Das Gänseblümchen (Bellis perennis), auch Ausdauerndes Gänseblümchen, Mehrjähriges Gänseblümchen, Maßliebchen, Tausendschön, Monatsröserl, Margritle oder schweizerisch Margritli („Kleine Margerite“) genannt, ist eine Pflanzenart innerhalb der Familie der Korbblütler (Asteraceae). Da es auf fast jeder Wiesenfläche wächst, zählt es zu den bekanntesten Pflanzenarten Mitteleuropas.

Beschreibung mini|links|Illustration von Jacob Sturm

Erscheinungsbild und Blatt Das Gänseblümchen ist eine ausdauernde, krautige Pflanze, die Wuchshöhen von meist 4 bis 15 (2 bis 20) Zentimetern erreicht. Am kurzen, aufrechten Rhizom befinden sich faserige Wurzeln.

Die in einer dichten Blattrosette zusammen stehenden Laubblätter sind in Blattstiel und Blattspreite gegliedert. Der geflügelte Blattstiel ist mindestens so lang wie die Blattspreite. Die einfache Blattspreite besitzt nur einen Mittelnerv, ist spatelförmig bis verkehrt-eiförmig, 6 bis 40 Millimeter lang und 4 bis 20 Millimeter breit.

Blütenstand und Blüte Jede Blattrosette bringt von März bis November, manchmal auch schon im Januar, ununterbrochen aufsteigende bis aufrechte, behaarte, blattlose, meist 5 bis 15 (3 bis 20) Zentimeter lange Blütenstandsschäfte mit einzeln stehenden, durchschnittlich 16 (10 bis 30) Millimeter breiten Blütenkörbchen hervor.

Der körbchenförmige Blütenstand enthält Hüllblätter, die einen bewimperten Rand besitzen. Die mehr als hundert Blüten sind – wie für Korbblütler typisch – auf der verbreiterten Sprossachse, dem so genannten Blütenstandsboden angeordnet. Dieser ist beim Gänseblümchen kegelförmig und hohl. Randständig sind die weißen, zygomorphen, weiblichen, 4 bis 8 (bis 11) mm langen Zungenblüten in zwei Reihen angeordnet. Im Zentrum des Blütenkörbchens stehen zwischen 75 und 125 gelbe, zwittrige und trichterförmige radiärsymmetrische, 1,5 mm lange Röhrenblüten. Zwei Fruchtblätter sind zu einem unterständigen, einfächrigen Fruchtknoten verwachsen.

Von verschiedenen Autoren sind umfangreiche Zählungen der Hüllblätter und der Zungenblüten eines einzelnen Blütenkopfs vorgenommen worden. Die Zahl der Hüllblätter ist meist 13 bei einer geringen Variationsbreite. Die Zahl der Zungenblüten variiert viel stärker, hat aber einen Hauptgipfel bei 34 und Nebengipfel bei 42 oder 39. Bei italienischen Rassen kommt aber auch 55 besonders häufig vor. Wie auch bei anderen Korbblütlern treten besonders Zahlen aus der Fibonacci-Folge auf: 13, 21, 34, 55.

Frucht Die Früchte sind nicht wie jene vieler Arten der Korbblütengewächse mit einem Pappus ausgestattet. Bei den 1 bis 2 mm langen Achänen handelt es sich um gekrönte Schließfrüchte, bei der Frucht- und Samenschale miteinander verwachsen sind. Die Samen sind endospermlos.

Chromosomensatz Die Chromosomenzahl beträgt 2n = 18. Auch die Gartenformen mit gefüllten Blütenköpfen haben dieselbe Chromosomenzahl.

