigen ʿAd Haloms mit dem Dschisr Isdud über den Nachal Lachisch erreichten. Um die vorrückenden Truppen logistisch zu unterstützen, errichteten zwangsrekrutierte ägyptische Zivilisten des Egyptian Labour Corps (ELC) für die Palestine Military Railways (PMR) vom Sultanat Ägypten aus parallel zur historischen Heer- und Handelsstraße Via Maris die Sinai-Bahn, deren Bahnhof Isdud Railway Station (heute Aschdod – ʿAd Halom) am 17. November des Jahres den Güterverkehr aufnahm. Obwohl die Sinai-Bahn das auf einem Hügel (Tel Aschdod) gelegene Dorf Isdud an dessen Westseite nah passiert, entstand der Bahnhof gut zwei Kilometer nördlich in ebenem Gebiet zwischen Kilometer 140 und 141 nach der ab Haifa Mizrach zählenden Kilometrierung der Palestine Railways (PR).Vgl. Survey Department of Palestine, Palestine – 1:20 000 Series Topocadastral: 180 Blatt, Jaffa und später Tel Aviv: Survey Office, 1930–1948, Blatt ‹11–13› (1930).

mini|links|Der Bahnhof im Winter 1918 nach ergiebigem Regen In den Jahren 1918 bis 1920 unter britischer Militärverwaltung wurden ehemals osmanische Gebiete zur neuen Region Palästina zusammengefasst. Nach Übergabe des Bahnbetriebs an die zivilen Palestine Railways (PR) im Oktober 1920 nahmen diese am 1. November des Jahres den fahrplanmäßigen Reise- und Güterverkehr zwischen Ägypten und Lod auf.Dani Tzadkoni (), “”, in: , den 2. November 1972, S. 4; abgerufen am 12. Februar 2024. Der Bahnhof führte in den drei Amtssprachen des Mandatsgebiets Palästina die Namen und .

Im Zweiten Weltkrieg erhöhten sich Frachtaufkommen und Passagierzahlen der Bahn erheblich vor allem die Bewegungen von Militärpersonen und Kriegsmaterial. Palästinas moderne Industrie belieferte über die Sinai-Bahn britische Streitkräfte an der Nordafrikafront in Italienisch-Libyen oder ab dem Sueskanal weiter per Schiff zu Schauplätzen des Pazifikkrieges, per Jesreʿeltalbahn zur Niederschlagung des Militärputsches von Nazi-Sympathisanten im Irak 1941 oder per HBT-Linie in die französischen Mandatsgebiete Syrien und Libanon, um sie nach dem Syrisch-Libanesischen Feldzug dem Einfluss des Nazi-abhängigen Vichy-Regimes vorzuenthalten. Militärpersonen fuhren von Einsätzen per Sinai-Bahn zu Ausbildung, Erholung oder Genesung nach Palästina mit seinen Militärbasen, medizinischen und touristischen Einrichtungen modernsten Standards. Auf der eingleisigen Sinai-Bahn stockte der rege Betrieb, weshalb 1941 die PR 22 Abschnitte zweigleisig ausbauten, darunter auch am Bahnhof Isdud, wo Züge sich ausweichen konnten.Walter Rothschild, Arthur Kirby and the last years of Palestine Railways: 1945–1948, Berlin: Selbstverlag, 2009, zugl. King’s College Diss., 2007, Seite wie gesondert angegeben. .

mini|Bahnhof Isdud (zwischen S und D des Namens Sdud) und Brücken über den Nachal Lachisch (über der IX), dessen oberer Lauf hier als W.[adi] el-Jurf bezeichnet ist, 1930 Aus Reihen des Jischuvs, der jüdischen Palästinenser, deren viele den britischen Einsatz im Zweiten Weltkrieg so unterstützten, als gäbe es keine britischen Beschränkungen gegen Juden in Palästina, begann – entgegen der für die Dauer des Kriegs ausgerufenen Politik der Havlagah () – die Irgun einen Aufstand, die Jüdische Insurrektion (1944–1947) gegen die Mandatsmacht. Im Zuge dessen griffen am 2. April 1946 gegen 22 Uhr Irgunisten den Bahnhof an, töteten einen Palestine Policeman, verletzten weitere Personen und sprengten eine Lokomotive.NN, “”, in: Haʾaretz, 4. April 1946, S. 1; abgerufen am 12. Februar 2024. Die Irgunisten überwältigten und entwaffneten die fünf überlebenden Wachleute, Bahnhof und Signalanlagen blieben beschädigt zurück. In der gleichen Nacht verübte die Irgun sechs weitere Anschläge auf die Sinai-Bahn zwischen Isdud und Yibna, darunter nahe letzterer Stadt ein gesprengter Durchlass. Die PR konnten auf der Strecke den Güterverkehr am 4. des Monats und Reisezüge am Folgetag wieder in Gang setzen.

