mini|Günter Zöller an der Ludwig-Maximilians-Universität München 2016 Günter Zöller (* 10. Dezember 1954) ist ein deutscher Philosoph und Hochschullehrer mit Schwerpunkten in der Philosophie des Deutschen Idealismus, Erkenntnistheorie und Metaphysik, Moralphilosophie und politische Philosophie sowie Ästhetik, Kunstphilosophie und Musikphilosophie. Zu Zöllers editorischen Werken zählen eigene Übersetzungen Kants und Fichtes in die englische Sprache. Als erster Philosoph erhielt Zöller im Jahr 2011 den John-G.-Diefenbaker-Preis.
Leben Studium, Promotion und erste Lehrtätigkeit: Europa und USA, Anfänge bis 1982
Nach dem Abitur im Jahr 1973 erfolgte ein Studium der Philosophie, Romanistik, Komparatistik und Kunstgeschichte an der Universität Bonn (1975–1979 und 1980–1982), ein Studium der Philosophie an der Ecole normale supérieure, Paris (1979–1980) und an der Brown University, Providence, USA (1983–1984). Hans Wagner, Ingeborg Heidemann und Peter Baumanns gehören in Bonn zu Zöllers akademischen Lehrerinnen und Lehrern. In Paris sind Jacques Derrida und Claude Imbert seine akademischen Lehrer, am Collège de France hörte Zöller Vorlesungen bei Jules Vuillemin und Michel Foucault. Nach dem Magister Artium im Jahr 1980, der mit einer vergleichenden Arbeit zur Transzendentalphilosophie bei Kant und Heidegger erworben wird,Vernunftkritik und Fundamentalontologie. Aspekte eines Vergleichs zwischen der „Kritik der reinen Vernunft“ und „Sein und Zeit“ (nicht publ.). wurde er im Jahr 1982 zum Dr. phil. an der Universität Bonn promoviert mit einer Doktorarbeit zum Thema Theoretische Gegenstandsbeziehung bei Kant: zur systematischen Bedeutung der Termini „objektive Realität“ und „objektive Gültigkeit“ in der „Kritik der reinen Vernunft“. Zöller war Stipendiat der Studienstiftung des deutschen Volkes (1974–1982, davon 1980–1982 Promotionsstipendium). Zöller war in den Jahren 1977 bis 1979 und 1980 bis 1981 als Tutor und studentische Hilfskraft und schließlich als wissenschaftliche Hilfskraft am Philosophischen Seminar A der Universität Bonn tätig.Vgl. die Darstellung auf der Webseite der Ludwig-Maximilians-Universität München. Abgerufen am 10. Februar 2024.
Internationale Lehr- und Forschungstätigkeit: USA und Europa, 1982 bis 2000
Zöller ist von 1982 bis 1999, mit wenigen Unterbrechungen, in den USA tätig. Zunächst ist er Student am Department of Philosophy der Brown University und hört bei Roderick Chisholm und Ernest Sosa analytische Erkenntnistheorie, Philosophie des Geistes und Metaphysik. Es folgten Forschungs- und Lehrtätigkeiten als Teaching Associate am Department of German der Brown University 1983 bis 1984 und als Visiting Assistant Professor of Philosophy am Grinnell College, Grinnell, USA, in den Jahren 1984 bis 1985, daraufhin als Assistant Professor of Philosophy am Grinnell College 1985 bis 1987. Zöller arbeitet als Visiting Assistant Professor of Philosophy an der University of Iowa, Iowa City, USA, in den Jahren 1986 bis 1987, als Assistant Professor of Philosophy an der University of Iowa von 1987 bis 1992 und schließlich als Associate Professor of Philosophy (mit tenure) an der University of Iowa von 1992 bis 1996. Zöller war Full Professor of Philosophy (mit tenure) an der University of Iowa von 1996 bis 2000 (2000 beurlaubt), dabei war er von 1996 bis 1999 Chair des Departments of Philosophy an der University of Iowa.Vgl. die Darstellung auf der Webseite der Ludwig-Maximilians-Universität München. Abgerufen am 10. Februar 2024.
Günter Zöller hatte zwischen 1993 und 1996 je einsemestrige Forschungsstipendien inne an der University of Iowa, sogenannte University Faculty Scholarships. In dieser Zeit verbrachte er jeweils mehrmonatige Forschungsaufenthalte an der Brown University, am Queen’s College, Oxford, an der Eberhard-Karls-Universität Tübingen, an der Harvard University und wieder an der Ecole normale supérieure, Paris. Im Jahr 1993 war Zöller Gastprofessor am Department of Philosophy der Princeton University, USA. Von 1993 bis 1994 war er Fellow am National Endowment for the Humanities in Washington, D.C., mit dem einjährigen Forschungsstipendium Fellowship for University Teachers.
