Odenhausen (auch Odenhausen (Lumda)) ist einer von sechs Ortsteilen der Gemeinde Rabenau im mittelhessischen Landkreis Gießen.

Geografische Lage Odenhausen wird von drei Bergen umgeben, dem Melmes, dem Lemberg und dem Hainberg. Nachbarorte sind Kesselbach, Geilshausen, Weitershain (Stadt Grünberg) und Rüddingshausen.

Das Dorf liegt in einem Tal, durch das zwei Gewässer fließen. Die Appenborn entspringt in dem zu Odenhausen gehörenden etwa 1,5 km entfernten gleichnamigen Hofgut. Das zweite, größere Gewässer ist die Lumda, die nahe dem Ort Atzenhain (Gemeinde Mücke) entspringt. Im Ortskern mündet die kleinere Appenborn in die Lumda.

Ortsgeschichte Mittelalter Die älteste Erwähnung des Orts erfolgte 1093: „... in pago, qui dicitur Wedereiba, iuxta Nordecga, quod iacet in Udenhusun“, als Mathilde von Arnsburg ihr Gut und eine Mühle in Odenhausen dem Kloster St. Alban in Mainz schenkte. Die Schenkung findet sich in einem Kopiar aus dem Jahre 1410.Manfred Stimmig: Mainzer Urkundenbuch. Band 1 (bis 1137). Darmstadt 1932. Nr. 386, S. 293. 1267 heißt es in einer Urkunde: „... bona nostra sita in Udinhusun“. (Unser Gut gelegen in Odenhausen.)Arthur Wyss: Urkundenbuch der Deutschordens-Ballei Hessen. Band 1–3. Leipzig 1879–1899. Band 1. Nr. 240, S. 184. Dabei handelt es sich um eine Schenkung des Ritters Walter von Nordeck und seiner Frau Lucardis, welche dem Deutschen Orden Marburg Güter zu Treis an der Lumda, Seilbach, eine Wüstung bei Ziegenhain, Antreff, eine Wüstung südwestlich von Geilshausen, Climbach und Odenhausen vermachten. Der Hof in Odenhausen wurde als Landsiedel an Pächter verliehen. Diese Zeitpachtverträge hatten oft die „Tendenz zur Erblichkeit“, d. h. die Pächterfamilie hatte den Hof viele Generationen lang in Pacht.Ursula Braasch-Schwersmann: Das Deutschordenshaus Marburg. Wirtschaft und Verwaltung einer spätmittelalterlichen Grundherrschaft. = Untersuchungen und Materialien zur Verfassungs- und Landesgeschichte 11. Herausgegeben vom Hessischen Landesamt für geschichtliche Landeskunde. Dissertation. Marburg 1989. S. 77, Fußnote 152. Im ausgehenden 15. Jahrhundert wurden Lasten und Pflichten oft in Geldzahlungen umgewandelt, so z. B. in Odenhausen, wo Geflügelabgaben in Geldzahlungen verwandelt wurden.Ursula Braasch-Schwersmann: Das Deutschordenshaus Marburg. S. 113, Fußnote 467. Im Zusammenhang mit dem Deutschen Orden wird 1358: „Emmeriche genant Fuez von Udenhusen an der Lumme“ erwähnt.Arthur Wyss: Urkundenbuch Deutschordens-Ballei Hessen. Band 2. Nr. 984, S. 656. Bereits 1290 wurde der Ort als „Utenhusen“ urkundlich genannt.Ludwig Baur: Hessische Urkunden aus dem Großherzoglich Hessischen Haus- und Staatsarchive. Band 1–5. Band 1. Darmstadt 1860–1873. Nr. 265, S. 192. Schließlich heißt es 1519 in einem Kopiar aus dem Jahre 1590: „... zu Odenhausen“.Mitteilungen des Oberhessischen Geschichtsvereins N.F. 40 (1955). S. 21.

