Die französische Irland-Expedition (: Expédition d'Irlande, : French expedition to Ireland) war ein erfolgloser Versuch der Französischen Republik, die verbotene Society of United Irishmen, eine irische Gruppierung zur Schaffung einer irischen Republik, bei ihren Plänen zu unterstützen, sich während der fortschreitenden Koalitionskriege gegen die britische Herrschaft zu erheben. Die Franzosen beabsichtigten, im Winter 1796–1797 eine große Expeditionstruppe in Irland zu landen, um sich mit den Vereinigten Iren zu verbünden und die Briten aus Irland zu vertreiben. Auf französischer Seite ging man davon aus, dass dies einen schweren Schlag für die britische Moral, das Prestige und die militärische Schlagkraft bedeuten würde und möglicherweise auch die erste Stufe einer eventuellen Invasion Großbritanniens selbst durch französische Truppen sein sollte. Zu diesem Zweck versammelte das Direktorium Ende 1796 eine Streitmacht von etwa 15.000 Soldaten in Brest unter General Lazare Hoche, um sich auf eine große Landung in der Bantry Bay im Südwesten der Insel im Dezember vorzubereiten.
Die Operation wurde in einem der stürmischsten Winter des 18. Jahrhunderts durchgeführt – Bedingungen, auf die die französische Flotte in keiner Weise vorbereitet war. Patrouillierende britische Fregatten beobachteten das Auslaufen der Flotte und benachrichtigten die britische Kanalflotte, die größtenteils in Spithead überwinterte. Die französische Flotte war beim Verlassen des Hafens mit widersprüchlichen Befehlen konfrontiert und verstreute sich über die Reede von Brest. Ein Schiff ging mit dem Verlust vieler Menschenleben verloren. Getrennt gelang es in der Folge dem größten Teil der französischen Flotte, die Bantry Bay bis Ende Dezember zu erreichen, allerdings zumeist mit kilometerweit Kursabweichungen. Vor Ort konnten die Kommandeure nicht agieren, da amphibische Landungen aufgrund der Wetterbedingungen, die schlechtesten seit 1708, unmöglich waren. Innerhalb einer Woche hatte sich die Flotte aufgelöst, kleine Gruppen und einzelne Schiffe machten sich durch Stürme, Nebel und britische Patrouillen auf den Weg zurück nach Brest.
Den Briten wiederum gelang es weitgehend nicht, die französische Flotte vor, während oder nach dem Invasionsversuch entscheidend zu stellen. Einige von Cork aus operierende Schiffe kaperten zwar einzelne französische Kriegsschiffe und Transporter, aber die einzige nennenswerte britische Reaktion kam von Kapitän Sir Edward Pellew, der in der Aktion vom 13. Januar 1797 das französische Linienschiff Droits de l’Homme an Land treiben konnte, wobei über 1.000 Seeleute den Tod fanden. Insgesamt verloren die Franzosen 12 erbeutete oder zerstörte Schiffe und Tausende von Soldaten und Seeleuten ertranken, ohne dass ein einziger Mann Irland erreichte, abgesehen von den Kriegsgefangenen. Beide Marinen wurden von ihren Regierungen wegen ihres Verhaltens während des Feldzugs kritisiert, aber die Franzosen wurden ermutigt, 1798 einen zweiten Versuch zu starten, bei dem sie im August erfolgreich 2.000 Mann landeten, den irischen Aufstand jedoch nicht beeinflussen konnten und erneut eine beträchtliche Anzahl von Männern und Schiffen verloren.
