mini|Porträt von Pierre Dumanoir Le Pelley, André Dutertre, Musée Carnavalet. Pierre Étienne René Marie Dumanoir Le Pelley, Comte Dumanoir (* 2. August 1770 in Granville, Frankreich; † 6. Juli oder 7. Juli 1829 in Paris, Frankreich) war ein französischer Marineoffizier, zuletzt im Dienstgrad eines Vizeadmirals.

Biografie Herkunft und Familie Pierre Étienne René Marie Dumanoir Le Pelley entstammte einer alten, bürgerlichen Familie aus Granville, die als Reeder zu Vermögen gekommen war und von König Ludwig XVIII. in den Adelsstand erhoben wurde.Régis Valette: Catalogue de la noblesse française au xxie siècle. Éditions Robert Laffont, Paris. 2007, ISBN 978-2-221-09701-4.

Sein VaterArchives départementales de la Manche, registres d’état civil (5 Mi 705 - 1770) S. 29, Louis Pierre Étienne Le Pelley (1733–1807),Guillaume de Tournemire: Louis Pierre Etienne Le Pelley du Manoir, sieur du Manoir. Auf der Genealogie-Webseite geneanet.org. Abgerufen am 1. August 2014. war ein Korsarenkapitän, Reeder und Bürger von Granville. Er war der Sohn von Pierre Robert Le Pelley, Infanteriehauptmann, Sieur des Fontenelles, und Bruder von Hervé Le Pelley (1699–1739), dessen Sohn Georges-René Pléville Le Pelley (1726–1805) war.

Seine Mutter, Jeanne Élisabeth Lucas de Lezeaux (1744–1819), war die Tochter von Charles Marie, Écuyer, Seigneur de Lezeaux, seigneur honoraire von Saint-Pair und Saint-Aubin-des-Préaux in der Pfarrei Saint-Pair-sur-Mer.

Frühe Dienstjahre Pierre Dumanoir Le Pelley trat im Alter von siebzehn Jahren im März 1787 als élève de port ( etwa: Hafenschüler)Archives Nationales - Base de Données Léonore. Stichwort: LE PELLEY DUMANOIR. Inventarnummer: L1595026. Link. Abgerufen am 8. Januar 2024. in die Marine ein und diente bis 1790 in Westindien. Zwei Jahre später, im April 1789, wurde er zum sous-lieutenant de port ( etwa: Hafen-Unterleutnant) ernannt. Anschließend war er für Einsätze an den afrikanischen und südamerikanischen Küsten auf verschiedene Schiffe kommandiert und zum Enseigne de Vaisseau (Fähnrich zur See) befördert.

1790 nahm er als Leutnant und Adjutant im Stab von Admiral Martin auf der Sans Culotte im Liniendienst zwischen Senegal und Frankreich tätig und wurde im Juni 1793A. Liévyns: Fastes de la Légion-d’honneur: biographie de tous les décorés. Band 3. Au bureau de l’administration. Paris. 1845. S. 194–195.Charles Mullié: Biographies des célébrités militaires des armées de terre et de mer: de 1789 à 1850. Band 1. Poignavant et Cie. Paris. S. 460–462. zum Lieutenant de Vaisseau (Leutnant zur See) ernannt.

1795 erhielt er mit weniger als fünfundzwanzig Jahren den Rang eines Capitaine de Vaisseau und das Kommando über die Berwick, die als Teil der Division von Konteradmiral Joseph de Richery beteiligt war, als diese einen großen Konvoi im Mittelmeer kaperte und anschließend damit beauftragt wurde, die britische Fischerei in Neufundland zu stören.

In einigen Biografien wird angedeutet, dass sein schneller Aufstieg auf seinen Cousin Georges-René Pléville Le Pelley zurückzuführen sei, der 1797 als französischer Marineminister amtierte und seine Verwandten entsprechend unterstützt haben soll.

Allerdings war Dumanoir zu dem Zeitpunkt, als sein Cousin Minister wurde, bereits seit zwei Jahren Capitaine de Vaisseau, weshalb anzunehmen ist, dass er, wie viele seiner Marinekameraden, vor allem von den beschleunigten Beförderungen in der Marine des revolutionären Frankreichs profitierte, nachdem die Emigration dieser eine große Zahl von Offizieren entzogen hatte.