Der Ortsname wird in der Namensforschung von dem Rufnamen Odo/Udo abgeleitet.Lutz Reichardt: Die Siedlungsnamen der Kreise Gießen, Alsfeld und Lauterbach in Hessen. Namenbuch. Dissertation. Göppingen 1973. S. 278 f.

Neuzeit Im Jahre 1577 wurde Odenhausen als Filial der Pfarrei Londorf genannt. Erst im Jahr 1924 wurde es selbst zur Pfarrei.

Die Statistisch-topographisch-historische Beschreibung des Großherzogthums Hessen berichtet 1830 über Odenhausen:

Die bis dahin selbständige Gemeinde Odenhausen wurde zum 31. Dezember 1971 im Zuge der Gebietsreform in Hessen auf freiwilliger Basis in die Gemeinde Rabenau eingemeindet. Für den Ortsteil Odenhausen wurde ein Ortsbezirk eingerichtet.

Im Jahr 1993 wurde das 900-jährige Jubiläum des Ortes gefeiert, an dem sich alle Ortsvereine beteiligten. 2018 wurde das 925-jährige Jubiläum unter dem Motto "Odenhausen is(s)t gut" gefeiert, welches weitestgehend von der neu gegründeten Dorfgemeinschaft (DGO) organisiert wurde.

Das Hochwasserrückhaltebecken für 160.000 m³ Wasser zwischen Odenhausen und Geilshausen, das die Gefahr des Hochwassers durch die Lumda minimieren soll, wurde am 4. Dezember 2006 fertiggestellt. Es wurde am Himmelfahrtstag 2007 mit einem großen „Deichfest“ eingeweiht. Am 18. und 19. Januar 2007 schützte das Becken vor Hochwasser, nachdem große Regenfälle und der Orkan Kyrill den Wasserstand über den Überlauf hinaus anschwellen ließen.

Verwaltungsgeschichte im Überblick Die folgende Liste zeigt die Staaten und deren Verwaltungseinheiten,Bis zur Trennung der Rechtsprechung von der Verwaltung waren die Ämter und frühen Gerichte sowohl Gericht als auch Verwaltungsorgan. denen Odenhausen angehört(e):

vor 1567 Heiliges Römisches Reich, Landgrafschaft Hessen, Patrimonialgericht Londorf ab 1567: Heiliges Römisches Reich, Landgrafschaft Hessen-Marburg, Amt Allendorf/Lumda, Gericht Londorf der Freiherren Nordeck zur RabenauDie Zugehörigkeit des Amtes Allendorf an der Lumda anhand von Karten aus dem Geschichtlicher Atlas von Hessen: , und ab 1604: Heiliges Römisches Reich, Landgrafschaft Hessen-Darmstadt, Oberfürstentum Hessen, Amt Allendorf/Lumda, Gericht Londorf 1604–1648: Heiliges Römisches Reich, strittig zwischen Landgrafschaft Hessen-Darmstadt und Landgrafschaft Hessen-Kassel (Hessenkrieg) ab 1806: Großherzogtum Hessen, Fürstentum Oberhessen, Amt Allendorf/Lumda, Gericht Londorf ab 1815: Großherzogtum Hessen, Provinz Oberhessen, Amt Allendorf/Lumda, Gericht Londorf ab 1821: Großherzogtum Hessen, Provinz Oberhessen, Landratsbezirk GrünbergTrennung zwischen Justiz (Landgericht Grünberg; 1822 ging die Patrimonialgerichtsbarkeit der Freiherren Nordeck zur Rabenau an das Landgericht über) und Verwaltung. ab 1832: Großherzogtum Hessen, Provinz Oberhessen, Kreis Grünberg ab 1848: Großherzogtum Hessen, Regierungsbezirk Gießen ab 1852: Großherzogtum Hessen, Provinz Oberhessen, Kreis Grünberg ab 1867: Norddeutscher Bund, Großherzogtum Hessen, Provinz Oberhessen, Kreis Grünberg ab 1871: Deutsches Reich, Großherzogtum Hessen, Provinz Oberhessen, Kreis Grünberg ab 1874: Deutsches Reich, Großherzogtum Hessen, Provinz Oberhessen, Kreis Gießen ab 1918: Deutsches Reich, Volksstaat Hessen, Provinz Oberhessen, Kreis Gießen ab 1938: Deutsches Reich, Volksstaat Hessen, Landkreis Gießen ab 1945: Deutsches Reich, Amerikanische Besatzungszone, Groß-Hessen, Regierungsbezirk Darmstadt, Landkreis Gießen ab 1946: Deutsches Reich, Amerikanische Besatzungszone, Hessen, Regierungsbezirk Darmstadt, Landkreis Gießen ab 1949: Bundesrepublik Deutschland, Hessen, Regierungsbezirk Darmstadt, Landkreis Gießen ab 1972: Bundesrepublik Deutschland, Hessen, Regierungsbezirk Darmstadt, Landkreis Gießen, Gemeinde Rabenau ab 1977: Bundesrepublik Deutschland, Hessen, Regierungsbezirk Darmstadt, Lahn-Dill-Kreis, Gemeinde Rabenau ab 1979: Bundesrepublik Deutschland, Hessen, Regierungsbezirk Darmstadt, Landkreis Gießen, Gemeinde Rabenau ab 1981: Bundesrepublik Deutschland, Hessen, Regierungsbezirk Gießen, Landkreis Gießen, Gemeinde Rabenau

