Renate Eisenegger-Worgull (* 22. Juli 1949 in Gelsenkirchen) ist eine deutsch-schweizerische Foto- und Aktionskünstlerin der Feministischen Avantgarde.

Leben In Gelsenkirchen-Buer geboren und aufgewachsen, studierte Renate Eisenegger an der Kunstakademie Düsseldorf sowie an der Hochschule für bildende Künste Hamburg. Sie schloss das Studium mit dem Staatsexamen als Kunsterzieherin ab. Es folgte ein Studium der Germanistik, Literaturkritik und Pädagogik an der Universität Zürich. Renate Eisenegger zog 1972 mit ihrem Mann, dem Künstler René Eisenegger, nach Rom. Sie ist Gründungsmitglied des Forum Vebikus, des Kulturzentrums Kammgarn in Schaffhausen sowie des Unabhängigen Kulturzentrums Schaffhausen-Moskau. Renate Eisenegger lebt und arbeitet in Schaffhausen.

Werke (Auswahl)

1972: Kabuki-FriesEine Abfolge von zwölf Schwarzweiß-Fotos, für die sich die Künstlerin ihr Gesicht zunächst weiß grundierte und anschließend waagerechte und senkrechte Linien darauf malte. Durch diese maskenhafte Verfremdung sollte eine Distanz zum eigenen Ich hergestellt werden. 1972: Isolamento, Schwarzweiß-Fotografien, Sammlung Verbund, WienIn dieser Fotoserie klebt die dargestellte Frau große Wattestücke über Mund, Nase, Ohren und Augen, bevor sie schließlich ihre Hände über ihr gesamtes Gesicht klebt und so jegliche Öffnungen blockiert. Damit wird jegliche Kommunikation verhindert. Thematisiert werden hier sowohl die Hintergrundrolle, mit der sich die Frauen in ihrem Alltagsleben auseinandersetzen mussten als auch die Unterdrückung sowie der Mangel an künstlerischer Freiheit, die Frauen in den 70er Jahren weitgehend verspürten. 1974: Hochhaus (Nr. 1), Schwarzweiß-Fotografie auf Holz kaschiert (aus einer 4-teiligen Serie), Sammlung Verbund, WienDie Künstlerin bügelt in dieser Performance, die 1974 ohne Publikum in einem Hamburger Hochhaus stattfand, am Boden hockend den glatten Linoleumboden eines endlos lang wirkenden Hausflurs. Das Gesicht der Künstlerin ist geweißt. Die Fantasielosigkeit und die beklemmende Situation in der anonymen Architektur sollten die Ausweglosigkeit und die limitierten Entfaltungsmöglichkeiten der Frauen in den Siebziger Jahren zeigen. Das Kunstwerk thematisiert zudem die Konformität und Monotonie, die im häuslichen Alltag vorherrscht. Darüber hinaus stellt das Bügeln eine Art „Einebnen“ dar, mit der viele Frauen vertraut sind: Ein Einebnen ihrer Individualität und ihrer Wünsche. 1977: BIN, Schwarzweiß-Fotografie, 8-teilig, Kunstmuseum Solothurn, Solothurn 2017: Die Identität der europäischen Hauptstädte im Spiegel ihrer Schaufenster. Fotografisches Kunstprojekt zusammen mit René Eisenegger

