Otto Ewald Ernst Mellies (* 19. Januar 1931 in Schlawe, Pommern; † 27. April 2020 in Zeuthen)„Zum Tod von Otto Mellies: Trauer in Zeuthen“, maz-online.de, 1. Mai 2020, abgerufen am 12. Mai 2020 war ein deutscher Schauspieler, Hörspielsprecher und Synchronsprecher.

Leben Otto Mellies wurde im Januar 1931 in Schlawe geboren. 1938 zog die Familie nach Stolp um. Sein älterer Bruder war Eberhard Mellies (1929–2019), der ebenfalls Schauspieler und Synchronsprecher war. Nach dem Einmarsch der Roten Armee im März 1945 begingen seine Mutter und seine Schwester Suizid. Seine Schwester nahm ihre Kinder mit in den Tod. Mellies überlebte nur durch Zufall und kam nach 1945 über Wismar und Freistatt nach Schwerin. In dieser Zeit arbeiteten er und sein Bruder unter anderem als Pferdepfleger für Soldaten der Roten Armee.Otto Mellies Biografie bei defa-stiftung.de; abgerufen am 28. April 2020.

Seit 1952 war Mellies mit der Sopranistin Luise Bergner verheiratet, die 2015 starb. Das Paar hatte eine Tochter und einen Sohn.

Otto Mellies, der seit den 1960er-Jahren in seinem Haus in Berlin-Bohnsdorf lebteTeil 36 der B.Z.-Serie über die Ortsteile der Hauptstadt. Heute: Grünau, Bohnsdorf, Alt-Glienicke. Hier lebt man ruhig wie auf dem Land, was manchen fast schon zu verschlafen ist Online-Ausgabe der B.Z. vom 18. November 2008., starb am 26. April 2020 im Alter von 89 Jahren. Er lebte zuletzt in einem Seniorenheim in Zeuthen.„MZ-Gespräch von 2017 Otto Mellies spricht über sein Leben – Erfolg und Tragik“, mz-web.de, 23. Dezember 2017, abgerufen am 12. Mai 2020

Karriere Mellies bestand im Sommer 1947 als 16-Jähriger die Aufnahmeprüfung an der Staatlichen Schauspielschule in Schwerin, besuchte diese von 1947 bis 1949 und wurde dort u. a. von Lucie Höflich ausgebildet, abgerufen am 27. Dezember 2021. Für den Spielzeitbeginn 1949 bekam er seinen ersten Vertrag für das Mecklenburgische Staatstheater Schwerin. Seine erste Bühnenrolle war die des Schülers in Goethes Faust. Danach spielte er in Neustrelitz, ab 1950 in Stralsund, später nochmals in Schwerin und von 1953 bis 1955 am Volkstheater Rostock. Später war Mellies noch in Erfurt engagiert. In Stralsund trat Mellies 1951 erstmals in Lessings Nathan der Weise in der Rolle des Tempelherrn am Stralsunder Theater auf.

1956 holte ihn Wolfgang Langhoff an das Deutsche Theater Berlin. Dem Ensemble dieses Hauses gehörte er 50 Jahre lang an. Er war unter anderem in Ibsens Peer Gynt, Sartres Die Fliegen und Strindbergs Die Gespenstersonate zu sehen. Wiederholt spielte er unter der Regie von Jürgen Gosch und Thomas Langhoff. Ab 1987 trat er dort insgesamt 325 Mal innerhalb von achtzehn Jahren als Nathan der Weise in der Inszenierung von Friedo Solter auf, in der auch Dieter Mann und Christine Schorn mitwirkten.

