mini|Die ersten 27 Zeilen der Inschrift XPhb im Iranischen Nationalmuseum mini|Die babylonische Sprachversion von XPh im Institute for the Study of Ancient Cultures (ISAC), Chicago, Inventarnummer A24120 XPh ist die Bezeichnung einer Inschrift von Xerxes I. (X). Sie wurde in Persepolis (P) entdeckt und von der Wissenschaft mit einem Index (h) versehen. Sie ist unter dem Namen Daeva-Inschrift bekannt geworden. Die Inschrift liegt in altpersischer, elamischer und babylonischer Sprache vor.
Inhalt
Beschreibung Der Text der Inschrift XPh ist auf vier Tafeln aus grauem Kalkstein überliefert. Sie wurden 1935 in Persepolis gefunden.Schmidt 1953; Schmidt 1957. Die Tafeln gelten als Gründungsinschriften, die üblicherweise in den Ecken von Palästen oder Audienzhallen versteckt angebracht wurden. Sie werden wie eine Tontafel gelesen: Auf der Vorderseite von oben zur unteren Kante und mit dem Überschlag der Tafel wieder von oben hinunter zu den letzten drei Zeilen an der unteren Kante.Cameron 1959, S. 470–471.
Altpersische Sprachversionen Zwei der vier gefundenen Tafeln sind in altpersischer Sprache geschrieben. Die beiden Tafeln werden mit einem zusätzlichen Index unterschieden.Schmitt 2000. Erich Friedrich Schmidt fand sie zusammen mit der einzigen babylonischen Sprachversion im Raum 16 der Garnisonsquartiere, die im Südosten der Terrasse von Persepolis lagen.Schmidt 1953, Überblicksplan nach S. 200 Figur 82 und 84, S. 204. Sie standen auf der rechten Seite in einer Linie zusammen mit vier Tafeln der Inschrift XPf.Schmidt 1957, S. 51. Der Fundort und die Anordnung der gefundenen Tafeln weisen darauf hin, dass die Tafeln nicht an den beabsichtigten Zielorten installiert worden sind. Sie hätten wohl die Ecken eines Gebäudes von Xerxes I. schmücken sollen. Es ist ziemlich sicher, dass sie vor dem Tod dieses Monarchen nicht in einer derart respektlosen Weise verwendet und sie nachträglich umdisponiert worden sind.Schmidt 1953, S. 209; Cameron 1957, S. 471.
Die erste der beiden Tafeln mit der altpersischen Inschrift XPha ist quadratisch mit einer Länge von 53,5 cm und 11,2 cm Tiefe. Der Text hat 60 Zeilen und ist vollständig erhalten. Die archäologische Objektbezeichnung der Tafel lautet PT3 143. Sie befindet sich heute im Iranischen Nationalmuseum.Schmidt 1957, S. 51 und Tafel 21 A.
Die zweite Tafel mit der altpersischen Inschrift XPhb ist quadratisch mit einer Länge von 54,3 cm und 10,3 cm Tiefe. Die Tafel ist mit 48 Zeilen unvollständig beschriftet. Es fehlen die Zeilen 28 bis 30, der Anfang der Zeile 48 und die Zeilen 49 bis 60. Die Zeile 48 ist zur Hälfte von rechts nach links beschrieben und bricht mittendrin ab.Schmidt 1957, S. 51. Ernst Herzfeld vermutete 1937, dass der ausführende Steinmetz der altpersischen Schrift nicht mächtig war, da diese von links nach rechts geschrieben wird, die Zeichen aber auf der linken Seite der Zeile fehlen. Er könnte aramäischer Herkunft gewesen sein, da die aramäische Sprache von rechts nach links geschrieben wird.Herzfeld 1937, S. 62. Die Tafel mit der archäologischen Objektbezeichnung PT3 142 befindet sich heute im Iranischen Nationalmuseum.Schmidt 1957, S. 51 und Tafel 21 B.
Die beiden altpersischen Sprachversionen sind identisch und sogar die Zeilentrennung ist übereinstimmend, so dass davon ausgegangen werden kann, dass sie eine gemeinsame Vorlage hatten. Die Zeichen sind sehr regelmäßig gemeißelt: Die Zeilen 1 bis 15 und 31 bis 45 enthalten alle 27 Zeichen und die Zeilen 16 bis 30 und 46 bis 60 26 Zeichen. Alle Zeichen sind mit großer Sorgfalt ausgeführt.Kent 1937, S. 193.
