Die Konya-Ereğli Ovası (Konya-Ereğli-Ebene; oft auch Konya-Ova; Lykaonische Ebene oder Lukkavaniya-Ebene in der Antike) ist ein ausgedehnter Senkenkomplex in der Türkei im südlichen Inneranatolien. Sie wird eingerahmt von den Gebirgen des Inneranatolischen Vulkanbogens im Westen und Osten, im Süden von Partien des Mittleren Taurusgebirges sowie im Nordosten von den Hochplateaus bzw. Bergländern Inneranatoliens südlich (Obruk Yaylası, Boz Dağlar) des Tuz Gölü (Großer Salzsee). Sie erstreckt sich zwischen den inneranatolischen Städten und Verwaltungszentren Konya (Provinzzentrum) im Nordwesten, Karaman (Provinzzentrum) im Südwesten, Ereğli (Konya Ereğlisi, Kreisstadt) im Südosten sowie Karapınar (Kreisstadt) im Nordosten westlich der „Zentralanatolischen Vulkanprovinz“ Kappadokiens. Überregionale Straßenverbindungen bestehen über die Staatsstraßen D715 nach Norden (Ankara) und Süden (Silifke), D300 nach Nordwesten (Afyonkarahisar) und Osten (Kappadokien), D330 nach Westen (Isparta) und Osten bzw. Südosten in die Çukurova (Adana, Mersin, Tarsus) sowie D695 nach Südwesten (Antalya). Linien der Anatolischen Eisenbahn führen über Ankara nach Nordost- und Nordanatolien einschließlich İstanbul, in die Çukurova und via Gaziantep (Bagdadbahn) nach Ost- und Südostanatolien sowie über Afyon nach Westanatolien einschließlich İzmir.
Zur Lagesituation links|mini|Die Konya-Ereğli Ovası zwischen Konya und Karaman nordöstlich von Dinek mini|Konya-Ereğli Ovası bei Hasanoba mit Blick auf den Vulkan Karadağ bei Karaman
Die fast tischartig flache Ebene der etwa 8000 km² großen Konya-Ereğli Ovası, die mit einer O-W-Erstreckung von über 175 km und eine Breite von durchschnittlich 25–30 km ein Gebiet in Zentralanatolien zwischen 37° und 38° nördlicher Breite und 32° und 34° östlicher Länge umfasst, liegt auf einer mittleren Höhe von 1000 m. In ihrem östlichen Teil bei Karapınar ist sie durch eine Reihe hoher Vulkane, Karadağ (2271 m, andere vermerken: Mahlaç Tepesi 2288 m), Karacadağ und Hasan Dağı, eingeengt und in die Ereğli-Ebene im Osten und die Konya-Ebene im Westen geteilt. Darüber hinaus ist sie aufgrund tektonischer Vorgänge in verschiedene Teilebenen gegliedert: Die Konya-Çumra Ovası im Nordwesten, die Hotamış Ovası im Zentrum, die Karapınar Ovası im Nordosten, die Karaman Ovası im Süden und die Ereğli Ovası im Osten. Sie ist größtenteils von Bergen umgeben: Im Westen liegen der Erenler Dağı (2300 m) und die Eşenler Dağları (1849), sowie der Vulkan des Takkeli Dağ, der Hausberg von Konya, im Süden die nördlichen Teile des Zentralen Taurusgebirges mit den Bolkar Dağları (3524 m) und dem Hacıbabadağı (2481 m) sowie die Vulkanregion des Karadağ mit dem Yassıtepe, im Nordosten die kappadokischen Vulkane Karacadağ (2025 m) und Hasan Dağı (3268 m), im Norden die Bozdağlar (auch Bozdağ, 1956 m bzw. 1428 m) sowie das Obruk-Plateau (Obruk Yaylası, >1000 - < 1250 m). Im Osten schließt sich das Niğde-Bor-Becken an, das im Südosten in die Ecemiş-Senke (Ecemiş-Graben, Ecemiş koridoru, Tekir-Graben) mit der Kilikischen Pforte übergeht. Die nur wenige Meter tiefer gelegenen Teile der Ova werden, als Relikte des alten Konya-Sees, von periodischen Seen bzw. Sümpfen eingenommen. Das ist vor allem der Hotamış Gölü, ein sumpfartiger, flacher See, der durch den Çarşamba Çayı via Dineksaray über einen vom Beyşehir Gölü kommenden Bewässerungskanal gespeist wird, und im Winter und im Frühjahr periodisch einige tausend Hektar Ackerland im zentralen Teil der Ebene bei Hotamış überflutet. Im W und N der Kreisstadt Ereğli nimmt der Sumpfsee des Akgöl die tieferen Flächen ein.