Seit 1955 war Mellies zudem als Filmschauspieler tätig. Sein Filmdebüt hatte er in einer kleineren Rolle als Werner Blume in der Filmkomödie Sommerliebe nach Gerhard Hardels Erzählung Eine kleine Sommerferienliebe. 1960 erhielt er für seine Rolle als junger Ferdinand in Martin Hellbergs Schiller-Verfilmung Kabale und Liebe (1959) den Heinrich-Greif-Preis I. Klasse verliehen. Hellberg besetzte ihn kurz darauf auch in seiner Lessing-Umsetzung Minna von Barnhelm oder Das Soldatenglück (1962), wo er an der Seite von Marita Böhme den Major von Tellheim gab. 1965 spielte er im Fernsehmehrteiler Dr. Schlüter die Titelrolle des karrierebesessenen Chemikers Dr. Martin Schlüter. In dem Zweiteiler Geheimkommando Spree (1968) bzw. der dreiteiligen Fortsetzung Geheime Spuren (1969) übernahm er die Rolle des Oberleutnant Bernd Rolland. In dem Fernsehschwank Drei reizende Schwestern: Ein Mann fürs Leben (1985) war Mellies als Alfons Persicke, Kai-Olaf und Bruno Meyer in drei verschiedenen Rollen zu sehen.Drei reizende Schwestern: Ein Mann für’s Leben Filmdatenblatt bei Das Erste. Abgerufen am 18. Januar 2015.

Nach der Wende in der DDR wurde Mellies weiterhin in Film- und Fernsehproduktionen besetzt. 1995 drehte er für die Sat.1-Produktion Natascha – Wettlauf mit dem Tod (1996) unter der Regie von Bernd Böhlich, wo er – in Anlehnung an den Arzt Ryke Geerd Hamer – den Dr. Glowalla verkörperte, der vor dem Krankenhaus verhaftet wird, als er den verzweifelten Eltern der krebskranken Natascha hilft, vor den von ihm gehassten Schulmedizinern zu flüchten. In Johannes Griesers Psychothriller Mord in bester Familie (2011) spielte er den reichen Sägewerkbesitzer Reinhard Lorenz, der seine verstrittenen Töchter Katrin (Katharina Böhm) und Manuela (Maja Maranow) zu seinem 80. Geburtstag einlädt. 2012 wurde er für seine Rolle in Andreas Dresens Familiendrama Halt auf freier Strecke als Vater, bei dessen Sohn Frank (Milan Peschel) ein inoperabler Hirntumor entdeckt wird, mit dem Deutschen Filmpreis als bester Nebendarsteller ausgezeichnet. Kilian Riedhof besetzte ihn als Rentner Rudolf an der Seite von Dieter Hallervorden in seinem Kinofilm Sein letztes Rennen (2013). In Roland Suso Richters Filmdrama Die Spiegel-Affäre (2014) war er als Konrad Adenauer in der Rolle des ersten deutschen Bundeskanzlers zu sehen. Von 1996 bis 2019 war er insgesamt sechs Mal in Episodenrollen der Fernsehkrimireihe Tatort zu sehen. In der im November 2019 erstausgestrahlten Folge Das Leben nach dem Tod des Ermittlerteams Rubin und Karow spielte er einen alten, verbitterten ehemaligen Richter der DDR, der jetzt, Jahrzehnte später, vermeintliche Gerechtigkeit übt. Sein filmisches Schaffen umfasst mehr als 120 Film-und-Fernsehproduktionen.

Von 2015 bis 2019 moderierte er als Nachfolger von Hans Teuscher die Sendung Abschied ist ein leises Wort des MDR, nachdem er bereits im Jahr 2013 für Teuscher als Moderator eingesprungen war.Abschied ist ein leises Wort auf fernsehserien.de; abgerufen am 20. Januar 2017.

Mellies sprach bis zuletzt zahlreiche Hörspiele und Hörbücher ein. Daneben arbeitete er auch als Synchronsprecher. Nach dem Tod von Gert Günther Hoffmann avancierte er zur Standardstimme von Paul Newman. Des Weiteren lieh er Schauspielern wie Christopher Lee, Michael Gambon, Sean Connery, Maximilian Schell, Omero Antonutti, Pierre Vaneck, James Cromwell und Raf Vallone seine Stimme.

