Lolita lesen in Teheran (Originaltitel Reading Lolita in Tehran) ist ein Filmdrama von Eran Riklis. Es erzählt die Geschichte einer Literaturdozentin im postrevolutionären Teheran, gespielt von Golshifteh Farahani, die mit sieben ihrer Studentinnen eine Art Buchclub gründet, in dem sie im Iran verbotene westliche Klassiker lesen. Die israelisch-italienische Koproduktion basiert auf den gleichnamigen Memoiren von Azar Nafisi und feierte im November 2024 beim Tallinn Black Nights Film Festival ihre internationale Premiere. Der Kinostart des Films in Italien war am 21. November 2024. In Israel war er am 20. Februar 2025. In Deutschland startete der Film am 20. November 2025.

Handlung Nachdem Azar Nafisi in Oklahoma englische und amerikanische Literatur studiert und einen Bachelor- und Masterabschluss gemacht hat, kehrt sie im Sommer 1979 gemeinsam mit ihrem zweiten Ehemann, dem Bauingenieur Bijan Naderi, kurz vor Beginn der Islamischen Revolution zurück in den Iran. Nafisi hatte sich in den USA in der iranischen Studentenbewegung engagiert und ist überzeugt, dass sie einen Beitrag zur Revolution leisten kann, die bisher den Schah gestürzt hat. Sie entscheidet sich für eine Lehrtätigkeit an der Allameh-Tabataba'i-Universität, weil sie glaubt, sich so den von Tag zu Tag härter werdenden Auflagen der Regierung widersetzen zu können. Nafisi erkennt, dass sie irrt, als eines Tages nach Studentenprotesten eine ihrer 17-jährigen Studentinnen verhaftet, eingesperrt und anschließend hingerichtet wird.

Im Jahr 1995 gibt Nafisi ihre Lehrtätigkeit auf, unter anderem weil sie an der Universität den vorgeschriebenen Hijab nicht tragen wollte. Sie lädt sieben ihrer besten Studentinnen zu Vorlesungen und Debatten ein, die jeden Donnerstagmorgen in ihrem eigenen Haus stattfinden. Gemeinsam analysieren und studieren sie westliche Klassiker, die vom Regime verboten wurden, darunter Daisy Miller von Henry James, Der große Gatsby von F. Scott Fitzgerald und Lolita von Vladimir Nabokov.Camillo De Marco: Review: 'Reading Lolita in Tehran'. In: cineuropa.org, 21. November 2024.Wendy Ide: 'Reading Lolita In Tehran': Tallinn Review. In: screendaily.com, 13. November 2024.

Der Schlussteil des Films zeigt Nafisi mit ihrer Familie nach ihrer Emigration nach Washington, D.C.

Produktion Literarische Vorlage mini|hochkant=0.65|Der Film basiert auf den Memoiren von Azar Nafisi Der Film basiert auf den Memoiren der iranisch-US-amerikanischen Schriftstellerin Azar Nafisi mit dem Titel Reading Lolita in Tehran.Melanie Goodfellow, Andreas Wiseman, Zac Ntim und Max Goldbart: From 'Megalopolis' To 'Maria', 'Furiosa: A Mad Max Saga' To 'Joker: Folie A Deux': 63 Movies From Around The World That Could Light Up Film Festivals In 2024. In: deadline.com, 2. Januar 2024. Der titelgebende Roman Lolita von Vladimir Nabokov erzählt die Geschichte von einem Mann mittleren Alters, der eine sexuelle Beziehung mit einem 12-jährigen pubertierenden Mädchen eingeht. In ihrem Buch geht Nafisi der Frage nach, welche Literatur heroisch und welche böse ist. Sie erlebte zwischen 1978 und 1981 die Kulturrevolution im Iran, erzählt in ihren Memoiren von ihrer Lehrtätigkeit an der Universität Teheran, wo sie sich weigerte, sich zu verschleiern, was ihren Ausschluss von der Universität zufolge hatte.

Im Jahr 1997 verließ Nafisi das Land und emigrierte mit ihrer Familie in die USA. Im selben Jahr nahm sie eine Professur an der School of Advanced International Studies an, wo sie bis heute unterrichtet.

