mini|Lage von Rafah (rot) im Gazastreifen Die Rafah-Offensive ist eine seit dem 6. Mai 2024 andauernde israelische Offensive in der Stadt Rafah als Teil der Israelischen Militäroperation „Eiserne Schwerter“ im Gazastreifen. Das im Süden des Gazastreifens, an der Grenze zu Ägypten gelegene Rafah gilt als eine Hochburg der Terrororganisation Hamas, in welcher nach israelischer Darstellung vier der sechs verbliebenen Bataillone der Organisation und eine nicht näher genannte Zahl an Geiseln vermutet werden. Mit der Offensive erhofft sich Israel eine Erhöhung des Drucks in den Geiselverhandlungen. Da sich zum Zeitpunkt der Offensive schätzungsweise 1,2 bis 1,5 Millionen Zivilisten im Gebiet von Rafah befanden, welche aus dem Norden des Gazastreifens geflüchtet oder vertrieben worden waren, rief das israelische Vorgehen allgemeine Ablehnung und heftige Kritik der internationalen Staatengemeinschaft, darunter der EU und USA, hervor. Südafrika brachte aufgrund der Offensive einen Antrag gegen Israel aufgrund des Verdachts des Verstoßes gegen die Völkermordkonvention beim Internationalen Gerichtshof ein. Das Gericht wies Israel am 24. Mai 2024 an, seinen Militärangriff auf die Stadt Rafah einzustellen. Trotz dieser Anordnung setzte Israel die Offensive fort.

Am 12. September 2024 verkündeten die IDF, dass sie die operative Kontrolle über das gesamte Stadtgebiet erlangt hätten und die Rafah-Brigade der Hamas vollständig besiegt worden sei.

Hintergrund mini|Aufnahme von Rafah aus der Luft (2007). Unterhalb des dicht bebauten Stadtgebietes, etwa in Bildmitte, verläuft von West nach Ost die ägyptische Grenze. Rechts an das Stadtgebiet angrenzend, vor den landwirtschaftlichen Anlagen, verläuft Von Nord nach Süd die israelische Grenze. Am 7. Oktober griff die Hamas Israel an und begann somit den Krieg zwischen Israel und der Hamas. Israel marschierte am 27. Oktober in den Gazastreifen ein und ordnete die Evakuierung des nördlichen Gazastreifens an. Israel nannte als Kriegsziele die Befreiung der während des Terrorangriffs der Hamas auf Israel 2023 verschleppten Geiseln sowie die Zerschlagung des militärischen Flügels und der Führungsfähigkeiten der Hamas. Israel festigte schließlich die Kontrolle über den Norden des Gazastreifens und marschierte in Chan Yunis im Süden ein. Zivilisten wurden zur Evakuierung aufgefordert, und viele gingen nach Rafah. Nachdem andere Städte in Gaza entvölkert waren, wurde Rafah mit mehr als 1,4 Millionen Einwohnern zur bevölkerungsreichsten Stadt im Gazastreifen. Luftangriffe auf Rafah begannen am 8. Oktober und dauerten während des gesamten Krieges an.

Bereits Mitte Dezember 2023 stellte Israel eine offizielle Anfrage an Ägypten, seine Streitkräfte in der Philadelphi-Passage stationieren zu dürfen, was jedoch von ägyptischer Seite abgelehnt wurde. Die Philadelphi-Passage, welche auf der Gaza-Seite entlang der ägyptischen Grenze verläuft, ist Teil einer entmilitarisierten Zone und wird seit der Machtübernahme der Hamas im Jahr 2007 von der Terrorgruppe beherrscht. Darunter mit Rafah auch der einzige nicht von Israel kontrollierte Grenzübergang des Gazastreifens. Israel argumentierte, dass es zur Erfüllung einer seiner obersten Kriegsziele, der Zerschlagung der Hamas, notwendig sei, in Rafah einzurücken, in welchem sich vier der verbliebenen sechs Hamas-Bataillone befinden sollen. Zudem teilte Premierminister Benjamin Netanjahu auf einer Pressekonferenz mit, dass die Hamas Waffen über die ägyptische Grenze bei Rafah schmuggle, was von Ägypten vehement bestritten wurde. Ägypten brachte Bedenken vor, dass eine Bodenoperation im Gebiet von Rafah dazu führen könnte, dass Tausende Palästinenser im Zuge einer Fluchtbewegung die Grenzanlagen durchbrechen und auf die Sinai-Halbinsel gelangen, von wo aus Israel ihnen eine Rückkehr nach Gaza verweigern könnte. Ägypten wolle daher eine mögliche Ethnische Säuberung nicht begünstigen.

