Nur zu Besuch ist das sechste Studioalbum der deutschen Singer-Songwriterin Madeline Juno aus dem Jahr 2024.
Entstehung und Artwork Entstehung Alle Stücke des Albums wurden von Madeline Juno selbst, zusammen mit dem Berliner Musiker Joschka Bender, geschrieben und komponiert. Mit einer Ausnahme (Lawine) wurden sie dabei vom Koblenzer Musiker Wieland Stahnecker (Blinker) unterstützt. Bei allen Liedern standen dem Trio wechselnde Koautoren zur Verfügung. Die meisten Autorenbeteiligungen entstammen dabei der Zusammenarbeit mit dem Stuttgarter Singer-Songwriter Steven Bashir, der an sechs Liedern mitgeschrieben hat. Weitere vier Autorenbeteiligungen stammen vom österreichischen Musiker Wanja Bierbaum (Hardy X) sowie drei vom Braunschweiger Autoren und Musikproduzenten Alexander Knolle (Alex Lys). Je eine Komposition beziehungsweise ein Liedtext entstanden in Zusammenarbeit mit dem deutschen Rapper 1986zig, der zugleich einen Gastauftritt hat, sowie dem Hamburger Rapper Tom Ulrichs (Tom Thaler).Madeline Juno: Nur zu Besuch (Bundle). Begleitheft, Embassy of Music, Tonpool, Katalognummer: 770551, 26. Januar 2024.
Für die Produktion zeichnete weitgehend Bender verantwortlich, der alle Titel des Albums produziert hat, teilweise in eigenständiger Leitung. Vier Produktionen tätigte er zusammen mit Hardy X sowie je eine mit Blinker (Gewissenlos) und Matthias Heising (Nur zu Besuch). Darüber hinaus zeichnete Bender für einen großen Teil der weiteren Studioarbeit verantwortlich. So war er an der Abmischung, Aufnahme, Instrumentierung und Programmierung beteiligt. Der größte Teil der Abmischung erfolgte jedoch unter der Leitung des Berliner Toningenieurs Dennis Keil, der für die Abmischung von 13 Titeln verantwortlich war. Bender übernahm lediglich die Abmischung des Liedes Versprich mir du gehst. Die Tonaufnahmen erfolgten ganz durch Bender; bei Nur zu Besuch bekam er Unterstützung durch Heising. Dieser war zusammen mit Claire-Ann Varley auch für das Arrangement des Titels zuständig. Ebenso zeichnete Bender für die komplette Programmierung zuständig. Bei drei Titeln wurde er hierbei von Hardy X sowie bei dem Lied Gewissenlos von Blinker unterstützt. Beide waren zudem, neben Bender, auch Teil der Instrumentierung. Zum Einsatz kamen dabei Bass (Murphy’s Law), Gitarre, Keyboard, eine Pedal-Steel-Gitarre (Lawine) und Schlagzeug. Neben den drei genannten Musiker engagierte man hierzu Martin Rott (Keyboard und Schlagzeug), Benjamin Scheufler (Schlagzeug), Johann Seifert (Bass) sowie Alex Sprave (Schlagzeug). Das Mastering erfolgte durch HP Mastering Hamburg, unter der Leitung des Studioinhabers Hans-Philipp Graf.
Während 1986zig, Hardy X und Tom Thaler hiermit erstmals als Autoren oder Produzenten für Juno tätig waren, arbeiteten Bashir, Blinker und Lys bereits mit Juno für ihr vorangegangenes Studioalbum Besser kann ich es nicht erklären (Januar 2022) zusammen.Madeline Juno: Besser kann ich es nicht erklären. Begleitheft, Embassy of Music, Tonpool, Katalognummer: 770200, 14. Januar 2022. Ebenso Heising, der zudem seit Beginn von Junos Karriere im Jahr 2013 immer wieder temporär Teil ihrer Liveband war. Bender ist bereits seit Beginn von Junos Karriere festes Mitglied ihrer Liveband und an diversen Produktionen, in verschiedenen Funktionen, beteiligt gewesen. Juno selbst beschrieb die Zusammenarbeit mit Bender im Zuge des Albums mit den Worten: „Wir kennen uns seit über zehn Jahren und können absolut ehrlich miteinander sein. Wir drehen so lange Extrarunden und probieren Sachen aus, bis das Gefühl zu 100 % stimmt.“
Artwork Auf dem Frontcover des Albums ist Juno, vor einem beigen Hintergrund, auf einem Hocker sitzend, zu sehen. Sie hat ihre Haare hochgebunden und trägt dazu schwarze Stiefeletten, eine beige Anzughose mit weiten Beinen sowie ein schwarz-transparentes Oberteil. Juno hat zurückgelehnt auf dem Hocker Platz genommen und hält sich mit beiden Armen an der Sitzfläche fest, während sie ihren Blick auf den Boden gerichtet hat. Das Artwork des Covers sowie vom Begleitheft stammt von Max Binski. Die Fotografien stammen von Ben Wolf, der in der Vergangenheit bereits öfters als Fotograf und Regisseur für Juno engagiert wurde, so als Regisseur von Solange wir fahren (2022) oder auch Ich sterbe zuerst (2023). Das Albumcover wurde zudem als Frontcover für die Singles Gewissenlos, Lovesong und Nicht ich verwendet.
