Margaret Harrison (* 1940 in Wakefield) ist eine britische Künstlerin, die für ihre feministische Konzeptkunst bekannt ist. Sie lebt und arbeitet in den USA und in Großbritannien.
Leben Von 1957 bis 1961 studierte Margaret Harrison am Carlisle College of Art und von 1961 bis 1964 an der Royal Academy of Arts in London. 1965 graduierte sie an der Perugia Fine Arts Academy.
Harrison hatte Ende der 1960er Jahre begonnen, sich mit feministischen Aktionen auseinanderzusetzen. Im Jahre 1970 gründete Margaret Harrison zusammen mit anderen Künstlerinnen die “London Women’s Liberation Art Group”, die berufstätigen Frauen die Möglichkeit bot, künstlerische Fähigkeiten zu entwickeln und zu erlernen.
Im April 1971 organisierte Margaret Harrison eine Ausstellung, die den ausbeuterischen Missbrauch von Frauen durch die Presse aufdeckte. Nach nur einem Tag schloss die britische Polizei Londons erste offenkundig feministische Kunstausstellung einer Frau. Sie betrachtete die Zeichnungen, insbesondere ein Bild von Hugh Hefner als fast nacktem Playboy-Häschen als „unanständig“ und „beleidigend“.
1972 trat Harrison der Künstlergewerkschaft bei, beteiligte sich aktiv am Aufbau der Frauenwerkstatt und wurde in den Vorstand gewählt.
Margaret Harrison war Forschungsprofessorin und Direktorin des Social and Environmental Art Research Centre an der Manchester Metropolitan University.
Werke Mit Aquarell, Graphit und Buntstift kreiert Margaret Harrison Pin-up-Kunst, Comics und kommerzielle Illustrationen im Stil von Alberto Vargas und präsentiert Superhelden und Models.
In ihrem Werk untersucht Margaret Harrison Geschlechtsidentität und Stereotypisierung sowie Themen wie den Gender-Pay-Gap und Gewalt gegen Frauen. Damit spiegelt Harrison in ihren Werken soziale Belange wider, die bisher nicht in Kunstgalerien zu sehen waren.
Sie zeigt auf, wie Frauen in den Medien dargestellt werden. Harrison beschreibt dabei ihre Kunst als „antipornographisch“, weil sie von einer Frau kreiert wurde.
1969: Women of the World Unite, you have nothing to lose but Cheese Cake 1971: Mrs Softie (I), Graphit auf Karton, Silberkuppe Berlin 1971: He’s Only a Bunny Boy But He’s Quite Nice Really, Archival Print auf PapierInsbesondere aufgrund dieses Werks wurde die erste Einzelausstellung der Künstlerin von der britischen Polizei geschlossen. Das Original wurde gestohlen. Eine Nachbildung dieser Zeichnung wurde später angefertigt. 1971: Captain America, AquarellDas Werk zeigt Captain America mit Umschnallbrüsten, Strumpfhaltern, High Heels und einem Unterhemd mit Stars and Stripes. Es kommentierte auch den Vietnamkrieg. 1971: Good Enough to Eat, Serie von AquarellenDas Werk zeigt Klone von Bettie Page zwischen Brotscheiben. Ihre nach oben gerichteten Handflächen liegen unterwürfig auf einer Scheibe eines hartgekochten Eis. Harrison kritisiert hier die Darstellung von Frauen als Objekte, die konsumiert werden sollen. 1971: If These Lips Could Only Speak, Aquarell und Graphit auf Papier 1971: Camouflage Pink And Blue, Aquarell und Graphit auf Papier 1971 (2010): Take One Lemon, Lithographie auf Papier, Tate Gallery 1971: Son of Rob Roy, Graphit auf Papier, Tate Gallery 1971: Dumped On, Pastell und Graphit auf Karton, Tate Gallery 1971: Little Woman at Home, Graphit und Wasserfarbe auf Papier, Tate Gallery 1971: Banana Woman, Wasserfarbe und Graphit auf Papier, Tate Gallery, London 1973–1975: Women and Work: A Document on the Division of Labour in Industry 1973-1975, Installation zusammen mit Kay Hunt und Mary Kelly, Tate Gallery, LondonDie Künstlerinnen führten eine umfangreiche soziologische Studie über die Arbeit von Frauen in einer Metallkistenfabrik in Bermondsey (London) durch. Dieses Projekt fiel zeitlich mit der Umsetzung des „Equal Pay Acts“ zusammen, der 1970 verabschiedet worden war. Die Erkenntnisse aus zahlreichen Interviews, Recherchen in Archiven und eigenen Beobachtungen wurden zusammengetragen und