mini|Nicolas Dupont-Aignan (2019) Nicolas Dupont-Aignan (* 7. März 1961 in Paris) ist ein französischer rechtspopulistischer Politiker, der als Gründer der Partei Debout la France (DLF) euroskeptische, souveränistische Positionen bezieht und von Beobachtern als rechtsextrem eingestuft wird. Er ist Bürgermeister und Abgeordneter von Yerres (Département Essonne). Als Kandidat bei der Präsidentschaftswahl 2012 erhielt er 1,79 % der abgegebenen Stimmen (absolut 643.907 Stimmen), bei der Präsidentschaftswahl 2017 4,70 % (1.695.186 Stimmen); bei seinem dritten Anlauf bei der Präsidentschaftswahl 2022 erhielt er 2,06 % (725.356 Stimmen).

Biographie Familie und Studium Nicolas Dupont-Aignan ist der Enkel eines der ersten Piloten des Ersten Weltkriegs; sein Vater wurde während des Zweiten Weltkriegs gefangen genommen und konnte fliehen.Nicolas Dupont-Aignan In: Huffington Post, abgerufen am 26. Mai 2015 Als Letztgeborener dreier Geschwister wurde er in einer Familie der Mittelschicht erzogen. Er ist der Ehegatte von Valerie Vecchierini, Anwältin und seit 1997 seine parlamentarische Assistentin,Maëlle Brun: [Interview] Nicolas Dupont-Aignan: „Le harcèlement des femmes est mon cheval de bataille parce que j'ai deux filles“, In: closermag.fr, 26. November 2015. mit der er zwei Töchter hat. Er bestand 1982 seinen Abschluss beim Institut d’études politiques de Paris und wurde 1984 Jurist. 1985 absolvierte er den DESS (Master) in Betriebswirtschaft und Finanzmärkte der Universität Paris-Dauphine. Er war von 1987 bis 1989 Student an der ENA (Promotion Liberté-Égalité-Fraternité).

Laufbahn und Regierungsarbeit Er begann seine Laufbahn als Zivilverwalter, dann gehörte er dem Erziehungsministerium unter François Bayrou sowie dem Umweltministerium unter Michel Barnier an.

Zivile Laufbahn Zivilverwalter 1988 bis 1989: Assistent des Büroleiters für Wahlen an der Oberdirektion der Administration im Innenministerium Von 1990 bis 1992: Kabinettchef des Präfekten der Region Paris (Olivier Philip) im Rang eines Unterpräfekten Von 1992 bis 1993: Kabinettchef des Präfekten der Region Paris (Christian Sautter)

Ministerkabinette Von 1993 bis 1994: Kabinettchef, dann technischer Berater des Erziehungsministers (François Bayrou) Von 1994 bis 1995: Technischer Berater für Arbeitsplatz, städtische Ökologie und Lärm des Umweltministers (Michel Barnier)

Ursprung seiner politischen Ideen Schon als 13-Jähriger war Nicolas Dupont-Aignan ein eifriger Unterstützer des sozialen Gaullisten Jacques Chaban-Delmas, für den er während der Präsidentschaftswahl 1974 Plakate klebte. Le JDD, 15. Februar 2012 (französisch) Vor der fehlgeschlagenen Kandidatur von Édouard Balladur für die Präsidentschaftswahl 1995 zog Dupont-Aignan in das Kabinett von Umweltminister Michel Barnier ein. Im Gegensatz zu seinem „Chef“ unterstützte er keine der RPR-Kandidaten.

Politischer Werdegang Anfänge Im Februar 1997 wurde Dupont-Aignan von Alain Juppé (ebenfalls Premierminister) zum Leiter des Bereichs Studien des RPR ernannt. Im Februar 1998, vor der Auflösung des Parlaments, ernannte ihn der ihm näher stehende neue Präsident des RPR, Philippe Séguin, zum Parteisekretär.

Im Januar 1999, nachdem er sich gegen die Ratifizierung des Amsterdamer Vertrages ausgesprochen hatte, wurde Dupont-Aignan in seiner Funktion als Sekretär der Föderationen ersetzt und näherte sich den Souveränisten an, insbesondere Charles Pasqua. Am 3. Februar 1999 gründete Dupont-Aignan die Gruppe Debout la République innerhalb des RPR und rief dazu auf, die von Charles Pasqua und Philippe de Villiers geführte Liste für die Europawahl am 13. Juni 1999 zu wählen. Am 18. Juni verließ er den RPR, um als Vize-Generalsekretär der neuen von Charles Pasqua gegründeten Partei Rassemblement pour la France (RPF) zu fungieren, in der er sich um die Föderationen kümmerte. Allerdings trat er vor dem Bruch zwischen Charles Pasqua und Philippe de Villiers im Mai 2000 aus der RPF aus.

