Emilia Pérez ist ein Spielfilm von Jacques Audiard aus dem Jahr 2024. Der Film ist ein Musical-Thriller und handelt von einem mexikanischen Drogenbaron, der seine Vergangenheit hinter sich lassen und ein neues Leben als Frau beginnen möchte. Die Titelrolle übernahm die spanische transgeschlechtliche Schauspielerin Karla Sofía Gascón. mini|Die Emilia-Pérez-Darstellerinnen Selena Gomez, Karla Sofia Gascón, Adriana Paz und Zoe Saldaña beim Internationalen Filmfestival von Toronto 2024 Zum weiteren Schauspielensemble gehörten Zoe Saldaña, Selena Gomez, Adriana Paz und Édgar Ramírez. Die französische Studioproduktion, mit überwiegend spanischen Dialogen, wurde im Mai beim 77. Filmfestival von Cannes uraufgeführt und dort mehrfach preisgekrönt. Auch gewann Emilia Pérez fünf Europäische Filmpreise sowie vier Golden Globe Awards. Bei der Oscarverleihung 2025 folgten 13 Nominierungen, darunter in den Kategorien Bester Film, Beste Regie und als französischer Beitrag als Bester internationaler Film. Karla Sofía Gascón wurde als erste offen transgeschlechtliche Schauspielerin in einer regulären Darstellerkategorie berücksichtigt, nämlich als Beste Hauptdarstellerin. Gleichzeitig handelt es sich bei Emilia Pérez um den am häufigsten nominierten nicht-englischsprachigen Film in der Geschichte der Oscarverleihung.
Handlung
Mexiko-Stadt in der Gegenwart: Trotz moralischer Zweifel entwickelt die brillante, aber schlecht bezahlte Anwältin Rita eine erfolgreiche Verteidigung in einem aufsehenerregenden Mordprozess. Daraufhin wird der Angeklagte nicht des Mordes an seiner Ehefrau verurteilt, sondern entgegen allen Erwartungen freigesprochen. Unmittelbar nach Prozessende nimmt Manitas Del Monte mit Rita Kontakt auf. Der verheiratete Familienvater, Anführer eines gefährlichen Drogenkartells, träumt davon, sich heimlich einer geschlechtsangleichenden Operation zu unterziehen und ein neues, selbstständiges Leben als Frau zu beginnen. Die begleitende Hormontherapie hat er bereits vor zwei Jahren angefangen. Nach einer weltweiten Suche findet Rita in dem aus Tel Aviv stammenden Dr. Wasserman einen Chirurgen, der sich bereiterklärt, den Eingriff durchzuführen. Manitas täuscht daraufhin seinen Tod vor. Seine unwissende und um ihn trauernde Ehefrau Jessi sowie die beiden heranwachsenden Söhne werden von Rita ins schweizerische Lausanne gebracht, angeblich zur eigenen Sicherheit. Ritas Dienste werden mit 2 Millionen US-Dollar entlohnt.
Vier Jahre später wird Rita in London erneut von Manitas aufgesucht, der sich als Emilia Pérez eine neue Identität als Frau aufgebaut hat. Emilia bittet Rita darum, eine Familienzusammenführung in Mexiko zu arrangieren, da sie ihre Kinder sehr vermisst. Daraufhin übersiedeln Jessi und die beiden Söhne Angel und Diego in Emilias elegantes Anwesen auf einem Hügel bei Mexiko-Stadt. Emilia wird als Manitas’ Cousine vorgestellt, die Jessi bei der Erziehung der Kinder unterstützen möchte. Jessi erkennt in Emilia ihren früheren Ehemann Manitas nicht wieder und verhält sich disziplinlos. Sie nutzt den Aufenthalt in Mexiko, um wieder mit Gustavo anzubändeln, mit dem sie zuvor eine außereheliche Affäre unterhielt. Nur einer der schlaftrunkenen Söhne meint beim zu Bett bringen den Geruch des Vaters wiederzuerkennen, was Emilia sehr berührt.
Nach der Begegnung mit einer trauernden Mutter, die nach ihrem verschwundenen Sohn sucht, beschließt Emilia gemeinsam mit Rita die Nichtregierungsorganisation La Lucecita zu gründen. Reumütig nutzt sie ihre Verbindungen zu inhaftierten Kartellmitgliedern, um die Leichen von früheren Opfern zu identifizieren. Während einer Benefizgala wirbt sie mit Rita bei der korrupten Elite Mexikos um Spenden für die Hinterbliebenen. Dies macht Emilia landesweit bekannt. Auch geht sie eine Liebesbeziehung mit Epifanía ein, einer früher misshandelten Witwe eines Kartellopfers. Rita verzweifelt währenddessen über ihr Singledasein und ihre stockende Karriere und wird beim Ausgehen auf die Affäre zwischen Jessi und Gustavo aufmerksam. Jessi plant, Gustavo zu heiraten und mit ihren Kindern aufs Land zu ziehen, was sie Emilia anvertraut. Trotz derer Einschüchterungen und Drohgebärden flieht Jessi mit den Kindern des Nachts aus Mexiko-Stadt. Rita versucht daraufhin zu vermitteln.