Internationale Lehr- und Forschungstätigkeit: Europa, USA, Südkorea, Kanada, China, seit 2000
(Ausführliche Darstellung im Abschnitt „Werk“)
Zöller war Professor für Philosophie an der Ludwig-Maximilians-Universität München von 1999 bis zu seiner Emeritierung zum 30. September 2020. Er forschte und lehrte zu Immanuel Kant, zur Philosophie des Deutschen Idealismus, insbesondere zu Johann Gottlieb Fichte, Schelling und Hegel, zu Schopenhauer, des Weiteren zu Nietzsche, Husserl, Brentano, Adorno, Heidegger und Derrida.
Unter Günter Zöllers Leitung wurde vom 14. bis 21. Oktober 2003 der internationale Kongress J. G. Fichte: Das Spätwerk (1808-1814) und das Lebenswerk (Fünfter Kongress der Internationalen Johann-Gottlieb-Fichte-Gesellschaft in Verbindung mit dem Istituto per gli studi filosofici, Neapel, der Bayerischen Akademie der Wissenschaften und der Ludwig-Maximilians-Universität München) in München als dreisprachige Veranstaltung mit 124 Vorträgen und circa 170 Teilnehmerinnen und Teilnehmern aus 19 Ländern ausgerichtet.
Zu Zöllers 65. Geburtstag, verbunden mit seiner Emeritierung im Folgejahr, erschienen drei Festschriften mit Beiträgen von ehemaligen Münchner Schülerinnen und Schülern,Das Selbst und die Welt. Beiträge zu Kant und zur nachkantischen Philosophie, hg. von Manja Kisner, Giovanni Pietro Basile, Ansgar Lyssy und Michael Bastian Weiß, Würzburg 2019. von südamerikanischen und europäischen Kolleginnen und KollegenStudia Kantiana 18, 3, 2020, hg. von Joel Thiago Klein. sowie von europäischen und nordamerikanischen Kolleginnen und Kollegen.System and Freedom in Kant and Fichte, ed. Giovanni Pietro Basile and Ansgar Lyssy, London and New York 2022.
Internationale Gastprofessuren: 2006 bis heute Zu den internationalen Gastprofessuren, die Günter Zöller innehatte, zählen in chronologisch aufsteigender Reihenfolge: Woodruff Endowment Visiting Professor, Department of Philosophy, Emory University, Atlanta, USA, 2006 Visiting Professor of Philosophy, Seoul National University, Seoul, Südkorea, 2010 Gastprofessor für Philosophie, Venice International University, Venedig, Italien, 2011 Gastprofessor, Department of Philosophy, McGill University, Montreal, Kanada, 2012–2013 Tang Chun-I Visiting Professorship in Philosophy, The Chinese University of Hong Kong, 2012 Visiting Professor/Senior Fellow, Instituto di Studi Avanzati, Alma Mater Studiorum Università di Bologna, Bologna, Italien, 2013 Gastprofessor, Huazhong University of Science and Technology (HUST), Wuhan, V.R. China, 2014–2017 Gastprofessor für Philosophie, Venice International University und Università Ca' Foscari Venezia, Venedig, Italien, 2015 Gastprofessor für Philosophie, Venice International University und Università Ca' Foscari Venezia, Venedig, Italien, 2017
Diefenbaker Award Im Jahr 2011 wurde Günter Zöller der John G. Diefenbaker Award des Canadian Council for the Arts verliehen. Der Preis ging mit Zöller zum ersten Mal in den zwei Jahrzehnten seines Bestehens an einen Philosophen. Mit dem John G. Diefenbaker Award forschte Günter Zöller von 2012 bis 2013 an der McGill University in Montreal im Rahmen seines Forschungsprojekts „Homo homini civis“ (Arbeitstitel) zur politischen Philosophie zwischen Kant und Hegel.Die Forschung mündet in die Veröffentlichung: Günter Zöller, Res Publica. Plato's "Republic" in Classical German Philosophy, Hongkong 2015, zugleich Albany, NY 2015
Internationale Vortragstätigkeit Rege Autorschaft, Vortragstätigkeit und Tätigkeiten als Übersetzer bis zum heutigen Tag aufweisend, kann Günter Zöller eine bemerkenswerte wissenschaftliche Aktivität verzeichnen mit nahezu einem halben Tausend Vorträgen an Universitäten und auf philosophischen Kongressen und Tagungen in Deutschland, den USA, Kanada, Brasilien, Argentinien, Frankreich, der Schweiz, Österreich, Italien, Spanien, Portugal, England, Schottland, Norwegen, Dänemark, Belgien, Luxemburg, den Niederlanden, der Tschechischen Republik, Ungarn, Kroatien, Russland, Polen, Griechenland, Australien, Neuseeland, Südkorea, Japan, der Volksrepublik China, Taiwan und dem Iran.Vgl. die Darstellung auf der Webseite der Ludwig-Maximilians-Universität München. Abgerufen am 10. Februar 2024.