Es folgte eine Annäherung zu Philippe Séguin (damals Kandidat für die Nachfolge von Jean Tibéri als Bürgermeister von Paris), dann im Herbst 2001 zu Jean-Pierre Chevènement, damals als „dritter Mann“ von bestimmten Medien vor der 2002 anstehenden Präsidentschaftswahl bezeichnet. Er veröffentlichte sogar mit dem Letzteren einen Artikel im Figaro am 24. Oktober 2001 unter dem Titel: „Die Republik ist tot, es lebe die Republik!“. lepoint.fr, 18. Februar 2007, abgerufen am 28. März 2012 (französisch)

Nach dem Sieg des amtierenden Präsidenten Jacques Chirac gegen Jean-Marie Le Pen am 5. Mai 2002 fand er den Weg zu der präsidialen Mehrheit zurück. Er wurde als Abgeordneter des Département Essonne im ersten Wahlgang am 9. Juni wiedergewählt. In der Zwischenzeit wurde Nicolas Dupont-Aignan als junger Führer mit starkem Potential betrachtet, der eines Tages für Frankreich eine große Rolle spielen soll. Aus diesem Grund wurde er in der Promotion 2001 der „Young Leaders der French-American Foundation“ ausgewählt,. frenchamerican.org, 2012, abgerufen am 12. Januar 2017 (englisch) um an zwei fünftägige Seminare in Frankreich und in den USA teilzunehmen. mini|Nicolas Dupont-Aignan bei einem Interview

Kommunalpolitisches Wirken Bei den Gemeindewahlen 1995 in Yerres gewann die RPR-Liste mit 51,85 % der Stimmen gegen die Liste des ausgehenden sozialistischen Bürgermeisters und drei andere Listen. Daraufhin übernahm er die Zügel der überschuldeten Stadt, die Gefahr lief, dem Präfekten unterstellt zu werden.Article du Monde sur la gestion de la ville de Yerres. debout-la-france.fr, 3. März 2008 (PDF) (französisch) Er richtete die Finanzen der Stadt wieder auf, indem er die Schuldzinsen mit den Banken neu verhandelte und somit die Verschuldung von 45 auf 34 Millionen Euro reduzieren konnte.Comment la Ville de Yerres a redressé des finances en perditio. lemonde.fr, abgerufen am 21. Oktober 2016 (französisch) Er stoppte Immobilienprojekte seiner Vorgänger, erarbeitete einen umweltfreundlichen Flächennutzungsplan und legte eine Promenade am Yerres-Ufer an. Er halbierte ebenfalls den Wohnungsleerstand in der Stadt und gründete ein kommunales Sozialwohnungsamt, das heute 400 Wohnungen (mit Eigentumsförderung) betreibt. Seine umweltfreundliche Politik wurde mit dem Preis „International Pontos Environmental Award“ anerkannt, der ihm in seiner dritten Auflage im März 2009 in Frankfurt am Main überreicht wurde, weil das Schwimmbadabwasser für die Reinigung der Straßen eingesetzt wird.. environnemente-villes.com, Abruf am 29. April 2017 (französisch) Um die Sicherheit zu gewährleisten, gründete er eine kommunale berittene Polizei, die den Wald (1/3 der Gemeindefläche) schützen soll, und stattete den Rest der Stadt mit Videoüberwachung aus. Heute ist die Kriminalität der Gemeinde um die Hälfte niedriger als die des Durchschnitts der anderen Essonne-Gemeinden.

1997 wurde er als Abgeordneter der Nationalversammlung gewählt. 2008 wurde er als Bürgermeister von Yerres mit 79,70 % der Stimmen im ersten Wahlgang wiedergewählt. 2012 wurde er im 8. Wahlkreis des Essonne mit 61,39 % der Stimmen im zweiten Wahlgang gegen eine sozialistische Kandidatin wiederum in die Nationalversammlung gewählt.

Werdegang in der UMP Bei der Gründung der Union pour la Majorité Présidentielle stellte er sich am 17. November 2002 zur Wahl für die Leitung mit Sylvie Perrin und Christophe Beaudouin gegen Alain Juppé, Rachid Kaci, Brigitte Freytag und Mourad Ghazli. Er erhielt 14,9 % der Delegiertenstimmen. Im November 2004 stellte er sich erneut für das Präsidentenamt der UMP gegen Nicolas Sarkozy und Christine Boutin, wobei er diesmal 9,7 % der Stimmen erhielt.