Als Emilia entführt und Rita als Beweis drei abgeschnittene Finger von ihr übergeben werden, stellt sich heraus, dass die mittellosen Jessi und Gustavo die Drahtzieher sind. Beide fordern ein Lösegeld von 30 Millionen US-Dollar. Rita versucht, Emilia mit Hilfe einer bewaffneten Gruppe zu befreien. Bei der Übergabe des Lösegelds entwickelt sich ein Feuergefecht. Die gefesselte Emilia enthüllt Jessi schließlich ihre wahre Identität, indem sie intime Details aus ihrem Privatleben preisgibt. Verwirrt hilft Jessi Gustavo dabei, Emilia in den Kofferraum eines Autos zu sperren. Auf der gemeinsamen Flucht kommen alle drei bei einem Unfall ums Leben, nachdem Jessi vergeblich versucht hatte, Gustavo zu stoppen.
Die geschockte Rita übermittelt die Todesnachricht Jessis Kindern und erwägt die Vormundschaft zu übernehmen. Epifanía und andere Frauen marschieren mit einer Figur Emilias traurig durch die Straßen und erinnern singend an die Mildtätigkeit der verstorbenen NGO-Gründerin.
Entstehungsgeschichte Drehbuch und Vorproduktion mini|Regisseur Jacques Audiard (Mitte) und Cast-Mitglieder von Emilia Pérez bei einer Pressekonferenz der Filmfestspiele Cannes 2024
Emilia Pérez (teilweise auch als Emilia PerezJordan Ruimy: First Image of Jacques Audiard’s Trans-Mexican Druglord Musical ‘Emilia Perez’. In: worldofreel.com, 23. Dezember 2023 (abgerufen am 4. Januar 2024). oder unter den Arbeitstiteln In Search of Emilia PérezWill make the Mexican narco dance and sing. In: CE Noticias Financieras English, 11. April 2022 (abgerufen via lizenzpflichtiger Pressedatenbank Nexis Uni). bzw. En busca de Emilia Pérez geführtSelena Gomez and Zoe Saldana to shoot Narcos production in Mexico (what’s new about the musical comedy). In: CE Noticias Financieras English, 10. August 2022 (abgerufen via lizenzpflichtiger Pressedatenbank Nexis Uni).) ist der zehnte Spielfilm des vielfach preisgekrönten französischen Filmregisseurs und Drehbuchautors Jacques Audiard. Das Treatment basiert auf einer Idee Audiards und entstand in Zusammenarbeit mit seinem langjährigen Autorkollegen Thomas Bidegain (unter anderem The Sisters Brothers, Dämonen und Wunder, Der Geschmack von Rost und Knochen, Ein Prophet). Es wurde von einem Kapitel von Boris Razons Roman Écoute (2018) inspiriert. Das Werk handelt von einem Polizisten, der seinen Dienst in einem Abhörwagen verrichtet.Le directeur de la librairie chartraine, Olivier Lhostis, a fait son choix parmi les 567 nouveautés. In: L’Echo Républicain, 29. August 2018 (abgerufen via lizenzpflichtiger Pressedatenbank Nexis Uni). Audiard interessierte sich vor allem für eine in der Mitte des Buches auftauchende Nebenfigur – ein Transgender-Drogendealer, der von einer geschlechtsangleichenden Operation träumt. Da sich die Figur in den folgenden Kapiteln nicht weiterentwickelte, beschloss der Filmemacher eine eigene Geschichte um sie herum zu entwickeln.John Dilillo: Emilia Pérez Is a Musical Story of Rebirth. In: netflix.com, 13. November 2024 (abgerufen am 17. November 2024).
Das Filmprojekt wurde erstmals im Mai 2019 öffentlich bekannt. Audiard fasste es zum damaligen Zeitpunkt als „Geschichte eines Mannes, der sich einer Operation unterzieht, um eine Frau zu werden“ zusammen.Alex Vicente: Jacques Audiard revienta también los códigos del wéstern clásico “La fuerza y la virilidad son estupideces en estado puro”, asegura el director francés, que estrena ‘Los hermanos Sisters’, un desmitificador relato sobre la conquista del Oeste. In: El País, 6. Mai 2019, S. 32. Ursprünglich war die Realisierung von Emilia Pérez direkt nach dem englischsprachigen Western The Sisters Brothers (2018) geplant. Aufgrund der COVID-19-Pandemie zog Audiard das in Frankreich spielende Beziehungsdrama Wo in Paris die Sonne aufgeht (2021) vor. Für ihn erwies es sich als zu schwierig, in Pandemiezeiten eine Filmproduktion außerhalb Frankreichs zu organisieren.Eric Kohn: Language Is No Object for Jacques Audiard, Who Is Planning a New Musical Comedy in Spanish. In: indiewire.com, 13. April 2022 (abgerufen am 4. Januar 2024).