Ab 8. Februar 2024 verstärkte Israel seine Angriffe auf Rafah, nachdem Premierminister Netanjahu eine Ausweitung der Militäroffensive auf die südlichste Stadt in Gaza angekündigt hatte. Es kam daraufhin zu einer Intensivierung der Luftangriffe und zu Panzerbeschuss auf Gebiete im Osten von Rafah. Netanjahu sagte, dies sei eine Reaktion auf die „wahnhaften Forderungen“ der Hamas in den Verhandlungen, dass sich Israel vollständig aus dem Gazastreifen zurückziehen und die Kämpfe einstellen solle. Ägyptische Sicherheitsquellen teilten daraufhin mit, die Grenzanlagen zu Gaza ausgebaut und rund 40 gepanzerte Fahrzeuge in den Nordosten des Sinai verlegt zu haben. Der Einsatz erfolge im Vorfeld der Ausweitung der israelischen Militäroperationen rund um die Stadt Rafah. Am Morgen des 12. Februar 2024 gaben israelische Behörden bekannt, dass zwei beim Angriff auf Nir Jitzchak entführte Männer im Alter von 61 und 70 Jahren, 128 Tage nach ihrer Gefangennahme, im Zuge einer nächtlichen Militäroperation („Operation Goldene Hand“) aus einem Gebäude in Rafah befreit und nach Israel zurückgebracht werden konnten.

Am 24. April 2024 teilten die IDF mit, dass die beiden Reservebrigaden Yiftach und Carmeli, die an der Nordgrenze operiert hatten, die Verantwortung für Gebiete im zentralen Gazastreifen übernehmen würden, die seit dem weitgehenden Abzug der Truppen aus anderen Gebieten unter israelischer Militärkontrolle geblieben seien. Durch diesen Schritt würden die Truppen der Nachal-Brigade im zentralen Gazastreifen frei, um gemeinsam mit dem Rest der 162. Division künftige Operationen vorzubereiten, darunter eine geplante Offensive in Rafah, wo sich vier der sechs verbliebenen Hamas-Bataillone, namentlich Yabna (Süd), Shaboura (Nord), Tel Sultan (West) und Ost-Rafah, befinden sollen. Zwei weitere Hamas-Bataillone seien im Zentrum des Gazastreifens, in den Lagern Nuseirat und Deir al-Balah. Die IDF operierten bisher im nördlichen Gazastreifen und in Gaza-Stadt, in einigen Teilen des zentralen Gazastreifens sowie in Chan Yunis im südlichen Gazastreifen und gaben an, 18 Hamas-Bataillone zerschlagen zu haben. Über den israelisch besetzten und von West nach Ost durch den Gazastreifen, südlich von Gaza-Stadt verlaufenden Netzarim-Korridor, könne Israel zudem den Zugang zum Norden für Palästinenser kontrollieren, die in den Süden geflüchtet waren. Die Kämpfe hätten schätzungsweise eine Million Zivilisten aus dem Gazastreifen nach Rafah gedrängt, wobei die internationale Gemeinschaft, einschließlich der USA, davor warnten, dass eine Offensive in der Stadt eine ohnehin schon bestehende humanitäre Krise erheblich verschlimmern könnte. Nach wochenlangen Gesprächen mit den USA über Maßnahmen zum Schutz und zur Versorgung der Zivilbevölkerung hat das israelische Verteidigungsministerium 40.000 Zelte mit einer Kapazität für jeweils 10 bis 12 Personen für aus Rafah umzusiedelnde Palästinenser gekauft, welche bei Chan Yunis, einer Stadt etwa 5 Kilometer von Rafah entfernt, aufgebaut wurden.

Am 2. Mai 2024 teilte der US-Außenminister Antony Blinken mit, dass Israel bereit sei, große Kompromisse einzugehen, um einen Waffenstillstand und eine Vereinbarung über die Freilassung von Geiseln mit der Hamas zu erreichen, und dass die Terrorgruppe dafür verantwortlich sei, sicherzustellen, dass eine solche Vereinbarung zustande komme. Eine große Militäroperation in Rafah könne derzeit aufgrund fehlender Pläne zum Schutz und zur Versorgung der Zivilbevölkerung von den USA nicht unterstützt werden. Das jüngste israelische Verhandlungsangebot sehe eine 40-tägige Kampfpause und die Freilassung von fast 1.000 palästinensischen Sicherheitsgefangenen im Austausch gegen Dutzende israelische Geiseln vor. Israel hat die Zahl der Geiseln, die es in der ersten Phase des Abkommens freilassen will, gesenkt. Ein israelischer Beamter teilte mit, dass einer der zur Diskussion stehenden Zeitrahmen eine zehnwöchige Kampfpause im Austausch für 33 lebende Geiseln sei. Die Geiseln, von denen erwartet wird, dass sie im Falle einer Einigung zuerst freigelassen werden, gehören zu einer sogenannten humanitären Kategorie, also Frauen, Kinder, Männer über 50 und Kranke. Israel sei auch offen für die Möglichkeit, dass Gaza-Bewohner in den Norden des Gazastreifens zurückkehren, ohne israelische Sicherheitskontrollen zu durchlaufen. Eine der Möglichkeiten, die derzeit geprüft werden, sei, dass Ägypten für Sicherheitskontrollen verantwortlich sei. Unter keinen Umständen würde Israel jedoch zustimmen, den Krieg für beendet zu erklären.

