Lech (teilweise auch mit Zusatz Lech am Arlberg) ist eine Gemeinde mit Einwohnern (Stand ) und ein namensgebendes Dorf am gleichnamigen Fluss im österreichischen Bundesland Vorarlberg und zählt wie beispielsweise auch Ebnit, Damüls oder Mittelberg zu den Vorarlberger Walserdörfern. Die Gemeinde ist ein international bekannter Wintersportort am Arlberg.
mini|alternativtext=|Gesamtansicht von Lech und Oberlech vom Westgipfel () der Hasenfluh. Das Karhorn steht über Lech, links hinten der schroffe Widderstein. mini|Naturschutzgebiet Gipslöcher mini|Naturschutzgebiet Gipslöcher
Geografie Die Höhenangabe von für den Ort bezieht sich auf die Lage der auf einem Hügel stehenden Alten Kirche.Höhenmessfunktion auf der digitalen Karte Vorarlberg 14,1 Prozent der Gemeindefläche sind bewaldet, 58 Prozent der Fläche Alpen. Geografisch und geschichtlich gehört Lech zum Hochtannberggebiet, früher Tannberg, touristisch jedoch wird die Gemeinde zur Region Arlberg gezählt. Lech gehört zum Bezirk Bludenz und auch zum Gerichtsbezirk Bludenz, liegt aber anders als seine südlichen Nachbargemeinden Klösterle und Dalaas, die ebenfalls zum Bezirk Bludenz gehören, nicht im Klostertal, sondern im Bergmassiv des Arlberges nordöstlich davon.
Im Gemeindegebiet von Lech vereinigen sich die Quellflüsse Formarinbach (Quelle nahe dem Formarinsee) und Spullerbach, der aus dem Spullersee abfließt, zum Fluss Lech, der in weiterer Folge über Warth durch das Tiroler Lechtal Richtung Bayern fließt.
Gemeindegliederung Ortsteile sind: Anger, Berg, Burg, Bürstegg, Oberlech, Oberstubenbach, Omesberg, Schönenberg, Straß, Stubenbach, Tannberg, Zug und Zürs.
Nachbargemeinden
Lech grenzt an acht andere Gemeinden, wobei fünf davon in Vorarlberg und drei im benachbarten Bundesland Tirol liegen. Von Norden im Uhrzeigersinn liegen um Lech herum die Gemeinden: Schröcken und Warth im Bezirk Bregenz, Steeg und Kaisers im Tiroler Bezirk Reutte, St. Anton am Arlberg im Tiroler Bezirk Landeck, die im Klostertal gelegenen Gemeinden Klösterle und Dalaas, sowie Sonntag im Großen Walsertal.
Die Gemeindegebiete von Lech, Klösterle, Kaisers und St. Anton am Arlberg treffen sich an der Spitze der Valluga auf , wobei Lech nur in diesem einen Punkt an St. Anton am Arlberg angrenzt. Der gemeinsame Grenzpunkt mit den Gemeinden Schröcken und Sonntag befindet sich auf der Braunarlspitze auf Daraus ist zum einen die gebirgige Lage von Lech inmitten des Lechquellengebirges ersichtlich, zum anderen der Verlauf der Gemeindegrenze, der sich überwiegend an Berggraten orientiert.
Erdbebengebiet Das Gebiet von Lech und Klostertal ist der Erdbebenhotspot von Vorarlberg. Das jemals heftigste Beben (Magnitude = 4,3) wurde hier am 28. Juni 1996 gemessen, das letzte spürbare Beben (M = 3,1) gab es am 16. Oktober 2024 um 03.15 Uhr MESZ (UTC+2). Die Erdkruste aus überlagerten Gesteinsschichten weist hier einen Riss auf.
Geschichte mini|Lech im Sommer mit dem Karhorn im Hintergrund, um das Jahr 1900 Lech wurde im 13./14. Jahrhundert von eingewanderten Walsern gegründet. Sie besiedelten das obere Lechtal von Nordwesten, vom Bregenzerwald aus über den relativ leicht passierbaren Auenfeldsattel (1710 m). Erst mit dem Bau der durch schroffes Gelände führenden und den Flexenpaß überquerenden Lechtalstraße zwischen der Alpe Rauz oberhalb vom Ortsteil Stuben der Gemeinde Klösterle und Lech am Ende des 19. Jahrhunderts konnte Lech auch von Süden relativ leicht erreicht werden.Dieter Seibert: Gebietsführer „Bregenzerwaldgebirge und Lechquellengebirge“, 1. Auflage. Bergverlag Rudolf Rother, München 1989, ISBN 3-7633-3328-2, S. 42. Es hieß bis ins 19. Jahrhundert Tannberg, dann setzte sich der aus „Tannberg am Lech“ entstandene Name Lech durch. Die vermutlich im frühen 14. Jahrhundert gebaute Alte Pfarrkirche St. Nikolaus war bis ins 16. Jahrhundert die Pfarrkirche des Gerichtsbezirkes Tannberg; außerdem befand sich das Gerichtsgebäude von Tannberg bis zur Auflösung des Tannberggerichts 1806 in Lech. Der kleine Ort hat sich in den letzten Jahrzehnten zunächst durch den Einfluss des Wintertourismus, in der Folge aber auch vermehrt durch Sommertourismus zu einer blühenden Gemeinde entwickelt.