Ende Oktober 2021 reiste Audiard nach Mexiko, um die Drehorte zu fotografieren. Zum damaligen Zeitpunkt gab er an, dass die Drehbuchfassung den Grundzügen einer Oper folgen würde, einem „Libretto in vier Akten“. Er beschrieb das Projekt als „sehr komplex“, da bei Emilia Pérez ursprünglich Studioaufnahmen mit Außenaufnahmen kombiniert werden sollten. Auch hatte Audiard bereits Filmsongs geschrieben. Es sei „ein völlig neuer Film“ für ihn, so Audiard, der mit vielen Personen aus Filmstab und Besetzung das erste Mal zusammenarbeiten sollte. Auch plante er, Ende November 2021 erneut nach Mexiko zu reisen, um die Besetzung festzulegen.Gregorio Belinchón: [AN] Jacques Audiard. In: El País, 6. November 2021, S. 29. Im April 2022 wurde bekannt, dass statt seiner die französische Sängerin Camille die Songs für den Film schreiben sollte. Ursprünglich hatte der Filmemacher mit Nick Cave oder Tom Waits geliebäugelt. Audiard hatte in der Zwischenzeit nach Rücksprache mit einem befreundeten Musiker die Idee zu einer Filmoper aufgegeben, da sich dies als zu umständlich erwiesen hätte. In der Vorproduktion war der Regisseur unter anderem von der mexikanischen Regisseurin Elisa Miller unterstützt worden, Gewinnerin der Goldenen Palme 2007 für ihren Kurzfilm Ver Llover.
Besetzung der Hauptrollen Im Mai 2022 wurde auf dem Marché du film des Filmfestivals von Cannes bekannt, dass die spanische transgeschlechtliche Schauspielerin Karla Sofía Gascón die Titelrolle übernehmen sollte. Sie war unter anderem in der mexikanischen Serie Rebelde – Jung und rebellisch (2022) zu sehen gewesen. Die US-Amerikanerinnen Selena Gomez und Zoe Saldaña befanden sich ebenfalls in Vertragsverhandlungen für das Projekt. Emilia Pérez sollte ursprünglich von der Produktionsgesellschaft Library Pictures International finanziert werden, während sich CAA Media Finance um die Veräußerung der Filmrechte für Nordamerika kümmern wollte.Mike Fleming Jr.: ‘Emilia Perez’ Taking Shape As Jacques Audiard’s Next Pic: Spanish Actress Karla Sofia Gascón Set, Selena Gomez & Zoe Saldana In Talks. In: deadline.com (abgerufen am 4. Januar 2024).
Zoe Saldaña musste das Drehbuch eigenen Angaben zufolge mehr als einmal lesen, um die Geschichte zu verstehen und konnte dann nicht mehr aufhören, über den Plot nachzudenken. Emilia Pérez wurde ihr als „Film noir“ beschrieben, „der in keinem der herkömmlichen Genres wirklich existierte“, aber auch eine in einer Krimi-Welt angesiedelte Oper sei. Regisseur Audiard plante einen Großteil der Produktion um sie herum, um sicherzustellen, dass sie auch teilnehmen konnte. Er schätzte ihre Gesangs- und Tanzkünste und pries ihr Schauspiel als „auffallend charismatisch“, weshalb er ein Jahr auf Saldaña wartete. Die Schauspielerin gab nach Ende der Dreharbeiten an, dass sie in Audiards Film singe und tanze und zu ihren beruflichen Wurzeln zurückgekehrt sei, was sie als traumhaft empfand.Whitney Friedlander: Zoe Saldana is the ‘Lioness’ in charge. In: Los Angeles Times, 20. Juli 2023, Entertainment Desk, Part E, S. 1.
Selena Gomez war Regisseur Audiard durch ihre Rolle in Harmony Korines Spring Breakers (2012) in Erinnerung geblieben, doch wusste er kaum etwas über sie. Er traf sie eines Morgens in New York zum Gespräch. Nach zehn Minuten habe Audiard gewusst, dass nur Gomez für die Rolle der Jessi in Betracht kommen würde, was er ihr auch mitteilte. Gomez selbst habe dem Filmemacher nicht geglaubt. Als Audiard sie nach einem Jahr darüber benachrichtigte, dass Emilia Pérez in Produktion gehen würde, hatte sie angenommen, von Audiard längst vergessen worden zu sein.