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Ökologie Was für einen Laien wie eine einzige Blüte aussieht, ist tatsächlich eine Scheinblüte (Pseudanthium). Das Blütenkörbchen richtet sich aufgrund des Heliotropismus immer nach der Sonne und schließt sich abends sowie bei schlechtem Wetter. Die Blütenkörbchen von Bellis perennis, welche von Februar bis in den November hinein aufblühen, werden von Bienen, Hummeln, Schwebfliegen und vor allem Fliegen besucht. Zum Teil findet bei diesen Blütenbesuchen Fremdbestäubung statt. Auch verhilft dies zu einer Form der Selbstbestäubung, der sogenannten Geitonogamie, d. h., die einzelnen Blüten innerhalb eines Blütenköpfchens bestäuben sich gegenseitig. Die Selbstbestäubung innerhalb einer Einzelblüte (Autogamie) ist fraglich, jedoch nicht gänzlich ausgeschlossen. Die Blüten sind, wie für Korbblütler typisch, vormännlich, das heißt, die Staubblätter sondern reife Pollen ab, wenn die in der Blüte befindlichen Fruchtblätter noch nicht bereit für eine Bestäubung sind. Bei bestäubten Blüten entwickelt sich aus dem Fruchtknoten ein Nüsschen, die sogenannte Achäne. Das Gänseblümchen nutzt eine Reihe sehr unterschiedlicher Strategien zur Ausbreitung dieser Achänen.

Typisch für Gänseblümchen ist die Verbreitung der Achänen durch den Regen. Dadurch werden die Achänen im Umkreis der Mutterpflanze von ihr weggeschleudert. Eine andere Ausbreitungsform findet durch den Wind statt (Anemochorie). Die elastischen und etwas verlängerten Stängel werden durch Windböen bewegt und die kleinen Achänen ausgestreut. Die Achänen werden aber auch durch Tiere verbreitet (Zoochorie), vor allem durch Regenwürmer, Schafe und Rinder. Schließlich hilft sogar der Mensch bei der Ausbreitung (Anthropochorie). Das Gänseblümchen vermehrt sich generativ durch Samen (Achänen) und vegetativ.

Das Gänseblümchen wird von den Rostpilzen Puccinia obscura mit Spermogonien und Aecidien und von Puccinia lagenophorae mit Aecidien und Telien befallen.Peter Zwetko: [ Die Rostpilze Österreichs.] Supplement und Wirt-Parasit-Verzeichnis zur 2. Auflage des Catalogus Florae Austriae, III. Teil, Heft 1, Uredinales. (PDF; 1,8 MB).

Vorkommen Aus der Gattung Bellis kommt lediglich Bellis perennis außerhalb des Mittelmeerraums auch in Mittel- und Nordeuropa vor. Bellis perennis wird in Mitteleuropa als ein Archäophyt betrachtet, der durch Schaffung von weiträumigen Wiesen und Weiden in vorgeschichtlicher Zeit zu einer weiten Ausbreitung nach Norden kam. Zum so häufigen Auftreten dieser Pflanze kam es jedoch erst mit der Einführung von Rasenflächen in Gärten und Parks. Durch den Menschen wurde diese Art später auch in Nord- und Südamerika längs der pazifischen Küste, auf Madeira und Neuseeland angesiedelt. Sie ist darüber hinaus auch ein Neophyt in Sichuan, Australien, auf Hawaii und den Azoren. Häufig ist die Ausbreitung nicht gezielt erfolgt, sondern durch eine Verunreinigung von Grassamen durch die Samen des Gänseblümchens – fachsprachlich wird diese Ausbreitungsform auch als Speirochorie bezeichnet.

In den Allgäuer Alpen steigt es im Tiroler Teil auf der Wildmahdalpe bis in eine Höhenlage von 2040 Meter auf. Im Wallis steigt es am Großen St. Bernhard sogar bis zu 2451 Metern Meereshöhe auf. Das Gänseblümchen kommt mit Temperaturen bis −15° C zurecht.

