mini|hochkant|Bibiana Zeller bei der Romyverleihung 2010 Bibiana Zeller (* 25. Februar 1928 in Mauer bei Wien; † 16. Juli 2023 in Wien als Bibiana Stark) war eine österreichische Schauspielerin. Einem breiteren Publikum war das langjährige Ensemblemitglied des Wiener Burgtheaters als Frau Ilse Kottan in der satirischen Krimiserie Kottan ermittelt bekannt.
Leben BibianaIhr Name wird oft irrtümlich Bibiane geschrieben, siehe z. B.:
Zeller lebte mit ihren Eltern am Wiener Rudolfsplatz. Nach dem Gymnasium absolvierte sie eine Schauspielausbildung am heutigen Franz Schubert Konservatorium.Absolventen. In: Website des Franz Schubert Konservatoriums, ohne Datum, abgerufen am 26. November 2023. Weil sie den Zweiten Weltkrieg unter der nationalsozialistischen Herrschaft so grausam gefunden habe, sei sie aus einer „Flucht aus der Realität“ Schauspielerin geworden. Am 7. Februar 1948 trat sie im Volksbildungshaus Margareten in Hans Weigels Barabbas auf. Als sie im Mai 1948 im Studio junger Schauspieler gastierte, urteilte die Presse: „Vom Ensemble fiel hier lediglich Bibiana Zeller in einer ausgezeichneten Studie auf.“ Kurz darauf nahm man sie als „Schauspieler[in] von beachtlichem Können“ wahr.
1951 begann sie ihre schauspielerische Laufbahn mit einem Engagement am Theater in der Josefstadt. Ab 1952 arbeitete sie in einigen deutschen Großstädten, wobei sie immer wieder zu Gastspielen in die Josefstadt zurückkam.Zeller Bibiana Kammerschauspielerin. Kurzbiographie im Who is Who in Österreich. (Memento vom 30. Dezember 2012 in archive.today.) Ab 1956 arbeitete sie für fünfzehn Jahre als freie Schauspielerin, war im Ensemble von Herbert Wochinz im Theater am Fleischmarkt und bei den Komödienspielen in Spittal an der Drau. Außerdem war sie dem Theater am Kurfürstendamm in Berlin, der Komödie in Stuttgart und dem Theater Bonn eng verbunden. 1972 folgte dann ihr Wechsel ins Ensemble des Wiener Burgtheaters, dem sie bis zu ihrer Pensionierung 1999 angehörte; bis 2012 spielte sie jedoch noch einige Rollen am Burgtheater.
Sie wirkte ab Anfang der 1950er Jahre in zahlreichen Filmen, Fernsehspielen, Verfilmungen von Theaterstoff und in Fernsehserien mit, darunter in Carl Merz’ Passion eines Politikers (Regie Otto Anton Eder), in der sie die weibliche Hauptrolle Melanie, Gattin des Nationalrats Bröschl (Helmut Qualtinger), spielte. Einer breiteren Öffentlichkeit bekannt wurde sie in Helmut Zenkers Kult-Krimiserie Kottan ermittelt (Regie Peter Patzak), in der sie als Ilse Kottan brillierte. In Julia – Eine ungewöhnliche Frau spielte sie 1999 und 2000 die Rolle der Hertha Mähr und von 2008 bis 2011 die Hilde Horrowitz in der Fernsehserie Oben ohne. Weitere bekanntere Kino- und Fernsehfilme mit ihrer Mitwirkung waren Wanted (Harald Sicheritz) und Zuckeroma (Xaver Schwarzenberger). In Live is Life – Die Spätzünder (Wolfgang Murnberger) stellte sie ein Mitglied einer Rentner-Rock-Band dar. Mit Kottan ermittelt: Rien ne va plus spielte sie in dem Kinofilm von Jan Zenker (Drehbuch; Sohn von Helmut Zenker) und Peter Patzak (Regie) noch einmal Kottans Ehefrau.
