mini|hochkant|St. Mauritius in Kirchheim Die im 12. Jahrhundert gegründete evangelische Pfarrkirche St. Mauritius steht in Kirchheim am Neckar, einer Gemeinde im Landkreis Ludwigsburg in Baden-Württemberg. Das Bauwerk ist beim Landesamt für Denkmalpflege Baden-Württemberg als Baudenkmal eingetragen. Die Kirchengemeinde gehört zum Kirchenbezirk Besigheim der Evangelischen Landeskirche in Württemberg. Namensgeber der Kirche ist der Hl. Mauritius.
Geschichte Der romanische Vorgängerbau der Ortskirche stammte aus dem 12. Jahrhundert. Dem im Jahre 1490 errichteten spätgotischen Kirchenschiff blieb der Chorturm erhalten, der im 17. Jahrhundert mit einem Geschoss aus Holzfachwerk, das die Turmuhr und den Glockenstuhl für vier Kirchenglocken beherbergt, aufgestockt und mit einem achtseitigen, schiefergedeckten Knickhelm bedeckt wurde. Im Jahre 1594 wurde das Schiff nach Süden zu einer quadratischen Querkirche erweitert.Eduard Paulus: Die Kunst- und Altertums-Denkmale im Königreich Württemberg - Neckarkreis, Inventar; Stuttgart 1889, S. 79 - sowie: Erwin Rall: Die Kirchenbauten der Protestanten in Schwaben und Südfranken im 16. und 17. Jahrhundert; Maschinenschriftliche Dissertation. TH Stuttgart, 1922, S. 19 f - Die in beiden Publikationen genannte Jahreszahl 1789 für die Erweiterung ist unrichtig.Kirchen(um-)baugeschichte und erzielte Querkirchen-Raumkonzeption vergleichbar z. B. mit Unterweissach. 1830 wurde anlässlich des 300-jährigen Jubiläums der Confessio Augustana eine Linde im Kirchhof gepflanzt. In neuerer Zeit wurde die Kirche 1967 innen und 2009–2012 außen und innen renoviert (einschließlich Dachstuhlsanierung).
Architektur und Ausstattung Das seit der Erweiterung 1594 quadratische Kirchenschiff enthält bis heute eine dreiseitige Empore mit Renaissance-Säulen, deren eine die Datumssignatur trägt. Das erste Dachgeschoss ist als Aufbewahrungsort für Notzeiten in Räume unterteilt. Der Turm wurde auf der Höhe der Glockenstube um 1930 mit je einem Nord- und Südbalkon für das Turmblasen versehen.
Die Kanzel ruht auf hölzernen Wandkonsolen auf der Wandmitte zwischen dem Turmchorbogen und einem Ostfenster, mit Treppen- und Wandzugang aus dem Chor. Vier mächtige Holzsäulen mit Längsunterzügen tragen das Dachwerk. Historische Balkenkonsolen und Zier-Kapitelle waren 1967 entfernt worden zugunsten von Stahlträgern, die zunächst unter einer Deckenlattung, jetzt unter Akustikplatten verborgen sind.
Zu den ältesten Bestandteilen der Kirche zählt das Kruzifix, das in das 13. oder 14. Jahrhundert datiert wird.
Fenster Der Stuttgarter Glaskünstler Rudolf Yelin d. Ä. schuf 1915 das heutige Westfenster mit dem Guten Hirten, das bis 1967 das Turmchorfenster war. Auch das südliche Rundfenster (Lamm) bei der Emporentreppe stammt von ihm. Walter Kohler entwarf 1929 das expressionistische Chorfenster mit den Aposteln Paulus und Johannes; gefertigt wurde es in der Werkstatt Gaiser. Der Künstler Peter Jakob Schober war 1967 mit der Neugestaltung des Altarbereichs beauftragt. Er schuf den Altar, den Taufstein und das neue Altarfenster mit dem Thema Pfingsten.
Orgeln Eine Chororgel von Johann Michael Schmahl wurde 1687 - akustisch ungünstig - im engen Turmchor aufgestellt und 1746 durch ein Instrument von Johann Adam Schmahl aus Heilbronn ersetzt. 1907 wurde eine Emporenorgel durch die Orgelbaufirma Gebr. Link aufgestellt. Die heutige Emporenorgel wurde 1967 als opus 50 von Richard Rensch mit 24 Registern erbaut. Beim Ausbau der alten Orgel entdeckte man an den Fassadenteilen von 1746 unter braunem Ölanstrich barocke Marmorierungen, die ebenso wie die vergoldeten Schleierbretter und Verzierungen restauriert und in historischer Bauweise ergänzt wurden und als Rückpositiv in die geschweifte Emporenbrüstung eingepasst wurden. Eine Figur des auferstandenen Christus, die zuvor das Kanzeldach krönte, steht auf dem Rückpositiv.
