Nymphaea rudgeana ist eine Pflanzenart aus der Gattung der Seerosen (Nymphaea) innerhalb der Familie der Seerosengewächse (Nymphaeaceae). Diese Wasserpflanze ist in der Neotropis verbreitet.

Beschreibung mini|Schwimmblätter mini|Blattoberseite und -unterseite mini|Halbierte Frucht mit Maßstab (5 Zentimeter) mini|Frucht mini|Illustration

Vegetative Merkmale Nymphaea rudgeanaist eine ausdauernde krautige Pflanze. Das Rhizom ist bei einer Länge von mehr als 7 Zentimetern sowie einem Durchmesser von etwa 8 Zentimetern eiförmig bis fast kugelförmig. Es bildet keine Ausläufer aus. Aus jeder Blattbasis entspringen sechs oder sieben Wurzeln.

Die Laubblätter sind in Blattstiel und -spreite gegliedert. Der rötlich-braune und kahle Blattstiel ist bis zu 9 oder 11 Millimeter breit und besitzt zwei primäre sowie vier bis zahlreiche sekundäre Luftkanäle. Die relativ dicke und lederartige Blattspreite ist bei einer Länge von 17 bis 18 Zentimetern sowie einer Breite von 19 bis 21 Zentimetern rund bis nierenförmig oder breit-herzförmig; in tieferen Gewässern können sie bis zu 35 Zentimeter lang werden. Der Blattrand ist gezähnt und weist ungleichmäßige, stumpfe Zähne auf, wobei der Rand zur Spitze hin fast vollständig glatt ist. Sie ist die einzige Art ihrer Untergattung, deren Laubblätter gezähnte Ränder aufweisen. Sie bildet jedoch auch untergetauchte Blätter mit ganzem Rand aus, wenn sie in fließendem Wasser wächst. Die Blattoberseite ist glänzend und hell-grün mit etwas Rotfärbung in der Mitte und zum Rand hin. Jüngere Laubblätter weisen eine bräunlich-rote Fleckung auf. Die Blattunterseite, die eine abstehende Blattrippe aufweist, ist bräunlich-violett und unregelmäßig gefleckt.

Generative Merkmale Die Blüte ist zwittrig. Die vier grünen oder rosafarbenen mit oder ohne schwärzliche Streifen Kelchblätter sind elliptisch mit einem spitzen bis stumpfen oberen Ende. Die weißen bis rosafarbenen Kronblätter gehen allmählich in Staubblätter über. Der Blütenduft wird als zitronig beschrieben; der fruchtige Geruch soll dem Duft von Nymphaea amazonum Blüten gleichen.

Zytologie Es liegt Diploidie vor und die Chromosomenzahl beträgt 2n = 42.

Ökologie Vegetative Vermehrung Eine vegetative Vermehrung ist bei dieser Art nicht bekannt. Sowohl Ausläufer als auch proliferierende Pseudanthien sind bei dieser Art nicht vorhanden.

Generative Vermehrung Fremdbestäubung der protogynen Blüten kommt häufig vor. Da die Narbe jedoch auch am zweiten Tag, an dem der Pollen freigesetzt wird, noch empfänglich ist, ist auch Autogamie möglich. mini|Cyclocephala castanea, ein Bestäuber von Nymphaea rudgeana Die Käferarten Cyclocephala castanea und Cyclocephala verticalis besuchen die Blüten von Nymphaea rudgeana. Die Insekten werden nicht über Nacht in den Blüten gefangen. Es gibt jedoch Berichte, dass immer wieder tote Insekten in den Blüten kultivierter Pflanzen gefunden werden. Die Samen sind sehr zahlreich. In einem Fall wurden 4365 Samen in einer einzigen Frucht gefunden. Es wurde auch von 1000 bis 8000 Samen berichtet.

Systematik Das Typusexemplar wurde von Rodschied in Guyana gesammelt. Die Erstbeschreibung von Nymphaea rudgeana erfolgte 1818 durch Georg F. W. Meyer (1782–1856) in E. Meyer: Primitiae Florae Essequeboensis, Seite 198. Das Artepitheton rudgeana ehrt Anne Rudge, Frau von Eduard Rudge, die Pflanzenbilder für ihren Mann zeichnete.

Nymphaea rudgeana gehört zur Untergattung Nymphaea subg. Hydrocallis. Es wurde jedoch spekuliert, dass Nymphaea rudgeana eine alte Hybride mit Nymphaea subg. Lotos sein könnte.

Lebensraum mini|Nymphaea rudgeana G. Mey. in ihrem natürlichen Lebensraum in Bahia, Brasilien Diese Art kann neben Süßwasser, auch in salzigem oder brackigem Wasser wachsen. Sie wurde in flachen Gewässern von 20 bis 100 Zentimetern Tiefe an Flussrändern beobachtet. Sie wurde auch in einem künstlichen See mit geringer Wasserströmung gefunden.

Gefährdung In Puerto Rico handelt es sich um eine seltene Art, die mit der Zerstörung ihres Lebensraums konfrontiert ist. Der Status in der Roten Liste der IUCN ist nicht bewertet (NE).

