mini|alt=Mahfuz Anam. Porträt eines Bengalischen älteren Mannes.|Mahfuz Anam, 2023 Mahfuz Anam (; geb. 18. Juni 1950, East Bengal, Dominion of Pakistan) ist ein Journalist in Bangladesch. Er ist Redakteur und Herausgeber des The Daily Star, einer der auflagenstärksten englischsprachigen Zeitungen Bangladeschs. Nachdem er 14 Jahre lang bei den Vereinten Nationen gearbeitet hatte, gründete Anam 1991 zusammen mit seinem Mentor Syed Mohammad Ali die Zeitung in der Zeit des demokratischen Übergangs in Bangladesch. Seine Kritik an den beiden größten politischen Parteien des Landes und dem Militär hat oft dazu geführt, dass er verklagt wurde; Anam weist die Vorwürfe und Klagen als Angriffe auf die Pressefreiheit zurück. Er wurde 2022 und 2023 für eine zweite Amtszeit zum Vorsitzenden des Asia News Network gewählt.
Leben Jugend und Ausbildung Anam wurde am 18. Juni 1950 im damaligen East Bengal, einer Provinz der Dominion of Pakistan, geboren. Anam ist der jüngste Sohn von Abul Mansur Ahmed, einem bengalischen Anwalt, Schriftsteller und Politiker. Sein Vater arbeitete und kämpfte lebenslang für Muslime in der Bengal Subah (Presidency). Die Situation der bengalischen Muslime war zu der Zeit sehr schlecht. Sein Vater war ein bekannter Zeitungsherausgeber und politischer Satiriker in Britisch-Indien. Während der 1950er war sein Vater Vizepräsident der Awami-Liga zwischen 1953 und 1958, Minister of Education der Provinz im Kabinett der United Front 1954 und Minister of Commerce and Industries im Kabinett von Huseyn Shaheed Suhrawardy, dem fünften Premierminister von Pakistan (1956–1957).Pakistan Affairs. Information Division, Embassy of Pakistan. 15. Mai 1953. Google Books
Anams älteste Tochter Tahmima Anam ist eine Englischsprachige bengalische Schriftstellerin. Sie wurde mit dem Commonwealth Writers’ Prize ausgezeichnet. Anams älterer Bruder Mahbub Anam war Herausgeber der The Bangladesh Times und ein Abgeordneter für die Bangladesh Nationalist Party (BNP).
Bildung Anam studierte am Notre Dame College in Dhaka. Er erwarb Abschlüsse in Wirtschaftswissenschaft an der University of Dhaka. Er gewann drei Jahre in Folge die All Pakistan Debating Championship (1967, 1968, 1969). Der Wettbewerb wurde in Karatschi, Dhaka und Lahore durchgeführt.
Bangladesch-Krieg 1971 1971 kämpfte Anam für die Unabhängigkeit von East Pakistan. Er schloss sich der Mukti Bahini in den letzten Monaten des Bangladesch-Krieges an und am Ende war er Officer-in-Training.
Karriere Anam begann seine Karriere im März 1972. Er arbeitete als Staff Correspondent des The Bangladesh Observer, der damals wichtigsten englischsprachigen Tageszeitung des Landes. Später war er stellvertretender Herausgeber der Bangladesh Times. 1976 wurde ihm vom East-West Center der Thomas Jefferson Fellowship in Journalism verliehen.