Ein mobiles Orgelpositiv von Horst Kenter aus Bad Liebenzell (1985) steht normalerweise im Turmchor und wird bei kleineren Andachten, Kasualien und kirchenmusikalischen Aufführungen eingesetzt.
Glocken Die Schlagtöne der vier Glocken ergeben das Tonmotiv "Wachet auf". NameGussjahrGlockengießerGewichtDurchmesserSchlagtonInschriftBetglocke1950Heinrich Kurtz, Stuttgart1444 kg134 cmd'FRIEDE SEI MIT EUCH / EVANG. KIRCHENGEMEINDE KIRCHHEIM A.NECKAR 1950Kreuzglocke1596, 1801 umgegossenChristian Gottlieb Neubert, Ludwigsburg570 kg103 cmfis'GEGOSSEN VON C: G: NEUBERT IN LUDWIGSBURG / DAMALS WARE / HERR W: WIBBEKINK AMTSVERWESER / H - VEYHL / H - C: RIEGER / BÜRGERMEISTER / H - C. HAEKER / H - I: MEZGER / RICHTER. / PARABATUR ANNO 1596 / UMGEGOSSEN AM FRIEDENS -/ SCHLUS DES FR REVOL: UND REICHS / KRIEGS ANNO 1801 / COMMUN GLOKEZeichenglocke1950Heinrich Kurtz, Stuttgart422 kg89 cma'DAS WORT DES HERRN BLEIBT IN EWIGKEIT / 1750 - JOH. SEB. BACH - 1950 / EVANG. KIRCHENGEMEINDE KIRCHHEIM A.NECKAR 1950Taufglocke1982Rincker, Sinn359 kg83 cmh'WACHET AUF RUFT UNS DIE STIMME / STIFTUNG AUS DEM ERBE KUCHER/SORG / EVANG. KIRCHENGEMEINDE KIRCHHEIM A.N. 1982
Literatur Kirchheim am Neckar einst und jetzt; Sonderdruck aus den Vierteljahresheften des Zabergäu-Vereins 1915, Herausgeber August Holder, Buchdruckerei von Gg. Kohl, Brackenheim Gottlob Grünenwald: So war es... - Heimatbuch für Kirchheim/N.; Hrsg. Geschichtsverein Kirchheim/N. e.V., bearbeitet von Dr. Jürgen Klooz, 2. Auflage, Kirchheim/Neckar 1993
Klaus Meeuw: 1000 Jahre Kirchheim a.N. - Ortchronik 1003 bis 2003; Hg. Gemeinde Kirchheim am Neckar 2003 Die Mauritiuskirche Kirchheim am Neckar; Hg. Ev Kirchengemeinde Kirchheim/N., Kirchheim am Neckar 2003 Heinz Rall, Ulrich Gräf: Historische Kirchen im Zabergäu und Umgebung; hg. Zabergäuverein und Verein für Kirche und Kunst, Besigheim 2003, S. 44 f Martin Luscher (Hrsg.): Kirchen im Evangelischen Kirchenbezirk Besigheim; Besigheim 2007, S. 38 Ulrich Zimmermann: Die Predigtkirche und die Querkirche - Protestantischer Kirchenbau in Württemberg. Eine Studie zur Geschichte und Theologie des Kirchenraums und zur Entstehung zweier Kirchenbautypen; Ubstadt 2025, S. 222, 243, 292 - ISBN 978-3-95505-592-9.
Weblinks
Website der Kirchengemeinde, abgerufen am 23. Februar 2024 Mehr Bilder und Informationen zur Mauritiuskirche auf kirchen-online.com Glocken der Mauritiuskirche auf YouTube
Einzelnachweise
Kategorie:Kirchengebäude im Landkreis Ludwigsburg St Mauritius Kategorie:Mauritiuskirche Kategorie:Kirche in der Evangelischen Landeskirche in Württemberg Kategorie:Saalkirche in Baden-Württemberg Kategorie:Chorturmkirche Kategorie:Romanische Kirche Kategorie:Bauwerk der Romanik in Baden-Württemberg Kategorie:Gotische Kirche Kategorie:Gotisches Bauwerk im Landkreis Ludwigsburg Kategorie:Kirchengebäude in Europa