Hintergrund mini|Porträt von Theobald Wolfe
Nach der Französischen Revolution von 1789 wurden demokratische Mitbestimmung und Unabhängigkeitsbestrebungen in vielen Ländern aufgegriffen, so auch im Königreich Irland, das damals vom Königreich Großbritannien regiert wurde.Thomas Pakenham: The Year of Liberty: The Story of the Great Irish Rebellion of 1798, (bearb. Ausgabe). Abacus. London. 2000, (1. Ausgabe: 1997). ISBN 978-0-349-11252-7. S. 27. In Irland gab es seit Jahrhunderten Widerstand gegen die britische Herrschaft, aber das Vorbild Frankreichs, verbunden mit der Einführung der sog. Penal Laws, die die katholische Mehrheit sowie die presbyterianische Minderheit diskriminierten, hatte schließlich die Gründung der Society of United Irishmen, einer breiten überkonfessionellen Koalition von Gruppen, die eine irische Republik gründen wollten, zur Folge.Richard Brooks: Cassell’s Battlefields of Britain & Ireland. Weidenfeld & Nicolson. London. 2005. ISBN 978-0-304-36333-9. S. 605. Ursprünglich eine gewaltlose politische Bewegung, waren die Society 1793 bei Ausbruch des ersten Koalitionskriegs verboten worden und somit gezwungen, als Geheimbund zu agieren und kam schließlich zu dem Schluss, dass ihre einzige Hoffnung auf Gründung der Irischen Republik in einem bewaffneten Aufstand läge, und sie begann, im Verborgenen Streitkräfte zu organisieren und zu bewaffnen. Auf der Suche nach externer Hilfe reisten zwei ihrer Anführer, Lord Edward Fitzgerald und Arthur O’Connor, nach Basel, um sich mit dem französischen General Lazare Hoche zu treffen.Richard Woodman: The Sea Warriors: Fighting Captains and Frigate Warfare in the Age of Nelson. Constable Publishers. London. 2001. ISBN 1-84119-183-3. S. 83. Ihre Bemühungen wurden vom protestantischen Dubliner Anwalt Theobald Wolfe Tone unterstützt, der nach Paris reiste, um persönlich beim französischen Direktorium vorzusprechen.Marianne Elliott: Tone, (Theobald) Wolfe. Oxford Dictionary of National Biography (Online Edition). Oxford University Press. 2004. In dieser Zeit hob die britische Regierung einige Strafgesetze auf, um die Situation zu beruhigen.David A. Wilson: United Irishmen, United States: immigrant radicals in the early republic. Cornell University Press, 1998. Kapitel 7–8, insbesondere S. 171–176.
Die Erste Französische Republik hatte schon längere Zeit eine Invasion der Britischen Inseln geplant, doch ihre Ambitionen waren wiederholt durch verschiedene Faktoren vereitelt worden, so etwa die Ereignisse an anderen Schauplätzen der Koalitionskriege, den Aufstand der Vendée und den desolaten Zustand der französischen Marine.Donald R. Come: French Threat to British Shores, 1793–1798. Military Affairs. 16 (4): 174–88. 1952. . JSTOR 1982368. S. 177. Dieses letztgenannte Problem gab großen Anlass zur Sorge: Die französische Marine hatte schwer unter dem Niedergang ihres Offizierskorps während der Revolution gelitten und musste dann eine Reihe militärischer Rückschläge hinnehmen, die in der taktischen Niederlage in der Seeschlacht am 13. Prairial und im katastrophalen Winterfeldzug von 1795 (: Croisière du Grand Hiver) endeten.Geoffrey Regan: Geoffrey Regan’s Book of Naval Blunders. Andre Deutsch. 2001. ISBN 0-233-99978-7. S. 87. Nachdem das neue französische Direktorium 1795 aber an mehreren Fronten den Frieden gesichert hatte, entschied es, dass Großbritannien einer ihrer gefährlichsten verbliebenen Gegner sei, und beschloss, es durch eine Invasion zu besiegen.Donald R. Come: French Threat to British Shores, 1793–1798. Military Affairs. 16 (4): 174–88. 1952. . JSTOR 1982368. S. 181.
