mini|hochkant|Marienkirche in Effringen Die evangelische Marienkirche steht in Effringen, einem Ortsteil der Stadt Wildberg im Landkreis Calw in Baden-Württemberg. Die Kirchengemeinde gehört zum Kirchenbezirk Calw-Nagold der Evangelischen Landeskirche in Württemberg. Die Kirche ist ein geschütztes Kulturdenkmal nach dem Denkmalschutzgesetz und gilt als eine der schönsten Dorfkirchen in Württemberg.Eduard Paulus: Die Kunst- und Altertums-Denkmale im Königreich Württemberg. Schwarzwaldkreis – Inventar. Stuttgart 1897, S. 164.

Geschichte der Kirche bis zur Reformation Fast vierhundert Jahre lang war die Marienkirche mit dem Kloster Stein am Rhein verbunden. Danach, ab 1379 bis zur Reformation, leitete eine Bürgerfamilie, die Grückler von Bulach, ihre Geschicke.Zum Folgenden ausführlich: Roman Janssen: Geschichte der Kirche bis zur Reformation. In: Karl Halbauer, Roman Janssen, Martin Frieß: Evangelische Pfarrkirche Unserer Lieben Frau Effringen. (Hrsg.) Evangelische Kirchengemeinde Effringen, Calw 1996, S. 7–41. Die angebliche Ersterwähnung 1005 in einer späteren Urkunde ist jedoch eine bewusste und eigentumspolitische Fälschung mit nachvollziehbaren Hintergründen. Das zunächst auf dem Hohentwiel gelegene Kloster wurde 1005 nach Stein am Rhein verlegt. Seine Güter, darunter ein Herrenhof in Effringen mit der Kirche auf dessen Grund (Eigenkirche) als Teil einer Schenkung, besaß es schon viel länger, nämlich um 973, also im letzten Viertel des 10. Jahrhunderts. Die Jahreszahl 1005 ist nur der Zeitpunkt der Bestätigung dieser Schenkung. An diesem Hof haftete das Patronatsrecht, und sein jeweiliger Inhaber zahlte über Jahre und Generationen seine Abgaben an den Eigentümer, das Kloster Stein als Patronatsherr. Da die Effringer Vorgängerkirche als „Mutterkirche“ zu den ganz frühen Pfarrkirchen des Nordschwarzwaldes mit Umlandorten und Filialen in dieser wichtigen und begüterten Bergbauregion von Alt- über Neubulach bis Liebelsberg gehörte, brachte ihre dringendst notwendige Erneuerung und wohl auch Vergrößerung im 14. Jahrhundert das dazu verpflichtete Kloster Stein in große Bedrängnis: da es dazu wirtschaftlich nicht in der Lage war, verkauften Abt Friedrich und der Konvent des Klosters Stein am Rhein ihre Rechte in Effringen, genauer den besagten Herrenhof, 1379 an Conrad Grückler, Bürger der Stadt Bulach. Mit dem Eigentumswechsel gingen alle die Marienkirche betreffenden Patronatsrechte und -pflichten an den Erwerber über, der offenbar zu den Baumaßnahmen auch in der Lage war. Er begann umgehend mit dem Neubau zunächst des Chors, in dem er dann auch 1386 bestattet werden konnte. Eine Verbreiterung des Kirchenschiffs war da offenbar schon projektiert. Und sein Sohn Rudolf wurde erster hiesiger Pfarrer nach dem Patronatswechsel. Nahe der Kirche, noch im Kirchhof, gab es seit dem 14. Jahrhundert, noch vor dem Neubau des Chors, eine Nonnenklause, deren Klausnerinnen der Franziskanerregel folgten. Sie hatten einerseits am liturgischen Geschehen teilzunehmen, durften sich andererseits aber nicht in der Öffentlichkeit zeigen, weswegen sie über die unten erwähnte „Nonnennische“ wenigstens akustischen Kontakt zum Gottesdienst einschließlich dem Blick auf das eucharistische Geschehen am Altar haben konnten.