Theater (Auswahl) 1955: Jean Baptiste Molière: Der eingebildete Kranke (Cléante) – Regie: Horst Bonnet (Städtische Bühnen Erfurt) 1955: Juri Burjakowski: Julius Fučik (Zdenek Vancura) – Regie: Hans Dieter Mäde (Städtische Bühnen Erfurt) 1956: Leonid Solowjow: Aufruhr in Buchara (Ausrufer) – Regie: Hans Dieter Mäde (Städtische Bühnen Erfurt) 1956: Bertolt Brecht: Der kaukasische Kreidekreis (Soldat/Simon) – Regie: Eugen Schaub (Städtische Bühnen Erfurt) 1957: Mary Chase: Mein Freund Harvey (Dr. Sanderson) – Regie: Wolfgang Thal (Deutsches Theater Berlin – Kammerspiele) 1957: William Shakespeare: König Lear (König von Frankreich) – Regie: Wolfgang Langhoff (Deutsches Theater Berlin) 1961: Günter Weisenborn Die Illegalen (Walter) – Regie: Ernst Kahler / Horst Drinda (Deutsches Theater Berlin – Kammerspiele) 1962: Friedrich Schiller: Wilhelm Tell (Baumgarten) – Regie: Wolfgang Langhoff (Deutsches Theater Berlin) 1962: Peter Hacks: Die Sorgen und die Macht (Max Fidorra) – Regie: Wolfgang Langhoff (Deutsches Theater Berlin) 1963: Sean O’Casey: Rote Rosen für mich (Ayamonn) – Regie: Ernst Kahler (Deutsches Theater Berlin) 1963: Johann Wolfgang von Goethe: Iphigenie auf Tauris (Pylades) – Regie: Wolfgang Langhoff (Deutsches Theater Berlin) 1965: Vercors: Zoo oder der menschenfreundliche Mörder – Regie: Bojan Danowski (Deutsches Theater Berlin – Kammerspiele) 1971: Arnold Wesker: Goldene Städte (Minister) – Regie: Hans-Georg Simmgen (Deutsches Theater Berlin) 1973: Ignati Dworetzki: Der Mann von draußen (Stellvertretender Leiter) – Regie: Adolf Dresen (Deutsches Theater Berlin) 1974: Johann Wolfgang von Goethe: Die Geschichte Gottfriedens von Berlichingen mit der eisernen Hand (Selbitz) – Regie: Horst Schönemann (Deutsches Theater Berlin) 1975: Henrik Ibsen: Ein Volksfeind (Stadthauptmann) – Regie: Klaus Erforth / Alexander Stillmark (Deutsches Theater Berlin – Kammerspiele) 1976: Wassili Schukschin: Der Standpunkt (Zaubermann) – Regie: Wolfgang Heinz (Deutsches Theater Berlin) 1977: Heinrich von Kleist: Michael Kohlhaas – Regie: Adolf Dresen (Deutsches Theater Berlin) 1978: Benito Wogatzki: Viola vor dem Tor (Düring) – Regie: Klaus Gendries (Theater im Palast Berlin) 1978: Dario Fo: Zufälliger Tod eines Anarchisten (Polizeipräsident) – Regie: Dieter Mann (Deutsches Theater Berlin – Kammerspiele) 1980: Peter Hacks: Senecas Tod (Flavus) – Regie: Cox Habbema (Deutsches Theater Berlin) 1980: William Shakespeare: Ein Sommernachtstraum (Theseus) – Regie: Alexander Lang (Deutsches Theater Berlin) 1980: Helmut Bez: Jutta oder die Kinder von Damutz (Melchior) – Regie: Friedo Solter (Deutsches Theater Berlin im Plenarsaal der Akademie der Künste) 1981: Jean-Claude Grumberg: Dreyfus (Arnold) – Regie: Ulrich Engelmann (Deutsches Theater Berlin im bat-Studiotheater) 1984: Friedrich Schiller: Wallenstein (Buttler) – Regie: Friedo Solter (Deutsches Theater Berlin) 1985: Johannes R. Becher: Winterschlacht (SS-Obergruppenführer) – Regie: Alexander Lang (Deutsches Theater Berlin) 1986: Hermann Sudermann: Der Sturmgeselle Sokrates (Baron) – Regie: Thomas Langhoff (Deutsches Theater Berlin – Kammerspiele) 1990: Maxim Gorki: Nachtasyl (Pilger Luka) – Regie: Friedo Solter (Deutsches Theater Berlin)

