Kwietniewo ( Königsblumenau, bis 9. Juli 1931 Königlich Blumenau,Rolf Jehke: Amtsbezirk Königsblumenau früher auch Blumenau) ist ein Dorf im Powiat Elbląski (Kreis Elbing) in der polnischen Woiwodschaft Ermland-Masuren. Das Dorf gehört zur Landgemeinde Rychliki (Reichenbach). mini|Kirche in Kwietniewo
Geographische Lage Das Kirchdorf liegt im ehemaligen Ostpreußen, etwa 17 Kilometer südwestlich von Pasłęk (Preußisch Holland), zehn Kilometer nordöstlich von Dzierzgoń (Christburg) und fünf Kilometer südwestlich von Rychliki (Reichenbach).
Geschichte mini|Königsblumenau, vor 1931 Blumenau oder Königlich Blumenau, auf einer historischen Landkarte aus der Zeit um 1900
Ortsname Ältere Ortsbezeichnungen sind „Blumenberg“, „Blumenau“ und – nach 1785 – „Königlich Blumenau“, denn es gab im Kreisgebiet Preußisch Holland noch einen weiteren Ort gleichen Namens: Adlig Blumenau (nördlich von Preußisch Holland). Dieser nannte sich ab 1928 „Blumenau“ (ohne Zusatz), weshalb 1931 Königlich Blumenau die Namensänderung in „Königsblumenau“ vornahm.
Ortsgeschichte Der seinerzeit „Blumenberg“ genannte Ort war ein Kirchdorf und wurde im Jahre 1299 gegründet.Dietrich Lange: Königsblumenau, in: Geographisches Ortsregister Ostpreußen (2005) Es wurde berichtet, dass Heinrich, der Komtur von Christburg am 28. September 1299 dem Ort die Handfeste erteilte.Geschichtliches Orts-Verzeichnis: Königsblumenau Im Jahre 1437 taucht der Ortsname auch im Zinsbuch des Deutschen Ordens auf.
Blumenberg resp. Blumenau war im Jahre 1785 ein cöllmisches Dorf mit 49 Feuerstellen. Es war Eigentum des Königs, hatte eine lutherische Pfarrkirche, deren Filialkirche die in Heiligenwalde war, und gehörte zum Domänen-Amtsbezirk DollstädtJohann Friedrich Goldbeck: Volständige Topographie des Königreichs Preussen – Erster Theil welcher die Topograpie von Ost-Preussen enthält, Königsberg und Leipzig 1875. Anhang I (mit neu beginnender Seitenzählung): Volständige Topographie vom Ost-Preußische Cammer-Departement, S. 18 (Google Books). im neunten Distrikt des Königsberger Departements.Anton Friedrich Büsching: Magazin für die neue Historie und Geographie, Neunter Theil, Halle 1775, S. 477 (Google Books).
35 Feuerstellen bei 131 Einwohnern gab es im Jahre 1820 in Königlich Blumenau. Die Zahl der Einwohner stieg bis 1885 auf 320 und belief sich im Jahre 1910 auf 285.
Am 30. September 1928 vergrößerte sich Königlich Blumenau um die Nachbarorte Mehlend und Stein, die eingemeindet wurden. Die Einwohnerzahlen dieser neu formierten Gemeinde beliefen sich im Jahre 1933 auf 648 und im Jahre 1939 auf 725.
Das Dorf Königsblumenau gehörte im Jahre 1945 zum Kreis Preußisch Holland im Regierungsbezirk Königsberg der Provinz Ostpreußen des Deutschen Reichs. Bis 1945 war es Sitz des gleichnamigen Amtsbezirks.
Gegen Ende des Zweiten Weltkriegs wurde die Region im Frühjahr 1945 von der Roten Armee besetzt. Nach Beendigung der Kampfhandlungen wurde Königsblumenau seitens der sowjetischen Besatzungsmacht zusammen mit der südlichen Hälfte Ostpreußens der Volksrepublik Polen zur Verwaltung überlassen. Soweit die einheimischen Dorfbewohner nicht geflohen waren, wurden sie in der Folgezeit von der polnischen Administration aus dem Kreisgebiet vertrieben oder an der Rückkehr gehindert.
Seit 1945 trägt Königsblumenau die polnische Namensform „Kwietniewo“. Das Dorf gehört jetzt zur Gmina Rychliki im Powiat Elbląski, von 1975 bis 1998 der Woiwodschaft Elbląg, seither der Woiwodschaft Ermland-Masuren zugehörig. Im Jahre 2021 zählte Kwietniewo 213 Einwohner.
