Trimipramin ist ein Dibenzazepin, welches als Arzneistoff aus der Gruppe der trizyklischen Antidepressiva verwendet wird. Seine Wirkung ist stark dämpfend und angstlösend.
Wirkung Trimipramin blockiert im Zentralnervensystem verschiedene Serotonin-, Dopamin- und α-Adrenozeptoren. Die Monoamin-Rückaufnahme aus dem synaptischen Spalt in die präsynaptischen Vesikel wird nur gering verzögert.B. L. Roth, J. Duriscol: PDSP Ki Database. Psychoactive Drug Screening Program (PDSP). University of North Carolina at Chapel Hill and the United States National Institute of Mental Health. 12. Januar 2011, abgerufen am 30. November 2013. Somit ist der antidepressive Wirkmechanismus anders als der anderer trizyklischer Antidepressiva. Außerdem wirkt Trimipramin anticholinerg und antihistaminerg; es hat folglich auch die charakteristischen Begleit- und Nebenwirkungen der übrigen trizyklischen Antidepressiva. Trimipramin wirkt zudem als FIASMA (funktioneller Hemmer der sauren Sphingomyelinase).
Aufgrund der vergleichsweise geringeren Beeinflussung von Serotonin und Noradrenalin sind die antidepressiven Effekte weniger ausgeprägt. Daher findet es vor allem bei ängstlich-agitierten Depressionen mit Unruhe, Ängstlichkeit, Schlaf-Wach-Rhythmus-Störungen, aber auch zur Behandlung von monosymptomatischen Schlafstörungen seinen Einsatz. Die sedierende Wirkung kann sehr stark sein; aus diesem Grund wird die Tagesdosis hauptsächlich abends eingenommen. Tagesmüdigkeit tritt dennoch fast immer auf, besonders zu Einnahmebeginn.
Die Halbwertszeit von Trimipramin im menschlichen Körper beträgt 24 Stunden.Frank Block: Kompendium der neurologischen Pharmakotherapie. Springer Verlag, Heidelberg 2008, ISBN 978-3-540-31348-9, S. 436 ().
Indikationen Trimipramin wird zur Behandlung von Depressionen angewendet, bei denen Angst, Schlafstörungen und Unruhe auftreten. Off-Label wird es auch bei primären Schlafstörungen, chronischen Schmerzen, Angststörungen und beim Reizdarmsyndrom eingesetzt.
Gegenanzeigen Trimipramin darf nicht eingenommen werden
bei akuter Alkohol-, Hypnotika-, Analgetika- und Psychopharmakaintoxikation, bei akuten Delirien, bei unbehandeltem Engwinkelglaukom, bei Harnentleerungsstörungen wie Harnverhalt oder Prostatahyperplasie mit Restharnbildung, bei Pylorusstenose, bei paralytischem Ileus, bei gleichzeitiger Einnahme von irreversiblen MAO-Hemmern, in der Schwangerschaft und Stillzeit.Deutsche Fachinformation: Stangyl; Stand: März 2006.
Unerwünschte Wirkungen Trimipramin kann aufgrund der auch für andere trizyklische Antidepressiva typischen anticholinergen Wirkungen vor allem vegetative Nebenwirkungen (Mundtrockenheit, Hypotonie, Tachykardie, Mydriasis und Akkommodationsstörungen, Magen-Darm-Probleme, Miktionsstörungen usw.) haben.
Außerdem können Blutbildveränderungen (Leukopenie, Agranulozytose) auftreten, ferner Gewichtszunahme (vorwiegend durch Wassereinlagerung) sowie Stimmungsschwankungen und extrapyramidale Störungen (Tremor, Ataxie, Akathisie und Dyskinesien).
Absetzproblematik Nach längerer Behandlung kann abruptes Absetzen zu Übelkeit, Kopfschmerzen und Unwohlsein führen.Fachinformationen des Arzneimittelkompendiums der Schweiz: Trimin, Stand: November 2003. Außerdem können Schlafstörungen, Angst, Unruhe und erhöhte Reizbarkeit auftreten. Die Behandlung ist schrittweise zu beenden.Deutsche Fachinformation: Stangyl; Stand: Juni 2008.
Darreichungsformen Trimipramin wird in Form von Tabletten, Dragées oder als Lösung angeboten.
Anwendung in der Schwangerschaft Trimipramin darf in der Schwangerschaft und Stillzeit nicht angewendet werden, da keine ausreichenden Erfahrungen dafür vorliegen und begrenzte Untersuchungen an Tieren Hinweise auf Schädigungen der Nachkommenschaft (erhöhte Sterblichkeitsrate und Missbildungen) gezeigt haben.
Genotoxisches Potential In Versuchen an der Fliegengattung Drosophila führte Trimipramin zu Erbgutschäden. Nach einer älteren Studie erhöhte die Einnahme von Trimipramin möglicherweise das Brustkrebsrisiko.C. R. Sharpe, J. P. Collet, E. Belzile, J. A. Hanley, J. F. Boivin: The effects of tricyclic antidepressants on breast cancer risk. In: British Journal of Cancer. Band 86, Nummer 1, Januar 2002, S. 92–97, doi:10.1038/sj.bjc.6600013, PMID 11857018, . Eine neuere, größere Studie zeigte dies bezüglich trizyklischer Antidepressiva nicht.Y. He, J. Wang, T. Li, Y. Shao, L. Xu, G. Zhu, M. Gong: The incidence risk of breast and gynecological cancer by antidepressant use: A systematic review and meta-analysis. In: Frontiers in Oncology. Band 12, November 2022, Artikel 968097, doi:10.3389/fonc.2022.939636, PMID 36425551, .
Herstellung und Stereochemie Die Synthese erfolgt ausgehend von 10,11,Dihydro-5H-dibenzo[b,f]azepin durch dessen Deprotonierung mit Natriumamid und eine nachfolgende nucleophile Substitution mit racemischem 3-N,N-Dimethylamino-2-methylpropylchlorid. rahmenlos|hochkant=2|zentriert|alt=|Synthese von Trimipramin
Trimipramin enthält ein Stereozentrum, der Arzneistoff wird als Racemat eingesetzt.E. J. Ariëns: Stereochemistry, a basis for sophisticated nonsense in pharmacokinetics and clinical pharmacology. In: European Journal of Clinical Pharmacology, 1984, Band 26, S. 663–668; doi:10.1007/BF00541922.
Handelsnamen Monopräparate Herphonal (D), Stangyl (D), Surmontil (CH), zahlreiche Generika (D, CH)
Einzelnachweise
Kategorie:Dihydroazepin Kategorie:Diphenylethan Kategorie:Diphenylamin Kategorie:Dimethylamin Kategorie:Antidepressivum Kategorie:Anxiolytikum Kategorie:Arzneistoff Kategorie:Synthetische psychotrope Substanz Kategorie:Psychotroper Wirkstoff