Deutsches Theater König Ödipus von Sophokles – Regie: Alexander Lang Nathan der Weise – Regie: Friedo Solter Jubiläum – Regie: Thomas Langhoff Der Besuch der alten Dame – Regie: Thomas Langhoff Alte Meister – Regie: Friedo Solter Die Dreigroschenoper – Regie: Alexander Lang Der Widerspenstigen Zähmung – Regie: Johanna Schall Der hat uns noch gefehlt! von Lope de Vega – Regie: Katja Paryla Das Friedensfest von Gerhart Hauptmann – Regie: Jürgen Gosch Kanzlist Krehler von Georg Kaiser – Regie: Silvain Maurice Der rote Hahn von Gerhart Hauptmann – Regie: Horst Lebinsky Der Wald von Alexander Nikolajewitsch Ostrowski – Regie: Thomas Langhoff Egmont – Regie: Friedo Solter

Filmografie (Auswahl) Film und Fernsehen

Synchronsprecher Christopher Lee 2001: Der Herr der Ringe: Die Gefährten … als Saruman 2002: Der Herr der Ringe: Die zwei Türme … als Saruman 2003: Der Herr der Ringe: Die Rückkehr des Königs … als Saruman 2004: Die purpurnen Flüsse 2 – Die Engel der Apokalypse … als Heinrich von Garten 2005: Charlie und die Schokoladenfabrik … als Dr. Wilbur Wonka 2005: Corpse Bride – Hochzeit mit einer Leiche … als Pastor Galswell 2007: Der Goldene Kompass … als Hoher Rat des Magisteriums 2008: The Color of Magic – Die Reise des Zauberers … als Tod 2009: Triage … als Joaquín Morales 2010: Burke & Hare … als alter Joseph 2010: Alice im Wunderland … als Jabberwocky 2011: Der letzte Tempelritter … als Kardinal d’Ambroise 2012: Der Hobbit: Eine unerwartete Reise … als Saruman 2014: Der Hobbit: Die Schlacht der Fünf Heere … als Saruman

Michael Gambon 1996: Die Bibel – Samson und Delila … als König Hanun 1999: Sleepy Hollow … als Baltus van Tassel 2001: Gosford Park … als William McCordle 2003: Open Range – Weites Land … als Denton Baxter 2004: Being Julia … als Jimmie Langton 2006: Das Omen … als Carl Bugenhagen 2008: Wiedersehen mit Brideshead … als Lord Marchmain 2010: The Book of Eli … als George 2010: The King’s Speech … als König George V. 2011: Doctor Who als Kazran Sardick (alt) (Special „A Christmas Carol“) 2015: Fortitude (Fernsehserie) … als Henry Tyson 2017: Victoria & Abdul … als Lord Salisbury 2018: Ein letzter Job … als Billy “The Fish” Lincoln

Frank Langella 1999: Die neun Pforten … als Boris Balkan 2001: Sweet November … als Edgar Price 2006: Superman Returns … als Perry White 2008: Frost/Nixon … als Richard Nixon 2010: Wall Street: Geld schläft nicht … als Louis Zabel

Paul Newman 1998: Im Zwielicht … als Harry Ross