Regie, Drehbuch und Filmförderung

mini|hochkant=0.7|links|Regisseur Eran Riklis Regie führte Eran Riklis. Der israelische Regisseur wurde besonders für Filme wie Die syrische Braut, Lemon Tree und Mein Herz tanzt bekannt.Nick Vivarelli: 'Reading Lolita in Tehran' Sees Israel-Iran Filmmaking Collaboration Bear Fruit Amid Escalating Conflict: 'Hate Will Not Work'. In: Variety, 28. Oktober 2024. Für letzteren Film adaptierte er zwei autobiografische Romane von Sayed Kashua, Tanzende Araber und Zweite Person Singular.https://www.kunstinfo.net/damfiles/default/kunstinfo/film/kirche_und_kino/staffel_2016_2017/Materialien/mein-herz-tanzt-6ade461075de6bd7f29e4362205b990f.pdf Riklis hatte Nafisis Memoiren im Jahr 2009 gelesen und einige Jahre später zwecks deren Verfilmung mit ihr Kontakt aufgenommen. Als er sie fragte, ob er als israelischer Regisseur ihre Geschichte erzählen könne, sagte sie ja. Zu dem Umstand, dass er als Mann bei einem Film, in dem es um starke Frauen geht, Regie führte, sagte Riklis: „Letztendlich geht es nicht darum, dass ich die Geschichte einer Frau erzähle; es geht darum, dass Frauen ihre eigene Geschichte erzählen, und ich bin nur da, um dabei zu helfen, diese einzufangen.“

Das auf Nafisis Memoiren basierende Drehbuch schrieb letztlich Marjorie David. Zu früheren Arbeiten der US-Amerikanerin gehören Shy People – Bedrohliches Schweigen von Andrei Kontschalowski aus dem Jahr 1987 und eine Reihe von Fernsehfilmen und -serien. Für Lolita lesen in Teheran übernahm sie die vierteilige Struktur der Buchvorlage, ordnete die Abschnitte jedoch chronologisch über zwei Jahrzehnte von der Machtübernahme Khomenis 1979 bis Ende der 1990er Jahre. So beginnt der Film anders als im Buch im Sommer 1979, als Azar Nafisi mit ihrem Ehemann nach Teheran zurückkehrt. Der Film ist in vier Kapitel unterteilt, beginnend mit „Der große Gatsby“, das nach Nafisis Rückkehr nach Teheran spielt, gefolgt von „Lolita“, nachdem sie die Universität verlassen hat, und „Daisy Miller“ und „Stolz und Vorurteil“ und springt dabei immer wieder von der Romanfantasie in die Realität.

Der Film wurde mit über 2 Millionen Euro von der Direzione Generale Cinema e Audiovisivo des italienischen Kulturministeriums gefördert.

Besetzung und Synchronisation Die Besetzung des Films besteht aus Schauspielern, die alle im Exil leben und im Iran „non grata“ sind. In den Hauptrollen sind Golshifteh Farahani, bekannt aus Paterson, als die gerade in den Iran zurückgekehrte Azar Nafisi und Zar Amir Ebrahimi, bekannt aus Holy Spider, als Sanaz, die den Protest der Frauen wie sie unterstützt, zu sehen. Reza Diako spielt Nafisis Studenten Bahri. Zu ihnen gesellen sich Raha Rahbari, Isabella Nefar, Bahar Beihaghi, Mina Kavani, Lara Wolf und Catayoune Ahmadi.

Die deutsche Synchronisation entstand nach einem Dialogbuch und der Dialogregie von Beate Klöckner im Auftrag der TaunusFilm Synchron GmbH in Berlin.https://www.synchronkartei.de/film/62214 mini|hochkant=0.7|Die Iranerin Golshifteh Farahani spielt Azar Nafisi Darsteller Synchronsprecher RolleGolshifteh FarahaniSanam AfrashtehAzar Nafisi Lara WolfAnne HelmAzin Reza DiakoPatrick RocheBahri Arash MarandiArash MarandiBijan Nafisi Hamid KarimiPeter Lewys PrestonGhomi Raha RahbariRana FarahaniManna Ash GoldehTim SchwarzmaierNima Sina ParvanehNico SablikNiyazi Zar Amir EbrahimiJanin StenzelSanaz Isabella NefarClara DrewsYassi

Dreharbeiten und Filmmusik Die Dreharbeiten fanden in Italien statt. Als Kamerafrau fungierte Hélène Louvart. Der Regisseur und Louvart hatten sich gemeinsam dafür entschieden, dass die Kamera wie eine weitere Figur im Raum sein sollte, insbesondere in den Szenen mit den Frauen: „Sie war Teil ihrer Welt“, so Riklis. Sie nutzten die so entstandenen Nahaufnahmen, um das Publikum in die Geschichte hineinzuziehen und eine Intimität mit den Figuren herzustellen.

Die Filmmusik komponierte Jonathan Riklis, der Sohn des Regisseurs. Mit ihm arbeitete er bereits für Mein Herz tanzt zusammen. Das Soundtrack-Album mit insgesamt 28 Musikstücken wurde im Mai 2025 von D-Music als Download veröffentlicht.'Reading Lolita in Tehran' Soundtrack Album Released. In: filmmusicreporter.com, 19. Mai 2025.

