Melodic Death Doom ist ein Subgenre des Death Doom und des Melodic Death Metal, das durch die Verbindung des langsamen, schweren Riffings des Death Doom mit melodischer Gitarrenarbeit des Melodic Death Metal gekennzeichnet ist. Im Mittelpunkt stehen häufig melancholische Harmonien, ausgedehnte Gitarrenmelodien und ein Wechselspiel zwischen schleppenden und dynamischeren Passagen. Die Stilrichtung entwickelte sich in den frühen 1990er Jahren aus dem europäischen Death Doom und dem Extreme Metal. Sie steht historisch sowohl mit der Entstehung des Gothic Metal als auch mit der Entwicklung des Melodic Death Metal in Verbindung.
Musikalische Einordnung Melodic Death Doom verbindet die langsame und schwere Spielweise des Death Doom mit der melodischen Gitarrenarbeit des Melodic Death Metal. Kennzeichnend sind insbesondere ausgeprägte Gitarrenmelodien und melancholische Leadgitarren über einem vom Doom Metal und Death Metal geprägten rhythmischen Fundament. Der Gesang ist überwiegend durch tiefe Growls und andere extreme Gesangsformen geprägt. Klarer Gesang wird gelegentlich ergänzend eingesetzt. Ebenso werden Keyboards häufig zur atmosphärischen Ausgestaltung genutzt. Die Stilrichtung wird nicht zwingend durchgehend langsam gespielt. Neben schleppenden Passagen stehen gelegentlich schnellere und dynamischere Abschnitte. Insbesondere die Verbindung von Elementen des Death Doom mit melodischer Gitarren- oder Keyboardarbeit wird als charakteristisch beschrieben. Eine eindeutige und trennscharfe taxonomische Abgrenzung zum frühen Gothic Metal und zum Melodic Death Metal ist daher nicht immer möglich.
Der Begriff etablierte sich erst Jahre nachdem Interpreten wie Amorphis und Katatonia die stilistische Entwicklung maßgeblich geprägt hatten.
Geschichte Vorgeschichte Ursprünge bis zur Mitte der 1990er Jahre Die Ursprünge des Melodic Death Doom liegen in der Entwicklung des europäischen Death Doom Ende der 1980er und Anfang der 1990er Jahre. Insbesondere die zunehmende Verwendung melodischer Gitarren, Keyboards und atmosphärischer Elemente erweiterte die auf Schwere und Langsamkeit ausgerichtete Stilistik. Alben wie The Astral Sleep von Tiamat, Gothic von Paradise Lost, Always … von The Gathering oder Turn Loose the Swans von My Dying Bride markierten die Schnittstelle zwischen dem Death Doom des Debüts von Paradise Lost und Gothic Metal.
Eine Entwicklung hin zum Melodic Death Doom setzte Anfang der 1990er Jahre ein. Als frühes Schlüsselwerke gelten Dance of December Souls der schwedischen Band Katatonia aus dem Jahr 1993 und Tales from the Thousand Lakes von Amorphis aus dem Jahr 1994. Während Katatonia die langsame und schwere Spielweise des Death Doom mit musikalischen Einflüssen aus dem Black Metal und einer für die weitere Entwicklung des Genres prägenden melodischen Gitarrenarbeit verband, spielte Amorphis mit ausgeprägten Melodien, Keyboards sowie Elementen des Progressive und Folk Metal. Beide Alben wurden zu wichtigen Bezugspunkten der Entwicklung des Melodic Death Doom. Das Debüt von Katatonia wurde dabei zeitweise dem Gothic Metal zugerechnet.
Etablierung und Verbreitung in der zweiten Hälfte der 1990er Jahre Mit den Veröffentlichungen aus den Jahren 1996 und 1997 Brave Murder Day von Katatonia, Paradise Belongs to You von Saturnus und Rain Without End des Katatonia-Nebenprojektes October Tide festigte sich die Spielweise. Seit den 2000er Jahren wurde die Stilistik durch Bands wie Swallow the Sun, Draconian und weitere insbesondere finnische Bands und internationale Vertreter weiterentwickelt. Dabei verstärkten sich die Überschneidungen mit Gothic Metal, Funeral Doom, Progressive Metal und Atmospheric Doom. Gleichzeitig blieb die Verbindung aus Doom-Rhythmik, Death-Metal-Gesang und melodischer Gitarrenarbeit das zentrale gemeinsame Merkmal. Bereits zum Ende der 1990er Jahre verbreitete sich der Stil zunehmend international. Mit Interpreten wie den amerikanischen Bands Thorns of the Carrion und Morgion, der schwedischen Gruppe October Tide, dem französischen Projekt Despond, der niederländischen Bands Morphia und Officium Triste, der portugiesischen Gruppe Desire, der Entwicklung der griechischen Band On Thorns I Lay sowie dem belgischen Projekt In Somnis verbreitete sich das Genre noch vor der Jahrtausendwende international. Eine eigenständige Betitelung für das sich mit Death Doom und Gothic Metal überlagernde Genre blieb allerdings vorerst aus.
Nach der Jahrtausendwende Nach der Jahrtausendwende festigten sich zunehmend die Wahrnehmung als eigenständiges finnisch verwurzeltes Genre innerhalb des Death Doom. Interpreten wie Marianas Rest, Ablaze in Hatred, Yearning, Hanging Garden, Insomnium, Arche, Rapture, Red Moon Architect, Swallow the Sun, Counting Hours, Hallatar, Saattue, Black Sun Aeon, Kuolemanlaakso, Obscurant, Kaunis Kuolematon, Lucidity, Vuolla, Shades of Deep Water, In Depths of Winter oder Wolfheart gelten als typisch finnische Vertreter des Genres. Besonders erfolgreich und als Vergleichsgröße für viele weitere Interpreten wurden dabei Rapture, Insomnium und Swallow the Sun wahrgenommen.
Das Genre etablierte sich derweil International als eine der verbreitetsten Spielweisen des Death Doom. So wurden unter anderem Interpreten bekannt aus Australien (Illimitable Dolor, The Maledict The Slow Death Subterranean Disposition), Belarus (Woe Unto Me), Chile (Aura Hiemis), Deutschland (Décembre Noir Nailed to Obscurity, Doomed, Voidhaven), Färöer (Hamferð), Frankreich (Darken, Monolithe,), Großbritannien (Imindain), Griechenland (Immensity, Oceans of Grief, Shattered Hope), Italien (Plateau Sigma Shores of Null, Solautumn,), Neuseeland (Enter the Soil und Bleed This Earth,), Niederlande (Angmodnes), Portugal (Before the Rain), Russland (Ekklesiast The Extinct Dreams, Gust in Grief, A Young Man’s Funeral), Schweden (Draconian October Tide, Vanha, Forest of Shadows), Spanien (In Loving Memory), Ukraine (Luna Mental Torment, Torrens Conscientium) und den USA (Cathartes Aura Chalice of Suffering, Daylight Dies, Hinayana, Fire in the Distance Vacant Eyes). Unter der Bandbreite der Projekte entstanden hinzukommend mehrere internationale Kooperation wie Forever Falling und MMXX Towards Atlantis Lights, oder die Projekte des rumänischen Musikers Daniel Neagoe (Eye of Solitude, Clouds, Mourners).
Einzelnachweise
Kategorie:Stilrichtung des Doom Metal Kategorie:Stilrichtung des Death Metal