Bei den Salzburger Festspielen stand Bibiana Zeller 2005 als Jedermanns Mutter auf der Bühne am Domplatz. Sie beeindruckte in vielen Rollenfächern, vor allem aber als Darstellerin von leicht skurrilen Frauentypen. Im Jahr 2000 wurde sie von der Ö1-Hörspieljury mit dem ORF-Hörspielpreis als Schauspielerin des Jahres ausgezeichnet.
Am 16. Juli 2023 starb Zeller im Alter von 95 Jahren und wurde am 11. August am Wiener Zentralfriedhof in einem Ehrengrab der Stadt Wien (Gruppe 33 G, Nummer 23) beigesetzt.
Familie Bibiana Zeller war in zweiter Ehe mit ihrem Schauspielkollegen Eugen Stark (1936–2021) verheiratet, dessen Familiennamen sie annahm. Aus ihrer ersten Ehe mit dem Regisseur Otto Anton Eder hatte sie zwei Söhne. Einer davon ist der Kameramann Fabian Eder, der mit der Schauspielerin Katharina Stemberger verheiratet ist.
Zitate Der Standard: Renate Graber: Anders gefragt: „Ganz Nette haben am Theater nichts verloren“. Interview in: Der Standard, Printausgabe 30. April 2010, abgerufen am 26. November 2023.
Der Standard:
Filmografie 1958: Die Conways und die Zeit – Regie: Theodor Grädler 1962: Der fidele Bauer – Regie: Kurt Wilhelm 1962: Parlez-vous français? – Regie: Franz Reichert 1965: Die verhängnisvolle Faschingsnacht – Regie: Karl Stanzl, Heinrich Schnitzler 1966: Minister gesucht – Regie: Rolf von Sydow 1966: Das Märchen – Regie: Theodor Grädler 1967: Ein Monat auf dem Lande – Regie: Wolfgang Glück 1967: Das Veilchen – Regie: Wolfgang Lesowsky, Hermann Kutscher 1968: Ein Sommernachtstraum – Regie: William Dieterle 1968: Frühere Verhältnisse – Regie: Gerhard Klingenberg 1969: Kampl – Regie: Hellmuth Matiasek 1969: Schwester Bonaventura – Regie: Hermann Kutscher 1969: Smeraldina – Regie: Otto Anton Eder 1970: Zug fährt Wiental – Regie: Günter Gräwert 1970: Das weite Land – Regie: Peter Beauvais 1970: Passion eines Politikers – Regie: Otto Anton Eder 1970: Blaues Wild – Regie: Peter Schulze-Rohr 1970: Die Prinzessin und der Schweinehirt – Regie: Florian Lepuschitz 1971: Wiener Totentanz – Regie: Walter Davy 1972: Die Abenteuer des braven Soldaten Schwejk (vier Folgen) – Regie: Wolfgang Liebeneiner 1972: Der Illegale (Dreiteiler) – Regie: Günter Gräwert 1972: Elisabeth Kaiserin von Österreich – Regie: Willy Fritsch 1972: Tatort – Die Samtfalle 1973: Kain – Regie: Dietmar Schönherr 1973: Hallo – Hotel Sacher … Portier! – Der Filmstar – Regie: Hermann Kugelstadt 1973: Ein junger Mann aus dem Innviertel – Regie: Axel Corti 1976: Tatort: Annoncen-Mord – Regie: Peter Weck 1976–1983: Kottan ermittelt – Regie: Peter Patzak 1978: Vor Gericht seh’n wir uns wieder – Regie: Peter Weck 1980: Die Einfälle der heiligen Klara – Regie: Vojtěch Jasný 1986: Der Leihopa – … und er singt so schön! – Regie: Otto Anton Eder 1988: Der Vorhang fällt – Regie: Walter Davy 1992: Duett – Regie: Xaver Schwarzenberger 1992: Ferien mit Silvester – Regie: Bernd Neuburger 1993: Die skandalösen