Gerichte seit 1803 In der Landgrafschaft Hessen-Darmstadt wurde mit Ausführungsverordnung vom 9. Dezember 1803 das Gerichtswesen neu organisiert. Für das Fürstentum Oberhessen (ab 1815 Provinz Oberhessen) wurde das „Hofgericht Gießen“ eingerichtet. Es war für normale bürgerliche Streitsachen Gericht der zweiten Instanz, für standesherrliche Familienrechtssachen und Kriminalfälle die erste Instanz. Übergeordnet war das Oberappellationsgericht Darmstadt. Die Rechtsprechung der ersten Instanz wurde in Odenhausen vom „Patrimonialgericht der Freiherren Nordeck zur Rabenau“ in Londorf wahrgenommen. Nach der Gründung des Großherzogtums Hessen 1806 gingen die Aufgaben der ersten Instanz 1821 im Rahmen der Trennung von Rechtsprechung und Verwaltung auf die neu geschaffenen Land- bzw. Stadtgerichte über. 1822 traten die Freiherren Nordeck zur Rabenau ihre Rechte am Patrimonialgericht Londorf an das Großherzogtum Hessen ab. „Landgericht Grünberg“ war daher von 1822 bis 1879 die Bezeichnung für das erstinstanzliche Gericht, das für Odenhausen zuständig war.

Anlässlich der Einführung des Gerichtsverfassungsgesetzes mit Wirkung vom 1. Oktober 1879, infolge derer die bisherigen großherzoglichen Landgerichte durch Amtsgerichte an gleicher Stelle ersetzt wurden, während die neu geschaffenen Landgerichte nun als Obergerichte fungierten, kam es zur Umbenennung in „Amtsgericht Grünberg“ und Zuteilung zum Bezirk des Landgerichts Gießen. Am 1. Juli 1968 erfolgte die Auflösung des Amtsgerichts Grünberg, Odenhausen wurde dem Amtsgericht Gießen zugelegt. Vom 1. Januar 1977 bis zum 31. Juli 1979 trug das Gericht den Namen „Amtsgericht Lahn-Gießen“, wurde dann mit der Auflösung der Stadt Lahn wieder in „Amtsgericht Gießen“ umbenannt.