Amtsbezirk Königlich Blumenau/Königsblumenau (1874–1945) Am 28. Mai 1874 wurde im Kreis Preußisch Holland der Amtsbezirk Königlich Blumenau errichtet, der ab 9. Juli 1931 in „Königsblumenau“ umbenannt wurde:
Deutscher Name Polnischer Name Anmerkungen Königlich Blumenau, 1931–45:Königsblumenau Kwietniewo Mehlend Nielęgowo 1928 nach Königlich Blumenau eingemeindet Stein Dymnik 1928 nach Königlich Blumenau eingemeindet ab 1937: Jankendorf Jankowo bis 1937 zum Amtsbezirk Jankendorf zugehörig Krapen Krupin bis 1937 zum Amtsbezirk Jankendorf zugehörig
Religion Kirchengebäude Die Kirche im damaligen Blumenberg wurde in der ersten Hälfte des 14. Jahrhunderts erbaut.Agathon Harnoch: Blumenau und Heiligenwalde, in: Chronik und Statistik der evangelischen Kirchen in den Provinzen Ost- und Westpreußen, Neidenburg 1890, S. 135–136Informationszentrum Ostpreußen: Königsblumenau / Kwietniewo – Blumenau Es handelt sich um einen chorlosen Feldstein- und Ziegelbau mit einem Staffelgiebel im Osten.Walther Hubatsch: Geschichte der evangelischen Kirche Ostpreußens, Band 2 Bilder ostpreussischer Kirchen, Göttingen 1968, S. 74, Abb. 272, 273 Der vorgelegte westliche Holzturm ruht auf massivem Fundament und stammt aus dem 16. Jahrhundert.
Der Innenraum der Kirche hat eine gewölbte Holzdecke. Der barocke Altar mit reichem Schnitzwerk entstand im Jahre 1685. Er wurde mit der mit bemalten Füllungen versehenen Kanzel vom Anfang des 17. Jahrhunderts zum Kanzelaltar vereinigt. Beiderseits des Altars befinden sich Stände und Emporen.
Von der ein gotischen Ausstattung blieb ein Schnitzaltar von 1510 mit einer stehenden Madonna mit Jesuskind erhalten. Aber auch ein Altarleuchter aus Messing von 1649 sowie ein Messingskronleuchter mit Doppeladler blieben erhalten. Der Taufstein ist reich vergoldet, die Orgel steht im Osten und stammt von 1819, und das Geläut besteht aus zwei Glocken.
Bis 1945 war das Gotteshaus eine evangelische Pfarrkirche. Bereits in den ersten Nachkriegsjahren wurde sie von den vielen polnischen Neusiedlern meist römisch-katholischer Konfession genutzt. Sie erhielt den Namen der Erhöhung des Heiligen Kreuzes () und ist seit 1971 wieder eine Pfarrkirche.Bistum Elbląg: Pfarrei Kwietniewo (polnisch)
Kirchengeschichte Die Kirche im damals Blumenberg genannten Dorf wurde 1299 von der Komturei Christburg gegründet. Im Jahre 1321 wurde hier ein Pfarrer Hermannus genannt, im Jahre 1324 ein Pfarrer Hinrich, und im Jahre 1408 der Name des Pfarrer Andris.Geschichtliches Orts-Verzeichnis: Königsblumenau Im Zuge der Reformation nahm die Gemeinde um 1525 das lutherische Bekenntnis an.
Evangelische Kirche Blumenau gehörte in den Jahren 1720/25 zum Amt Liebemühl, Königlich Blumenau war 1789 in die Inspektion Saalfeld eingegliedert. Zur Inspektion Preußisch Holland gehörte das Kirchdorf in den Jahren 1854 und 1916, und schließlich bis 1945 zum Kirchenkreis (auch: Diözese) Prueßisch Holland.Walther Hubatsch: Geschichte der evangelischen Kirche Ostpreußens, Band 3 Dokumente, Göttingen 1968, S. 414, 425 und 442
Die Kirche war königlichen Patronats. Königsblumenau war und blieb Pfarrsitz auch als die Kirchengemeinde mit der des Nachbardorfs Heiligenwalde zur Vereinigten Kirchengemeinde zusammengeschlossen wurde.Walther Hubatsch: Geschichte der evangelischen Kirche Ostpreußens, Band 3 Dokumente, Göttingen 1968, S. 470 Im Jahre 1925 zählte das vereinigte Kirchspiel Blumenau-Heiligenwalde 3.708 Gemeindeglieder, von den 2.806 zum Sprengel Blumenau (Königsblumenau) und 902 zum Sprengel Heiligenwalde gehörten.
Flucht und Vertreibung der einheimischen meist evangelischen Bevölkerung setzten der Kirchengemeinde in Königsblumenau ein Ende. Nach 2945 gehören hier lebende evangelische Einwohner zur St.-Georgs-Kirche in der Stadt Pasłęk. Sie ist eine Filialkirche der Pfarrei in Ostróda in der Diözese Masuren der Evangelisch-Augsburgischen Kirche in Polen.
