350px|Marian Anderson.jpg Am 7. Januar 1955 tritt Marian Anderson als erste afroamerikanische Sängerin an der Metropolitan Opera in New York City auf. 350px|Portrait of Charlie Parker in 1947 Am 12. März 1955 stirbt der US-amerikanische Jazzmusiker Charlie Parker, einer der Schöpfer und herausragenden Interpreten des Bebop. 350px|Pete Seeger NYWTS Pete Seeger textet und komponiert 1955 mit Where Have All the Flowers Gone eines der bekanntesten Antikriegslieder. Dieser Artikel behandelt das Musikjahr 1955. links|mini|Bill Haley & His Comets – See You Later, Alligator (1955) links|mini|Johnny Cash – Cry! Cry! Cry! (1955) links|mini|Mindy Carson – Memories Are Made Of This (1955) links|mini|Little Richard – Tutti Frutti (1955) links|mini|Big Maybelle – Whole Lotta Shakin’ Goin’ On (1955) links|mini|The Four Aces – Love Is a Many-Splendored Thing (1955) mini|Dizzy Gillespie (1955) mini|Miles Davis (Mitte der 1950er Jahre) mini|Louis Armstrong (1955) mini|Leonard Bernstein (1955) mini|Alicia Alonso (1955) mini|Johnny Cash (1955) mini|Big Joe Turner (1955)
Ereignisse Amerika Argentinien Juan José Castro kehrt nach Argentinien zurück, wo er bis 1960 das nationale Sinfonieorchester leitet. Astor Piazzolla, der von seinem Studium bei Nadia Boulanger nach Argentinien zurückkehrt ist, gründet sein Streichorchester (Orquesta de Cuerdas) und Oktett (Octeto Buenos Aires) und entwickelt den Tango Nuevo.
Vereinigte Staaten von Amerika Populäre Musik 14. Januar: Alan Freed veranstaltet in New York City das erste Rock-’n’-Roll-Konzert. 22. Januar: Mit Ozark Jubilee geht die erste, von einem großen US-amerikanischen Fernsehsender (American Broadcasting Company) zur Hauptsendezeit übertragene Fernsehshow mit Country-Musik auf Sendung. 19. Februar: Dot Records stellt Pat Boone als neuen Sänger vor. In einer Anzeige im Billboard-Magazin wird er als „eine großartige neue Stimme“ bezeichnet. Seine erste Platte für Dot Records ist Two Hearts, Two Kisses, One Love. Sie platziert sich auf Anhieb in den Charts unter den Top 20. Februar: Kay Starr wechselt von Capitol Records zu RCA-Victor. 22. März: Der DJ Alan Freed wird A&R-Manager bei Decca Records. 19. März: Der Film Blackboard Jungle (deutscher Titel: Die Saat der Gewalt) wird in New York City uraufgeführt, mit dem Lied Rock Around the Clock von Bill Haley & His Comets im Vor- und Nachspann. Es ist die erste Verwendung eines Rock-’n’-Roll-Songs in einem großen Film. 26. März: Bill Hayes führt mit dem Lied The Ballad of Davy Crockett fünf Wochen lang die US-Charts an und löst einen Hype um (falsche) Waschbärmützen aus. 14. April: Imperial Records veröffentlicht in den USA Ain’t That a Shame von Fats Domino (geschrieben zusammen mit Dave Bartholomew). Das Lied erreicht Platz 1 der R&B-Charts und wird im Laufe der Zeit zu einem Millionenseller, wodurch Fats Domino bekannt wird und seine Werke von weißen Künstlern, wie etwa Pat Boone, gecovert werden. 1. Mai: Elvis Presley „startet seine erste US-Tournee“. 13. Mai: In Jacksonville kommt es zu ersten Ausschreitungen bei einem Konzert von Elvis Presley. 14. Mai: Das Lied Rock Around the Clock von Bill Haley & His Comets klettert für über acht Wochen auf Platz eins der amerikanischen Charts. Es ist der erste Rock-’n’-Roll-Song, der den ersten Platz der Charts erreicht. Der Song hält sich sechs Monate, von Mai bis Oktober 1955, in den Charts. Bis zum Jahresende wird er sechs Millionen Mal verkauft, in der Folgezeit mit geschätzten über 25 Millionen verkauften Platten avanciert er schließlich zum umsatzstärksten Pop-Hit. 21. Mai: Chuck Berry nimmt seine erste Single Maibellene für Chess Records in Chicago auf. 22. Mai: Die Behörden in Bridgeport sagen ein Rockkonzert mit Fats Domino als Headliner ab, weil sie einen Krawall befürchten. Frühjahr: Auf Anraten des Sängers Lloyd Price sendet Little Richard ein Demotape an Art Rupe, den Chef des kalifornischen Independent-Labels Specialty Records in Los Angeles. Dessen A&R-Manager und Produzent Bumps Blackwell lässt sich durch Little Richards hartnäckige telefonische Nachfragen zu einer ersten Aufnahmesession im J&M Recording Studio von Cosimo Matassa in New Orleans überreden. Er bucht hierfür mit Earl Palmer am Schlagzeug, Lee Allen und Alvin „Red“ Tyler an den Saxophonen sowie Frank Fields am Bass dessen renommierte Studioband. In dieser Konstellation und mit wechselnden Gitarristen entstehen in den kommenden zwei Jahren in fünf Studiosessions Little Richards größte Hits und Verkaufserfolge, darunter Tutti Frutti, Long Tall Sally, Ready Teddy, Rip It Up, Good Golly Miss Molly, Jenny Jenny und The Girl Can’t Help It. 21. Juni: Johnny Cashs erste Single Hey, Porter / Cry! Cry! Cry! erscheint bei Sun Records und erreicht Platz 14 der US-Country-Charts. 