Semd ist ein Stadtteil von Groß-Umstadt im südhessischen Landkreis Darmstadt-Dieburg.

Geographie Das Dorf Semd liegt am Nordrand des Odenwaldes als geschlossenes Dorf im Lößgebiet mit doppelseitiger Tallage, ca. 4,5 km südöstlich von Dieburg. Der Stadtteil Semd besteht aus der Gemarkung Semd. Innerhalb der Gemarkung liegt der Siedlungsplatz Untermühle. Die Nachbarorte sind im Uhrzeigersinn Richen, Umstadt, Habitzheim und Klein-Zimmern.

Geschichte Ortsgeschichte Der älteste bekannte urkundliche Nachweis datiert um 1312. Anfänglich noch als Semede oder Semme, später Sem (1544), oder Sembt (1711) benannt. Semd war gemeinschaftlicher Besitz der Kurpfalz und der Landgrafschaft Hessen. 1576 haben beide die hohe Ober-Herrlichkeit und Gerechtigkeit inne. In Semd haben Adel und Kirche Grundbesitz; so die Grafen von Hanau, das Kloster Fulda, die von Frankenstein, die von Wasen, die Ulner von Dieburg, die Gayling von Altheim, die von Karben, die von Rodenstein, die von Groschlag, die Schenken von Erbach, die von Düdelsheim, die von Bleichenbach sowie die Gans von Otzberg.

Die Statistisch-topographisch-historische Beschreibung des Großherzogthums Hessen berichtet 1829 über Semd:

mini|Ehemaliges Rathaus

Die übergeordneten Verwaltungseinheiten waren ab 1621 das Amt Umstadt, das 1802 zur Landgrafschaft Hessen-Darmstadt kam und ab 1806 zur Provinz Starkenburg des Großherzogtums Hessen gehörte, ab 1821 der Landratsbezirk Dieburg, ab 1832 der Kreis Dieburg, ab 1848 der Regierungsbezirk Dieburg, ab 1852 wieder der Kreis Dieburg, ab 1938 der Landkreis Dieburg und seit 1977 der Kreis Darmstadt-Dieburg.

Hessische Gebietsreform (1970–1977)

Im Zuge der Gebietsreform in Hessen versuchten die Gemeinden Semd und Klein-Zimmern 1972 nach Dieburg eingemeindet zu werden, was die Stadt Dieburg jedoch ablehnte.Magistrat der Stadt Dieburg (Hrsg.): Dieburg eine Chronik. Dieburger Verlag, 2007, ISBN 978-3-00-023096-7, S. 138. Zum 1. Januar 1977 wurden dann die Stadt Groß-Umstadt und die Gemeinden Dorndiel, Heubach, Kleestadt, Klein-Umstadt, Richen und Semd kraft Landesgesetz zur Neugliederung der Landkreise Darmstadt und Dieburg und der Stadt Darmstadt zur neuen Stadt Groß-Umstadt zusammengeschlossen. Für die Kernstadt Umstadt und die Stadtteile Dorndiel, Heubach, Kleestadt, Klein-Umstadt, Raibach, Richen, Semd und Wiebelsbach wurden Ortsbezirke errichtet.

Verwaltungsgeschichte im Überblick Die folgende Liste zeigt die Staaten und deren Verwaltungseinheiten,Bis zur Trennung der Rechtsprechung von der Verwaltung waren die Ämter und frühen Gerichte sowohl Gericht als auch Verwaltungsorgan. denen Semd angehört(e):

