mini|300px|Eos fliegt auf ihrem Wagen über das Meer (rotfiguriger Krater aus Unteritalien, um 425 v. Chr.) mini|hochkant|Eos verfolgt Tithonos (rotfigurige Oinochoe aus Vulci, um 460 v. Chr., Achilleus-Maler) mini|Eos und der erschlagene Memnon (Memnon pieta) (rotfiguriger Kelch aus Attika, um 490 v. Chr., gefunden in Capua) mini|Eos auf dem Pergamonaltar mini|Apollon mit dem Sonnenwagen und die ihm vorauseilende Eos (Gerard de Lairesse, 1671) mini|hochkant|L’Aurore (William Adolphe Bouguereau, 1881) mini|hochkant|Eos (Evelyn de Morgan, 1895) Eos (, Ēṓs) ist in der griechischen Mythologie die Göttin der Morgenröte. Ihre römische Entsprechung ist die Aurora, nach der auch das rot-grünliche Polarlicht benannt wird.
Mythos Abstammung Eos wird gewöhnlich als Titanin angesehen. Sie ist die Tochter des Titanenpaares Hyperion und Theia. Ihre Geschwister sind der Sonnengott Helios und die Mondgöttin SeleneHesiod, Theogonie 371–374. Nach anderer ÜberlieferungHomerischer Hymnos 31 (An Helios), 1–7 ist sie dagegen, wie Helios und Selene, die Tochter des Hyperion und seiner Schwester Euryphaessa, „der weithin Leuchtenden“. Römische Dichter nennen sie dagegen Pallantis, also Tochter des Pallas.Ovid, Fasti 4,373; Valerius Flaccus, Argonautica 2,72
Bedeutung Eos’ Thron steht an der Quelle des Okeanos. Sie taucht allmorgendlich mit ihrem Gespann aus dem Okeanos auf, daher trug sie den Beinamen Erigeneia, „die Früherwachende“Z. B. Homer, Ilias 1,477; Hesiod, Theogonie 378–382. Sie fährt ihrem Bruder Helios bei dessen Reise über den Himmel im eigenen Wagen voraus. Ihre Pferde heißen Phaethon („Schimmer“ oder „der Glänzende“) und Lampos („Glanz“ oder „der Helle“).Homer, Odyssee 23,246
Homer beschreibt Eos als anmutige,Homer, Ilias 9,707 schön gelockte,Homer, Odyssee 5,390 rosenfingerige Gottheit ()Homer, z. B. Ilias 1,477 und 6,175 in einem safran-farbigen Kleid.Homer, Ilias 8,1; 19,1 und 24,695
Partner Mit ihrem ersten Gatten, dem Titan Astraios, hatte Eos viele Kinder, neben dem Eosphoros (Morgenstern – römisch Lucifer) auch die vier Winde Zephyr, Notos, Boreas und Euros.
Eos und Ares Aus einem Gedichtfragment der Dichterin SapphoSappho, Fragment 140 geht hervor, dass Eos’ Liebschaft mit dem Kriegsgott Ares Aphrodite, die Göttin der Liebe, erboste, die Eos aus Rache mit unstillbarer Begierde nach jungen sterblichen Männern erfüllte. Seither musste Eos sich, wenn sie morgens über den Horizont zog, überall nach jungen Männern oder Knaben umsehen. Dies trieb ihr die Schamröte ins Gesicht, und der Himmel errötete mit ihr. Eos’ Verhältnisse mit Sterblichen sind jedoch nicht ungewöhnlich. Hesiod führt ihre Verbindung mit Kephalos in einer langen Liste von Beziehungen zwischen Göttinnen und Sterblichen an, aus denen Kinder entspringen.Hesiod, Theogonie 967–968 Das Akroterion von Caere im Staatlichen Museum zu Berlin zeigt Eos mit einem Knaben, der seiner Größe nach dem Kindesalter noch nicht entwachsen ist.Marilyn Y. Goldberg: The „Eos and Kephalos“ from Caere: Its Subject and Date. In: American Journal of Archaeology. Band 91, Nr. 4, 1987, S. 605–614, Abb. 1.