Die Grückler hielten das Patronat über insgesamt sieben Generationen und bauten in dieser Zeit die Kirche fertig. Sie zogen in verschiedenen Familienzweigen und -konstellationen aus den Rechten aber auch eigennützig kräftige Gewinne, verzogen teilweise nach andernorts, kamen wegen Dienstverweigerung mit Bistum und Pfarrgemeinde in Konflikt, hatten Schwierigkeiten mit ihren angestellten Kaplänen, entfremdeten sich untereinander im Streit über Finanzen und die Besetzung der Pfarrstelle, sahen sich vor Gericht wieder und veräußerten schließlich ihre Rechte 1549 an Herzog Ulrich. Der hatte ein berechtigtes Interesse daran, die Rechtsverhältnisse zwischen der Pfarrkirche Effringen und dem ursprünglichen Filial Neubulach samt den Rechten am Kirchenschatz zu klären. Hatte sich Neubulach zu einer eigenen Pfarrei entwickelt und war mit den Rechten dazu ausgestattet? Das konnte nicht von der Hand gewiesen werden. Der Verkauf der Effringer Pfarrrechte an Württemberg kam aber nur deshalb zustande, weil Ulrich der Grücklerschen Bedingung zustimmte, dass Neubulach, ihr Heimatort, stets mit Theologen des Geschlechts der Grückler zu besetzen sei („Erbpfarrei“), solange dies möglich wäre, was erst 1790 durch Aussterben der Grückler im Mannesstamm dann endete. 1554 vollzog Herzog Ulrich daraufhin eine Neuordnung: Neubulach wurde Pfarrei und Effringen auf den Status eines Filials zurückgestuft. Erst 1814 erhielt Effringen wieder einen Pfarrverweser und konnte 1825 selbstständige Pfarrei werden.

Baugeschichte und Baubeschreibung mini|hochkant|Blick zum Chor Die Marienkirche von 1379/1502 hatte einen romanischen Vorgängerbau.Zum Folgenden ausführlich: Karl Halbauer, in: Karl Halbauer, Roman Janssen, Martin Frieß: Evangelische Pfarrkirche Unserer Lieben Frau Effringen. (Hrsg.) Evangelische Kirchengemeinde Effringen, Calw 1996, S. 43–84. Am verbliebenen Turm von 1300 wurde ab 1379 der gotische Chor durch den neuen Patronatsherrn Conrad Grückler aus Bulach errichtet, da hierzu das bisher berechtigte Kloster Stein am Rhein finanziell nicht mehr in der Lage war. Dieser Chor wurde Patronatsgrablege der Grückler und enthält entsprechende Grabplatten. Die reichen Pfarrpfründen der Grückler konnten über mehrere Generationen mit Geistlichen der Familie besetzt werden. Durch den Neubau des spätgotischen dreischiffigen Langhauses mit Steinkanzel ab 1502 wurde die Kirche vollendet. Seine besondere Gestaltung vor allem des Mittelschiffgewölbes besteht in den bemalten Gewölben und in figürlicher Bauplastik an Gewölbekonsolen und Schlusssteinen. Infolge der 1534 in Württemberg eingeführten Reformation verkaufte der Effringer „Kirchherr“ und Neubulacher Pfarrer Gallus Grückler das Effringer Patronatsrecht an Herzog Ulrich und wurde hier erster evangelischer Pfarrer. 1964 wurde die Marienkirche von Architekt Hermann Hornbacher außen und innen renoviert.

Alle Wände und Bauwerksecken der ab 1379 erbauten gotischen Hallenkirche werden von Strebepfeilern gestützt, zwischen denen sich Maßwerkfenster befinden. Ihr 1502 vollendetes Langhaus mit Satteldach und vier Jochen wird durch Arkaden in ein Mittelschiff und zwei gleich hohe Seitenschiffe getrennt. Die Wände sind durch hohe Maßwerkfenster und Strebepfeiler gegliedert. In der Südwestecke des Schiffs führt ein Wendeltreppentürmchen in den Dachraum, der früher als Kornspeicher mit noch heute fest installierter Seilwinde und großem spitzbogigem Ladeportal im Westgiebel genutzt wurde. Im Osten des Langhauses befindet sich ein eingezogener, dreiseitig geschlossener Chor, an dessen Nordwand als ältester Bauteil der Chorflankenturm auf quadratischem Grundriss steht. Seine unteren Geschosse mit zwei nördlichen Lichtschlitzen und im dritten Geschoss mit kleinen Rechteckfenstern wurden von der romanischen Vorgängerkirche übernommen. Er wurde mit einem achteckigen Geschoss aufgestockt, das die Turmuhr und den Glockenstuhl mit den 1463 von Hans Eger gegossenen Kirchenglocken beherbergt. Darauf sitzt eine Glockenhaube. In dem Winkel zwischen Turmostwand und Chornordwand wurde in der zweiten Hälfte des 15. Jahrhunderts die netzgewölbte Sakristei angebaut. Das Äußere der Kirche ist verputzt, steinsichtig sind nur die Sockel, das Chorkranzgesims, die Gesimse an Turm und Westfassade, die Eckquader, Strebepfeiler sowie die Portal- und Fenstergewände.