flossen in eine Installation, die erstmals 1975 in der South London Art Gallery (heute South London Gallery) ausgestellt wurde. Das Ergebnis sind Geschichten von über 150 berufstätigen Frauen, die an dem Projekt teilgenommen hatten und zeigt deren Verhältnis zum Arbeitsplatz auf sowie die Veränderungen, die sich mit dem Equal Pay Act einstellten. Schwarz-Weiß-Fotografien und Filme stehen neben einfachen maschinengeschriebenen Texten, fotokopierten Karten und anderen Dokumenten. Lochkarten und Lohnabrechnungen dokumentieren die Gehaltsunterschiede von Männern und Frauen und Filme über das Leben in der Fabrik zeigen, wie Frauen auf repetitive Tätigkeiten und Aufgaben, für die eine geringe Qualifizierung erforderlich ist, eingeschränkt werden, während Männer eher körperliche Tätigkeiten ausüben und beaufsichtigende Rollen einnehmen. Durch die objektiven Daten und die persönlichen Geschichten der Frauen werden sowohl das Persönlich-Private als auch das Öffentlich-Politische thematisiert und die Porträts und Namen der Frauen verleihen den Fakten und Zahlen menschliche Gesichter. Das Projekt entstand aus der Beteiligung der Künstlerinnen am Women’s Workshop der Artist’s Union, einer 1972 gegründeten Gruppe mit dem Ziel, Frauenthemen innerhalb der Gewerkschaft voranzutreiben und rassistische und Geschlechterdiskriminierung in der Kunst zu beenden. 1977: Homeworkers, Tate GalleryDas Werk steht im Zentrum eines multidisziplinären Projekts, das Fotografien, Interviews, Zeitungsausschnitte und eine große Leinwand umfasst. Es dokumentiert die Situation nicht gewerkschaftlich organisierter Frauen, die zu Hause manuelle Tätigkeiten verrichten. Das zweiteilige Werk besteht aus einer Titelleinwand mit den Worten „HOMEWORK HOMEWORKERS“ in Blau und Schwarz sowie einer Hauptleinwand, auf die Harrison viele verschiedene Medien wie Acryl, Graphit und Collage aufgetragen hat. Die Informationen auf der Hauptleinwand sind horizontal in einer Reihe von Zeilen angeordnet. Eine Fallstudie der Heimarbeiterin Mrs. McGilvrey, mit der Margaret Harrison zwei Jahre lang sehr eng zusammengearbeitet hat und die Steuerformulare zusammenstellte, wird Zeitungsausschnitten und historischen Daten zur Arbeiterbewegung gegenübergestellt. Wörter „Frauen“, „Ausbeutung“ und „Diskriminierung“ wurden mit Hilfe einer Schablone in Schwarz und Rot auf einer Reihe von sieben in verschiedenen Farben gezeichneten Händen angebracht, die die manuellen Tätigkeiten bei Akkordarbeit symbolisieren. Darunter wurde eine Reihe von Werbeanzeigen für Damenartikel – meist Make-up-Produkte aus Hochglanzmagazinen – auf die Oberfläche der Leinwand geklebt. Zwischen den Anzeigen hat die Künstlerin wichtige historische Daten aus der Berufstätigkeit notiert, etwa „1972 Contracts of Employment Acts“, „1974 Trade Union and Labour Relations Acts“ oder „1974 Health and Safety at Work Act“. Darunter sind eine Reihe von Kleidungsstücken und Accessoires wie Handschuhe, Broschen, Knöpfe und Sicherheitsnadeln aufgenäht. Daneben hat die Künstlerin deren Verkaufspreis sowie die Anzahl der Stunden notiert, die die Arbeiterinnen und Arbeiter in ihre Produktion investieren sowie das Gehalt, das sie für diese Arbeit erhalten. Schließlich ist am unteren Rand der Leinwand ein langes Blatt Papier mit dem Titel „A Homeworker: A Royal Charity and A Government Department’: a manifesto demanding improved conditions for home-workers“ geklebt: ein Manifest, das bessere Bedingungen für Heimarbeiterinnen und Heimarbeiter fordert. Für dieses Projekt arbeitete Margaret Harrison zwei Jahre lang, zwischen 1975 und 1977, mit der „National Campaign for Homeworkers“ in London und insbesondere mit Helen Eadie zusammen, einer Gewerkschaftsfunktionärin, die sich für die gewerkschaftliche Organisation von Heimarbeiterinnen und Heimarbeitern einsetzte. Sie verfolgte die Arbeit zweier Akkordarbeiterinnen, Frau McGilvrey – eine Fallstudie von ihr ist auf der Leinwand enthalten – und Frau Brewster, einer Knopfmacherin, deren Arbeit im Dokumentationsteil enthalten ist. Zusammen mit einer Reihe von Bildern aus der Zeit der Wende vom 19. zum 20. Jahrhundert sowie weiteren Zitaten derjenigen, die die Künstlerin interviewt hat zeichnete Harrison ein Bild der Arbeitsbedingungen für Frauen in einer Zeit, in der viele schlecht bezahlte Jobs in den häuslichen Bereich verlagert worden waren und Outsourcing und Kapitalbewegungen zunehmend als Manipulationsmittel eingesetzt wurden Arbeiter und für die Unterdrückung der Arbeiterbewegung genutzt wurde. 