mini|Fürstenwallstraße, Blick aus dem Haus Fürstenwallstraße 20 nach Norden, 2018 mini|Blick von Norden in die Fürstenwallstraße, 2024 mini|Blick vom Fürstenwall nach Nordwesten auf die heute weitgehend unbebaute Westseite der Fürstenwallstraße, im Vordergrund die Kreuzung mit dem Gouvernementsberg, 2024 Die Fürstenwallstraße ist eine Straße in Magdeburg in Sachsen-Anhalt.
Lage und Verlauf Die Straße befindet sich im Osten der Magdeburger Altstadt. Sie beginnt südlich der Straße Gouvernementsberg, die sie nach Norden verlaufend dann kreuzt und verläuft dort parallel zum östlich gelegenen Fürstenwall. Sie führt dann weiter nach Norden bis zur von Westen erfolgenden Einmündung der Großen Klosterstraße, wo sie nach insgesamt etwa 300 Metern endet. Nördlich schließt sich die Materlikstraße an. Zur Fürstenwallstraße gehört auch eine kurze, südlich des Leipziger Bahnhofs nach Osten zum Schleinufer führende Verbindungsstraße.
Die Hausnummerierung verläuft von der Nummer 8 am nördlichen Ende der Westseite aufwärts entlang der Westseite nach Süden bis zur Nummer 10. Nach einem längeren unbebauten Abschnitt setzt die Nummerierung dann südlich des Gouvernementsbergs mit der Nummer 17 wieder ein und verläuft weiter nach Süden bis zur Nummer 20. Die fehlenden Hausnummern bestehen für aktuell nicht bebaute Grundstücke bzw. gehören zur später ausgewiesenen Materlikstraße.
Historisch begann die Nummerierung mit der Nummer 1 auf der Ostseite, nördlich der Kreuzung mit der Gouvernementsstraße, dem heutigen Gouvernementsberg und verlief aufsteigend bis zur Nummer 5. Nördlich hiervon befand sich der Leipziger Bahnhof, der jedoch nicht zur Fürstenwallstraße gehörte. Die Nummer 6 befand sich auf der Westseite am nördlichen Ende der Straße. Diese Fläche gehört heute zur Materlikstraße.
Am nördlichen Ende des Fürstenwalls, heute der Materlikstraße, mündete von Westen kommend die Heiligegeiststraße ein. Am nordöstlichen Ende führte die Fürstenstraße weiter nach Norden. Diese beiden Straßen bestehen aktuell nicht mehr.
Nach der Nummer 6 mündete von Osten die Große Klosterstraße ein. Die Nummerierung verlief südlich hiervon beginnend mit der Nummer 7 weiter aufsteigend nach Süden. Nach der Nummer 14 sprang die Straßenflucht zurück. Die Nummer 15 stand nach Westen versetzt. Wieder in der normalen Flucht schloss sich das Gouvernementhaus (Gouvernementstraße 1) an. Von Westen mündete die Gouvernementstraße ein. Die Nummerierung verlief südlich hiervon beginnend mit der Nummer 16 weiter nach Spden bis zur Nummer 20, die jedoch deutlich aus der Straßenflucht hervortritt.
Geschichte mini|Blick auf den südlichen Teil der Westseite, Anfang der 1890er Jahre Ein erster überlieferter Name für die Straße war Diebeshorn. Der 1323 urkundlich erwähnte Name ergab sich möglicherweise, da in dieser, damals am Rande der Stadt gelegenen Straße, Personen mit schlechtem Leumund, möglicherweise auch des Diebstahls bezichtigte, lebten. Der Namensbestandteil Horn war in Magdeburg im Mittelalter für Sackgassen und Flächen an der Elbe geläufig, um die die Elbe im Bogen floss. Weitere Erwähnungen des Namens Diebeshorn liegen vor allem bis 1523, zuletzt dann 1552 vor.Ernst Neubauer, Häuserbuch der Stadt Magdeburg 1631–1720, Teil 1, Herausgeber: Historische Kommission für die Provinz Sachsen und für Anhalt, Magdeburg 1931, Seite 145 f. Das Diebeshorn begann im Norden bei der Seidenbeutelpforte, heute etwa am nördlichen Ende der Materlikstraße, und verlief als kaum 10 Fuß schmale Gasse nach Süden entlang der Ostseite der Mauer des Gartens des Klosters Unser Lieben Frauen. Zusätzlich eingeengt wurde die Gasse durch ein Torhaus des Klosters, das mitten auf der Straße, etwa an der heutigen Einmündung der Großen Klosterstraße, stand. Östlich der Straße befand sich ein als Gemüsegarten genutztes Gelände. 1187 hatte Erzbischof Wichmann diese Fläche dem Kloster geschenkt. Zum Teil entstanden dort kleine Häuschen, die dem Kloster gegenüber zur Zahlung von Grundzinsen verpflichtet waren. Im Jahr 1477 wurde für das Diebeshorn eine Badstube genannt. Sie ist möglicherweise identisch mit der später erwähnten Badstube Zur nackten Magd. Bereits im 14. und 15. Jahrhundert waren auf der Westseite Häuser entstanden, darunter auch eine Domherrenkurie. 1489 entstand auf der westlichen Seite das Hieronymuskloster, ein Kloster der Brüder vom gemeinsamen Leben, genannt die Troilusbrüder. Der südlichste Teil der Straße wurde danach Bei den Trüllmönchen genannt. Dieses Kloster wurde jedoch bereits im 16. Jahrhundert wieder aufgegeben. Die Kenntnis über die Bedeutung des trotzdem weiter verwendeten Namens ging verloren, so dass er sich in Trillmännchen wandelte. Noch bis Anfang des 18. Jahrhunderts wurde er in Urkunden erwähnt und war auch noch 1804 gebräuchlich.