mini|Blick auf die Çumra-Ebene vom Yassı Tepe, einem Parasitärvulkan des Karadağ nach Nordwesten links|mini|Das große vulkanische Massiv des Erenler Dağı trennt die verkarsteten Becken des Suğla- und des Beyşehir-Sees von der Konya-Ova und damit von zentralanatolischen Hochland links|mini|Die Grenze zur trockenen Konya-Ereğli Ovası bilden südöstlich des Suğla-Sees weite Teile des Eşenler Dağı-Massivs, der östlichsten Flanke der Kurve von Isparta mini|Blick auf die beiden Vulkane des Takkele Dağı, Büyük Gevale (Großer Gevale, rechts 1709,6 m) und Küçük Gevale (Kleiner Gevale, links hinter dem Minarett, Hausberg von Konya, 1643 m) links|mini|Historische Brücke über den Çarşamba Çayı bei Dineksaray, Konya-Ereğli Ovası
Geologisch-morphotektonische Aspekte Die meisten wissenschaftlichen Autoren sind sich darin einig, dass die Konya-Ereğli-Ebene, ebenso wie das große Nachbarbecken des Tuz Gölü, durch junge tektonische Bewegungen entstanden ist. Aufgrund von Ablagerung pliozäner Süßwasserkalke am Beckenrand ist man sicher, dass sich die Einsenkung des Konya-Ereğli-Beckens vermutlich bereits seit dem Miozän, wahrscheinlich aber am Ende des Pliozäns und am Anfang des Quartärs vollzogen hat: Tektonische Aktivitäten in den mitteltaurischen Gebirgen (rezent: Aladağ, Bozkır und Bolkar Dağı) hatten bereits seit dem späten Miozän Überschiebungen südwärts über die von den Geyik Dağları gebildeten Höhen ausgelöst und zu einem Anstieg der Höhen im Süden der Konya-Ereğli-Ebene geführt – begleitet von einer Phase vulkanischer Aktivität, die vom mittleren Miozän bis zum Ende des Quartärs anhielt. Dabei hatten sich in entstandenen Senken ein geschlossenes Binnenmeer und Seen gebildet - gespeist von Gewässern aus dem anatolisch-taurischen Gürtel im Süden dieses Binnenmeeres. Während die angrenzenden Höhenzüge an der Wende vom Pliozän zum Pleistozän weiter emporgehoben wurden, war der Beckenboden zurückgeblieben oder hatte sich gesenkt.
mini|Travertinhügel der Thermalquelle des Ak Hüyük (weißer Hügel) bei Ereğli (Konya).1992. Seit Juli 2023 ist dort ein Thermalbad eingerichtet.
Die Spuren dieser tektonischen Bewegungen kann man am deutlichsten am Südrand der Ebene erkennen, wo die Ebene durch die hohen Gebirgsketten des Taurus begrenzt wird. Dort dehnt sich zwischen den hohen Faltengebirgsrücken des Mittleren Taurus (Bolkar Dağı) und der Ebene ein mehr oder weniger breiter Streifen hügeligen Geländes aus neogenen, wenig verfestigten Mergeln sowie Sand- und Kalksteinen aus. Diese Schichten liegen im Becken zwischen Konya, Çumra und Karaman horizontal und bilden flache, etwa 50–100 m hohe Tafeln oder Hügel in der sonst tischebenen Ova. Dagegen sind dieselben Schichten unmittelbar am Ebenenrand durch Verwerfungen stark gestört und nach Süden zum Gebirge hin in Höhen von etwa 1300–1500 m hochgeschleppt worden. Weiter im Osten bei Ereğli liegen die Neogene an der Nordabdachung des Taurus in 1200 m Höhe, tauchen aber beckeneinwärts unter die einige hundert Meter mächtigen Alluvionen ab. Beweis dafür ist der hohe Kalkgehalt der Thermalquelle Ak Hüyük (weißer Hügel, seit 2023 Thermalbad) bei Ereğli, die dort an eine tiefgreifende Verwerfung gebunden ist. Derartige Beispiele lassen sich auch an den übrigen Beckenrändern nachweisen.