Der Beschluss der UNO vom 29. November 1947, im Mai 1948 das Mandatsgebiet zu teilen, sah die Gründung eines arabischen und eines jüdischen Staates vor. Nach dem Teilungsplan der UNO sollte das Gebiet des heutigen Aschdod Teil des zu gründenden arabischen Staates sein. Sollte jedoch in Teilen Palästinas überhaupt ein Staat für Juden gegründet werden – neben einem für nichtjüdische Araber – kündigten die benachbarten Staaten Königreich Ägypten, Königreich Irak, Libanon, Saudi-Arabien, Syrien und Transjordanien die Invasionen ihrer Streitkräfte an. Im Vorlauf dieser angekündigten Invasionen mühten sich die nationalen Bewegungen im Lande – antizionistische überwiegend nichtjüdische einerseits und andererseits zionistische überwiegend jüdische Palästinenser – darum, auch mit Gewalt Positionen und Posten einzunehmen bzw. zu halten, die im bevorstehenden Krieg strategisch wichtig erschienen, was sich zum Bürgerkrieg zwischen arabischen und jüdischen Palästinensern auswuchs.

In Vollzug des bevorstehenden Endes ihres Mandats zogen sich die Briten schrittweise zurück. Mit dem Rückzug britischer bewaffneter Organe aus dem Negev und dem Tiefland Philistäas begannen südlich Lods vermehrt Überfälle auf Einrichtungen der Palestine Railways (PR). Am 15. Januar 1948 räumten arabische Plünderer einen Güterwaggon am Bahnhof Isdud aus, am 24. des Monats demontierten Unbekannte acht hölzerne Fenster eines Nebengebäudes und zwei Tage später raubte eine Bande das Empfangsgebäude aus.Walter Rothschild, Arthur Kirby and the last years of Palestine Railways: 1945–1948, Berlin: Selbstverlag, 2009, zugl. King’s College Diss., 2007, Seite wie gesondert angegeben. . Das Eisenbahn-Attentat von Rechovot am 29. Februar 1948 unterbrach den Verkehr auf der Sinai-Bahn. Vom 15. bis 25. April legte noch ein Eisenbahnerstreik um höhere Saläre den Betrieb lahm, ausgenommen Güterzüge mit Lebensmitteln und Brennstoff.

Ab 26. März des Jahres blockierten arabische Milizen die Wege südlich Yibnas für jüdische Reisende und ihre Transporte von und zu vielen vereinzelt gelegenen jüdischen Ortschaften inmitten vorwiegend arabischer Siedlungsräume oder sonst entlegenen jüdischen Orten. Zunächst schickte die Hagannah bewaffnete Konvois zu den Orten, schließlich entsandte sie die Givʿati-Brigade im Rahmen der Operation Baraq (; 4.–15. Mai 1948) zum Entsatz der abgeschnittenen jüdischen Ortschaften. In Abwehr der befürchteten ägyptischen Invasion beauftragte Jiggaʾel Jadin, stellvertretender Generalstabschef der Hagannah, der ohnehin in der Gegend operierenden Givʿati-Brigade die damals Dschisr Isdud genannte Brücke über den Wadi Fachira im Verlauf der historischen Heer- und Handelsstraße Via Maris am 12. Mai 1948 zu sprengen. Die daneben stehende Sinai-Bahnbrücke blieb unberührt, da sie mit ihrem einen Gleis für Panzerfahrzeuge zu schmal war. Am Folgetag passierte letztmals ein Zug der PR mit aus Mandats-Palästina abziehenden Briten den Bahnhof gen Ägypten.