1977: Anonymus Was a Woman, Acryl auf Leinwand und FotografienMargaret Harrison untersucht in diesem Werk die Stellung der Künstlerin in der Gesellschaft und würdigt acht bereits verstorbene Frauen: Rosa Luxemburg, Annie Besant, Eleanor Marx, Annie Oakley, Bessie Smith, die fiktive Figur Frankensteins Braut, Marilyn Monroe und Janis Joplin. Die Künstlerin zeigt die Gewalt, die der sozialen Unsichtbarkeit von Frauen innewohnt und mit der strukturellen Gewalt einhergeht, der diese historischen weiblichen Persönlichkeiten des öffentlichen Lebens ausgesetzt waren. Diese erfolgreichen Frauen lebten in einer Welt, in der die Erfolgskriterien von Männern festgelegt wurden. 1978: Rape, Acryl und Collage auf Leinwand, Arts Council Collection, Southbank CentreDas Werk beleuchtet anhand von Zeitungsausschnitten und Reproduktionen klassischer Gemälde das Unrecht, das Frauen in Vergewaltigungsfällen widerfährt. 1980: Craftwork (The prostitution piece), InstallationMargaret Harrison stellt in diesem Werk einen Zusammenhang her zwischen dem Verlust der manuellen Fertigkeiten von Frauen und der Entwicklung von Fabriken. Diese Situation führte zu einer Verlagerung der Aktivitäten und führte zu einer Abhängigkeit von Maschinen, sowohl in Bezug auf den Lebensunterhalt als auch in der Produktion. Da die Frauen nur über fragmentierte Fähigkeiten verfügten, litten die in Fabriken beschäftigten Frauen darunter, dass sie sich nach der Industriekrise der 1970er Jahre in Großbritannien umschulen lassen mussten. Vor diesem Hintergrund gingen die Frauen laut zur Prostitution über, um der Verarmung zu entgehen. 1982: Dorothy Wordsworth (Ferns), Aquarell auf PapierDie Künstlerin würdigte Dorothy Wordsworths Fantasie und Präzision, indem sie zwei Passagen aus den Tagebüchern der Poetin mit Aquarellen von Pflanzen aus dem Lake District kombinierte. 1982: Dorothy Wordsworth (The White Foxgloves), Aquarell auf Papier 1982–2019: Land/Landscape: Australia/England 3, Öl auf LeinwandDie „Landscapes“ genannten Bilder sind Teil einer Serie, die mit dem wiederkehrenden Motiv des Eukalyptusblattes spielt. Die Bilder entstanden während eines Aufenthalts in Australien, der Heimat des Eukalyptusbaums und zeigen Variationen der Blattform durch das Spiel mit Pinselstrichen und Farbkombinationen. Harrison schrieb auf jede Leinwand einen anderen Satz und betonte sowohl die Umrisse des Blattes als auch die Art und Weise, wie unsere Sicht auf die Natur durch die Kultur, in der wir aufgewachsen sind, und die politischen Strukturen, die sie geprägt haben, geprägt wird. Die Phrasen bilden ein Gegengewicht zu den Idealen des Malerischen, der Ruhe und der Harmonie, die in der modernen westlichen Kultur mit der Natur verbunden sind. Die Sätze nehmen Bezug auf unsere Unfähigkeit, die Schönheit von Landschaften zu erleben, die uns fremd sind sowie das Unvermögen, die Regeln dieser Landschaften und insbesondere die Beziehung indigener Völker zu Natur und Eigentum zu verstehen. Das Wort „Pamma“ bezieht sich auf die indigene Art, Kraft aus der Erde zu ziehen. Im Gegensatz dazu wird die europäische Art der Machtergreifung auf der Erde als „Parra“ bezeichnet. 1993: No.3, Aquarell, Victoria and Albert MuseumDas Bild zeigt eine Frau, die hinter einer Kosmetiktheke steht. Vor ihr steht ein Ständer voller Nagellackflaschen in verschiedenen Rosatönen.