Bath-Stempel sind Blindstempel, die im 19. Jahrhundert in frühe Maschinenpapiere ohne Wasserzeichen nachträglich in die obere linke Ecke der konfektionierten Schreibpapierbogen als Handelszeichen für Briefpapier eingeprägt wurden.Marianne Bockelkamp: Analytische Forschungen zu Handschriften des 19. Jahrhunderts. Am Beispiel der Heine-Handschriften der Bibliotheque Nationale Paris. Hauswedell, Hamburg 1982, S. 45. Erste derartige Stempel wiesen den Ortsnamen des englischen Badeorts Bath in Versalien auf und waren mit einem reich verzierten Rahmen versehen.Marianne Bockelkamp: Analytische Forschungen zu Handschriften des 19. Jahrhunderts. Am Beispiel der Heine-Handschriften der Bibliotheque Nationale Paris. Hauswedell, Hamburg 1982, S. 51. „Bath-Stempel“ bzw. „Bath-Prägung“ entwickelte sich zu einem Gattungsnamen für vielfältige Formen der Nachahmung.

Geschichte

Wisso Weiß kennt das frühe Beispiel eines Briefpapierblatts mit dem entsprechenden Blindprägestempel und mit Wasserzeichen: „in punktierter rechteckiger Einfassung eine Krone und das Wort „Bath“; im Papier findet sich als Wasserzeichen ebenfalls das Wort „Bath“ mit dem Jahr der Herstellung (1818)“Wisso Weiß: Zeittafel zur Papiergeschichte, Fachbuchverlag, Leipzig 1983, S. 261. Diese Kennzeichnung stand für hohe Papierqualität und fand in den folgenden Jahren verbreitete Anwendung bei wasserzeichenlosen, maschinell erzeugten Papieren.

1828 finden sich derartige Stempel in russischen Papieren der Kaiserlichen Petershofer Papierfabrik und bürgern sich in der Folge in Russland ein.Wisso Weiß: Zeittafel zur Papiergeschichte, Fachbuchverlag, Leipzig 1983, S. 280.Sokrat Aleksandrovič Klepikov: Russian watermarks and embossed paper-stamps of the eighteenth and nineteenth centuries. Translated by J. S. G. Simmons. In: Bibliographical Society of America: The papers of the Bibliographical Society of America 57 (1963), S. 121–128, hier S. 127.

Gutachten in Österreich Im Zusammenhang mit gewerberechtlichen Fragestellungen befasste man sich in Österreich im Herbst 1858 mit der Anbringung von Prägestempeln auf Briefpapier und beleuchtete dabei die historischen Zusammenhänge.

1898 bemerkte Theodor Theyer, Inhaber des Wiener Schreibwarengeschäfts Theyer & Hardtmuth, zur Bath-Prägung: „Von diesem Badeorte aus nahmen die Briefe ihren Weg durch die ganze Welt; das gefällige Format, die gute Qualität des Papieres erwarben demselben rasch Freunde und zahlreiche Abnehmer, und im Laufe weniger Jahre erhielt die Bath-Prägung den Charakter einer internationalen, unerlässlichen Marke für vorzügliches Erzeugniss.Das Wort »Bath« auf Briefpapieren. In: Papierzeitung 25 (1900), Nr. 80, S. 2980–2981, hier S. 2981.“

Objekt der Papierforschung Unter den Papierhistorikern nahmen sich vor allem Sokrat Aleksandrovič Klepikov in der Sowjetunion und Alfred Nadler in Deutschland der Thematik an.

Nadler stellte auf Grund seiner persönlichen Sammlung fest, „dass in der Zeit ab 1840 infolge der frühzeitigen englischen Erzeugung von Maschinenpapier, das zudem sehr dünn, leicht und glatt war sowie ein kleineres Format zeigte, erhebliche Mengen dieses beliebten Briefpapiers dauernd nach Deutschland eingeführt werden konnten und gegenüber jeder deutschen Konkurrenz bis etwa 1890 (also etwa 50 Jahre lang) sich zu behaupten vermochte.“Alfred Nadler: Prägeeindrucke im Briefpapier als Objekte der Papierforschung. In: International Association of Paper Historians: IPH-Information Bd. 5 (1971), Nr. 4, S. 88–90, hier S. 88. Unter den Prägeeindrucken fanden sich Bezeichnungen wie Bath, London, Windsor, Mill, Hammer Mill, Margaret Mill, Albert Mill, Alfa Mill sowie zusätzlich die Qualität bezeichnende Attribute wie FINE, SUPERFINE oder SUPERFINE SATIN. Die Sammlung Nadler befindet sich jetzt in der Basler Papiermühle.

Bei der Analyse von Heine-Autographen fand Wisso Weiß mehrfach folgende Blindprägestempel: „In Quer-Oval »BATH«, darüber kleine Krone, darunter »FINE«, Umschrift in der Oval-Einfassung: »DEPOT CHEZ TRONCHON RUE MONTMATRE 142 PARIS«.“Wisso Weiß: Papier und Wasserzeichen in Heine-Autographen. Ein Verzeichnis der in der DDR vorhandenen Manuskripte. In: Heine-Jahrbuch 11 ( 1972), S. 171–217, hier S. 208–209.

Anna Grönvik stellte 1975 eine sehr anschauliche Bilddokumentation vor.Anna Grönvik: Präglade vattenmärken. In: Föreningen Nordiska Pappershistoriker: NPH-nytt 3 (1975), Nr. 2, S. 2–7. Online pdf letzter Zugriff am 11. September 2026.

Einzelbelege

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