vor 1323: Heiliges Römisches Reich, Zent Umstadt (Kondominat) ab 1390: Heiliges Römisches Reich, Kurpfalz (durch Kauf; bis 1427 an Herrschaft Hanau verpfändet), Zent Umstadt ab 1504: Heiliges Römisches Reich, Zent Umstadt (Kurpfalz und Landgrafschaft Hessen je zur Hälfte) 1567–1803: Hessischer Anteil zeitweise aufgeteilt zwischen Landgrafschaft Hessen-Kassel, Landgrafschaft Hessen-Darmstadt und Hessen-Rheinfels ab 1803: Heiliges Römisches Reich, Landgrafschaft Hessen-Darmstadt,Durch den Reichsdeputationshauptschluss. Fürstentum Starkenburg, Amt Umstadt ab 1806: Großherzogtum Hessen,Infolge der Rheinbundakte. Fürstentum Starkenburg, Amt Umstadt ab 1815: Großherzogtum HessenDas Großherzogtum Hessen war von 1815 bis 1866 Mitglied des Deutschen Bundes. Ein Staatenbund ehemaliger Territorien des Heiligen Römischen Reichs. Er gilt als gescheiterter Versuch einer erneuten Reichsgründung., Provinz Starkenburg, Amt Umstadt mit Otzberg ab 1821: Großherzogtum Hessen, Provinz Starkenburg, Landratsbezirk DieburgTrennung zwischen Justiz (Landgericht Umstadt) und Verwaltung. ab 1832: Großherzogtum Hessen, Provinz Starkenburg, Kreis Dieburg ab 1848: Großherzogtum Hessen, Regierungsbezirk Dieburg ab 1852: Großherzogtum Hessen, Provinz Starkenburg, Kreis Dieburg ab 1871: Deutsches Reich, Großherzogtum Hessen, Provinz Starkenburg, Kreis Dieburg ab 1918: Deutsches Reich (Weimarer Republik), Volksstaat Hessen, Provinz Starkenburg, Kreis Dieburg ab 1938: Deutsches Reich, Volksstaat Hessen, Landkreis DieburgIm Zuge der Gebietsreform 1938 wurde die Provinz Starkenburg aufgelöst. ab 1945: Deutsches Reich, Amerikanische Besatzungszone,Infolge des Zweiten Weltkriegs. Groß-Hessen, Regierungsbezirk Darmstadt, Landkreis Dieburg ab 1946: Deutsches Reich, Amerikanische Besatzungszone, Land Hessen, Regierungsbezirk Darmstadt, Landkreis Dieburg ab 1949: Bundesrepublik Deutschland, Land Hessen, Regierungsbezirk Darmstadt, Landkreis Dieburg ab 1977: Bundesrepublik Deutschland, Land Hessen, Regierungsbezirk Darmstadt, Landkreis Darmstadt-Dieburg, Stadt Groß-UmstadtAm 1. Januar 1977 als Ortsbezirk zur Stadt Groß-Umstadt.

Bevölkerung Einwohnerstruktur 2011 Nach den Erhebungen des Zensus 2011 lebten am Stichtag dem 9. Mai 2011 in Semd 1677 Einwohner. Darunter waren 90 (5,4 %) Ausländer. Nach dem Lebensalter waren 270 Einwohner unter 18 Jahren, 699 waren zwischen 18 und 49, 390 zwischen 50 und 64 und 318 Einwohner waren älter. Die Einwohner lebten in 690 Haushalten. Davon waren 177 Singlehaushalte, 222 Paare ohne Kinder und 219 Paare mit Kindern, sowie 60 Alleinerziehende und 9 Wohngemeinschaften. In 126 Haushalten lebten ausschließlich Senioren und in 495 Haushaltungen lebten keine Senioren.

Einwohnerentwicklung • 1633: 292 Einwohner • 1806: 976 Einwohner, 168 Häuser • 1829: 1146 Einwohner, 186 Häuser • 1867: 1167 Einwohner, 211 Häuser

Historische Religionszugehörigkeit • 1829: 996 lutheranische (= 86,91 %), 127 reformierte (= 11,08 %), 4 jüdische (= 0,35 %) und 19 katholische (= 1,66 %) Einwohner • 1961: 1119 evangelische (= 86,08 %), 160 katholische (= 12,31 %) Einwohner

Politik Ortsbeirat Für Semd besteht ein Ortsbezirk (Gebiete der ehemaligen Gemeinde Semd) mit Ortsbeirat und Ortsvorsteher nach der Hessischen Gemeindeordnung. Der Ortsbeirat besteht aus sieben Mitgliedern. Bei den Kommunalwahlen in Hessen 2021 betrug die Wahlbeteiligung zum Ortsbeirat 54,54 %. Dabei wurden gewählt: ihm vier Mitglieder der SPD, zwei Mitglieder der CDU und ein Mitglied des Bündnis 90/Die Grünen. Der Ortsbeirat wählte Dieter Ohl (SPD) zum Ortsvorsteher.

Wappen und Flagge mini|100px

Wappen links|120px|Wappen von Semd

Blasonierung: In Rot über drei goldenen Spitzen eine silberne Waage über einem silbernen Spiegel in goldenem Rahmen.