Politisch stellte er sich gegen den Contrat Première Embauche und gegen die Privatisierung von Gaz de France. Er erklärte im Oktober 2005 seine Kandidatur zur Präsidentschaftswahl 2007 und musste aber aufgeben, weil er nicht die nötigen 500 Unterschriften von Amtsträgern erhalten konnte. Trotz seines Dissens mit Nicolas Sarkozy rief er letztendlich dazu auf, im zweiten Wahlgang der Präsidentschaftswahl 2007 für ihn zu stimmen.Référendum: «pathétique» (Dupont-Aignan). Le Figaro, 10. Februar 2012 (französisch)

Referendum zur europäischen Verfassung Im Mai 2004, im Vorfeld des französischen Referendums zur europäischen Verfassung, präsentierte er den Antrag „Für ein anderes Europa“ während eines nationalen Komitees der UMP, für den er 20 % der Stimmen erhielt. Er forderte, im Referendum am 29. Mai 2005 gegen die Verfassung zu stimmen, nachdem er das „Comité pour le non à la constitution européenne“ (Komitee für das Nein zur europäischen Verfassung) gegründet hatte.

Gründung von Debout la République (Steh auf, Republik) In Opposition zu Nicolas Sarkozy verließ er die UMP am 13. Januar 2007Nicolas Dupont-Aignan quitte l’UMP. lemonde.fr und gründete am 31. März 2007 die Partei Debout la République. Die Grundfeste dieser neuen Partei, die sich auf die Verteidigung der gaullistischen und republikanischen „gewissen Idee Frankreichs“ bekennt, ist der Pakt für Frankreich, der die herausgehobenen Ideen und Werte zusammenfasst.

Am 10. Juni 2007 wurde Nicolas Dupont-Aignan im 8. Wahlkreis des Essonne mit 57,38 % der Stimmen im ersten Wahlgang gegen neun andere Kandidaten – keiner davon UMP – gewählt. Aufgrund seines Dissens mit der von Sarkozy geführten Politik (u. a. Lissaboner Vertrag, Steuerpaket „Loi en faveur du travail, de l’emploi et du pouvoir d’achat“, proamerikanische Politik) schied Nicolas Dupont-Aignan mit seiner Partei endgültig aus der UMP aus und saß danach als Fraktionsloser im Parlament.. 20Minutes.fr Im April 2008 stimmte für den Misstrauensantrag der Sozialisten.Motion de censure du 8 avril 2008. assemblee-nationale.fr

Debout la République stellte Listen in ganz Frankreich für die Europawahl 2009 auf. Der Abgeordnete war selbst Dritter auf der Liste der Region Paris. Debout La Republique erhielt auf dem Kontinent 2,04 % (außer Region Süd-West, weil die Stimmzettel dort in den Wahllokalen verteilt werden konnten), 1,82 % Region Süd-West eingeschlossen. Nicolas Dupont-Aignan war Spitzenkandidat seiner Liste in der Region Paris für die Regionalwahlen 2010: Diese erhielt 4,15 % der Stimmen im ersten Wahlgang.

Kandidatur zur Präsidentschaftswahl 2012

mini|Nicolas Dupont-Aignan und sein Sonderberater Damien Lempereur während des Wahlkampfes 2012 Am 21. November 2010 erklärte Nicolas Dupont-Aignan seine Kandidatur zur Präsidentschaftswahl 2012 während des alljährlichen Kongresses seiner Partei Debout la République,« Dupont-Aignan candidat en 2012 », dépêche AFP reprise par Le Figaro, 21 novembre 2010. indem er sich als Kandidat für den Euroaustritt präsentierteDailymotion.com und für die Wiederkehr des Franken. Im März 2012 erhielt er 708 Unterschriften, mehr als die 500 nötigen, um an der Präsidentschaftswahl teilnehmen zu können. Mit zusammen 643.907 Stimmen im ersten Wahlgang,, consulté le 26/04/12 oder 1,79 % der gültigen Stimmen, wurde Nicolas Dupont-Aignan Siebter vor Philippe Poutou, Nathalie Arthaud und Jacques Cheminade. In der Stadt Yerres, wo er Bürgermeister war, war er Erster (24,88 %).Essonne: François Hollande et Nicolas Dupont-Aignan en vedette. lemonde.fr, 23. April 2012 (französisch) Er gab keine Wahlempfehlungen für den zweiten Wahlgang ab.

Präsidentschaftswahl 2017 und danach

Im 2016 erklärte Dupont-Aignan seine Kandidatur für die Präsidentschaftswahl 2017. In einer Wahlkampfsendung auf France 2 warf er der Tageszeitung Le Figaro Zensur vor und sagte, Frankreich sei eine „Operettendemokratie“.Michaela Wiegel: Die Kluft zwischen Presse und Politik, in: F.A.S. Nr. 16, 23. April 2017, S. 2. Im April 2017 im ersten Wahlgang erhielt er 1.695.186 Stimmen (4,70 %) und schied damit aus dem Rennen.Ergebnis der Präsidentschaftswahl am 23. April und 7. Mai 2017, wahlrecht.de, abgerufen am 29. April 2017.