Die ersten maßgebenden Publikationen der altpersischen Texte stammen von Ernst Herzfeld und Roland Grubb Kent aus dem Jahr 1937. Die aktuelle Übersetzung wurde von Rüdiger Schmitt 2009 veröffentlicht, die mit kleineren Korrekturen der 2. Ausgabe von 2023 ergänzt wird.
Babylonische Sprachversion Die Tafel mit der babylonischen Sprachversion ist quadratisch mit einer Länge von 52,3 cm und ist 11,6 cm dick. Der Text ist 50 Zeilen lang. Die Tafel mit der archäologischen Objektbezeichnung PT3 141 befindet sich im Museum des Institute for the Study of Ancient Cultures, West Asia & North Africa (ISAC) (bis 2023 Oriental Institute der University of Chicago) und hat dort die Inventarnummer A24120.Schmidt 1953, S. 209; Schmidt 1957, S. 51 und Tafel 22 A.
Elamische Sprachversion Die Tafel mit der elamischen Sprachversion ist quadratisch mit einer Länge von 52,9 cm und 11 cm Tiefe. Der Text ist 50 Zeilen lang. Ursprünglich fehlte der rechte untere Viertel, so dass nur die Zeilen 1 bis 22 und 39 bis 50 erhalten waren. Die Tafel wurde in zwei Stücken zwischen dem Raum 5 und dem Hof 14 der Garnisonsquartiere auf der Terrasse von Persepolis gefunden. Sie trägt die archäologische Objektbezeichnung PT3 337 und befindet sich Iranischen Nationalmuseum in Teheran. In einer später durchgeführten Grabung unter der Leitung von Ali Sami wurde das fehlende Fragment der elamischen Sprachversion gefunden und trug zur Vervollständigung des Textes bei.Schmidt 1953, S. 209; Schmidt 1957, S. 51 und Tafel 22 B; Cameron 1959, S. 471, Tafel 13–16; Kent 1937, S. 293.
George G. Cameron übersetzte 1959 die elamische Sprachversion. Die Art und Weise der gemeißelten elamischen Zeichen erwecken den Eindruck, dass der ausführende Steinmetz die elamische Sprache nicht gekannt hat. Darauf deuten die vielen grafischen Fehler. Der Text selber enthält viele komplizierte und neue Wörter, die den Wortschatz der elamischen Forschung erweitert haben. Etwa 20 Wörter sind dem Altpersischen entnommen und wurden in die elamische Schrift umgeschrieben. Der elamische Text hat zur Klärung von Formulierungen der altpersischen Sprachversion geführt. Im Besonderen hat die im Text erwähnte Revolte nach der elamischen Version in einem einzigen Land stattgefunden und nicht in mehreren, wie es die Übersetzung der altpersischen Version zulassen könnte. Die Sprachversion hat dadurch die Interpretationen des Textes, die auf der führenden Rolle der altpersischen Sprachversion beruhen, beeinflusst.Cameron 1959, S. 472 und 475.
Zusätzliche altpersische Sprachversion 1963 wurde in Pasargadae eine Tafel mit dem gleichen Text wie bei XPh gefunden. Die Inschrift trägt die eigenständige Bezeichnung XMa.
Rezeption Die Inschrift XPh ist eine der wichtigsten Texte aus der Regierungszeit von Xerxes I. Seine Datierung wie auch die Folgerungen für die historische Geographie und die Religion der Achämeniden gaben seit ihrer Entdeckung zu vielen Diskussionen Anlass.Schmitt 2000, S. 93.
Die Länderliste Die Länderliste von XPh führte bei den ersten Interpretationen nach der Entdeckung zu einer Datierung der Inschrift zwischen 486 v. Chr. und 480 v. Chr. Das erste Datum ist das Jahr der Thronbesteigung von Xerxes I. und 480 v. Chr. fand die Schlacht von Salamis statt. Vor der Thronbesteigung könne Xerxes I. noch nicht der in der Inschrift bezeichnete „König“ gewesen sein. Auf der anderen Seite befinden sich unter den aufgelisteten Völkern der Inschrift die „Ioner, die im Meer wohnen, und die jenseits des Meeres wohnen“. Damit seien die griechischen Städte an der Westküste von Kleinasien zusammen mit den vorgelagerten Inseln und die Makedonier gemeint. Da diese beiden Volksgruppen in späteren Inschriften und Skulpturen von Xerxes I. nicht mehr aufgeführt wurden, sei die Schlacht von Salamis, die mit einer Niederlage der Perser geendet hatte, das mögliche Enddatum.University of Chicago 1936, S. 25; Herzfeld 1938, S. 64–65; Kent 1937, S. 305.