mini|Parasitärvulkan Bozdağ des Karadağ bei Karaman links|mini|Blick auf den Vulkan des Karadağ bei Karaman im Süden der Konya-Ereğli Ovası
Im Zusammenhang mit diesen jungen tektonischen Bewegungen standen auch Vulkanausbrüche im Bereich des Konya-Beckens und in seiner kappadokischen Nachbarschaft mit vielen vulkanischen Erscheinungen, wie Maaren, Tuff- und Aschekegeln, Aschefeldern sowie hohen Vulkankegeln des Karadağ, Karacadağ, Hasan Dağı und Erciyes Dağı, die auf einer in NO-SW-Richtung verlaufenden großen Verwerfungslinie liegen und zusammen mit ihrem westlichen Pendant (Erenler Dağları) Teile des Inneranatolischen Vulkanbogens bilden. Die tektonische Senke der Konya-Ereğli Ovası liegt damit in einer Erdbebenzone 3. und 4. Grades. Ansonsten besteht ihr Rahmen aus metamorphen Gesteinen, kristallinen Massiven und ozeanischen Krustenschichten, wobei diese Gesteine letztendlich auch die tiefliegende Grundlage des mit Alluvionen gefüllten Beckens bilden. Über dem Westende der Konya-Ereğli Ovası erhebt sich das unruhige, offenbar in Bruchschollen zerstückelte Bergland der Bozdağlar (Bozdağ), das nordwestwärts bis in die Gegend von Yunak reicht, und in dem einzelne Gipfel bis auf über 2000 m aufragen, dessen Höhen generell aber meist wesentlich geringer zwischen 1000 und 1500 m bleiben. Dieses Bergland wird 35 km westsüdwestlich von Konya vom Taurus-Gebirge durch die von SO nach NW laufende Senke von Hatunsaray getrennt. Es gehört seinem Gesamtcharakter nach durchaus noch zu Zentralanatolien, besteht aber im Wesentlichen aus NW-SO streichend gefalteten vorpermischen Kalken, also aus Elementen, die zu den Strukturen des Taurussystems gehören. Herbert Louis bezeichnete es als Vortaurus von Konya und Yunak.
Alter Konya-See und das rezente Gewässernetz links|mini|Brandungskliffs des alten Konyasees bei Akbaş (Nordostseite der Konya-Ereğli Ovası) am Abfall der östlichen Bozdağlar links|mini|Brandungskliffs und Abrasionsplatten der Küstenlinien des alten Konyasees aus einer Zeit, als der See am aktivsten war, sind an den Rändern des Konyabeckens in 1015 m Höhe, wie hier bei Akbaş, oft noch sehr gut erhalten.
Im Norden der Konya-Ereğli Ovası etwa 20 km südlich vom großen Salzsee Tuz-Gölü erstreckt sich die zertalte pliozäne Kalkplatte von Obruk (Obruk Yaylası) mit dem alten Dorf Obruk an einer wassergefüllten großen Einsturzdoline (Obruk). Diese von West nach Ost etwa 100 km lange und rund 40 km breite Platte von Obruk ist eine kleine Teillandschaft Zentralanatoliens, die hauptsächlich als Schafweide genutzt wird. Sie fällt nach Süden mit einem buchtenreichen Abfall von etwa 100 m Höhe zum Becken von Konya ab, das sich von Konya als geschlossenes Becken nach Osten bis Ereğli vor den Nordfuß des Mitteltaurus südlich von Niğde ausdehnt. Während der pleistozänen Kaltzeiten, die sich in Anatolien vor allem als Pluvialzeiten auswirkten, war dieses Großbecken von einem riesigen abflusslosen See eingenommen, dem alten Konya-See (türkisch: Eski Konya Gölü), der von Konya bis vor die Tore von Ereğli reichte. Insbesondere Herbert Louis und Oğuz Erol konnten nachweisen, dass das Konya-Becken in jener Zeit tatsächlich Seen unterschiedlicher Größe und Tiefe besessen hatte. Entsprechende Spuren sind 15–20 m über der heutigen Ebene als Kliffs und Uferbrandungskehlen in 1015 m Höhe am Südfuß des Bozdağ am Nordrand des Konya-Beckens sowie entlang dem Südrand der neogenen Kalktafel von Obruk sowie als Strandwälle und -haken in etwa 1100 m Höhe bei Pınarbaşı und Eğribayat sowie rings um den einstigen See an vielen Stellen auffällig. Als weiteres Indiz findet man manchenorts Schalen von Dreissenien (Dreissensia polimorpha, Dreissensia Buldurensis d’Archiac: Wandermuschel / Zebramuschel) in den Sanden des einstigen Seebodens, was auf das Vorhandensein von Süßwasserseen hindeutet.