Das Wappen wurde durch den Heraldiker Heinz Ritt gestaltet und am 2. September 1963 vom Hessischen Innenministerium genehmigt.

Es beruht auf einem alten Gerichtssiegel des Ortes von 1713 und verweist damit auf das Örtliche Gericht.Wappen der Welt: Semd, abgerufen im November 2017.

Flagge

Die Flagge wurde am 24. April 1961 durch das Hessische Innenministerium genehmigt.

Flaggenbeschreibung: „Auf der breiten weißen Mittelbahn des blau-weiß-blauen Flaggentuches das Gemeindewappen.“

Kultur und Sehenswürdigkeiten Seit März 2004 steht in der Semder Flur eine Sitzbank. Sie ist 31,33 m lang; die Sitzfläche und die Lehne sind aus je einem Stück Douglasie gefertigt. Besonders den Einheimischen gilt dieses originelle Stück als „längste Bank der Welt“.

Natur und Schutzgebiete mini|Naturschutzgebiet „Taubensemd“ (2012) mini|Feuchtwiesen, Schilf- und Gehölzbestände im Naturschutzgebiet Taubensemd (2020)

Das Naturschutzgebiet Taubensemd von Habitzheim, Semd und Groß-Umstadt liegt zu einem Teil in der Gemarkung von Semd. Das artenreiche Schutzgebiet umfasst Feuchtwiesen, Röhrichte, offene und teils temporäre Wasserflächen und trockene Raine.

In der Gemarkung Semd liegen Teilflächen der Natura-2000-Gebiete „Untere Gersprenz“ (FFH-Gebiet 6019-303) und „Untere Gersprenzaue“ (EU-Vogelschutzgebiet 6119-401).

Das Naturdenkmal Gambseiche auf Semder Gemarkung fiel im Juni 2019 einem Blitzschlag zum Opfer und musste gefällt werden. Ihr liegender Stamm ist weiterhin als Naturdenkmal geschützt.

Vereine Fast zwanzig Vereine, eine Sport- und Kulturhalle und ein reges Kulturleben, welches sich in Straßenfesten und vielen anderen kulturellen Ereignissen widerspiegelt, kann der knapp 2000 Einwohner zählende Ort vorweisen.

Regelmäßige Veranstaltungen In Semd finden viele Feste statt, von sehr kleinen Festen wie der Glühweinkerb am Freitag vor Totensonntag bis hin zur Semder „Mallorca Beach Party“, die seit Jahren einen festen Termin im Kulturkalender der Region darstellt. Letztes Wochenende im August: Opel-TreffenUlrike Bernauer. In: Darmstädter Echo, Mittwoch, 23. August 2023, S. 18. September: KerbDarmstädter Echo, Dienstag, 8. September 2015, S. 18

Infrastruktur Öffentliche Einrichtungen An öffentlichen Einrichtungen sind Freiwillige Feuerwehr, Turnverein, Schützenhaus, Bücherei, Kindergärten, Grundschule, Kirche (für die Professor Otto Linnemann aus Frankfurt um 1919 Glasfenster schuf) und Gemeindehaus zu erwähnen.

Verkehr Die Bundesstraßenauffahrt der B26 Richtung Darmstadt und Frankfurt am Main ist nur zwei Kilometer entfernt. Groß-Umstadt und Dieburg als kleinstädtische Dreh- und Angelpunkte der Region liegen nur 5 Autominuten entfernt. Zum Frankfurter Flughafen gelangt man in 40 Minuten (25 Minuten außerhalb der Hauptverkehrszeiten). Eine Schnellbusanbindung sowie Bahnhöfe in Dieburg (6 km) und Groß-Umstadt (4 km) komplettieren die Verkehrsanbindung.

Persönlichkeiten Söhne und Töchter des Ortes

Georg Müller (1889–1959), Landtagsabgeordneter

Literatur

Weblinks

Stadtteile In: Webauftritt der Stadt Groß-Umstadt.

Anmerkungen und Einzelnachweise Anmerkungen

Einzelnachweise

Kategorie:Ort im Landkreis Darmstadt-Dieburg Kategorie:Geographie (Groß-Umstadt) Kategorie:Ehemalige Gemeinde (Landkreis Darmstadt-Dieburg) Kategorie:Ersterwähnung 1312 Kategorie:Gemeindeauflösung 1977