Es ist möglich, dass die Inschrift nach der griechischen Kampagne entstanden ist, aber die königliche Rhetorik zeigt keine territorialen Verluste der nordwestlichen Grenze, sondern erweitert sogar die Standardliste der vorherigen Inschriften. Auffällig ist die Aufhebung der konventionellen Reihenfolge der Länder.Amélie Kuhrt: The Persian Empire. A Corpus of Sources from the Achaemenid Empire. London/New York 2007, ISBN 978-0-415-43628-1, S. 305; siehe dazu die Details in Satrap. Keine der Listen der Völker und Länder der achämenidischen Königsinschriften, und in diesem Fall der Inschrift XPh, konnte auf eine befriedigende Art und Weise auf tatsächliche historische Gegebenheiten abgebildet werden. Eine Untersuchung aus dem Jahr 2001, die die Darstellungen und Bezeichnungen der Griechen in den achämenidischen Quellen untersucht, kommt zum selben Schluss. Aus der Sicht der Perser könnte die große Gruppe der Ioner eine kohärente und homogene Gruppe gewesen sein, die einzig mit dem Bedürfnis unterschieden wurde, zwei Gruppen während unterschiedlichen Eroberungszügen zu verschiedenen Zeiten festzuhalten, um sie der Erinnerung zu erhalten. Die Variationen der Erwähnungen lassen sich durch sprachliche Entwicklungen und Veränderungen in der Produktion der Inschriften und Reliefs erklären.Pierre Briant: Histoire de l’empire perse. De Cyrus à Alexandre. Paris 1996, S. 188; Heleen Sancisi-Weerdenburg: The Problem of the Yauna. In: Achaemenid Anatolia. Leiden 2001, S. ?.
Die Daeva Die Daeva-Inschrift, wie die Inschrift XPh auch genannt wird, erwähnt die unheilvollen Wesen drei Mal. Im Gegenzug wird im gleichen Text die notwendige Verehrung von Ahuramazda betont, die die Ordnung und das Glück für die Menschen im Leben und Tod garantiert. Wie viele andere Wissenschaftler vor ihr hat Mary Boyce aus diesem bekannten Dualismus des Zoroastrismus abgeleitet, dass Xerxes I. ein Zoroastrier gewesen sein müsste. Er habe die Zerstörung der Heiligtümer für diejenigen Gottheiten angeordnet, die der Prophet Zarathustra verurteilte. Muhammad Dandamayev war der Meinung, dass unter den Daeva Mithra, Anahita und andere Götter zu verstehen seien. Bei all diesen und ähnlichen Interpretationen haben die Daeva der Inschrift eine identische Bedeutung wie in den Gathas, dem ältesten Teil des Avestas.; Cameron 1959, S. 471.
Die Inschrift von Xerxes I. lässt im Gegensatz zur Inschrift von Dareios I. von Bisotun, DB, mit der sie oft verglichen wird, weder eine Fixierung der Zeit noch des Ortes zu. Sie erinnert dadurch an eine Inschrift von Tepti-Huban-Inšušnak, die mit der gleichen Verschwommenheit eine Rebellion gegen den Glauben des Königs erwähnt. Literarisch entspricht die Inschrift XPh aber in ihrer stereotypen Art der Inschrift von Bisotun und mehreren Passagen des ältesten Teils des Avestas, den Gathas. Sie besteht aus der Botschaft von etwas Früherem zu einem Späteren mit einem dazwischenliegenden Darauffolgenden.Siehe dazu die Paragraphen 5 und 6 der Inschrift. Das Frühere ist das Daeva-Opfer, das Darauffolgende ist der Übergang vom Verbot dieses Opfers und der Einführung einer bestimmten Zeremonie für Ahuramazda. Das Spätere ist die Verewigung der neuen Zeremonie. Die Neuerung steht nicht in Opposition zur Religion der Besiegten, sondern ersetzt den alten Kult, der als „schlecht gemacht“ eingestuft wird. Das Alles sagt nichts über die Beziehung der Achämeniden zum Avesta auf. Es demonstriert lediglich ihre Zugehörigkeit zur iranischen Variante der indoiranischen Kultur, von der auch das Avesta zeugt. Unmengen von fast identischen Dingen müssen zu einer gewissen Zeit neben der avestischen Tradition existiert haben, und das ohne Zweifel auf friedlichem Weg.Jean Kellens: Les Achéménides entre textes et liturgie avestiques. In: Wouter F. M. Henkelman, Céline Redard: Persian Religion in the Achaemenid Period. Wiesbaden 2017, S. 15–16.