Die Temperaturanomalien im Jahr 2024 sind Abweichungen von Temperaturmittelwerten für das Jahr 2024. Als Vergleich dient, wenn nicht anders angegeben, die Normalperiode 1991–2020, die der von der Weltorganisation für Meteorologie (WMO) verwendete Referenzzeitraum ist. Die Abweichungen werden in diesem Artikel nach Zahlen pro Monat zum einen global und zum anderen für Europa betrachtet und beruhen auf den Angaben des Copernicus Climate Change Service (C3S). Darüber hinaus werden einige weitere regionale, monatliche Temperaturanomalien und in den jeweiligen Monat fallende Hitze- und Kältewellen sowie damit zusammenhängende Wetterphänomene und Temperaturrekorde erwähnt.
Jahresmitteltemperaturen + Temperaturvergleich für 2024 mit vorindustriellem Niveau (1850–1900) Organisation Wert Beleg C3S 1,60 °C NOAA 1,46 °C NASA 1,47 °C Met Office 1,53 °C WMO 1,55 °C Berkeley Earth 1,62 °C mini|links|Temperaturanomalien für 2024 im Vergleich zu 1991–2020 (C3S/ECMWF) mini|links|alt=Nach Temperaturanomalien eingefärbte Weltkarte. Die Temperaturanomalien lagen demnach zwischen 0 und größer gleich 4 Grad Celsius, mit den höchsten Werten in der Nordhemisphäre.|Temperaturanomalien für 2024 im Vergleich zu 1951–1980 (NASA) mini|rechts|Entwicklung der Temperaturanomalien ab 1850 im Vergleich zu 1951–1980 (NASA)
Die globale Jahresmitteltemperatur erreichte 2024 laut Copernicus einen neuen Rekordwert und machte das Jahr zum ersten Jahr, das mehr als 1,5 °C über dem Mittelwert des vorindustriellen Vergleichszeitraums (1850–1900) liegt. Die WMO sieht dies ebenso. Am 30. Dezember 2024 bestätigte der Generalsekretär der Vereinten Nationen António Guterres in seiner Neujahrsansprache das Jahr 2024 als wärmstes Jahr. Die im Rahmen des Pariser Klimaabkommens festgelegte Begrenzung der Erderwärmung auf 1,5 Grad gilt jedoch für einen über einen Zeitraum von mindestens 20 Jahren gemittelten Wert, sodass dieses Ziel noch nicht überschritten wurde. NOAA und NASA gaben eine niedrigere Jahresmitteltemperatur von 1,46 bzw. 1,47 °C über dem vorindustriellen Niveau an, bestätigten jedoch 2024 als wärmstes Jahr seit Aufzeichnungsbeginn. Das Met Office veröffentlichte einen Wert von 1,53 ± 0,08 °C.
2024 war auch in Europa das wärmste Jahr seit Messbeginn, mit einer Durchschnittstemperatur von 10,69 °C, 1,47 °C über dem Durchschnitt des Referenzzeitraums 1991–2020 und 0,28 °C wärmer als der bisherige Rekord von 2020.
Laut dem Deutschen Wetterdienst war 2024 auch das wärmste Jahr in Deutschland seit Messbeginn im Jahr 1881. Das Temperaturmittel lag um 2,7 °C über der Normalperiode 1961–1990 und übertraf das aus dem Rekordjahr 2023 noch einmal um „außergewöhnliche“ 0,3 °C. Laut GeoSphere Austria war 2024 auch in Österreich das wärmste Jahr der Messgeschichte. In der Schweiz lag das landesweite Mittel der Jahrestemperatur laut dem Bundesamt für Meteorologie und Klimatologie (MeteoSchweiz) bei 7,2 °C und somit 1,4 °C über der Normalperiode (1991–2020), womit dort nach 2022 und 2023 das drittwärmste Jahr seit Messbeginn 1864 verzeichnet wurde. Nach Angabe des Tschechischen Hydrometeorologischen Instituts (CHMI) war 2024 für Prag das „mit Abstand heißeste“ Jahr seit Beginn der Aufzeichnungen im Jahr 1775 und übertraf die vorherigen Rekorde aus den Jahren 2018 und 2023 um 0,5 °C.
In Indien wurde das wärmste Jahr seit Messbeginn im Jahr 1901 verzeichnet und in China ebenfalls laut der China Meteorological Administration das wärmste Jahr seit Messbeginn im Jahr 1961. Israel verzeichnete laut dem Israel Meteorological Service das zweitwärmste Jahr nach 2010 seit Aufzeichnungsbeginn im Jahr 1950 und auch das australische Bureau of Meteorology meldete das zweitwärmste Jahr seit 1910.
Der Wärmeinhalt der Ozeane erreichte im Jahr 2024 den höchsten Stand seit Beginn der Beobachtungen vor 65 Jahren und übertraf damit den bisherigen Rekordwert aus dem Jahr 2023.