Im 16. Jahrhundert war das Diebeshorn dann bereits dichter mit Häusern bebaut. Mit etwas Abstand verlief östlich der Straße die entlang der Elbe verlaufende Stadtmauer. Der Stadtmauer nach Osten vorgelagert war der Fähramtsgarten.
Im Süden wurde das Diebeshorn vom erzbischöflichen Garten begrenzt. Das Umfeld der Straße soll unsauber gewesen sein. Auf der Westseite der Straße, am Weinberg des Klosters Unser Lieben Frauen, befand sich für längere Zeit ein sogenannter Lappenberg, eine Abladestelle für Schutt.
Im südlichen Abschnitt wurde entlang der Stadtmauer ein schmaler Wall aufgeschüttet, der noch bis in die Zeit um 1700 als Dreckwall bezeichnet wurde.Ernst Neubauer, Häuserbuch der Stadt Magdeburg 1631–1720, Teil 1, Herausgeber: Historische Kommission für die Provinz Sachsen und für Anhalt, Magdeburg 1931, Seite 145 f. Ab 1722 entstand dann der Fürstenwall, für den zwei Pulvertürme abgerissen wurden. Dies dürfte zum einen der Rote Turm, gegenüber der Einmündung des Gouvernementsbergs gewesen sein. Der zweite Turm befand sich gegenüber des Grundstücks Fürstenwallstraße 11. Nach Anlage des Fürstenwalls und Einrichtung des Gouvernementgebäudes an der Ecke zur Gouvernementstraße, heutiger Gouvernementsberg, veranlasste Leopold von Anhalt die Beseitigung der Unsauberkeiten und richtete die Straße neu her. Hierfür wurden die Klostermauern abgerissen, an ihrer Stelle entstanden die späteren Häuser Fürstenwallstraße 6 bis 15.Ernst Neubauer: Häuserbuch der Stadt Magdeburg Teil II, Max Niemeyer Verlag, Halle (Saale) 1956, Seite 56 In der Folge erhielt die Straße auch einen weniger anstößigen Namen. In der Zeit um 1720 nannten die königlichen Behörden in Magdeburg die Straße jeweils Fürstenstraße, in den Antworten aus Berlin wurde sie hingegen jeweils als Königstraße bezeichnet. Zuletzt kam im Jahr 1807 die Bezeichnung Königstraße vor, während der Fürstenwall weiterhin Fürstenwall hieß. 1798 war als Straßenbezeichnung bereits der Name Am Fürstenwall erwähnt worden. Seit 1817 trägt die Straße nur noch den auch heute noch gebräuchlichen Namen Fürstenwallstraße, der auf den unmittelbar angrenzenden Fürstenwall Bezug nimmt.Ernst Neubauer, Häuserbuch der Stadt Magdeburg 1631–1720, Teil 1, Herausgeber: Historische Kommission für die Provinz Sachsen und für Anhalt, Magdeburg 1931, Seite 146
Im Zweiten Weltkrieg wurden große Teile der Bebauung der Straße zerstört, so auch der nördliche Teil des Fürstenwalls, der nun nur noch bis zum Gouvernementsberg reicht, zuvor jedoch nach Norden bis zum alten Gebäude des Leipziger Bahnhofs reichte. Einige Häuser und der südliche Teil des Fürstenwalls blieben jedoch erhalten. In der Zeit der DDR wurde der nördlichste Teil der Fürstenwallstraße, nördlich der Großen Klosterstraße, in Materlikstraße umbenannt. Die Fürstenwallstraße wurde im Übrigen nur noch als Wallstraße bezeichnet, da der monarchistisch empfundene Namensbestandteil als politisch unangemessen betrachtet wurde. Nach der friedlichen Revolution des Jahres 1989 erfolgte dann eine Rückbenennung, wobei die abgetrennte Materlikstraße jedoch bestehen blieb. Südlich des Alten Leipziger Bahnhofs neu geschaffen wurde eine kurze Verbindungsstraße zum östlich verlaufenden Schleinufer.
(Historische) Häuser der Fürstenwallstraße