Wilhelm Gustav Dörstling (* 12. Juni 1816 in Wien; † 17. Mai 1885 in Steyr) war ein österreichisch-sächsischer Kaufmann, Unternehmer in der Textilindustrie und Politiker.
Leben Dörstling kam 1832 mit seinen Eltern nach Sachsen. Ab 1841 war er als kaufmännischer Gehilfe in dem Chemnitzer Unternehmen Becker & Schraps tätig. Zu dieser Zeit war dort sein Vater Teilhaber, von 1854 bis 1859 er selbst. Er verließ das Unternehmen 1859 und gründete eine eigene Spinnerei. Diese musste er 1865 infolge der Baumwollkrise aufgeben.Wolfgang Uhlmann: Das Wirken Chemnitzer Abgeordneter im Sächsischen Landtag (1833–1867). In: Manfred Hettling (Hrsg.): Figuren und Strukturen. Historische Essays für Hartmut Zwahr zum 65. Geburtstag. K. G. Saur, München 2002, ISBN 3-598-11585-7, S. 575–601. Er gehörte dem Ausschuss des Fabrik- und Handelsstandes zu Chemnitz an und wirkte an einer Kommission zur Erörterung der Gewerbs- und Arbeitsverhältnisse mit. Bereits 1847 hatte er eine Schrift über die Löhne von Arbeitern veröffentlicht.Rudolph Strauß: Quellen zur Lage der Chemnitzer Arbeiter in der ersten Hälfte des 19. Jahrhundert. (= Beiträge zur Heimatgeschichte von Chemnitz, Band 1.) Chemnitz 1952, S. 34–35. (Digitalisat bei der SLUB)
Ab Anfang der 1870er Jahre lebte Dörstling in Dresden.Adreß- und Geschäftshandbuch der königlichen Haupt- und Residenzstadt Dresden 17. Jahrgang 1871, S. 52. (Digitalisat bei der SLUB)
Politik Auf dem Landtag 1849 vertrat er vom 7. März bis zum 30. Mai 1849 den 58., 59. und 60. Wahlbezirk in der I. Kammer des Sächsischen Landtags. Das Mandat hatte er in einer vom 8. bis 16. Januar 1849 durchgeführten Nachwahl erlangt, die notwendig geworden war, weil der ursprünglich gewählte Abgeordnete Carl Gotthelf Todt das Mandat eines anderen Wahlbezirks angetreten hatte.Josef Matzerath, Uwe Ulrich Jäschke: Aspekte Sächsischer Landtagsgeschichte. Die Mitglieder und Wahlbezirke der sächsischen Landtage 1833 bis 1952. Teil 3, Wahlbezirke und Raumbezüge. Dresden 2011, ohne ISBN, S. 86–87 und S. 90. Er war Kandidat des Deutschen Vereins.Michael Rudloff: Das sächsische Fabrikbürgertum und die Revolution 1848/49. In: Ulrich Heß, Petra Listewnik, Michael Schäfer (Hrsg.): Wirtschaft und Staat in der Industrialisierung Sachsens 1750–1930. Leipziger Universitätsverlag, Leipzig 2003, ISBN 3-935693-86-9, S. 105–138. Im Juni 1849 wurde Dörstling wegen seiner Teilnahme am Dresdner Maiaufstand steckbrieflich gesucht.Dresdner Anzeiger und Tageblatt vom 25. Juni 1849, S. 2. (Digitalisat) Für den Landtag 1849/50 erlangte Dörstling im 59. Wahlkreis ein Mandat für die II. Landtagskammer. Diese Wahl fand wegen Formfehlern keine Anerkennung, was am 4. Dezember 1849 in der Landtagskammer verkündet wurde.Josef Matzerath, Uwe Ulrich Jäschke: Aspekte Sächsischer Landtagsgeschichte. Die Mitglieder und Wahlbezirke der sächsischen Landtage 1833 bis 1952. Teil 3, Wahlbezirke und Raumbezüge. Dresden 2011, S. 114–115 und S. 118.
In Chemnitz wurde Dörstling 1850 in die Stadtverordnetenversammlung gewählt. Von 1857 bis 1866 vertrat er die Stadt als stellvertretender Abgeordneter von Magnus Ottomar Kölz in der II. Landtagskammer.Josef Matzerath: Aspekte sächsischer Landtagsgeschichte. Die Mitglieder und Wahlbezirke der sächsischen Landtage (1833–1952). Dresden 2011, S. 196–197. Dörstling gehörte zu den Vorstandsmitgliedern der Handelskammer zu Chemnitz (1862) und zu den Verwaltungsratsmitgliedern der Chemnitzer Actienspinnerei.Dresdner Journal vom 4. Juli 1865. (Digitalisat) Er positionierte sich zum sächsischen GewerbegesetzFriedrich Georg Wieck's deutsche illustrirte Gewerbezeitung vom 16. Juli 1859 (Digitalisat) und unterstützte den Eisenbahnbau.Dresdner Journal vom 17. April 1868. (Digitalisat).Leipziger Tageblatt und Anzeiger vom 3. Dezember 1867. (Digitalisat) Er verlangte den Bau weiterer Eisenbahnstrecken in Sachsen und deren Anbindung an Linien jenseits der sächsischen Landesgrenzen.
Schriften Die Arbeitgeber und die Löhne der Arbeiter. Betrachtung mit Rücksicht auf die Zustände in Chemnitz. J. C. F. Pickenhahn & Sohn, Chemnitz 1847. An die Herren Mitglieder der ersten und zweiten Kammer der Hohen Ständeversammlung. Dresden 1864. Einige Worte zur Eisenbahnfrage im Königreich Sachsen. Chemnitz 1867.
Einzelnachweise
Kategorie:Mitglied der Ersten Kammer der Ständeversammlung des Königreichs Sachsen Kategorie:Mitglied der Zweiten Kammer der Ständeversammlung des Königreichs Sachsen Kategorie:Politiker (19. Jahrhundert) Kategorie:Politiker (Chemnitz) Kategorie:Unternehmer (19. Jahrhundert) Kategorie:Unternehmer (Chemnitz) Kategorie:Person (Cisleithanien) Kategorie:Person (Kaisertum Österreich) Kategorie:Geboren 1816 Kategorie:Gestorben 1885 Kategorie:Mann