Bevölkerung Einwohnerstruktur 2011 Nach den Erhebungen des Zensus 2011 lebten am Stichtag dem 9. Mai 2011 in Odenhausen 471 Einwohner. Darunter waren 18 (3,8 %) Ausländer. Nach dem Lebensalter waren 66 Einwohner unter 18 Jahren, 171 zwischen 18 und 49, 117 zwischen 50 und 64 und 117 Einwohner waren älter. Die Einwohner lebten in 210 Haushalten. Davon waren 51 Singlehaushalte, 81 Paare ohne Kinder und 51 Paare mit Kindern, sowie 24 Alleinerziehende und 6 Wohngemeinschaften. In 51 Haushalten lebten ausschließlich Senioren und in 129 Haushaltungen lebten keine Senioren.

Einwohnerentwicklung • 1577: 31 Hausgesesse • 1669: 60 Seelen • 1742: 3 Geistliche/Beamte, 30 Untertanen, 4 Junge Mannschaften, 11 Beisassen/Juden • 1800: 274 Einwohner • 1806: 311 Einwohner, 52 Häuser • 1829: 382 Einwohner, 58 Häuser • 1867: 291 Einwohner, 60 Häuser

Historische Religionszugehörigkeit • 1830: 370 evangelische (= 96,8 %), 8 mennonitische (= 2,1 %), 4 jüdische (= 1,1 %) Einwohner • 1961: 418 evangelische (= 85,5 %), 70 katholische (= 14,3 %) Einwohner

Historische Erwerbstätigkeit • 1961: Erwerbspersonen: 82 Land- und Forstwirtschaft, 77 Prod. Gewerbe, 49 Handel, Verkehr und Nachrichtenübermittlung, 28 Dienstleistungen und Sonstiges.

Politik Für Odenhausen besteht ein Ortsbezirk (Gebiete der ehemaligen Gemeinde Odenhausen) mit Ortsbeirat und Ortsvorsteher nach der Hessischen Gemeindeordnung. Der Ortsbeirat besteht aus fünf Mitgliedern. Bei den Kommunalwahlen in Hessen 2021 betrug die Wahlbeteiligung zum Ortsbeirat 63,76 %. Alle Kandidaten gehörten der „Bürgerliste Odenhausen“ an. Der Ortsbeirat wählte Matthias Schmidt zum Ortsvorsteher.

Kultur und Sehenswürdigkeiten Siehe auch Liste der Kulturdenkmäler in Rabenau

Vereine Größte Vereine sind die Freiwillige Feuerwehr und der Sportverein. Ferner gibt es in Odenhausen z. B. einen Vogel- und Naturschutzverein, Ortsgruppen von politischen Parteien und ein Verein zur Pflege der Dorfgemeinschaft. Der Winzerverein und die Burschenschaft sind derzeit inaktiv. Der 1864 gegründete Gesangverein wurde 2016 aufgelöst.

Sportliche Erfolge feiert Odenhausen im Bereich Tischtennis und Fußball; dort besteht eine neue Spielgemeinschaft mit den Nachbarorten Geilshausen und Lumda, die derzeit in der Kreisoberliga spielt.

Dorfkirche mini|hochkant|Westseite der Kirche

Ein bemerkenswertes Bauwerk ist die romanische Kirche mit frühgotischem Turm. Der Chorturm ist längsrechteckig. Das Schiff ist schmaler als der Turm und besteht aus Feld- und Bruchsteinmauerwerk. In der Nordwand sind einige Steinplatten schräg im Fischgrätenverband eingesetzt, was jedoch im 13. Jahrhundert nicht mehr üblich war. Daher muss das Schiff älter sein als der Turm. Die Kirche in Odenhausen ist eine der ältesten im Kreis Gießen. Pfarrer der Pfarrei, zu der auch die Nachbarorte Rüddingshausen, Weitershain und Geilshausen gehören, ist der stellvertretende Dekan Jörg Gabriel.

Hofgut Odenhausen Das vierstöckige Gebäude war ein Adelshof der Herren Nordeck zur Rabenau. Es ist das vermutlich höchste freistehende bewohnte Fachwerkhaus Hessens.

Hofgut Appenborn