mini|Beschädigtes Siegel von Bruno III. von Isenburg-Braunsberg aus dem Jahr 1269. Bruno III. von Isenburg-Braunsberg (auch Bruno III. „der Jüngere“ von Braunsberg; * um 1230; † 1278) war ein deutscher Adliger, der von 1255/56 bis 1278 Herr von Braunsberg und Isenburg und zu einer Hälfte Besitzer der Grafschaft Wied war. Er war zudem aus wiedischem Erbe Vogt der Dietkirchener Vogtei Oberbieber und aus dem Erbe seines Vaters Vogt von Maischeid.

Er stammte aus dem Haus Isenburg, genauer aus der „Linie Wied-Braunsberg-Isenburg“, die später lediglich als „Linie Wied-Isenburg“ bezeichnet wurde. Seine direkte männliche Linie lässt sich bis Gerlach I. von Isenburg zurückverfolgen, der mit seinem Bruder Rembold I. um 1100 im Sayntal die Isenburg erbaute.

Brunos Regentschaft kennzeichnete sich durch seine zahlreichen Schenkungen an örtliche Abteien sowie die neutrale und kompromissbereite Beziehung mit seinen Miterben, den Herren von Eppstein. Brunos Einfluss im Reich mag zwar gering ausgefallen sein, regional war er jedoch – nicht zuletzt durch seine weitläufigen Verwandtschaften mit den Erzbischöfen von Köln, Trier und Mainz – eine bedeutende Persönlichkeit.

Leben

Herkunft Bruno III. war der einzige Sohn des Herren Bruno II. von Isenburg-Braunsberg († 1255/56) und einer Johanna.Wilhelm Karl von Isenburg: Europäische Stammtafeln. Vol. XVII, Tafel 74. Er war Neffe von Dietrich „dem Älteren“ von Isenburg (urkundlich erwähnt zwischen 1218 und 1253), der mit Bruno II. die Grafschaft Wied und Herrschaft Isenburg geteilt regierte,Hellmuth Gensicke: Landesgeschichte des Westerwaldes. Wiesbaden, 1958, S. 301. sowie des Erzbischofs Arnold II. von Trier († 1259).Wilhelm Tullius: Die wechselvolle Geschichte des Hauses Wied. Neuwied, 2003, ISBN 3-934125-02-6, S. 27.Wilhelm Tullius: Die wechselvolle Geschichte des Hauses Wied. Neuwied, 2003, ISBN 3-934125-02-6, S. 24. Zudem war er über seine Großmutter Theodora († nach 1218) ein Großneffe des Grafen Lothar von Wied († 1244),Hellmuth Gensicke: Landesgeschichte des Westerwaldes. Wiesbaden, 1958, S. 253. mit dem das erste Haus von Wied ausstarb, und des Erzbischofs Dietrich II. († 1242) von Trier.Wilhelm Tullius: Die wechselvolle Geschichte des Hauses Wied. Neuwied, 2003, ISBN 3-934125-02-6, S. 23.

Es ist nur eine Schwester Brunos namens Mechthild (* um 1233; † um 1280) bekannt, die spätestens 1253Wilhelm Karl von Isenburg: Europäische Stammtafeln. Vol. XVII, Tafel 24. mit Gottfried III. von Eppstein († 1293) verheiratet war.Johann Stephan Reck: Geschichte der gräflichen und fürstlichen Häuser Isenburg, Runkel, Wied. Weimar, 1825, S. 72 (Digitalisat). Sie hatten fünf Kinder. Gottfrieds Großvater Gottfried I. († 1223) war mit Isalda von Wied, einer Großtante von Bruno III., verheiratet gewesen. Gottfried III. und Mechthild waren also Cousins zweiten Grades.

Stammtafel von Bruno III.

Kindheit und Jugend mini|Stich der Burg Braunsberg im Jahr 1825, ehemaliger Herrschaftssitz von Bruno III. von Isenburg. Aus Johann Stephan Recks Geschichte der gräflichen und fürstlichen Häuser Isenburg, Runkel, Wied, verbunden mit der Geschichte des Rheinthals zwischen Koblenz und Andernach von Julius Caesar bis auf die neueste Zeit.Bruno wuchs in einer großen von der Eifel bis in die Wetterau verzweigten Familie auf. Zum Zeitpunkt von Brunos Geburt hatten die Herren von Isenburg bereits vier Burgen erbaut und bewohnten drei weitere Burgen aus dem Erbe anderer Adelsgeschlechter.Hellmuth Gensicke: Landesgeschichte des Westerwaldes. Wiesbaden, 1958, S. 290–302. Eine dieser Burgen, die Stammburg Isenburg, war die älteste und wurde schon Anfang des 13. Jahrhunderts zu eng für die vielen Linien des Hauses. Daher erbaute Brunos Großvater Bruno I. um 1200 die Burg Braunsberg (Brunsburg) über dem Aubachtal, die seitdem der Herrschaftssitz dieser neuen Linie war.Hellmuth Gensicke: Landesgeschichte des Westerwaldes. Wiesbaden, 1958, S. 301 f.