Jahresverlauf + Temperaturvergleich mit 1991–2020 nach Copernicus Climate Change Service Monat Global Europa Januar +0,70 °C +0,18 °C Februar +0,81 °C +3,30 °C März +0,73 °C +2,12 °C April +0,67 °C +1,49 °C Mai +0,65 °C +0,88 °C Juni +0,67 °C +1,57 °C Juli +0,68 °C +1,49 °C August +0,71 °C +1,57 °C September +0,73 °C +1,74 °C Oktober +0,80 °C +1,23 °C November +0,73 °C +0,78 °C Dezember +0,76 °C +1,37 °C Jahr 2024 +0,72 °C +1,47 °C
El Niño Das El-Niño-Ereignis 2023/24, welches höhere Temperaturen begünstigte, begann im Juni 2023 aufzutreten und erreichte zwischen November 2023 und Januar 2024 seinen Höhepunkt. Danach löste es sich auf, auch wenn einige Auswirkungen noch anhielten. Ungefähr von Mitte Juni bis Mitte September 2024 herrschten neutrale Bedingungen und mit einer über 55-prozentigen Wahrscheinlichkeit tritt zwischen September 2024 und Februar 2025 ein La-Niña-Ereignis ein, welches im Allgemeinen entgegengesetzte Auswirkungen auf das Klima hat wie El Niño.
Lufttemperaturen Von Januar bis Juni 2024 lag die globale Monatsmitteltemperatur jeden Monat über dem bisherigen Höchstwert für den jeweiligen Monat seit Aufzeichnungsbeginn. Der Juli beendete eine dreizehnmonatige Periode von globalen Monatstemperaturrekorden, die mit El Niño einhergingen. Dennoch war es immer noch der zweitwärmste Juli seit Messbeginn. Der 21. Juli brach den Rekord für den heißesten Tag aller Zeiten und wurde direkt überboten vom 22. Juli. Nachdem, gleichauf mit dem August 2023, der heißeste je gemessene August verzeichnet wurde, schloss der meteorologische Sommer (bestehend aus den Monaten Juni, Juli und August) 2024 als heißester je gemessener borealer Sommer ab und überholte damit den bisherigen Sommertemperaturrekord vom Vorjahr. Auch in Europa wurde der heißeste Sommer verzeichnet, gefolgt vom Sommer 2022. Der September war sowohl global als auch in Europa der zweitwärmste September seit Aufzeichnungsbeginn. Nur der September 2023 war global und in Europa noch heißer als der September 2024. Der Oktober war global der zweitwärmste (nach Oktober 2023) und in Europa der fünftwärmste seit Messbeginn. Auch der November war global der zweitwärmste seit Messbeginn (nach November 2023). In Europa lagen die Temperaturen 0,78 °C über dem Vergleichswert der Normalperiode, womit es der Monat nicht unter die zehn wärmsten Novembermonate in Europa schaffte. Der Dezember war global der wärmste seit Messbeginn und in Europa der siebtwärmste seit dem Jahr 2000.
Erstmals übertraf die globale Durchschnittstemperatur für eine 12-Monats-Periode, gemessen vom Februar 2023 bis Januar 2024, den Mittelwert des vorindustriellen Vergleichszeitraums von 1850–1900 um mehr als 1,5 °C. Die 1,5-Grad-Grenze wurde indes nicht überschritten, da hierzu das 20-Jahresmittel gilt.
Meeresoberflächentemperaturen mini|Entwicklung der Meeresoberflächentemperatur 1979–2024. Die Ozeane hatten mit Stand vom 13. März 2024 genau ein Jahr lang (seit 14. März 2023) jeden einzelnen Tag einen neuen Wärmerekord für diesen Tag des Jahres aufgestellt. Der sprunghafte Anstieg der globalen Meeresoberflächentemperaturen begann im April 2023 und übertraf den vorherigen Rekord von 2015/16 zwischen April 2023 und März 2024 im Durchschnitt um 0,25 °C. Luftuntersuchungen am Great Barrier Reef bestätigten Anfang März eine sich dort aufgrund der hohen Wassertemperaturen ereignende großflächige Korallenbleiche. Es ist die fünfte innerhalb von acht Jahren und die bisher größte. Die im Februar bzw. März erreichte jährliche minimale Meereisausdehnung in der Antarktis und maximale Meereisausdehnung in der Arktis lagen jeweils unter dem Durchschnitt der Jahre 1981–2010. Meereis und Schnee reflektieren die Sonnenstrahlung, sodass sie zur Kühlung des Klimas beitragen, während mehr dunkle Meeresoberflächen durch schmelzende Eisflächen den umgekehrten Effekt haben (siehe Eis-Albedo-Rückkopplung). Der Juni war der fünfzehnte Monat mit jeweiligen Rekordtemperaturen für die Meeresoberflächentemperaturen zwischen 60 Grad nördlicher und südlicher Breite in Folge. Von Juli bis Dezember wurden die Rekordtemperaturen aus dem Vorjahr jeweils nur knapp nicht erreicht, mit einer Abweichung von höchstens 0,21 °C.