3. Juli: The Platters veröffentlichen den Song Only You (And You Alone). Innerhalb eines Monats gehen eine Million Exemplare des Liedes über die Ladentheke, insgesamt werden etwa zwei Millionen Exemplare verkauft. 15. Juli: Slim Whitmans Lied Rose Marie wird ein internationaler Hit, debütiert in den britischen Charts und steigt dort schnell auf Platz 1 auf.Rolling Stone Rock Almanac: The Chronicles of Rock & Roll, Collier Books, MacMillan Publishing Co., New York and London, 1983, S. 15. 27. Juli: Billboard betitelt Countrymusiker Webb Pierce und Jazzmusiker Nat King Cole als die einzigen garantierten Hitmacher.Rolling Stone Rock Almanac, S. 15. 18. August: Colonel Tom Parker wird offizieller Manager von Elvis Presley. 19. August: Der Radiosender WINS in New York City verfolgt die Richtlinie, keine weißen Coverversionen schwarzer Rhythm-and-Blues-Songs zu spielen. August: Johnny Cash hat seinen ersten großen Auftritt im Vorprogramm von Elvis Presley. 14. September: Little Richard nimmt in New Orleans sein Lied Tutti Frutti auf. Zuvor wird das Lied, das zahlreiche (homo-)sexuelle Anspielungen enthält, durch die Texterin Dorothy La Bostrie deutlich entschärft, um nicht eine Radiozensur zu provozieren. Die Veröffentlichung des Songs erfolgt im November 1955. 15. Oktober: Elvis Presley gibt ein Konzert in Lubbock. Vorgruppe ist das lokale Duo Buddy und Bob, wobei Buddy der zukünftige Rockstar Buddy Holly ist. 12. November: Laut der jährlichen Discjockey-Umfrage des Magazins Billboard wird Elvis Presley zum vielversprechendsten Country- und Western-Künstler gewählt. 20. November: Bo Diddley hat seinen ersten Fernsehauftritt in der Ed Sullivan Show im CBS-Fernsehen. 22. November: Elvis Presley wechselt von Sun Records zu RCA Records. 15. Dezember: Das Lied Folsom Prison Blues von Johnny Cash, aufgenommen am 30. Juli, wird bei Sun Records veröffentlicht. Es erreicht Platz 4 der Country-Hitparade. Tennessee Ernie Ford macht das Lied Sixteen Tons von Merle Travis aus dem Jahr 1947 zum Nummer-eins-Hit in den Country- und Popcharts sowie zum Millionenseller. Der neunjährige Al Green gründet ein Gospelquartett, die Green Brothers. Buddy Hollys professionelle Karriere beginnt Ende 1955, als er von dem Talentsucher Jim Denny entdeckt wird. Am 7. Dezember 1955 macht er im Nesman Recording Studio Demo-Aufnahmen, die zu Decca Records geschickt werden und 1956 zu ersten Aufnahmen für Decca Records führen. Etta James gibt ihr Debüt mit The Wallflower (Dance with Me, Henry), das die R&B-Charts anführt, aber fürs Popradio als zu gewagt gilt. Das Lied wird anschließend von Georgia Gibbs in einer bereinigten Version gecovert, wobei die Zeile „Roll with me Henry“ in „Dance with me Henry“ geändert wird. Clyde McPhatter verlässt die Band The Drifters und startet seine Solokarriere. Cherry Pink And Apple Blossom White vom US-amerikanischen Orchester Pérez Prado entwickelt sich im Jahre 1955 zum Millionenseller. Webb Pierce kann mit Why Baby Why, das er im Duett mit Red Sovine singt, einen großen Hit verbuchen. Der Song wird der meistverkaufte Country-Song des Jahres. Paul Simon und Art Garfunkel schreiben ihr erstes Lied The Girl For Me (urheberrechtlich geschützt bei der Library of Congress im Jahr 1956) und beginnen bereits während ihrer Highschool-Zeit in New York City als Duo zusammen zu singen. Pete Seeger schreibt das Lied Where Have All the Flowers Gone, angelehnt an ein russisches Volkslied. Es wird im Laufe der 1960er Jahre in der Kampagne gegen den Vietnamkrieg in der Fassung von Peter, Paul and Mary und wenig später insbesondere durch Joan Baez bekannt und gilt heute als internationales Antikriegslied.