Vorarlbergs jemals (Stand 2024) stärkstes Erdbeben wurde 1996 mit Magnitude 4,3 in Lech detektiert.
Im August 2005 wurden große Teile der Ortschaft durch eine Hochwasserkatastrophe verwüstet. Bis zu 141 Kubikmeter pro Sekunde Wasser, was etwas mehr als einem HQ 100 entsprach, passierten am 23. August 2005 die Messstelle an der Tannbergbrücke in der Nähe des Rüfiplatzes. Das Flussbett war an jener Stelle mehr als einen halben Meter zu flach, um diese Wassermengen ohne Überschwemmungen abzuleiten. Die teils erheblichen Schäden wurden bis zum Beginn der Wintersaison im Dezember 2005 weitestgehend behoben.
Bevölkerungsentwicklung
Kultur und Sehenswürdigkeiten mini|hochkant|Alte Pfarrkirche St. Nikolaus, neue Kirche (Schrägdach) rechts dahinter
Alte Pfarrkirche Lech am Arlberg: Die Kirche wurde etwa 1390 im gotischen Stil erbaut und 1987 gründlich renoviert. Die ursprünglich romanische Kirche ist noch an verschiedenen Fresken erkennbar – das komplette Kircheninnere wurde 1791 im Landrokoko-Stil umgestaltet. Besonders markant ist der Turm mit 33 Meter Höhe und seinem einzigartigen Zwiebeldach. In der Glockenstube befinden sich sechs Bronzeglocken. Die älteste Glocke stammt vom Anfang des 15. Jahrhunderts. Die Kirche beherbergt eine einmanualige Orgel von Anton Behmann. Neue Pfarrkirche Lech am Arlberg Kästle Mountain Museum: Im Dezember 2008 wurde in der Bergstation der Rüfikopfbahn das Kästle Mountain Museum eröffnet. Die Dauerausstellung zeigt die Geschichte der Ski-Marke Kästle sowie deren enge Verbindung mit Lech. Aussichtsplattform am Rüfikopf knapp oberhalb der Bergstation der Rüfikopfbahn. Hier bietet sich ein sehr guter Rundblick auf die umliegende Bergwelt. Museum Huber-Hus: Das Huber-Hus, das 1590 erbaut wurde, lädt die Besucher im Erdgeschoß zunächst ein, bäuerliches Wohnen und Arbeiten zu entdecken, wobei die Küche den historisch ältesten Kern des Hauses bildet. Exponate vom Barock bis zur Gegenwart stammen von den ursprünglichen Besitzern, der Familie Huber. Besonders wertvoll sind die zahlreichen Exponate in der „Küferwerkstatt“, die teilweise aus dem 18. Jahrhundert stammen. Im Keller des Hauses befindet sich das Archiv der Gemeinde Lech. Im Obergeschoß stehen die renovierten Räume für zweimal jährlich wechselnde Sonderausstellungen zur Verfügung. Europaschutzgebiet Schöneberg und Bürstegg Naturschutzgebiet Gipslöcher: Oberhalb von Lech befindet sich das Naturschutzgebiet „Gipslöcher“. Das Gebiet steht mit über 1000 Dolinen hervor, wobei die Durchmesser bis zu 100 Meter und eine Tiefe von 35 Meter erreichen können. Das Naturschutzgebiet wurde auch deshalb gegründet, da hier 20 verschiedene Orchideenarten und viele Murmeltiere beheimatet sind. Daher sind Wanderungen zur Blütezeit der Orchideen von Juli bis Mitte August besonders beliebt. Die Landschaft gibt den Orchideen und Murmeltieren optimalen Schutz vor Feind und Wind, und das weiche Gipsgestein eignet sich ideal zum Höhlenbau. Cineastic Gondolas: Zu Beginn der Wintersaison findet ein Kunstfestival für animierte Kurzfilme, Visual Art & Musik in den Gondeln der Rüfikopfbahn bzw. vor und in der Rüfibahn-Bergstation statt. Skyspace Lech: Dieser Lichtraum und diese Kunstinstallation wurden 2014 von James Turell konzipiert. Ziel des Künstlers war, das Zusammentreffen von Himmel und Erde in der hochalpinen Landschaft mit neuem Blick zu ermöglichen. Dazu erschuf James Turell ein rundes Bauwerk, das weitgehend unterirdisch angelegt wurde und sich somit optimal in die sensible alpine Landschaft einfügt. In diesem Lichtraum gibt es eine umlaufende Sitzbank, die den Blick auf den freien Himmel zulässt und durch die Erdrotation verschiedene Blickwinkel darbietet. Der Standort zeichnet sich außerdem über eine besondere Sichtachse zwischen dem markanten Gipfel des Biberkopfs und dem Ort Bürstegg einerseits und dem Omeshorn andererseits aus.