Auch wenn es von Bruno vor 1247 keine urkundliche Erwähnung und damit auch keine sicheren Nachrichten über seine Kindheit oder Jugend gibt, wird sie jedoch sehr von den Handlungen um die Erbschaft der Grafschaft Wied geprägt gewesen sein. Denn schon am 22. Februar 1238, noch etwa sechs Jahre vor dem Tod des letzten wiedischen Grafen, wurden Brunos Vater und sein Onkel Dietrich von dem rheinischen Pfalzgrafen Otto II. mit der Grafschaft Wied und allen anderen pfalzgräflichen Gütern Lothars „auf den Todesfall ihres Oheims“ (quod post mortem dicti comitis avunculi sui)Heinrich Beyer (Hrsg.): Mittelrheinisches Urkundenbuch. Band 3. Koblenz, 1874, S. 449, Nr. 584 (Digitalisat). belehnt.

Es folgten weitere Vergleiche und Verhandlungen, bis sich schließlich am 24. November 1240Heinrich Beyer (Hrsg.): Mittelrheinisches Urkundenbuch. Band 3. Koblenz, 1874, S. 523, Nr. 688 (Digitalisat). die Brüder Bruno II. von Braunsberg, Dietrich und Dompropst Arnold von Isenburg (der spätere Erzbischof von Trier) mit ihren Vettern Erzbischof Siegfried III. von Mainz, Gottfried II. und Gerhard II. von Eppstein auf Burg Braunsberg trafen, um einen Vergleich bezüglich der wiedischen Erbschaft zu schließen. Dabei wurde entschieden, dass alle Anwesenden nach dem Tod ihres Onkels Lothar die Grafschaft zu gleichen Teilen erben und gemeinsam regieren sollten, da die Eppsteiner über eine jüngere Schwester Lothars als dessen Neffen erbberechtigt waren.

Damit wurde die Burg Braunsberg Ort einer der wichtigsten Vergleiche in der Geschichte der Grafschaft Wied, die den Beginn des Aufstiegs der Braunsberger markierte – diese traten Schritt für Schritt immer mehr in die Fußstapfen der Grafen von Wied, wodurch sie eine „bedeutende Stellung“ einnahmen. Als Bruno etwa zwölf Jahre alt war, wurde sein Onkel Arnold beispielsweise als Nachfolger seines Onkels Dietrich II. von Wied († 1242) zum dritten Kurerzbischof von Trier gewählt. Dieser besiegelte am 5. März 1243Heinrich Beyer (Hrsg.): Mittelrheinisches Urkundenbuch. Band 3. Koblenz, 1874, S. 576, Nr. 688 (Digitalisat). auf Burg Niederwied die Belehnung Brunos und Dietrichs von Isenburg mit sämtlichen Lehen des Grafen Lothar von Wied, der die Urkunde ausstellte. Die Eppsteiner waren an dieser Belehnung nicht beteiligt.

Gegen 1247, als Bruno vermutlich als mündig anerkannt wurde und seine ritterliche Ausbildung endete, befanden sich die Herren von Braunsberg und Eppstein bereits mitten in der gemeinsamen Regentschaft der Grafschaft Wied, allerdings konnte keine der beiden Familien den alten Grafentitel aufgreifen. Im Heiligen Römischen Reich herrschte zu dieser Zeit das von 1245 bis 1273 andauernde Interregnum – eine kaiserlose Zeit, in der zwar insgesamt vier Könige (Heinrich Raspe, Wilhelm von Holland, Alfons von Kastilien, Richard von Cornwall) gewählt wurden, keiner dieser Könige aber vermochte, Herrschergewalt auszuüben. Erst gegen Ende von Brunos Regentschaft erlebte er noch die Wahl des Habsburgers Rudolf IV. (1271), mit dem das Interregnum ein Ende nahm.Martin Kaufhold: Deutsches Interregnum und europäische Politik. Konfliktlösungen und Entscheidungsstrukturen 1230–1280. Hannover, 2000, ISBN 3-7752-5449-8 (= Monumenta Germaniae Historica. Schriften. Band 49, zugleich Habilitationsschrift Universität Heidelberg 1999).

Herrschaftsantritt Seit 1247Heinrich Beyer (Hrsg.): Mittelrheinisches Urkundenbuch. Band 3. Koblenz, 1874, S. 698, Nr. 930 (Digitalisat). tauchte Bruno mit seinem gleichnamigen Vater mehrfach in Zeugenreihen auf, was darauf hindeutet, dass er zu diesem Zeitpunkt bereits mündig war und auf die Herrschaft vorbereitet wurde. Zur Unterscheidung mit seinem Vater wurde er daher auch oft „der Jüngere“ (Brunone [...] iuniore de Brunesberch) genannt. Am 25. November 1250 taucht er sogar erstmals ohne seinen Vater als „Ritter“ (Brunone iuniore de Brunsperch [...] militibus)Heinrich Beyer (Hrsg.): Mittelrheinisches Urkundenbuch. Band 3. Koblenz, 1874, S. 800, Nr. 1077 (Digitalisat). auf, allerdings noch nicht als „Herr“ (domine) von Braunsberg.