Verwendung Ethnobotanische Verwendungen Laubblätter und Blüten werden vom Volk der Palikur in Französisch-Guayana als Emolliens verwendet. Es wurden auch verschiedene andere ethnobotanische Verwendungen berichtet: Abkochungen wurden bei Morphea verwendet, als Getränk wurde es gegen Erysipel eingesetzt, und es wurde zur Behandlung von Gesichtstumoren, Zahnschmerzen und leprösen Wunden verwendet.

Nahrungsmittel Die Samen werden als Nahrungsmittel verwendet.

Kultivierung Nymphaea rudgeana wird nur sehr selten kultiviert, obwohl sie leicht zu kultivieren ist. Sie sollte bei hohen Lichtverhältnissen in lehmigem, nährstoffreichen Substrat bei Temperaturen von 23–29 °C kultiviert werden.

Einzelnachweise H. S. Conard: The Waterlilies: A Monograph of the Genus Nymphaea (Classic Reprint, FB&C Limited, 2015). S. 204–206. Friedrich Henkel: Fr. Henkel, F. Hehnelt, L. Dittmann. Das Buch Der Nymphaeaceen Oder Seerosengewächse., 1907, S. 74–75. W. T.Stearn, L. H. J. Williams: Martin’s French Guiana Plants and Rudge’s “Plantarum Guianae rariorum Icones.” In: Bulletin Du Jardin Botanique de l’État a Bruxelles, Band 27, 2, 1957, S. 243–265. doi:10.2307/3666961 R. O. Woodbury, 1975: Rare and Endangered Plants of Puerto Rico: A Committee Report. S. 61. U.S. Department of Agriculture, Soil Conservation Service. M. J. Cramer, A. D. J. Meeuse, P. A. Teunissen: A note on the pollination of nocturnally flowering species of Nymphaea. In: Acta Botanica Neerlandica, Volume 24, Issue 5/6, 1975, S. 489–490. PDF. G. T. Prance, A. B. Anderson: Studies of the floral biology of neotropical Nymphaeaceae. In: 3. Acta Amazonica, Volume 6, 1976, S. 163–170. PDF. G. T. Prance: A Note on the Pollination of Nymphaea Amazonum Mart. & Zucc. (Nymphaeaceae). In: Brittonia, Volume 32, Issue 4, 1980, S. 505–507. doi:10.2307/2806159 Gerhard Gottsberger: Some Pollination Strategies in Neotropical Savannas and Forests. In: Plant Systematics and Evolution, Volume 152, Issue 1/2, 1986, S. 29–45. J. H. Wiersema: A monograph of Nymphaea subgenus Hydrocallis (Nymphaeaceae). In: Systematic Botany Monographs, 1987, S. 1–112. J. H. Wiersema, 1988: Reproductive Biology of Nymphaea (Nymphaeaceae). In: Annals of the Missouri Botanical Garden, Volume 75, Issue 3, S. 795–804. doi:10.2307/2399367 R. Hegnauer: Chemotaxonomie der Pflanzen: Eine Übersicht über die Verbreitung und die systematische Bedeutung der Pflanzenstoffe. Birkhäuser Basel, 2013. S. 136. C. T. D. Lima: Flora das cangas da Serra dos Carajás, Pará, Brasil: Nymphaeaceae. In: Rodriguésia, Volume 69, 2018, S. 153–156. A. F. M.Camargo, E. R. Florentino: Population dynamics and net primary production of the aquatic macrophite Nymphaea rudgeana CF Mey in a lotic environment of the Itanhaém River basin (SP, Brazil). In: Revista Brasileira de Biologia, Volume 60, 2000, S. 83–92. online. T. Borsch, K. W. Hilu, J. H. Wiersema, C. Löhne, W. Barthlott, V. Wilde: Phylogeny of Nymphaea (Nymphaeaceae): evidence from substitutions and microstructural changes in the chloroplast trnT-trnF region. In: International Journal of Plant Sciences, Volume 168, Issue 5, 2007, S. 39–671. PDF. H. Breukel, (n.d.-b). 26. November 2023: Nymphaea rudgenana G.F.W. Meyer - syn. blanda Planch. bei Seerosenforum.de Das Portal Der Seerose. Nymphaea rudgeana. In: Flowgrow. 26. November 2023. Y. Oczkowski, (n.d.): Les plantes: Nymphaea rudgeana. Aquavipare. 26. November 2023 M. O. O. Pellegrini, Jardim Botânico do Rio de Janeiro.: Nymphaea rudgeana G.Mey. In: Flora E Funga Do Brasil. online. BIOTOPE AQUARIUM Project, N. Khardina, (5. September 2022). Nymphaea rudgeana G.Mey. In: Biotope Aquarium Project. online. Berichte der Deutschen Pharmaceutischen Gesellschaft. S. 285. R. Gaertners Verlagsbuchhandlung, 1897. Nymphaea rudgeana bei International Plant Names Index. online.

Weblinks

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