Regelmäßige Veranstaltungen Der Weiße Ring: Diese Skirennen führt die Teilnehmer über 22 Pistenkilometer, 5500 Höhenmeter und 5 Skilifte durch das gesamte Skigebiet von Lech-Zürs. Das Rennen wird daher auch als „längstes Skirennen der Welt“ bezeichnet. Die Startzahl liegt jährlich bei rund 1000 Teilnehmern. Es gibt ein umfangreiches Rahmenprogramm, und das Rennen ist ein beliebter Treffpunkt für aktuelle und ehemalige Skistars. Philosophicum Lech: Seit 1997 findet in Lech alljährlich das Philosophicum Lech statt, eine renommierte interdisziplinäre Tagung, die sich mit philosophischer, kultur- und sozialwissenschaftlicher Reflexion, Diskussion und Begegnung auseinandersetzt. Medicinicum Lech: Eine Public Health Veranstaltung, die sich mit Themen rund um Gesundheit und gesundheitsverlängernde Maßnahmen (Medizin, Technologie, Ernährung, Bewegung etc.) auseinandersetzt. Jedes Jahr dreht sich das Programm um ein Hauptthema. Das Medicinicum Lech 2021 beschäftigt sich etwa mit den Perspektiven für ein längeres Leben. Erstmals im Juli 2021 findet in Lech das Literaturfest Literaricum Lech statt, das sich jährlich einem Meisterwerk der Weltliteratur widmet. Bei der Premiere 2021 wurde der älteste Bestseller in deutscher Sprache, der „Simplicius Simplicissimus“ von Hans Jakob Christoffel von Grimmelshausen, von verschiedenen Blickwinkeln beleuchtet. Das nächste Literaricum in Lech findet vom 18. bis 21. Juli 2024 statt.
Ortsbildgestaltung Im Rahmen des europäischen Wettbewerbes „Entente Florale Europe“ wurde Lech 2004 mit einer Goldmedaille in der Kategorie Dorf ausgezeichnet.
Sport und Freizeit Wintersport Das Skigebiet Ski Arlberg dies- und jenseits der Vorarlberger Landesgrenze umfasst zurzeit (Stand Saison 2014/15) 350 km präparierte Skipisten sowie 200 km ausgewiesene Tourenabfahrten. Etwa 63 % der Skipisten können beschneit werden. Insgesamt sind 97 Lifte und Seilbahnen mit einer Beförderungskapazität von 123.600 Personen pro Stunde in Betrieb. Auf Lech und Oberlech (Gebiet Arlberg West) entfallen davon 23 Lifte und Seilbahnen sowie 17 Skipisten und 18 Skirouten.
Seit der Wintersaison 2013/14 verbindet die Gondelbahn Auenfeldjet die bis dahin benachbarten, aber voneinander getrennten Skigebiete Ski Arlberg West und Snowworld-Warth-Schröcken.Erfolgreiche Weltpremiere Auenfeldjet. Artikel auf Vorarlberg Online (VOL.at) vom 27. März 2014. Zur Wintersaison 2016/17 schließt sich die letzte Lücke im Gebiet durch den Bau der Flexenbahn zwischen Stuben und Zürs. Das daraus entstandene gemeinsame Skigebiet ist mit insgesamt 88 Liften und 304 Kilometer Pistenabfahrten derzeit das größte in Österreich. Weiterhin können aber auch Karten nur für die jeweiligen Teilskigebiete Snowworld-Warth-Schröcken, Ski Arlberg Ost und -West erworben werden, die Benützung des gesamten Skigebietes setzt den Kauf des Ski Arlberg-Skipasses voraus.. Artikel auf den Seiten von Vorarlberg Tourismus.
Die Piste Langer Zug (Pistennummer 215) vom Rüfikopf (via Piste 181) nach Lech zählt zu den zehn steilsten präparierten Pisten der Welt.
Im Rahmen der extremen Schneefälle in Mitteleuropa im Januar 2019 gelangte der Lange Zug in die Medien, als tagelang ein deutsches Lawinenopfer gesucht wurde: Eine vierköpfige Gruppe erfahrener deutscher Skifahrer war auf der zu diesem Zeitpunkt gesperrten Piste von einer Lawine getötet worden. Bei der ersten Suchaktion konnten nur drei Personen und erst vier Tage nach dem Unglück auch das vierte Opfer geborgen werden.
Heliskiing