Veröffentlichung und Promotion Veröffentlichung Die Erstveröffentlichung von Nur zu Besuch erfolgte am 26. Januar 2024 bei Embassy of Music. Das Album erschien zeitgleich als CD, Download, LP und Streaming, für den Vertrieb war Tonpool zuständig. Alle Lieder des Albums wurden durch Universal Music Publishing verlegt, 13 Titel wurden in Kooperation mit BMG Rights Management publiziert. Des Weiteren wurden sechs Titel in Zusammenarbeit mit Budde Music Publishing sowie je vier Titel zusammen mit Edition Novemberkind und Sony Music Publishing verlegt. Das Album besteht aus 14 neuen Studioaufnahmen und erschien in zwei Variationen. Neben dem regulären Album erschien zeitgleich ein „Fan-Bundle“ mit einer limitierten signierten Vinylplatte sowie einer Eintrittskarte für das „exklusive Album Release Event“, welches am Tag der Albumveröffentlichung stattfand. Neben der limitierten Fan-Bundle erschien auch eine reguläre Vinylausgabe.
Promotion Am 23. März 2023 gab Juno erstmals bekannt, im Zuge der ersten Singleauskopplung Ich sterbe zuerst, dass sie an einem neuen Album arbeiten würde. Am 29. Juli 2023 bestätige sie den Albumtitel sowie den Veröffentlichungstermin; ab dem Zeitpunkt stand das Album auch zum Vorbestellen bereit.
Mit der Veröffentlichung des Albums, untermalte die RTL-Gruppe einen Werbespot für die crossmediale Entertainment-Plattform RTL+, womit es in diversen Werbeunterbrechungen der Sendergruppe präsentiert wurde.Werbetrailer – RTL+. RTL Television, 26. Januar 2024. Am 29. Januar 2024 erfolgte eine Liveauftritt mit Was weiß ich schon im ARD-Morgenmagazin.
Inhalt Titelliste und Stil Alle Liedtexte des Albums sind in deutscher Sprache verfasst und stammen von Madeline Juno, die die Stücke zusammen mit wechselnden Koautoren schrieb. Die Stücke Life Goals ( für „Lebensziele“), Lovesong ( für „Liebeslied“), Murphy’s Law ( für „Murphys Gesetz“) und Sad Girl Shit ( für „Trauriges Mädchen Mist“) verfügen über englischsprachige Titel, die Texte sind jedoch auf Deutsch. Musikalisch bewegen sich die Lieder im Bereich der Popmusik, mit Einflüssen aus Rap (Versprich mir du gehst), Soul und Trip-Hop (Murphy’s Law) oder auch Indie-Pop (Lovesong).
Juno selbst betrachtet Nur zu Besuch als Bindeglied zu ihrem letzten Album Besser kann ich es nicht erklären, das bereits verstärkt Popelemente enthalten habe und zu ihrem kommenden Album, an dem sie bereits zur Veröffentlichung hiervon gearbeitete habe und sich produktionstechnisch experimenteller engagieren möchte. Inhaltlich handelt es sich bei den meisten Titeln um Balladen, in den Juno unter anderem die Themen Liebe, Liebeskummer, mangelnde Wertschätzung oder auch das Erwachsenwerden aufgreift.
In Versprich mir du gehst wird Juno vom Koautoren 1986zig gesanglich unterstützt. Es ist nach Nur kurz glücklich – einem Duett mit Max Giesinger auf dem Vorgänger Besser kann ich es nicht erklären – das zweite Mal, dass es ein Duett auf ein Standardalbum von Juno schaffte. Das Lied Life Goals erinnert mit seiner Länge von 0:59 Minuten an eine Art Interlude.