Veröffentlichung Die Premiere war am 19. Oktober 2024 beim Rome Film Fest.Rome Film Fest, FS Audience Award to 'Reading Lolita in Tehran'. In: fsitaliane.it, 26. Oktober 2024. Die internationale Premiere des Films fand am 16. November 2024 beim Tallinn Black Nights Film Festival statt.Paul Heath: First four competition titles announced for the 2024 Tallinn Black Nights Film Festival (PÖFF). In: thehollywoodnews.com, 26. September 2024. Der Kinostart in Italien war am 21. November 2024. Im Januar 2025 wurde Reading beim Palm Springs International Film Festival gezeigt.Reading Lolita in Tehran. In: psfilmfest.org. Abgerufen am 30. November 2024. In Israel ist der Kinostart am 20. Februar 2025 geplant. Im April 2025 erfolgten Vorstellungen beim Miami Film Festival.Reading Lolita in Tehran. In: miamifilmfestival.com. Abgerufen am 6. März 2025. Ende Juni 2025 wurde er beim Nantucket Film Festival gezeigt.Reading Lolita in Tehran. In: nantucketfilmfestival.org. Abgerufen am 24. April 2025. Der Deutschschweizer Kinostart des Films war am 3. Juli 2025.Reading Lolita in Tehran. In: outnow.ch. Abgerufen am 20. Juli 2025. Im September 2025 wurde der Film bei der Filmkunstmesse Leipzig gezeigt.25. Filmkunstmesse Leipzig 2025 – Die Filme. In: mcusercontent.com. Abgerufen am 12. August 2025. (PDF; 60 KB) Am 20. November 2025 kam er in die deutschen und am 10. Juli 2026 in die US-amerikanischen Kinos.

Rezeption Kritiken Von den bei Rotten Tomatoes aufgeführten Kritiken sind 88 Prozent positiv.Reading Lolita in Tehran. In: Rotten Tomatoes. Abgerufen am 11. Juli 2026.

Corinna Götz erklärt in ihrer Kritik, das zurückhaltende Spiel der Darstellerinnen, die größtenteils Exil-Iranerinnen sind, sei nicht zuletzt deshalb so ergreifend, weil es subtil vermittelt, dass ihnen das, was ihre Figuren erlebt haben, nur allzu vertraut ist, dass sie Verhöre durch die Sittenpolizei oder deren gewaltsame Machtdemonstrationen mitunter selbst erlitten haben. Die großartige Golshifteh Farahani verleihe der Protagonistin eine unerschrockene, aufwühlende Authentizität. In einer der stärksten Szenen, in der sie sich widerstrebend mit dem Hijab verhüllt, sei die darin liegende Demütigung so heftig zu spüren, dass einem der Atem stocke, wenn ihre Figur von zwei Tugendwächterinnen auf verstörend grobe und frauenverachtende Weise gemaßregelt wird. Lolita lesen in Teheran sei am besten in der Übertragung des Gefühls einer Frau, die unter der Repression zu zerbrechen droht, eines überwältigenden Gefühls aus Schwindel, Übelkeit, Panik und Paranoia. Immer mehr hinterlasse die Angst, mit jedem Schritt kontrolliert zu werden, Spuren in der Körpersprache und Mimik der Schauspielerin.Corinna Götz: „Lolita lesen in Teheran“. In: the-spot-mediafilm.com, 3. November 2025.

Lida Bach schreibt in ihrer Kritik für moviebreak.de, Regisseur und Drehbuchautor Eran Riklis lasse die beklemmenden Ereignisse für sich sprechen. Die unerschrockene Protagonistin dekonstruiere und demaskiere das repressive System, dessen Verbote nicht ideologische Macht bezeugen, sondern Angst. Auch wenn Riklis engagierte Verfilmung Azar Nafisis autobiografisch geprägten Romans nicht dessen Kraft und Komplexität erreiche, besteche das entschlossene Drama durch sein eindringliches Ensemble.Lida Bach: Lolita Lesen in Teheran. In: moviebreak.de. Abgerufen am 24. November 2025.

Einsatz im Unterricht mini|hochkant|Der titelgebende Roman Lolita von Vladimir Nabokov in der Erstausgabe von 1955 Das Onlineportal kinofenster.de empfiehlt den Film ab der 9. Klasse für die Unterrichtsfächer Politik/Wirtschaft, Gesellschaftswissenschaften, Deutsch und Englisch und bietet Materialien zum Film für den Unterricht. Dort schreibt Susanne Mohr, der Lesekreis werde im Film zu einem Raum, in dem die Frauen ihre Erfahrungen, Sorgen und Ängste miteinander teilen und sich unterstützen können, Azar jedoch müsse diesen geheim halten. In einem Filmgespräch könne diskutiert werden, warum künstlerische Werke in autoritären politischen Systemen zensiert oder sogar ganz verboten werden.Susanne Mohr: Lol / Reading Lolita in Tehran. In: kinofenster.de, 19. November 2025.

Auszeichnungen Festa del Cinema di Roma 2024 Auszeichnung mit dem Publikumspreis