Zwischen 1977 und 1990 arbeitete Anam für die UNESCO als Medienoffizier und Sprecher. Er wurde in Paris, New York City und Bangkok eingesetzt. In seiner letzten Stellung in Bangkok diente Anam als Regional Media and Public Affairs Representative der UNESCO. In Bangkok plante Anam auch, eine Zeitung in Bangladesch zusammen mit Syed Mohammad Ali zu gründen, dem ehemaligen Herausgeber der The Bangkok Post. Sie sicherten die Finanzierung durch die Investoren Azimur Rahman, A. S. Mahmud, Latifur Rahman, A. Rouf Chowdhury und Shamsur Rahman. Anam sagte selbst: „Die Arbeit an der Zeitung hat eine Weile gedauert. Sie begann in den 80er Jahren mit dem hektischen Briefwechsel zwischen SM Ali, der in Kuala Lumpur lebte, und mir, der in Bangkok lebte, die wir beide für die UNESCO arbeiteten. Der Plan war, dass er 1988 in den Ruhestand gehen würde und ich 1990 zurücktreten würde und wir beide nach Bangladesch zurückkehren und unsere Zeitung herausbringen würden. Die zweijährige Vorabpräsenz von Ali Bhai gepaart mit meinen häufigen Besuchen aus Bangkok einmal im Monat gab uns die Möglichkeit, Investitionen abzuschließen (mit Mahmud Bhai [AS Mahmud], unserem Gründungsgeschäftsführer, der als Katalysator fungierte), unsere Pläne für die Zeitung fertigzustellen, wichtige Personaleinstellungen abzuschließen, die Räumlichkeiten zu mieten und, was am wichtigsten ist, die ‚Declaration‘ einzuholen – die offizielle Erlaubnis, eine Zeitung zu gründen.“„The paper was a while in the making. It started in the 80s, with the frantic exchange of letters between S. M. Ali, based in Kuala Lumpur, and myself, based in Bangkok, both working for UNESCO. The plan was that he would retire, in 1988, and I would resign, in 1990, and both of us would return to Bangladesh and launch our paper. The two-year advance presence of Ali Bhai coupled with my frequent visits from Bangkok, sometimes once every month, gave us the chance to finalise investments (with Mahmud Bhai, our founding managing director, acting as the catalyst), finalise our plans for the paper, wrap up major recruitments, rent the premises, and most importantly, get the 'declaration'—the official permission to start a newspaper“.
The Daily Star wurde 1991 während des Übergangs Bangladeschs zur parlamentarischen Demokratie gegründet. Dieser Zeitraum fiel mit den Reformen zur wirtschaftlichen Liberalisierung zusammen. Die Zeitung gewann in der Hauptstadt Dhaka und der Hafenstadt Chittagong rasch an Popularität. Sie wurde die auflagenstärkste englischsprachige Tageszeitung des Landes und ließ Konkurrenten wie The Bangladesh Observer und Holiday hinter sich. Die Ansichten der Redaktion (editorial views) gewannen großen Einfluss. Die Zeitung entwickelte sich zu einem Symbol der freimütigen, vielfältigen und in Privatbesitz befindlichen Presse Bangladeschs, die zwischen 1990 und Ende der 2000er Jahre florierte. Laut der BBC ist „Der Daily Star die populärste englischsprachige Zeitung Bangladeschs. Sie wurde vor einem Vierteljahrhundert gegründet, als Bangladesch zur parlamentarischen Demokratie zurückkehrte, und hatte immer einen Ruf journalistischer Integrität sowie liberaler und fortschrittlicher Ansichten – eine Art bangladeschische New York Times“.„The Daily Star is the most popular English-language newspaper in Bangladesh. It was launched as Bangladesh returned to parliamentary democracy a quarter of a century ago, and has always had a reputation for journalistic integrity and liberal and progressive views – a kind of Bangladeshi New York Times.“ Nach dem Tod von S. M. Ali 1993 begann Anam die journalistischen Operationen der Zeitung zu lenken. Die Muttergesellschaft Mediaworld Ltd. ernannte Anam 1998 zum Publisher. Er arbeitete eng mit Syed Fahim Munaim zusammen, der als Managing Editor verantwortlich für die Einkünfte war.
Anam ist Gründungspräsident der Newspaper Owners’ Association of Bangladesh (NOAB). Er war auch Generalsekretär des Editors Council of Bangladesh und wurde 2007 in Seoul als Vorsitzender des Asia News Network (ANN) gewählt. Anam ist Mitglied des Board of Trustees der bangladeschischen Landesvereinigung (chapter) von Transparency International (TIB).