+ Titelliste # Titel Autor(en) Produzent(en) Länge 1 Sad Girl Shit Joschka Bender, Madeline Juno, Wieland Stahnecker Joschka Bender 2:12 2 Lovesong Joschka Bender, Madeline Juno, Wieland Stahnecker Joschka Bender 3:05 3 Gewissenlos Steven Bashir, Joschka Bender, Madeline Juno, Wieland Stahnecker Joschka Bender, Wieland Stahnecker 300: 4 Murphy’s Law Joschka Bender, Madeline Juno, Wieland Stahnecker Joschka Bender 3:07 5 Life Goals Joschka Bender, Madeline Juno, Wieland Stahnecker Joschka Bender 0:59 6 Mitte Zwanzig Joschka Bender, Madeline Juno, Wieland Stahnecker Joschka Bender 3:35 7 Was weiß ich schon Steven Bashir, Joschka Bender, Wanja Bierbaum, Madeline Juno, Wieland Stahnecker Joschka Bender, Wanja Bierbaum 2:34 8 Was zu verlieren Steven Bashir, Joschka Bender, Wanja Bierbaum, Madeline Juno, Alexander Knolle, Wieland Stahnecker Joschka Bender, Wanja Bierbaum 3:28 9 Lawine Joschka Bender, Wanja Bierbaum, Madeline Juno, Tom Ulrichs Joschka Bender, Wanja Bierbaum 2:58 10 Nur zu Besuch Joschka Bender, Madeline Juno, Wieland Stahnecker Joschka Bender, Matthias Heising 3:19 11 Ich sterbe zuerst Joschka Bender, Madeline Juno, Wieland Stahnecker Joschka Bender 3:10 12 Version von mir Steven Bashir, Joschka Bender, Wanja Bierbaum, Madeline Juno, Alexander Knolle, Wieland Stahnecker Joschka Bender, Wanja Bierbaum 2:58 13 Versprich mir du gehst (feat. 1986zig) 1986zig, Steven Bashir, Joschka Bender, Madeline Juno, Wieland Stahnecker Joschka Bender 2:58 14 Nicht ich Steven Bashir, Joschka Bender, Madeline Juno, Alexander Knolle, Wieland Stahnecker Joschka Bender 3:41
Track-by-Track Sad Girl Shit In Sad Girl Shit greift Juno das Thema Mental Health auf, in dem sie auf autotherapeutische und selbstironischer Weise sich selbst im Kontext zur eigenen Historie einschätzt und positioniert („Sad-Girl-, Sad-Girl-, Sad-Girl-Shit. Todestraurig, typisch ich“). Sie selbst erklärte, dass sie an einem Ort angekommen sei, an dem sie sich nicht mehr ganz so ernst nehmen und ihr Inneres auch mit Augenzwinkern betrachten könne: „Love it or hate it – so bin ich“. Es sei trotzdem nicht immer leicht, aber ein sanfter Launch Richtung Selbstakzeptanz.
Life Goals Wie Sad Girl Shit steht Life Goals im autotherapeutischen Kontext. Juno singt davon, dass sie Punkte ihrer „Wishlist“ (Bucket List) abhake, sich aber dabei nicht glücklich fühle („Ich hak’ die Punkte von der Wishlist … freu’ mich nicht so, wie ich möchte“). Sie habe gehört, dass es sich glücklich anfühlen soll und hinterfragt sich dabei selbst, ob das wirklich diese Lebensziele seien, von denen alle reden („Hab’ gehört, so wird man glücklich … Sind das jetzt diese Life-Goals? Diese Life-Goals, von den’n alle reden?“).
Mitte Zwanzig Mitte Zwanzig beschrieb Juno als ihren Lieblingstitel auf dem Album. Der autobiografische Text behandelt den Dunning-Kruger-Effekt, eine sozialpsychologische kognitive Verzerrung. Juno selbst erzählte, dass sie bei den Aufnahmen den Bodensatz erreicht und gedachte habe, alles geht den Bach runter. Bis ihr klar geworden sei, dass es vielen so gehe und man da besser jetzt als nie durchmüsse. Trotzdem wünsche sie sich manchmal, wieder Kind zu sein – als das Leben unkomplizierter gewesen sei.
Lawine In Lawine geht es um die bröckelnde Partnerschaft, in der Juno auch das Thema Attachment Parenting aufgreift. Sie singt davon, dass sie eigentlich nur hinterfragen wollte, ob sie okay miteinander seien, aber das Gefühl habe, eine Wunde aufgekratzt zu haben („Wollt ich doch nur hör’n, ob wir okay sind … Ich glaub’, ich hab’ da grad irgendwas aufgekratzt“). Gestern habe Juno noch an ihn und sie geglaubt, jetzt würden sie zusehen, wie sich das „Drama“ eine Kulisse baue. Sie stünden vor einem Berg aus Problemen und stelle sich diverse Fragen, wie unter anderem: „Kannst du nicht einfach sagen, dass du uns noch willst?“
Version von mir Version von mir steht ebenfalls erneut im autotherapeutischen Kontext. Es geht darum, dass Juno nach außen eine Person ausstrahlt beziehungsweise darstellt, die sie innerlich nicht ist und nicht sein will („Diese Version von mir ist alles, was ich nicht sein will“). Dies führt auch zu Beziehungsproblemen, welche unter anderem aus folgenden Missverständnissen hervorgehen: „Meine Angst, dich zu verlier’n, kommt nur als Vorwurf bei dir an. Bitte denk nicht, du wärst schuld daran“. Juno sei sich sicher, das ihr Partner sie hassen müsse, doch sie hoffe, dass er zu ihr sage, dass sie das alles schaffen würden.
Singleauskopplungen