Zur Zeit des Direktoriums Im Dezember 1796 nahm Dumanoir als Kommandant der La Révolution unter dem Befehl von Konteradmiral Bouvet an der Irlandexpedition teil. Als die französische Flotte in der Nacht vom 16. auf den 17. Dezember von britischen Schiffen mit Lichtsignalen und Kanonenfeuer getäuscht und im Sturm auseinandergerissen wurde, erreichten Dumanoir auf der La Révolution und die Fregatte La Scévola das Ziel der Expedition, die Bantry-Bucht im Südwesten Irlands, zunächst allein, bis die Kommandeure Morard de Galles und Lazare Hoche auf der Fregatte La Fraternité eintrafen. Die La Scévola war stark beschädigt und Dumanoir nahm einen Teil ihrer Besatzung auf. Die zerstreute Flotte traf dann nach und nach in der Bucht ein. Das Unternehmen wurde aber letztlich abgebrochen, was für die französische Marine eine empfindliche Niederlage bedeutete.

1797 wurde Dumanoir durch das Direktorium trotzdem zum Chef d’escadre ernannt.

Während des Ägyptenfeldzugs war Dumanoir als Kommandant der Le Dubois auch mit der Führung des Konvois beauftragt, der die französischen Truppen von Toulon über das Mittelmeer transportierte.Jules Trousset, Histoire nationale de la Marine et des marins français depuis Jean Bart jusqu’à nos jours. Librairie illustrée. Paris. 1880.

Am 1. Juli 1798 erreichten die Schiffe ohne jeglichen feindlichen Kontakt Alexandria und die Stadt konnte erobert werden. Napoleon Bonaparte ernannte Dumanoir zum Hafenkommandanten, wodurch er an der Seeschlacht bei Abukir nicht teilnahm.

In der Folge wurde Dumanoir zum Kommandanten der erbeuteten venezianischen Fregatte La Corrèze ernannt. Als Napoleon im Sommer 1799 nach Frankreich zurückkehren wollte, war Dumanoir mit diesem Schiff an dem Unternehmen beteiligt und transportierte Jean Lannes, Joachim Murat, Auguste Marmont und Parseval-Grandmaison zurück nach Frankreich, während Napoleon auf der La Muiron reiste. Am 8. Oktober 1799 erreichten die Schiffe Fréjus.

Zur Zeit des Konsulats und im Kaiserreich Der Staatsstreich des 18. Brumaire VIII markierte das Ende des Direktoriums und der Französischen Revolution und den Beginn des Konsulats. Für seine Teilnahme am Staatsstreich erhielt Dumanoir als Belohnung einen Säbel als nationale Auszeichnung und wurde einige Monate später in den Rang eines Konteradmirals erhoben. Er befehligte in der Folge eine Division in Brest und anschließend eine in Cádiz, wo er auch für die Einzelheiten der Bewaffnung zuständig war.

Im Frühjahr und Sommer 1801 kreuzte Charles de Linois mit seinem Geschwader gegen die britische Flotte vor der Küste Spaniens, was zu den Seeschlachten von Algeciras führte. Im Zweiten Seegefecht vor Algeciras wurde er besiegt, auch weil ihm Dumanoir von Cadiz aus Unterstützung verweigert hatte.

Nach dem Frieden von Amiens vom 25. März 1802 wollte Bonaparte die reiche, ehemals französische Kolonie Saint-Domingue, die sich vor mehr als acht Jahren gegen Frankreich aufgelehnt hatte, zurückerobern. Wiederum war Dumanoir Teil dieser Expedition. Am 11. Dezember 1803 wurde er zum Mitglied der Ehrenlegion ernannt und erhielt am 14. Juni 1804 das Kommandeurskreuz der Ehrenlegion. Als Admiral Latouche-Tréville am 20. August 1804 starb, befand sich Dumanoir an Bord der Formidable in Toulon und übernahm vorübergehend das Kommando über das dortige Geschwader. Seine Hoffnung, dieses Kommando behalten zu dürfen, erfüllte sich allerdings nicht. Stattdessen wurde Vizeadmiral Pierre de Villeneuve ernannt und Dumanoir diesem unterstellt. In einem Brief Napoleons vom 28. August 1804 an den Marineminister Denis Decrès werden die Gründe dafür genannt:

Napoleons nächstes Ziel war nun die Landung in England, die im Lager Boulogne vorbereitet wurde. Zur Ablenkung der Royal Navy sollte Villeneuve mit seinem Geschwader, dem auch Dumanoir angehörte, von Toulon aus zunächst in den Atlantik und bis nach Westindien vorstoßen, um sich dort mit der spanischen Flotte zu vereinen und die britische Flotte aus den europäischen Gewässern wegzulocken. Nach anfänglichen Erfolgen – es gelang Villeneuve im März 1805 der britischen Flotte auszuweichen – traf Villeneuve am 22. Juli 1805 am Kap Finisterre auf ein britisches Geschwader unter Sir Robert Calder. In der anschließenden Schlacht, an der Dumanoir als Kommandeur einer Division auf der Formidable teilnahm, errangen die Briten einen taktischen Erfolg. In der Folge entschied Villeneuve, dem Befehl Napoleons in die Biskaya und den Ärmelkanal zu segeln, ignorierend, vor der britischen Flotte Zuflucht im Hafen von Cádiz zu suchen, wo er allerdings in der Folge von der Royal Navy blockiert wurde. Die Invasion musste daraufhin wegen der mangelnden Seeherrschaft im Ärmelkanal abgesagt werden.

Schlacht von Trafalgar mini|295x295px|Grobübersicht der Bewegung der Geschwader während der Schlacht. Dumanoirs Schiff, die Formidable befindet sich an der Spitze des Franco-Spanischen Linie oben rechts im Bild.

Napoleon war extrem ungehalten über Villeneuves eigenmächtiges Handeln und schickte Vizeadmiral de Rosily, um diesen abzulösen. Als Villeneuve dies erfuhr, verließ er Cadiz mit dem Großteil seiner Flotte und traf am 21. Oktober 1805 bei Kap Trafalgar auf das britische Geschwader unter Lord Nelson. Seine Flotte bestand aus dreiunddreißig Linienschiffen, fünf Fregatten und zwei Briggs. Nelson konnte nur siebenundzwanzig Schiffe aufbieten, allerdings waren seine Schiffe stärker und besser bewaffnet, sodass kräftemäßig etwa gleiche Verhältnisse herrschten. In der nun folgenden Schlacht war Dumanoir wiederum an Bord der Formidable der Kommandeur der Vorhut.

Nach dem Angriff Nelsons auf das Zentrum der spanisch-französischen Flotte, signalisierte Villeneuve Dumanoir gegen 14:00 Uhr, dass die unter seinem Befehl stehenden Schiffe wenden und dem Zentrum zu Hilfe kommen sollten. Dumanoir reagierte jedoch erst mit einiger Verzögerung auf diesen Befehl. Warum er nicht sogleich wendete, ist unklar, möglicherweise konzentrierte er sich jedoch zu sehr auf die sich von Norden nähernde HMS Africa, die sich in Richtung Zentrum vorzuarbeiten versuchte. Nachdem Dumanoir vergeblich versuchte, die Spartiae und die Minotaur zu isolieren, drehte er nach Südwesten ab. Lediglich die Intrépide und die San Augustin folgten Villeneuves Befehl und näherten sich aus nördlicher Richtung dem Kampfgeschehen. Dabei wurden sie von mehreren britischen Schiffen, darunter die Britannia, die Agamemnon und die Leviathan, sofort unter Beschuss genommen, worauf sie sich nach einem einstündigen Kampf der Orion ergab.Roy Adkins: Nelson’s Trafalgar, The Battle that changed the World. Penguin Books, London 2004, ISBN 978-0-14-303795-8 (englisch). S. 518 ff. Gegen 16:30 Uhr hatte Admiral Gravina denjenigen Schiffen, die dazu in der Lage seien, signalisiert, sich zu versammeln und in Richtung Cadíz zurückzuziehen. Damit endete die Schlacht.Roy Adkins: Nelson’s Trafalgar, The Battle that changed the World. Penguin Books, London 2004, ISBN 978-0-14-303795-8 (englisch). S. 521.

Die übrigen vier Schiffe unter Dumanoirs Kommando, die Duguay-Trouin, die Formidable, die Mont-blanc und die Scipion, kreuzten in einiger Entfernung und zogen schließlich davon, ohne entscheidend an den Kampfhandlungen teilgenommen zu haben. Sie wurden aber bereits am 5. November in der Schlacht von Kap Ortegal von britischen Schiffen unter Richard Strachan gestellt, als Prisen genommen und nach Plymouth gebracht. Dumanoir selbst wurde verwundetHippolyte Sauvage: Le vice-amiral Pelley Dumanoir. Félix le Tual. Saint-Lo. 1912. und gefangen genommen.