Januar mini|Globale Temperaturanomalien (°C) für Januar 2024 nach C3S/ECMWF mini|Modellierte Oberflächentemperaturen (°C) in Nordeuropa am 3. Januar 2024 um 4 Uhr Lokalzeit mini|Modellierte Lufttemperaturen (°C) in den USA am 15. Januar 2024 mini|Falschfarben-Landsat-Satellitenbild der Waldbrände in Südafrika vom 31. Januar 2024
Der Januar 2024 war global der bisher wärmste Januarmonat. Die Monatsmitteltemperatur lag bei 13,14 °C und damit um 0,70 °C über der Normalperiode bzw. um 0,12 °C über dem bisher wärmsten Januarmonat 2020. In Europa lagen die Monatsmitteltemperatur um 0,18 °C über der Normalperiode.
Zu Beginn des Monats fielen die Temperaturen in Nordeuropa unterdurchschnittlich aus. In der Nacht auf den 3. Januar wurde in Kvikkjokk −43,6 °C gemessen und somit die kälteste Januarnacht in Schweden seit 25 Jahren (1999 wurden −49 °C erreicht). Begleitet mit Schnee und starkem Wind kam es zu Stromausfällen, die rund 4000 Häuser betrafen. Unter anderem wurden Schulen und einige Hauptverkehrsstraßen geschlossen. Weiter im Südosten wurden −20 °C in Helsinki und −30 °C in Moskau gemessen. Eine Zuordnungsstudie der World Weather Attribution ermittelte für die Kältewelle in Skandinavien für das Gebiet zwischen 62–70 °N und 10–30 °O und dem Zeitraum vom 1. bis 5. Januar eine Wiederholungswahrscheinlichkeit im heutigen Klima von einmal in 15 Jahren. Ein am 6. Januar gemessener Rekord für die Tagestiefsttemperatur in Bjørnholt, Oslo von −31,1 °C war dagegen mit einer Wiederholungswahrscheinlichkeit von einmal in 200 Jahren selten. Für ein ohne den Einfluss der globalen Erwärmung um 1,2 °C kälteres Klima wurden 4 °C kältere Temperaturen für die Kältewelle und die Tagestiefsttemperatur in Oslo berechnet. In der Schweiz wurde zwischen dem 20. und 24. Januar ein starker Temperaturanstieg verzeichnet, so z. B. in Zürich mit einem Temperaturunterschied von 16,1 °C (Tagesmitteltemperatur; von −5,2 °C auf 10,9 °C). Am 24. Januar wurden auf der Alpennordseite einige Januar-Temperaturhöchstwerte gebrochen, so z. B. in Disentis mit 15,4 °C (seit 1954; der vorherige Rekord liegt bei 14,2 °C und stammt aus dem Jahr 2011). Am 25. Januar wurde auf der Alpensüdseite dank des Nordföhns an mehreren Messstationen zum ersten Mal in diesem Jahr die 20-Grad-Marke überschritten, so z. B. in Biasca mit 21,9 °C. Insgesamt lag der Januar in der Schweiz 1,6 °C über der Norm. Spanien erlebte Ende Januar eine Hitzewelle mit einigen der höchsten bisher gemessenen Januartemperaturen. Sie erreichten mit fast 30 °C eine Temperatur von um die 10 °C über den Durchschnittswerten für die Jahreszeit.
In den USA waren wegen eines Wintersturms alleine in den Bundesstaaten Michigan und Wisconsin über 250 000 Menschen ohne Strom. In Kanada brachte eine Kältewelle eine ganze Reihe von Temperaturrekorden mit sich. In British Columbia wurden am 12. Januar fast 20 Temperaturrekorde unterboten. Über der Grenze zu Yukon wurde in Watson Lake ein weiterer Temperaturrekord von −49,4 °C gemessen. In Alberta wurden gleich an 38 Messstellen die tiefsten Temperaturen seit Beginn der Aufzeichnungen notiert. Auch im Norden der Vereinigten Staaten fielen die Temperaturen Mitte Januar gefährlich tief. An einer Wetterstation in Billings, Montana erreichten sie am 13. Januar −34 °C. Es war die niedrigste dort gemessene Temperatur seit Aufzeichnungsbeginn 1999. Die gefühlte Temperatur lag in Montana, North und South Dakota bei bis zu −51 °C. Die kalte Luft aus der Arktis erreichte auch weiter südlich gelegene Staaten wie Texas und Louisiana. Gegen Ende des Monats und in den Februar hinein stiegen die Temperaturen im Norden der Vereinigten Staaten und Kanada dagegen auf überdurchschnittlich hohe Werte.