Bevorzugte Standorte sind Weiden, Parkrasen und Gärten auf nährstoffreichem Untergrund, bewachsene Bahndämme; ein regelmäßiger Schnitt ist erforderlich, da die Gräser und Wildblumen sonst die niedrig wachsenden Gänseblümchen überwuchern. Da Bellis perennis eine Speicherpflanze ist, überlebt sie den Winter im Schnee. Auf landwirtschaftlich genutzten Wiesen ist sie auch Zeiger für verdichtete Böden und übernutzte Wiesen und Weiden.

Zeigerwerte nach Ellenberg Faktor Wert Skala Benennung/Erläuterung Lichtzahl 8 1–9 Lichtpflanze Temperaturzahl 5 1–9 Mäßigwärmezeiger Kontinentalitätszahl 2 1–9 ozeanisch Feuchtezahl X 1–12 indifferent Reaktionszahl X 1–9 indifferent Stickstoffzahl 5 1–9 mäßig stickstoffreiche Standorte Lebensform H - Hemikryptophyt

Die ökologischen Zeigerwerte nach Landolt et al. 2010 sind in der Schweiz: Feuchtezahl F = 3 (mäßig feucht), Lichtzahl L = 4 (hell), Reaktionszahl R = 4 (neutral bis basisch), Temperaturzahl T = 3+ (unter-montan und ober-kollin), Nährstoffzahl N = 3 (mäßig nährstoffarm bis mäßig nährstoffreich), Kontinentalitätszahl K = 3 (subozeanisch bis subkontinental), Salztoleranz 1 = tolerant.

Unterscheidung von verwandten Arten Bellis perennis unterscheidet sich von Bellis sylvestris durch Blätter, die plötzlich in den Stiel zusammengezogen sind. Die Hüllblätter sind stumpf und 4 bis 5 (-6) Millimeter lang. Die Blütenköpfchen sind 1,5 bis 3 Zentimeter breit. Bei Bellis sylvestris, dessen Hauptblütezeit im Herbst liegt, sind die Blätter allmählich in den Stiel verschmälert, die Hüllblätter sind (6) 7 bis 10 Millimeter lang und etwas spitz und die Blütenköpfchen sind 3 bis 4 Zentimeter breit. Die Stängel sind auch meist höher und die deutlich dreinervigen Blätter sind länger als bei Bellis perennis.

Taxonomie Der wissenschaftliche Name Bellis perennis wurde 1753 von Carl von Linné in Species Plantarum erstveröffentlicht. Die Herkunft des Gattungsnamens Bellis ist unklar. Bellis leitet sich aber möglicherweise vom lateinischenisch Adjektiv bellus ab, welches mit hübsch übersetzt werden kann. Der Begriff perennis (lat.) bedeutet wörtlich ausdauernd, mehrjährig.

Gänseblümchen und Menschen mini|Gemälde von William Adolphe Bouguereau Trivialnamen Diese weit verbreitete Pflanzenart trägt eine Reihe von volkstümlichen Namen, die regional sehr unterschiedlich sein können. Typisch sind Angerbleamerl, Augenblümchen, Himmelsblume, Maiblume, Marienblümchen, Maßliebchen, Mondscheinblume, Morgenblume, Osterblume, Regenblume, Sommerröschen, Sonnenblümchen und Tausendschön. In der Schweiz auch: Gisegeisseli, Geissemeieli, Geisseblüemli, Geissenblümchen, Baldurs Auge, Frühblümchen, Müllerblüemli oder Margrittli. Die schweizerische Bezeichnung „Margrittli“ (Diminutiv von „Margerite“) kommt offenkundig daher, dass ein Gänseblümchen wie die verkleinerte Version einer Margerite aussieht. In England heißt das Gänseblümchen „Day’s Eye“, was „Auge des Tages“ bedeutet, oder einfach Daisy.

Die Bezeichnung Maßliebchen ist ab dem 14. Jahrhundert als Maßleben, Maßlieben, Maßlieblin belegt und wahrscheinlich vom mittelniederländischen matelieve ins Deutsche entlehnt.