Israels nationaler Sicherheitsberater Zachi Ha-Negbi teilte am 4. Mai mit, dass eines der Ziele der Rafah-Operation darin bestehe, die Chancen auf einen Geiselfreilassungsdeal zu erhöhen und die Hamas von der ägyptischen Grenze abzuschneiden. Am 5. Mai berichteten israelische Medien, dass unter anderem die rechten Minister Orit Strook (Siedlungen und nationale Missionen), Itamar Ben-Gvir (Nationale Sicherheit), Miki Zohar (Kultur und Sport) und Bezalel Smotrich (Finanzen) Kritik an Netanjahu geäußert und mit einer Koalitionsauflösung gedroht hätten. Es sei unter anderem um das Nachgeben vor internationalem Druck, einer Verzögerung der Rafah-Operation und inakzeptablen Zugeständnissen an die Hamas gegangen. Der Druck erhöhte sich am selben Tag, nachdem die Hamas mindestens zehn Raketen aus der Gegend von Rafah abgefeuert und damit eine israelische Truppenansammlung im Grenzgebiet Kerem Schalom getroffen hatte. Dabei waren vier israelische Soldaten getötet und zehn weitere verwundet worden. Als Reaktion darauf führte die IDF Angriffe in Rafah durch, darunter auf die Abschussrampen und ein angrenzendes, von der Hamas genutztes Gebäude. Ersthelfer berichteten von 16 Toten infolge der israelischen Attacken.

Militärischer Ablauf Mai mini|Israelische Panzer in Rafah mini|Ägyptische Seite des Grenzüberganges Rafah mini|Israelische Truppen im Osten der Stadt Am 6. Mai 2024 forderte das israelische Militär (IDF) die Zivilbevölkerung der östlichen Viertel von Rafah zur Evakuierung in eine erweiterte humanitäre Zone in den Gebieten al-Mawasi und Chan Yunis auf. Die IDF nutzten dazu unter anderem Flugblätter sowie Textnachrichten und veröffentlichten eine Karte mit den entsprechenden Zonen. Premierminister Netanjahu verkündete per Videobotschaft, dass das Ziel der Rafah-Operation die Zurückholung der Geiseln, sowie die Zerschlagung der verbleibenden militärischen Fähigkeiten und der Herrschaftsfähigkeit der Hamas sei. Das israelische Verhandlungsteam in Kairo sei angewiesen worden, an den israelischen Bedingungen für die Freilassung der Geiseln und an seinen Sicherheitsforderungen festzuhalten, während mit der Operation in Rafah der militärische Druck erhöht werde. Israels Verteidigungsminister Joaw Galant teilte während eines Truppenbesuchs an der Südgrenze von Gaza mit, dass er den Angriff auf das Gebiet von Rafah befohlen habe und das die Operation nicht aufhören werde, bis die Hamas in der Gegend eliminiert sei oder die erste Geisel nach Israel zurückkehre. Auch Kriegskabinettsminister Benny Gantz teilte mit, dass die Kämpfe nach Bedarf fortgesetzt und ausgeweitet werden könnten, Jerusalem jedoch immer noch offen für einen Deal zur Freilassung der Geiseln sei. Im Zuge einer nächtlichen Pressekonferenz teilte der IDF-Sprecher Daniel Hagari mit, dass die israelische Luftwaffe (IAF) im Laufe des Tages Angriffe gegen mehr als 50 Standorte von Terrorgruppen im Gebiet Rafah durchgeführt habe, während sich das Militär auf Bodenoperationen vorbereite. Am Morgen des 7. Mai teilten die IDF mit, dass die 401. Panzerbrigade den in Gaza befindlichen Teil des Grenzübergangs Rafah erobert habe, womit der Übergang nach Ägypten von der Saladinstraße im Osten von Rafah abgeschnitten worden sei. Die Straße selbst sei während der nächtlichen Operationen von der Givʿati-Brigade gesichert worden. Im Zuge der Kampfhandlungen seien etwa 20 bewaffnete Personen getötet sowie drei Tunnelschächte lokalisiert worden.