Eos und Tithonos Den Tithonos, einen Prinzen aus dem Geblüt des Ilos, entführte und heiratete sie und erbat von Zeus für diesen die Unsterblichkeit. Allerdings vergaß sie – anders als Selene für ihren Geliebten Endymion – auch um die ewige Jugend zu bitten. So alterte Tithonos, unfähig zu sterben, er schrumpfte ganz ein, und seine Stimme wurde immer schriller, so dass ihn Zeus schließlich aus Mitleid in eine Zikade verwandelte, die seither Eos begleitete. Beide hatten zwei Söhne, Emathion (der von Herakles getötet wurde) und Memnon,Hesiod, Theogonie 984 ff. und Vergil, Aeneis 1,489 König der Aithiopier, den Achilleus im Kampf um Troja erschlug, wie Arktinos von Milet in seinem verlorenen Werk Aethiopis beschrieb. Eos entführte den Leichnam des Memnon und brachte ihn nach Aithiopien zurück. Dessen Tod beweint sie noch immer, und ihre Tränen fallen jeden Morgen als Tau vom Himmel. Memnons Grab in der Nähe von Theben wurde mit den Memnonkolossen bezeichnet, die jeden Morgen einen Laut von sich gaben, der wie eine Harfe klangSherman E. Lee: An Etruscan Mirror with Eos and Memnon. In: Bulletin of the Cleveland Museum of Art. Band 40, Nr. 2, 1953, S. 32–35, hier: S. 33..
Weitere Liebschaften Liebesverhältnisse hatte Eos unter anderen mit den Sterblichen KleitosHomer, Odyssee 15,572–575 und OrionHomer, Odyssee 5,118–128. Ihre Affäre mit dem Athener Kephalos führte dazu, dass dessen Frau Prokris starb. Beider Sohn war Phaethon (nach anderen Quellen ein Sohn des Helios). Auch mit dem Knaben Ganymed, den Eos oder Zeus auf den Olymp entführt hatten, soll sie eine Liebschaft gehabt haben.Scholien zu Apollonios Rhodios 3,115
Darstellung in der Antike In der griechischen Kunst wird Eos etwa seit dem 6. Jahrhundert v. Chr. geflügelt dargestellt. Eine bekannte Darstellung findet sich auf dem Pergamonaltar. Ein etruskischer Spiegel zeigt eine Eos mit vier Flügeln, die den toten Memnon nach Aithiopien bringtSherman E. Lee: An Etruscan Mirror with Eos and Memnon. In: Bulletin of the Cleveland Museum of Art. Band 40, Nr. 2, 1953, S. 32–35, hier: S. 33..
Unter dem Wagen der Eos werden oft Delfine und Seepferde dargestelltMarilyn Y. Goldberg: The „Eos and Kephalos“ from Caere: Its Subject and Date. In: American Journal of Archaeology. Band 91, Nr. 4, 1987, S. 608., um den Okeanos anzudeuten.
Darstellungen von Eos, die sterblichen Knaben und Männern nachstellt oder sie wegträgt, waren auf attischen Vasen sehr beliebt, der Katalog von Kaempf-DimitriadouSophia Kaempf-Dimitriadou: Die Liebe der Götter in der attischen Kunst des 5. Jahrhunderts v. Chr. Bern 1969, S. 76–109. nennt 147 Beispiele. Eos ergreift Tithonos, Kylix des Telephos-Malers (Boston 95.28). Museum of Fine Arts, Boston. Eos und Kephalos, Amphore des Niobiden-Malers, Rijksmuseum van Oudheden, Leiden (PC 78: ARV2 605, no. 58; LIMC III, 1986, S. 761 Nr. 77, Taf. 77) Eos und Kephalos, Pelike des Niobiden-Malers, Königsberg (LIMC III, 1986, S. 761 Nr. 76, Taf. 76)
Kultstätten Ihr Kult ist selten, lediglich in Athen scheint sie verehrt worden zu sein, wohl wegen ihrer Verbindung mit Kephalos. So waren Eos und Kephalos auf dem Tempel der Athener in Delos dargestelltMartin Robertson: A History of Greek Art. Cambridge University Press, Cambridge 1975, S. 356..
Deutungen Nach Robert Graves entwickelte Eos sich aus der vedischen Muttergöttin Ushas. Er deutet Eos’ Liebesaffären mit jungen Sterblichen als Allegorien: Die Morgendämmerung lässt die nächtlichen Leidenschaften der Liebenden wieder aufflammen.
Stammbaum der Titanen (vereinfacht)
Trivia
Der Name der Göttin diente auch als Namensgeber für das von 2006 bis 2015 produzierte Coupe-Cabriolet Volkswagen Eos.
Literatur
Mary R. Lefkowitz: “Predatory” Goddesses. In: Hesperia. Band 71, Heft 4, 2002, S. 325–344.
Weblinks
Eos in Meyers Konversationslexikon Eos im Theoi Project (englisch)
Anmerkungen
Kategorie:Titan (Mythologie) Kategorie:Weibliche Gottheit Kategorie:Gottheit der Morgenröte Kategorie:Griechische Gottheit als Namensgeber für einen Asteroiden