Anam arbeitete mit der Ford Foundation und Professor Rehman Sobhan um die Bangladesh Freedom Foundation zu gründen.
Politische Ansichten Anam wurde als Libertarian beschrieben. Seine einflussreichen Leitartikel (Editorials) behandeln sensible Themen der turbulenten Politik und Demokratie in Bangladesch. Anam wurde zu einem scharfen Kritiker von Sheikh Hasina und Khaleda Zia in Fragen wie Parlamentsboykotten, Korruption und Menschenrechtsverletzungen. In Bezug auf ein Wirtschaftssystem befürwortet Anam den freien Markt. In der Außenpolitik unterstützt Anam die Verbesserung der Beziehungen zu Indien. 2010 hielt Anam eine programmatische Rede, in welcher er fragte: „Warum sollte China an Bangladesch interessiert sein?“ („Why China should be interested in Bangladesh?“), in welcher er das wirtschaftliche Wachstum von Bangladesch diskutierte im Zusammenhang mit den Handelsbeziehungen mit Beijing.
Während der politischen Krise in Bangladesch von 2006 bis 2008 (Bangladeshi Caretaker Government) kritisierte Anam den Armeechef offen, obwohl die Pressefreiheit aufgrund des Ausnahmezustands eingeschränkt war. Als Antwort auf die Vorschläge von General Moeen Uddin Ahmed für eine „bangladeschische Art von Demokratie“ schrieb Anam: „Zu den Fragen der Idee des Generalstabschefs, ‚unsere eigene Art von Demokratie zu haben‘, möchten wir darauf hinweisen, dass wir in der Politik zum ersten Mal 1958 mit Ayub Khan in Berührung gekommen sind. Er wollte ‚die Demokratie nach dem Geist des Volkes neu erfinden‘, und am Ende hatten wir eine ‚Basisdemokratie‘, die von unserem Volk gründlich abgelehnt wurde, auch wenn es eine Weile gedauert hat. Viel später kam in Pakistan General Zia-ul-Huq, der die Demokratie ebenfalls neu definieren wollte. Sein Trick war ziemlich clever und sehr originell. Um den Pakistanern ihr Recht auf die Wahl einer Regierung vorzuenthalten, sagte Zia: ‚Ich kann keine Demokratie akzeptieren, in der die Souveränität dem Volk gehört. In meinen Augen gehört die Souveränität nur Allah.‘ Also regierte Zia-ul-Huq Pakistan mit seinem persönlichen Befehl, da die Anerkennung der Souveränität des Volkes gegen seinen Glauben verstieß. Fragen Sie jeden Pakistaner nach dem großen und irreparablen Schaden, den er ihrem Land zugefügt hat.“„On the questions of the Chief of Army Staff’s idea of 'having our own brand of democracy' we want to point out that our first brush with a General in politics was with Ayub Khan back in 1958 and he wanted to 'reinvent democracy according to the genius of the people' and we ended up having 'basic democracy' that was thoroughly rejected by our people, though it took a while. Much later in Pakistan came General Zia-ul-Huq who also wanted to redefine democracy. His was quite a clever ploy and very original. In order to deprive the Pakistanis of exercising their right to elect a government Zia said 'I cannot accept democracy where sovereignty belongs to the people. In my book sovereignty only belongs to Allah'. So Zia-ul-Huq ran Pakistan under his personal fiat, as accepting the sovereignty of the people was against his belief. Ask any Pakistani for the great and irreparable damage he had caused to their country.“ Der indische Kolumnist Kuldip Nayar bezog sich auf Anams Artikel in Outlook zu Ayub Khans Ansichten über den „genius of the people“. Anams Artikel wurde inmitten von Angst vor einer direkten militärischen Übernahme in Bangladesch geschrieben; der Armeechef schloss dann später jede Möglichkeit einer Machtergreifung aus.