mini|Carl Michael Bellman, Gemälde von Per Krafft d. Ä., 1779 (Nationale Porträtgalerie, Schloss Gripsholm) So trolln wir uns ist ein Lied über den unausweichlichen Tod, gedichtet von Carl Zuckmayer (1896–1977) auf Basis des Gesanges № 21 Måltids Sång. Så lunka vi så småningom aus dem Werk Fredmans Sånger des schwedischen Nationalpoeten, Musikers und Sängers Carl Michael Bellman. Die Melodie komponierte Johann Gottlieb Naumann 1786 für seine Oper Gustaf Wasa.Johann Gottlieb Naumann: Gustaf Wasa, tragédie lyrique, 3 Akte (19. Januar 1786, Stockholm)

Entstehung Carl Zuckmayer wurde zu seinem Text in der Gruppe Gemeinschaft des Kunsthistorikers Wilhelm Fraenger angeregt. Fraenger hob sich, nach einem Zitat Zuckmayers, „von allen anderen Gestalten der akademischen Welt aufs originellste ab“. Er war ein Bewunderer Bellmans. Auch Carl Zuckmayer, der damals in Heidelberg studierte, war schon vorher auf Bellman aufmerksam gemacht worden. Er war des Schwedischen nicht mächtig und nutzte bei seinen Nachdichtungen von Bellmans Lyrik Übersetzungen von Felix Niedner und Hanns von Gumppenberg.

Inhalt Bellmans Liedtext umfasst acht Strophen, dazwischen jeweils der gleiche Refrain: Eine fröhliche Trinkgesellschaft wandelt von einem Bacchanal heimwärts. Da tritt ihnen plötzlich der Tod entgegen und ermahnt sie, sich ihrer Sterblichkeit zu besinnen. Der Refrain lautet in der wortgetreuen und singbaren Übersetzung von Klaus-Rüdiger Utschick: Dünket dir zu tief der Grund des Grabs, nun wohlan, so nimm getrost ’nen Schnaps, trink noch ein’n oder zwei oder drei hinterher, dann stirbst du fröhlicher!

Zuckmayer verdichtet Bellmans Text mit acht Strophen in lediglich drei Strophen so:

Wer heut noch frech den Schnabel wetzt, wer nach des andern Liebster schielt, wer toll vor Eifersucht jedes Glas im Saal zerschmiss – der muss jedenfalls früher oder später sterben. In seiner dritten Strophe formuliert Zuckmayer dann die Quintessenz des wesentlich längeren Textes von Bellman:

Ob niedres Pack, ob hohe Herrn, am Ende sind wir Brüder doch, dann leuchtet uns der Abendstern ins gleiche finstre Loch.also ins Grab

Der Refrain lautet bei Zuckmayer: Scheint das Grab dir tief und dumpf sein Druck, Alavott,von so nimm noch einen Schluck, und noch einen hinterher, gleich noch zweie, dreie mehr, dann stirbst du nicht so schwer

Versmaß Die drei Strophen bestehen, entsprechend dem Original Bellmans, aus jeweils acht Versen mit vierhebigen Jamben und stumpfen Kreuzreimen. Der Refrain mit vier Versen besteht aus vierhebigen Jamben mit stumpfen Paarreimen.

Musik mini|Fredmans Gesang № 21 Så lunka vi så småningom, Faksimile der Erstausgabe von Fredmans Sånger, Stockholm, 1791 Das Lied in F-Dur im Zwei-Viertel-Takt kann mit den drei Dur-Akkorden der I., IV. und V. Stufe begleitet werden. Olof Åhlströms Klaviersatz der Erstausgabe nimmt für die letzte Achtel des zweiten Taktes die Subdominante B-Dur. Viele andere Begleitungen schlagen hier deren Paralleltonart g-Moll vor. Die letzte Viertel des siebten Taktes wird von Åhlström mit Dominantseptakkord C7 begleitet. Der charakteristische Rhythmus der in Achteln notierten Melodie entsteht durch Punktierung der ersten Achtel im zweiten und vierten und sechsten Takt. Dies wird im Auftakt des Refrains mit einer punktierten Sechzehntel fortgesetzt und setzt sich durch die punktierte Sechzehntel am Ende des zweiten und vierten Taktes fort. Dieser Rhythmus findet den Höhepunkt im fünften und sechsten Takt des Refrains mit einer Folge punktierter Sechzehntel. Das evoziert das Bild der beiden Trunkenbolde, die da bei Bellman ins frische Grab hüpfen. Dabei werden die beiden letzten Takte häufig mit ritardando gespielt, danach der Refrain, wieder im Anfangstempo.

Die Melodie beginnt mit einem Quartsprung und hat den Umfang einer Undezime.

Aufnahmen (Auswahl) 1975: Hannes Wader auf Volkssänger 1977: Klaus Hoffmann auf Ich will Gesang, will Spiel und Tanz – Live 1996: Hannes Wader und Reinhard Mey bei den „Songs an einem Sommerabend 1996“ 1996: Hannes Wader auf Liebe, Schnaps, Tod – Wader singt Bellman (mit Reinhard Mey und Klaus Hoffmann) 2003: Mey, Wader, Wecker – das Konzert 2005: Fredl Fesl als Schwedenlied auf der CD „Fußball-Lied und andere Erfolge“ (live)

Literatur Carl Michael Bellman: Fredmans Gesänge. „Venus meine Herzmonarchin, Bacchus Kehlenfürst!“. (Bellman-Ausgabe Band 2) Übersetzt von Klaus-Rüdiger Utschick. Anacreon. München 1998, ISBN 3-932759-02-8 (mit Faksimile der Originalnoten) Carl Zuckmayer: Ulla Winblad oder Musik und Leben des Carl Michael Bellman. Drama in Prosa. Frankfurt/Main und Berlin (S. Fischer) 1953 (mit Noten) Thomas Striebig: So trolln wir uns ganz fromm und sacht. Aus dem Leben des Carl Michael Bellman. AAVAA Verlag 2017, ISBN 978-3-94358-038-9

Quellen Liederkarren. Hrsg. und Verlag: Student für Europa, Berlin, 2. Auflage 1980, S. 14 f.

Weblinks Text Text mit Akkorden Klaviervideo und Karaoke Infos zu Wader singt Bellman

Anmerkungen

Einzelnachweise

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