Zusammen mit seinem Vater (und als Neffe des Erzbischofs Arnold II. von Trier) wurde er zuletzt im Jahr 1255 genannt (nec non et nobilium virorum fratris Brunonis, et Brunonis ipsius filii).Christian Hiskias Heinrich von Fischer: Geschlechts-Register der uralten deutschen Reichsständischen Häuser Isenburg Wied und Runkel. Mannheim, 1775, S. 202 (Digitalisat). Brunos Vater starb kurz darauf, vielleicht sogar noch im selben Jahr, denn in der berühmten Urkunde zur Aufteilung der Grafschaft Nassau zwischen der Walramischen und Ottonischen Linie des Hauses Nassau am 16. Dezember 1255Karl Menzel, Wilhelm Sauer (Hrsg.): Codex diplomaticus Nassoicus (= Nassauisches Urkundenbuch). Wiesbaden 1885, S. 389, Nr. 639 (Digitalisat). erscheint als Zeuge nur ein Bruno von Braunsberg (domini Brunonis de Brunsberg).Johann Martin Kremer (Ed.): Originum Nassoicarum. Band 2. Wiesbaden, 1779, S. 300 (Digitalisat). Allgemein wird die Urkunde des Erzbischofs Arnold von Trier vom 20. März 1256Heinrich Beyer (Hrsg.): Mittelrheinisches Urkundenbuch. Band 3. Koblenz, 1874, S. 964, Nr. 1338 (Digitalisat). als erste gesicherte Erwähnung Brunos als Herr von Braunsberg angesehen.Hellmuth Gensicke: Landesgeschichte des Westerwaldes. Wiesbaden, 1958, S. 301, Anm. 6.

Weitere Besitzungen Brunos Die Herrschaft Braunsberg war aber nicht sein einziges Erbe. Er erbte von seinem Vater das sogenannte Braunsberger Haus auf der Isenburg samt ein Viertel der dazugehörigen Herrschaft Isenburg,Hellmuth Gensicke: Landesgeschichte des Westerwaldes. Wiesbaden, 1958, S. 302. die Vogtei Maischeid, die Grundherrschaften Heddesdorf, Langendorf, Niederbieber, Oberbieber und Dierdorf, und am wichtigsten: Die Hälfte der Grafschaft Wied. Bruno III. erbte noch dazu die Burg Hartenfels als Mitbesitzer mit den Eppsteinern und Heinrich III. von Isenburg. Im Jahr 1259 verloren die Isenburger und Eppsteiner allerdings die Burgherrschaft Hartenfels, wodurch nach Gensicke das „Übergewicht der Braunsberger“ stärker wurde.

mini|Die Burg Olbrück, eines der bedeutendsten Wahrzeichen im Brohltal. Weiterer Streubesitz lag auf der anderen Rheinseite im Maifeld, so zum Beispiel der Ort Kalt, der von dem Ritter Kuno von Bachem, ein Vasall Brunos, als Lehen gehalten wurde. Dieser Niederadlige verkaufte – mit Brunos zuvor am 21. NovemberHeinrich Beyer (Hrsg.): Mittelrheinisches Urkundenbuch. Band 3. Koblenz, 1874, S. 1087 f., Nr. 1505 (Digitalisat). eingeholten Bestätigung – am 26. November 1259Heinrich Beyer (Hrsg.): Mittelrheinisches Urkundenbuch. Band 3. Koblenz, 1874, S. 1088, Nr. 1506 (Digitalisat). die Güter des Dorfes an das Deutschordenshaus in Koblenz. Die zuerst erfolgte Bestätigung Brunos fand nach der Urkunde auf der Burg Isenburg (in castro Ysenburg) statt. Bruno bestätigte also noch Rechtssprüche und sonstige Bestätigungen sowie Schenkungen auf der Stammburg seines Hauses.

Ebenfalls auf der linken Rheinseite lag auch aus wiedischem Erbe die Burg Olbrück mit der gleichnamigen Herrschaft, die zur Hälfte Bruno III. gehörte. Die andere Hälfte gehörte den Eppsteinern. Nachdem die Eppsteiner im Jahr 1271 ihren Anteil an die Familie von Eich verkauften, verkaufte Bruno am 9. Januar 1272Adam Goerz (Hrsg.): Mittelrheinische Regesten. Koblenz, 1881, S. 608, Nr. 2672 (Digitalisat). ebenfalls seine Hälfte für 600 kölnische Mark an den Ritter Peter I. von Eich.Hellmuth Gensicke: Landesgeschichte des Westerwaldes. Wiesbaden, 1958, S. 254.

Brunos Territorialpolitik und weiteres Wirken mini|Intitulatio einer Urkunde Brunos aus dem Jahr 1270: Bruno nobles de Isenburg.