Der Vortrag von Theobald Wolfe Tone hatte in diesem Zusammenhang großes Interesse beim Direktorium erregt, das sich darüber im Klaren war, dass Irland der am wenigsten verteidigte Teil der britischen Inseln war. Die Unterstützung für die britische Regierung war dort am schwächsten und die United Irishmen behaupteten optimistisch, sie könnten eine irreguläre Armee von bis zu 250.000 Mann aufstellen, die darauf warteten, sich den Franzosen anzuschließen, sobald diese gelandet wären.James Henderson CBE: The Frigates: An Account of the Lighter Warships of the Napoleonic Wars 1793–1815. Leo Cooper. 1994 (1. Ausgabe: 1970). ISBN 0-85052-432-6. S. 20–22. Daneben wäre die Gründung der Irischen Republik auch ideologisch ein Coup für die Französische Republik gewesen.Geoffrey Regan: Geoffrey Regan’s Book of Naval Blunders. Andre Deutsch. 2001. ISBN 0-233-99978-7. S. 88. Schließlich und vor allem hätte eine große Expeditionstruppe in Irland auch ein ideales Sprungbrett für eine Invasion in Großbritannien darstellen können, insbesondere in Kombination mit einem damals in Entwicklung befindlichen Plan, 2.000 irreguläre Truppen (hauptsächlich Sträflinge auf Bewährung) in Cornwall zu landen, um die britische Armee während der Invasion in Irland abzulenken und damit möglicherweise auch dort schon einen Brückenkopf für zukünftige Operationen zu gewinnen.
Vorbereitung Mit dem Ende des Aufstandes in der Vendée und dem Frieden mit Spanien wurden beträchtliche französische Streitkräfte für die Operation bereitgestellt, die von General Hoche angeführt werden sollte und für Ende Oktober 1796 geplant war. Hoche hatte den Ruf eines erfolgreichen Militärbefehlshabers, der bereits die Operation gegen die Vendée-Royalisten erfolgreich geführt hatte und anschließend an der Planung der Invasion in Cornwall beteiligt war. Eine Truppe erfahrener Soldaten und die gesamte französische Atlantikflotte wurden ihm mit Ausgangspunkt im großen Atlantikhafen von Brest zur Verfügung gestellt.William James: The Naval History of Great Britain, Volume 2, 1797–1799. Conway Maritime Press. London. 2002 (1. Ausgabe: 1827). ISBN 0-85177-906-9. S. 5–7. Die Zahl der für die Invasion vorgesehenen Soldaten ist nicht geklärt. Das französische Direktorium schlug vor, dass 25.000 Mann erforderlich wären, die irischen Delegierten bestanden darauf, dass 15.000 ausreichen würden.William James: The Naval History of Great Britain, Volume 2, 1797–1799. Conway Maritime Press. London. 2002 (1. Ausgabe: 1827). ISBN 0-85177-906-9. S. 3. Schätzungen über die Zahl der letztendlich eingeschifften Soldaten liegen zwischen 13.500 und 20.000 (vgl. Kapitel Anmerkungen.)
Im August lag die Operation bereits hinter dem Zeitplan zurück: Schwerwiegende Engpässe bei Nachschub und Soldzahlungen behinderten die Vorbereitungen auf den Werften von Brest, während sich die für die Invasion in Cornwall vorgesehenen Truppen als unzuverlässig erwiesen und in großer Zahl desertierten. Eine praktische Übung der Invasionsflotte für Cornwall endete gleichfalls mit einem völligen Misserfolg, da sich herausstellte, dass die für die Operation vorgesehenen kleinen Schiffe nicht in der Lage waren, auf offener See zu operieren. Der Plan wurde schließlich verworfen und die verbliebenen zuverlässigen Soldaten der Einheit wurden in die irische Expeditionstruppe eingegliedert, der Rest kehrte ins Gefängnis zurück.Donald R. Come: French Threat to British Shores, 1793–1798. Military Affairs. 16 (4): 174–88. 1952. . JSTOR 1982368. S. 184–185. Auch die Verstärkung durch die Mittelmeerflotte verzögerte sich: Sieben Schiffe der Expedition unter dem Kontra-Amiral Joseph de Richery mussten vor dem britischen Blockadegeschwader in Rochefort Schutz suchen und kamen erst am 8. Dezember in Brest an, während ein zweites Geschwader unter dem Konteradmiral Pierre de Villeneuve erst eintraf, als das Expeditionskorps bereits abgezogen war.