Ausstellungen

1973: Schaffhauser Kunst. 1848-1973. Jubiläumsausstellung des Kunstvereins Schaffhausen, Museum zu Allerheiligen, Schaffhausen 1974: Biennale suisse de l'image multipliée, Musée Rath, Genf 1974: Het masker, Lijnbaancentrum, Rotterdam 1977: Künstlerinnen international 1877-1977, Schloss Charlottenburg, Berlin 1981: 10 Schaffhauser Künstler, Theater St. Gallen, St. Gallen 1990: Kunstfluss. Schaffhauser Kunstwochen in Waldshut-Tiengen, Stadtscheuer, Waldshut-Tiengen 1990: Kunstfluss. Schaffhauser Kunstwochen in Waldshut-Tiengen, Schloss Tiengen, Waldshut-Tiengen 1992–1993: entre. Zwölf Künstlerinnen und Künstler aus Schaffhausen, Museum zu Allerheiligen, Schaffhausen 1995: Carola Willbrand, Köln und Renate Eisenegger, Schaffhausen, Vebikus Kunsthalle, Schaffhausen 2005: Postalisch. Ein Postpaketprojekt mit Künstlern aus CH, D, A, F, Vebikus Kunsthalle, Schaffhausen 2005: Renate Eisenegger. Eigentliches. Zeichnungen und Bilder, Vebikus Kunsthalle, Schaffhausen 2010: Feministische Avantgarde. Kunst der 1970er-Jahre aus der SAMMLUNG VERBUND, Wien, Galleria Nationale d’Arte Moderna, Rom 2013: Feministische Avantgarde der 1970er-Jahre aus der SAMMLUNG VERBUND, Wien, Círculo de Bellas Artes, Madrid 2014: Feministische Avantgarde der 1970er-Jahre aus der SAMMLUNG VERBUND, Wien, Palais des Beaux-Arts de Bruxelles, Brüssel 2014–2015: Feministische Avantgarde der 1970er-Jahre aus der SAMMLUNG VERBUND, Wien, Mjellby Konstmuseum, Halmstad 2015: Feministische Avantgarde der 1970er-Jahre aus der SAMMLUNG VERBUND, Wien, Hamburger Kunsthalle, Hamburg 2016: Prière de toucher: der Tastsinn der Kunst, Museum Tinguely, Basel 2016–2017: Feministische Avantgarde der 1970er-Jahre aus der SAMMLUNG VERBUND, Wien, The Photographers' Gallery, London 2016–2017: Feministische Avantgarde der 1970er-Jahre aus der SAMMLUNG VERBUND, Wien, Museum moderner Kunst Stiftung Ludwig Wien, Wien 2017: Renate und René Eisenegger - Konsumnpalast, Vebikus Kunsthalle, Schaffhausen 2017: Renate und René Eisenegger. Die Identität europäischer Hauptstädte im Spiegel ihrer Schaufenster - ein Kunstprojekt, Projektraum MAG3, Wien 2017–2018: Feministische Avantgarde der 1970er-Jahre aus der SAMMLUNG VERBUND, Wien, Zentrum für Kunst und Medien, KarlsruheDas ZKM zeigt in dieser Ausstellung, wie Künstlerinnen in den 1970er-Jahren zum ersten Mal ein eigenes Bild der Frau kollektiv neu kreierten. Anspruch der Ausstellung war es, die künstlerische Bewegung »Feministische Avantgarde« in den Kanon der Kunstgeschichte aufzunehmen und die Pionierleistung dieser Künstlerinnen hervorzuheben. Zum ersten Mal war es den in den Kriegs- und Nachkriegsjahren geborenen Künstlerinnen möglich, in erwähnenswerter Zahl an den Kunstakademien zu studieren und sich so von der passiven Rolle der Muse und des Modells zu emanzipieren. Die Ablehnung tradierter, normativer Vorstellungen verbindet das Engagement der Künstlerinnen dieser Generation. 2018: Feministische Avantgarde der 1970er-Jahre aus der SAMMLUNG VERBUND, Wien, Stavanger Kunstmuseum, Stavanger 2018–2019: Feministická avantgarda 70. let / Díla ze sbírky Sammlung Verbund, Dům umění, Brünn 2019: Konsumpalast. Renate und René Eisenegger, Vebikus Kunsthalle, Schaffhausen Nach zehnjähriger Recherche in den 28 Hauptstädten der Europäischen Union haben René und Renate Eisenegger im Dezember 2017 ihr Schaufenster-Projekt abgeschlossen. Diese Ausstellung zeigt nun ein Ensemble von Fotos und Projektionen mit Blicken in Schaufenster, in Warenhäuser, in Shopping-Center und auf den Boden, auf dem sich die Menschen bewegen. Diese verdeutlichen Schönheit und Schrecken des Drangs nach Besitz. In den Schaufenstern zeigen sich die Dinge auf verlockende Art. Zudem werden Befindlichkeiten, Wünsche und Sehnsüchte der Menschen dargestellt. 2020: Auf den Punkt gebracht, Vebikus Kunsthalle, Schaffhausen 2021–2022: Female Sensibility, Lentos Kunstmuseum Linz, Linz 2022: indes ich nach dem Namen jenes Sees suchte, E&K Stiftung. Space for Visual Art. Raum für visuelle Kunst, Freiburg im Breisgau 2022: Balance 1970-1990: Kunst, Gesellschaft, Umwelt, Kunstmuseum Solothurn, Solothurn 2022: Feministi!cka Avangarda 1970-ih, The Museum of Contemporary Art Vojvodina, Novi Sad 2022: Une Avant-Garde Féministe. Photographies et Performances des années 1970 de la Collection Verbund, Vienne, Rencontres d’Arles, Arles 2023: IRRITATION: The Art of Getting Lost 2023–2024: Kochen Putzen Sorgen – Care-Arbeit in der Kunst seit 1960, Josef Albers Museum Quadrat Bottrop, Bottrop

2024: 20 Jahre SAMMLUNG VERBUND, Albertina, Wien

Preise und Stipendien 1972: Kiefer-Hablitzel Stipendium 1973: Eidgenössischer Preis für freie Kunst

Publikationen

Ambauen, Brunner, Del Bondio, Eisenegger, Gasser, Gerber. Istituto Svizzero, Rom 1972. Schaffhauser Kunst 1848-1973: Jubiläumsausstellung des Kunstvereins Schaffhausen. Museum zu Allerheiligen, Schaffhausen 1973. Renate und René Eisenegger: Protokolle. Luzern 1974. Het masker. Rotterdamse kunststichting, Rotterdam 1974. Biennale Suisse de l'image multipliée. Musée Rath, Genf 1974. Künstlerinnen international 1877-1977. Neue Gesellschaft für Bildende Kunst, Berlin 1977. 10 Schaffhauser Künstler: im Stadttheater St. Gallen. Stadttheater St. Gallen, St. Gallen 1981. Ausstellung: A. Bless, K. Bruckner, R. Eisenegger, R. Eisenegger, M. Haeberli, J. Schwyn-Gerabkova, E. Schwyn. Museum zu Allerheiligen, Schaffhausen 1983. Kunstfluss: Schaffhauser Kunstwochen in Waldshut-Tiengen. Waldshut-Tiengen 1990. entre. Zwölf Künstlerinnen und Künstler aus Schaffhausen. Schaffhausen 1992. Prière de toucher: der Tastsinn der Kunst : interdisziplinäres Symposium, Museum Tinguely, Basel 2016. Konsumpalast. Renate und René Eisenegger. Schaffhausen 2019. indes ich nach dem Namen jenes Sees suchte. E&K Stiftung, Freiburg im Breisgau, 2022. Balance 1970-1990: Kunst, Gesellschaft, Umwelt. Kunstmuseum Solothurn, Solothurn 2022.

Anmerkungen

Einzelnachweise

Kategorie:Aktionskünstler (Schweiz) Kategorie:Fotokünstler Kategorie:Deutscher Kategorie:Schweizer Kategorie:Geboren 1949 Kategorie:Frau