Persönliches Günter Zöller lernt die Literaturwissenschaftlerin und Medienkünstlerin Marlena G. Corcoran (geboren in New York City) in Paris während der gemeinsamen Studienzeit an der École normale supérieure kennen. Seit dem Jahr 1985 ist das Paar verheiratet.
Werk Günter Zöller ist der Verfasser, Herausgeber und Mitherausgeber von mehr als 35 Büchern und der Autor von weit über 400 Aufsätzen und Beiträgen in Zeitschriften, Sammelbänden und Nachschlagewerken in deutscher sowie englischer, französischer, italienischer, brasilianischer, kroatischer, niederländischer, polnischer, tschechischer, japanischer, chinesischer, koreanischer, russischer, ukrainischer, bulgarischer, isländischer, türkischer und persischer Sprache (Stand: Februar 2024).Die ausführliche Bibliographie von Günter Zöller ist Website der Ludwig-Maximilians-Universität München zu entnehmen (PDF-Datei zum Download). Abgerufen am 10. Februar 2024.
Er hat sich editorisch und durch selbst geleistete Übersetzungen in die englische Sprache insbesondere mit Werken Kants und Fichtes befasst.
Forschung und Lehre an der University of Iowa Während seiner Zeit in den USA arbeitete Zöller vor allem zu Immanuel Kant. Zöller ist Mitbegründer der North American Kant Society im Jahr 1985. Im Rahmen von Forschungsstipendien durch das National Endowment for the Humanities, Washington, D.C. (1991, 1992, 1993–1994) entstanden Veröffentlichungen zur Theorie der Subjektivität vor Kant, bei Kant und im deutschen Idealismus sowie eine systematische Studie zur Transzendentalphilosophie bei Fichte.Vgl. Zöllers Darstellung in Autobiobibliographischer Essay, Stand: 2022, S. 2. Weitere Schwerpunkte der Forschung in den USA waren die Philosophie Schopenhauers und Heideggers. So bewerkstelligte Zöller die Überführung des Nachlasses von Eric F. J. Payne, Schopenhauers englischsprachigem Übersetzer, an die Universitätsbibliothek der University of Iowa. Aus dem Payne-Nachlaß konnte Zöller eine verschollene unveröffentlichte Übersetzung von Schopenhauers Freiheitsschrift in überarbeiteter Form publizieren.Arthur Schopenhauer, Prize Essay On the Freedom of the Will, hg. von Günter Zöller, übers. von Eric F. J. Payne, Cambridge 1999.
In die Jahre an der University of Iowa, deren Philosophie-Department in der Emigrationsgeschichte des Wiener Kreises eine Schlüsselrolle mit langfristiger lokaler Nachwirkung gespielt hatte, fiel auch Zöllers intensivere Beschäftigung mit der österreichischen Philosophie, insbesondere Brentano, Meinong und Husserl.Siehe Zöllers Darstellung in Autobiobibliographischer Essay, Stand: 2022, S. 2–3.
Forschung, Lehre und Publikationstätigkeiten an der Ludwig-Maximilians-Universität München Mit dem Wechsel an die Ludwig-Maximilians-Universität München, an der Zöller vom Sommersemester 1999 bis zum Sommersemester 2020 als Universitätsprofessor lehrte, ging – unter Beibehaltung des bisherigen historischen Schwerpunkts auf Kant und des systematischen Schwerpunkts auf kritisch-transzendentaler Philosophie sowie unter Fortführung der Zusammenarbeit mit nordamerikanischen und britischen Kollegen, Zeitschriften und Verlagen – ein verstärkter Fokus auf Johann Gottlieb Fichte in Zöllers Lehr- und Forschungsaktivitäten einher.Siehe Zöllers Darstellung in Autobiobibiographischer Essay, Stand: 2022, S. 3.
Forschung und Lehre, Übersetzungen und Veröffentlichungen zu Johann Gottlieb Fichte