Jazz 5. März: Charlie Parker hat seinen letzten Auftritt in dem nach ihm benannten New Yorker Jazzclub Birdland. 12. März: Charlie Parker stirbt im Alter von 35 Jahren, geschwächt von Leberzirrhose, Magengeschwüren und einer Lungenentzündung, im New Yorker Hotel Stanhope in der Suite der Baroness Pannonica de Koenigswarter, einer Gönnerin schwarzer Jazzmusiker. 15.–17. Juli: Das 2. Newport Jazz Festival, das „unter George Weins Leitung“ gedeiht, findet in Newport, Rhode Island statt: Am ersten Tag treten Stan Rubin and his Tigertown Five, Erroll Garner, Teddi King, Woody Herman and his Orchestra, Roy Eldridge und Coleman Hawkins, Joe Turner und Louis Armstrong and his Orchestra auf. Am zweiten Tag sind das Max Roach-Clifford Brown Quintet, Marian McPartland Trio, Bob Brookmeyer, Al Cohn, Ruby Braff, Dinah Washington, das Chet Baker Quartet, Lee Konitz und Warne Marsh, Wild Bill Davidson, Buzzy Drootin, Vic Dickenson, Pee Wee Russell, George Wein, Milt Hinton und Dave Brubeck zu hören. Am dritten Tag spielen das Modern Jazz Quartet, Lester Young, Jo Jones, Buck Clayton, Count Basie and his Orchestra und Gerry Mulligan. Miles Davis kommt an diesem Tag unangekündigt für drei Stücke auf die Bühne und spielt zu Thelonious Monks ’Round Midnight ein legendäres Solo.Peter Niklas Wilson: Miles Davis. Sein Leben. Seine Musik. Seine Schallplatten. Oreos Verlag, 2001, ISBN 3-923657-62-5, S. 16–18. Juli: Miles Davis stellt im Jazzclub Café Bohemia in New York City sein erstes reguläres Quintett zusammenJörg Konrad: Miles Davis. Die Geschichte seiner Musik. Bärenreiter Verlag, 2008, ISBN 978-3-7618-1818-3, S. 48–53., mit Sonny Rollins am Tenorsaxophon, Red Garland am Klavier, Paul Chambers am Bass und Philly Joe Jones am Schlagzeug.Richard Cook. It's About That Time: Miles Davis On and Off Record. New York: Oxford University Press, 2005. S. 44–45. Im Herbst verlässt Rollins die Band, um sich mit seiner Heroinsucht auseinanderzusetzen und schließt sich später im Jahr dem Hardbop-Quintett unter der Leitung von Clifford Brown und Max Roach an.Lewis Porter. John Coltrane: His Life and Music. Ann Arbor: The University of Michigan Press, 1999. S. 98. Miles Davis verwendet 1955 erstmals einen Harmon-Dämpfer. Miles Davis wird 1955 von den Lesern des Down-Beat-Magazins erstmals zum besten Trompetenspieler gewählt. Diese Auszeichnung wird er auch in den Jahren 1957 und 1961 erhalten.
Klassische Musik und Musiktheater 7. Januar: Marian Anderson ist die erste afroamerikanische Sängerin, die an der Metropolitan Opera in New York City auftritt. Sie gibt die Ulrica in Giuseppe Verdis Oper Un ballo in maschera. 27. Januar: Uraufführung der Musicalkomödie Plain and Fancy von Albert Hague (Musik) sowie Joseph Stein und Will Glickman (Text) am Mark Hellinger Theatre in New York City. 24. Februar: Carlisle Floyds Oper Susannah wird im Ruby Diamond Auditorium der Florida State University in Tallahassee mit Phyllis Curtin in der Titelrolle uraufgeführt. 24. Februar: Das Musical Silk Stockings von Cole Porter nach dem Film Ninotschka von Ernst Lubitsch wird am Broadway uraufgeführt.