Frauen – Regie: Xaver Schwarzenberger 1994: Die Knickerbocker-Bande: Das sprechende Grab – Regie: Marijan David Vajda 1995: Zum Glück gibt’s meine Frau – Regie: Xaver Schwarzenberger 1997: Qualtingers Wien – Regie: Harald Sicheritz 1997: Lamorte – Regie: Xaver Schwarzenberger 1998: Wie eine schwarze Möwe – Regie: Nobert Beilharz 1999: Fink fährt ab – Regie: Harald Sicheritz 1999–2000: Julia – Eine ungewöhnliche Frau (26 Folgen) 1999–2001: MA 2412 (sieben Folgen) – Regie: Harald Sicheritz 2001: Jetzt bringen wir unsere Männer um – Regie: Holger C. Gotha 2002: Der Bulle von Tölz: Salzburger Nockerl – Regie: Werner Masten 2002: Taxi für eine Leiche – Regie: Wolfgang Murnberger 2004: Zuckeroma – Regie: Xaver Schwarzenberger 2006: Feine Dame – Regie: Xaver Schwarzenberger 2007: Vier Frauen und ein Todesfall (zwei Folgen) – Regie: Claudia Jüptner 2007: Hilfe! Hochzeit! – Die schlimmste Woche meines Lebens (fünf Folgen) – Regie: Isabel Kleefeld 2008: SOKO Kitzbühel – Schatting – Regie: Fabian Eder 2008: Polly Adler – Die Asche ihrer Mutter – Regie: Peter Gersina 2008: Meine liebe Familie (zwei Folgen) – Regie: Dagmar Damek 2008: Lilly Schönauer – Für immer und einen Tag – Regie: Holger Barthel 2008–2011: Oben ohne (Folgen 11–26) – Regie: Reinhard Schwabenitzky 2009: Tatort: Altlasten 2010: Die Spätzünder – Regie: Wolfgang Murnberger 2010: Oh Shit! – Regie: Christoph Schrewe 2010: Lüg weiter, Liebling – Regie: Gabriela Zerhau 2011: Adel Dich 2011: Der Wettbewerb 2012: Hochzeiten – Regie: Nikolai Müllerschön 2012: Braunschlag – Regie: David Schalko 2012: Die Jagd nach dem Bernsteinzimmer – Regie: Florian Baxmeyer 2012: Obendrüber, da schneit es – Regie: Vivian Naefe 2012: Die letzte Fahrt 2012: Pastewka (Der Trip Teil 2) 2013: Alles Schwindel (Fernsehfilm) 2013: Flaschenpost an meinen Mann 2013: Just Married – Hochzeiten zwei 2013: Die Spätzünder 2 – Der Himmel soll warten – Regie: Wolfgang Murnberger 2014: Um Himmels Willen – Das Wunder von Fatima – Regie: Dennis Satin
Kino 1952: Abenteuer im Schloss – Regie: Rudolf Steinboeck 1954: Die Hexe – Regie: Gustav Ucicky 1981: Den Tüchtigen gehört die Welt – Regie: Peter Patzak 1995: Die Ameisenstraße – Regie: Michael Glawogger 1997: Der Unfisch – Regie: Robert Dornhelm 1999: Wanted – Regie: Harald Sicheritz 2001: Ene mene muh – und tot bist du – Regie: Houchang Allahyari 2010: Kottan ermittelt: Rien ne va plus – Regie: Peter Patzak 2011: Wie man leben soll – Regie: David Schalko 2012: Das Pferd auf dem Balkon – Regie: Hüseyin Tabak 2015: Gespensterjäger – Auf eisiger Spur – Regie: Tobi Baumann 2016: Die Blumen von gestern – Regie: Chris Kraus
Theater (Auswahl) 1965: Ein Sommernachtstraum (Regie: William Dieterle) Festspiele Bad Hersfeld 1982: Es fing ein Knab’ ein Vögelein (Regie: Susanne Zanke) – Burgtheater Wien 1988: Heldenplatz (Regie: Claus Peymann) – Burgtheater Wien 2001: Glaube und Heimat (Autor: Karl Schönherr) – Burgtheater Wien 2003: Elisabeth II. (Regie: Thomas Langhoff) – Burgtheater Wien 2006: Jedermann (als Jedermanns Mutter) – Salzburger Festspiele
