Boleslav „Boja“ Kvapil (* 16. Juli 1934 in Třebíč (deutsch Trebitsch), Okres Třebíč, Tschechoslowakei; † 24. Juni 2017 in Gottmadingen, Landkreis Konstanz, Baden-Württemberg) war ein tschechischer Künstler und Werbegrafiker, der ab 1970 in Deutschland lebte.

Leben Kvapil wurde 1934 im mährischen Třebíč geboren, die Familie lebte in Jemnice. Nach dem Februarumsturz 1948 wurde sein Vater, der Anwalt war, mit zwei älteren Brüdern in Sippenhaft genommen. Boleslav musste die Schule verlassen und fortan 13 Jahre im Kohlebergbau arbeiten. Erst 1961 wurde er entlassen; anschließend absolvierte er eine grafische Ausbildung und besuchte Abendschulen, um sich auf ein Studium der Journalistik an der Karlsuniversität Prag vorzubereiten. 1968 dort noch Student, wurde er vom Enthusiasmus der Reformen erfasst, schrieb Artikel und fertigte Karikaturen an, auch noch als seitens der politischen Führung die „Normalisierung“ im Land vorangetrieben wurde. Aufgrund dieser journalistischen Tätigkeit zur Zeit des Prager Frühlings musste Kvapil 1969 das Land verlassen. Gemeinsam mit seiner Familie floh er über das damalige Jugoslawien nach Österreich und kam im Januar 1970 dann nach Deutschland. Nach kurzen Zwischenstationen in Ingelheim am Rhein und Mainz zog er 1971/72 in den Hegau – seine erste Frau hatte eine Anstellung als Psychologin beim Jugendwerk in Gailingen am Hochrhein gefunden. Kvapil arbeitete als Werbegrafiker bei der Firma Alusingen und hatte im Unternehmen auch die erste Ausstellung seiner Werke. Ab 1975 war er als freischaffender Künstler mit eigenem Atelier in der Bodenseeregion tätig, zunächst in Uttenhofen, anschließend in Randegg, bevor er dann in Gottmadingen heimisch wurde.

Kvapil war Mitglied der Künstlergruppe Singener Maler. Er starb im Juni 2017 in Gottmadingen.

Werk Kvapil war Autodidakt, der seine Werke überwiegend in Ölmalerei umsetzte, aber auch in Aquarellen oder feinen Tuschezeichnungen. Als Vorbilder für seine gesellschaftskritischen Arbeiten nannte er in Interviews immer wieder die Maler George Grosz und Otto Dix, weiters aber auch Paul Klee, August Macke und Henri Rousseau. Die Kunsthistorikerin Yvonne Istas verortet Kvapils Werk „irgendwo zwischen naiver Malerei, neuer Sachlichkeit und Surrealismus“ und erkennt in der Darstellung von Figuren und den teils verzerrten Perspektiven Ähnlichkeiten zu Salvador Dalí. Kvapils von feiner Ironie bis hin zu deutlichem Spott durchzogenen politischen Sujets nähren sich aus seinen persönlichen Erfahrungen von Flucht, Machtmissbrauch, Repression und dem Leben in totalitären Regimen. Die Bilder sind durchweg doppelbödig bis rätselhaft; ein Kritiker nannte sie auch kafkaesk.

In den 1990er-Jahren wandte sich Kvapil der Verbildlichung von literarischen Texten zu, indem er Textpassagen von Philosophen und Literaten illustrierte und kalligrafisch untermalte. Neben Aristoteles, Luther, Napoleon, Goethe, Böll, Dürrenmatt, Antoine de Saint-Exupéry, Oscar Wilde und Charles Bukowski waren das zum Beispiel auch Sozialkritiker und Satiriker, zu denen er sich offenbar hingezogen fühlte: Christian Morgenstern, Joachim Ringelnatz, Erich Kästner, Heinz Erhardt, Boris Vian. In einem eigenen Zyklus setzte er sich ab 1991 intensiv mit der Philosophie und der Gedankenwelten seines Landmannes Franz Kafka auseinander. Seine Illustrationen zu Kafkas Tagebüchern wurden 1993 bei der Internationalen Kafka-Gesellschaft in Prag ausgestellt; im folgenden Jahr widmete er sich einem Heinrich-Heine-Zyklus.

Arbeiten in öffentlichen Sammlungen (Auswahl) Gemeinde Büsingen, Sammlung Karl Lang (1911–2003) Stiftung für Kunst, Kultur und Geschichte, SKKG Winterthur Gemälde „Zwiespältige Zweisamkeit“ (1980), Inv. Nr. 3828.

Ausstellungen (Auswahl) 1974: Firma Alusingen, Singen am Hohentwiel 1979: Boleslav Kvapil, Villa Prym, Kunstverein Konstanz 1980: Rathaus Pforzheim 1982: Naive Kunst am Bodensee, St. Gallen 1987: Aufgezeichnet, aufgemalt, aufgefunden – 10 kreative Außenseiter der Kunst aus Baden-Württemberg, Singen am Hohentwiel 1993: Internationale Kafka-Gesellschaft, Wenzelsplatz Prag 2007: Kafka in der zeitgenössischen Kunst, Bonn 2014: Seelenlandschaft – Seelandschaft, Rathaus Stockach 2017: Boleslav Kvapil – Wie der Prager Frühling nach Gottmadingen kam, Bürgerhaus Büsingen 2017: Chapeau! Kvapil, Galerie Titus Koch, Schloss Randegg 2018: Freiheit, die ich meine – der Maler Boleslav Kvapil und der Prager Frühling in seinem Werk, Museum Rosenegg, Kreuzlingen 2023: Malerisch, poetisch, satirisch – Retrospektive Boleslav Kvapil, Kulturzentrum Sternen, Thayngen 2023: kafkaesk & kvapilesk – Franz Kafka, von Boleslav Kvapil ins Bild gebracht, Alte Schmiede, Büsingen 2024: Ein Käfig ging einen Vogel suchen, Scheune15, Rielasingen-Worblingen

Seit 2020 befindet sich im Pflegeheim „Haus am Hohentwiel“ in Singen eine Dauerausstellung.

Publikationen (als Illustrator) Boleslav Kvapil, Erika Dillmann: Geburtstag auf dem Bodensee – der Hans, das Vreneli und der Beppi machen eine große Reise ; eine Geschichte für Kinder vom Bodensee, Verlag Die Brigg, Augsburg o. J. (1976) Boleslav Kvapil, Max Rieple: Dieser zauberhafte Bodensee, Weidling Verlag, Stockach-Wahlwies o. J. (1978) Boleslav Kvapil, Max Rieple: Lockendes Land am Oberrhein, Weidling Verlag, Stockach-Wahlwies o. J. (1979) Boleslav Kvapil: Kleines Buch vom Bodensee, Weidling Verlag, Stockach-Wahlwies 1991 Sabine Eva Kvapil: Boleslav Kvapil 1934–2017 – Leben und Werk ; malerisch, poetisch, satirisch, Kulturverein Thayngen, Thayngen 2023

Weblinks

Website von Boleslav Kvapil

Einzelnachweise

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