Kirchspiel: Zum Sprengel Königsblumenau im Kirchspiel Blumenau-Heiligenwalde gehörten die Orte: Deutscher Name Polnischer Name Deutscher Name Polnischer Name Alt Dollstädt Stare Dolno Neu Dollstädt Nowe Dolno (Alt) Powunden Powodowo (Neu) Powunden Powodowo (Königlich) Blumenau1931–1945: Königsblumenaumit Heinrichsdorf Kwietniewo mit Włosieniec (Ober) Krapen Krupin Groß Brodsende Brudzędy Opitten Wopity Hohendorf-Wald Wysoki Bór Petersdorf Wójtowa Góra (Hohendorfer) Grundmühle Grądowy Młyn Rossitten Rejsyt< Kerschitten Kiersity Stein Dymnik Mehlend Nielęgowo (Unter) Krapen Krupin
Pfarrer: An der Pfarrkirche Blumenau mit der Filialkirche Heiligenwalde waren als evangelische Geistliche tätig:Friedwald Moeller: Königsblumenau u. Heiligenwalde, in: Altpreußisches evangelisches Pfarrerbuch von der Reformation bis zur Vertreibung im Jahre 1945, Hamburg 1968, S. 76
Georg Henserat, 1542/1554 Michael Trischelius, 1600 Michael Meltzer, 1604–1619 Michael Wannowius, 1621–1626 Ambrosius Doblin, 1635/1658 Johann Wilckowius, ab 1660 Christian Wilckowius, 1690–1727 Levon Jonathan Gensmer, 1729–1734 Christian Kern, 1734–1750 Georg Schwidder, 1751 Johann Corsepius, 1751–1685 Christoph Hompe, 1766–1787 Samuel Chr. Dittmann, 1787–1824 Karl August Schubert, ab 1824 Eduard Wilhelm Anderson, 1837–1870 Gustav David Nitze, 1843–1847 Johann Gottfr. Im. Schäfer, 1870–1890 Julius Fr. W.A. Meinhold, 1890–1913 Reinhold Theo. Dembowski, 1914–1928 Wolfgang Toepel, 1929–1945
Römisch-katholische Kirche Bis 1945 gehörten die römisch-katholischen Einwohner in Königsblumenau zur Pfarrei in Christburg im Dekanat Elbing im damaligen Bistum Ermland.
Nach 1945 wurde die bisher evangelische Pfarrkirche ein römisch-katholisches Gotteshaus, das der Erhönung des Hl. Kreuzes geweiht wurde. Am 15. Juli 1971 errichtete hier das Bistum Elbląg eine eigene Pfarrei innerhalb des Dekanats Dzierzgoń. Der Pfarrkirche in Kwietniewo ar nun auch wie früher die Filialkirche in Święty Gaj zugeordnet.
Pfarrei: Zur Pfarrei Kwietniewo gehören die Orte: Polnischer Name Deutscher Name Polnischer Name Deutscher Name Dymnik Stein Powodowo Powunden Jankowo Jankendorf Protowo Prothen Kiersity Kerschitten Sójki Köxten Krupin Krapen (Ober-/Unter Krapen) Stare Dolno Alt Dollstädt Kwieniewo (Königlich) Blumenau1931–45: Königsblumenau Świdy Schweidemit Milcherei Nowe Dolno Neu Dollstädt Święty Gaj Heiligenwalde
Pfarrer: Katholische Geistliche an der Kirche in Kwietniewo: Jan Suwała, bis 1958 Jan Grądzki, 1958–1963 Witold von Gott, 1963–1973 Adam Tylutki, 1974–1983 Ryszard Szramka, 1983–1990 Janusz Kilian, 1990–1995 Jacek Neumann, 1995–1999 Mirosław Masztalerek, 1999–2005 Mirosław Bułecki, 2005–2015 Piotr Łatacz, seit 2015
Verkehr Kwietniewo liegt an der verkehrsreichen Woiwodschaftsstraße 527, die die Städte Dzierzgoń, Pasłęk, Morąg und Olsztyn miteinander verbindet. Eine vom Nachbarort Święty Gaj kommende Nebenstraße endet in Kwietniewo.
Für Kwietniewo besteht kein Anschluss mehr an den Bahnverkehr. Von 1893 bis 1945 war Blumenau resp. Königsblumenau Bahnstation am Abschnitt Elbing–Miswalde der Bahnstrecke von Elbing über Osterode (Ostpr.) nach Hohenstein.Atlas Kolejowy: Kwietniewo stacjaBaza Kolejowa: Kwietniewo Die Bahnstrecke existiert nicht mehr, die Bahnanlagen wurden zwischenzeitlich demontiert.
Persönlichkeit Gustav Hübner (1920–?), deutscher Bergmann und Politiker, wurde in Königlich Blumenau geboren und wuchs hier auf
Literatur August Eduard Preuß: Preußische Landes- und Volkskunde oder Beschreibung von Preußen. Ein Handbuch für die Volksschullehrer der Provinz Preußen, so wie für alle Freunde des Vaterlandes. Gebrüder Bornträger, Königsberg 1835, S. 445 (Google Books).
Weblinks
Bildarchiv Ostpreußen: Slideshow Königsblumenau
Einzelnachweise
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