Hörbücher 2017: Lewis Carroll: Alice Im Wunderland und hinter den Spiegeln, Hierax Medien, ISBN 978-3-86352-116-5
Hörspiele 2008: Marie von Ebner-Eschenbach: Das Gemeindekind (Mutter) – Regie: Götz Fritsch (Hörspiel – ORF/MDR) 2009: Jürg Amann: Im Zug der Zeit – Regie: Götz Fritsch (Hörspiel – ORF)
Auszeichnungen Goldenes Ehrenzeichen für Verdienste um die Republik Österreich – Daten zur Person: Auszeichnung. Abgerufen am 26. November 2023. 1988: Großes Goldenes Ehrenzeichen für Verdienste um das Land Wien. Ehemaliges Agenturprofil auf der Website der Agentur Kelterborn.Laut in Daten zur Person: Auszeichnung handelt es sich um die . Abgerufen am 26. November 2023. 1998: KammerschauspielerinBericht 1997/98 des Österreichischen Bundestheaterverbandes auf der Website des österreichischen Parlaments (PDF; 34,8 MB), S. 152: 2000: ORF-Hörspielpreis als Schauspielerin des Jahres 2004: Österreichisches Ehrenkreuz für Wissenschaft u. Kunst I. KlasseAufstellung (aller) durch den Bundespräsidenten verliehenen Ehrenzeichen für Verdienste um die Republik Österreich ab 1952 bis 2012 (PDF; 6,9 MB), S. 1650.
2004: Goldene Olive, International Festival in Bar (Montenegro) als Beste Schauspielerin 2010: Romy als Beliebteste Schauspielerin 2011: Preis der Freunde der Filmakademie WienKarlheinz Töchterle gratuliert Schauspielerin Bibiane Zeller und Regisseur Hüseyin Tabak. In: APA-OTS. Presseaussendung des Bundesministeriums für Wissenschaft und Forschung, 17. Juni 2011, abgerufen am 26. November 2023.
Literatur Bibiana Zeller, Marina C. Watteck: Bitte lasst mich mitspielen! – Erinnerungen. Amalthea, Wien 2015, ISBN 978-3-85002-909-4.Angelika Hager: Das ewige Mädchen: Bibiana Zellers ergreifende Memoiren. In: profil. 21. März 2015, abgerufen am 26. November 2023. Christine Dobretsberger: Was ich liebe, gibt mir Kraft. Bühnenstars aus Oper und Theater erzählen. U. a. mit einem Interview mit Bibiana Zeller. Styria Premium, Wien 2015, ISBN 978-3-222-13517-0. Christine Dobretsberger: „Älterwerden ist etwas Wunderbares“. In: Die Presse. 24. Oktober 2014.
Weblinks
. Ehemaliges Agenturprofil auf der Website der Agentur Kelterborn. Renate Graber: Anders gefragt: „Ganz Nette haben am Theater nichts verloren“. Interview in: Der Standard, Printausgabe 30. April 2010. Georg Leyrer, Dieter Chmelar: Schauspielerin Bibiana Zeller gestorben: Sie war weit mehr als „Frau Kottan“. Die Darstellerin wurde 95 Jahre alt. In: Kurier, 17. Juli 2023. Trauer um Bibiana Zeller (1928 – 2023). Nachruf auf der Website des Burgtheaters, Juli 2023. Bibiana Zeller – 25.02.1928, 16.07.2023. Der Vorhang ist gefallen. Das Spiel kann beginnen. Gedenkseite mit Parte auf dem Trauerportal der Bestattung Wien.
Einzelnachweise
Anmerkungen
Kategorie:Kammerschauspieler Kategorie:Burgschauspieler