Ausstattung Große Teile der reichhaltigen spätgotischen Ausstattung haben sich bis heute erhalten. Die Marienkirche ist damit ein anschauliches und hochqualitatives Beispiel einer größeren spätgotischen Dorfkirche mit bedeutender Ausstattung. Dazu gehören auch das gegenüber dem Chorgewölbe um hundert Jahre jüngere Langhausgewölbe samt Seitenschiffgewölben mit einigen gestalteten Schlusssteinen und vor allem im Mittelschiff dem Ringschlussstein oder Himmelsloch, durch das an Himmelfahrt die Schnitzfigur Christi hinaufgezogen oder an Pfingsten eine lebende Taube zum Flug freigelassen werden konnte.

Chor und Sakristei Die Sakristei und die Ausstattung des Chores mit seinen Nischen, Fresken und dem Chorgestühl von Schreinermeister Jörg Apt aus dem Jahre 1481 stammen vom Ende des 15. Jahrhunderts.Evangelische Kirchen und christliche Kunst in Württemberg 1957-1966. Ein Querschnitt. (Hrsg.) Verein für christliche Kunst in der evangelischen Kirche Württembergs; Stuttgart 1966, Abb. 10 ff. Der Sakristeizugang zeichnet sich durch ein reich profiliertes Gewände und eine noch mit alten schmiedeeisernen Beschlägen versehene Tür aus. Das Chorgewölbe ruht auf acht Konsolen mit Masken, Büsten, Schilden, einem Engel und einem Affen, der dem Betrachter einen Spiegel vorhält; die drei Masken sind wohl in Unheil abwehrender, apotropäischer Absicht gestaltet.

Die dreisitzige Sediliennische für die Zelebranten in der Südwand findet ihren oberen Abschluss in einer Dreipassmaßwerkbekrönung. Südöstlich daneben dienten zwei einfache Rechtecknischen einerseits für Aufbewahrungszwecke und anderseits die mit dem eingetieften Becken und Ausfluss nach draußen für das Reinigen von Händen und Gerätschaften. Die Funktion der das Mauerwerk durchbrechenden Fensternische in der Nordostwand ist inzwischen geklärt: Diese „Nonnennische“ diente ursprünglich der ungesehenen Teilname der Klausnerinnen an der eucharistischen Liturgie sowie dem Abnehmen der Beichte zwischen Nonne außen und Pfarrer innen, getrennt durch das Sprechgitter. Außen – die Kragsteine für Dach und Boden eines Vorbaues sind noch vorhanden – endete nämlich ein Verbindungsgang von der Klause in der südöstlichen Kirchhofecke. So mussten die Beichtwilligen ihre Klause nicht gänzlich verlassen.

Kruzifix und Taufbecken Die ältesten Ausstattungsstücke in der Marienkirche entstammen wohl dem 13. Jahrhundert oder noch früher. Es ist der Holzkruzifixus aus dem zweiten Drittel des 13. Jahrhunderts, hinter dem Altar aufgestellt, und das Taufbecken. Am Altarkreuz das Antlitz Jesu „strahlt Würde und zugleich Sanftmut, aber auch Entschlossenheit aus. Ein Hauch des Leidens wird spürbar. Das Werk gehört einer Phase an, in der die Darstellung des hoheitsvoll triumphierenden Christkönigs allmählich abgelöst wird von der des leidenden Gekreuzigten.“Karl Halbauer: Kruzifixus. In: Karl Halbauer, Roman Janssen, Martin Frieß: Evangelische Pfarrkirche Unserer Lieben Frau Effringen. (Hrsg.) Evangelische Kirchengemeinde Effringen, Calw 1996, S. 77. Noch etwas älter dürfte das romanische Taufbecken aus zwei Teilen sein, einer Sockelplatte und dem leicht gebauchten, sich nach unten verjüngenden Steinbecken in etwas roher Ausführung. Eine Folge von 21 eingeritzten Rundbogenfeldern und am oberen Rand eine umlaufende Rille umziehen ihn.

Wand- und Deckenmalerei