Elsa (Azîza) Schiemann, geb. Specht (* 7. November 1878 in Reinbek bei Hamburg; † vermutlich zwischen dem 18. und 22. Juni 1927Elsa Schiemann starb neun Tage nach einer Pilgerfahrt, dem Hadsch, in Mekka (vgl. Muḥammad Asad: Der Weg nach Mekka. Reporter, Diplomat, islamischer Gelehrter. Das Abenteuer eines Lebens. Sammlung Luchterhand, Hamburg/Zürich 1992, S. 428 f.). Der Hadsch dauerte 1927 vom 9. bis 13. Juni. in Mekka) war eine deutsche Malerin, Kunsthandwerkerin und Orientreisende.

Leben Elsa Schiemann war die zweitjüngste Tochter des Ehepaares Wilhelm Specht (1841–1882) und Maria Mathilde Elsabea Specht (1849–1926), geb. Bruhn. Die Eltern besaßen das Schloss Reinbek, das sie 1874 aus dem Erlös des Jagdschlosses Friedrichsruh erworben hatten. Zu Schiemanns sechs Geschwistern gehörten der Psychiater und Kriminalpsychologe Wilhelm Specht (1874–1945), Mathilde Weise–Minck (1877–1952) und die Pädagogin und Sozialistin Minna Specht (1879–1961).

Schiemann besuchte – wie ihre Schwester Minna – die Bergedorfer Luisenschule, eine 9-klassige Höhere Mädchenschule100 Jahre Luisen-Gymnasium. 1888–1988. Festschrift. Hamburg 1988, S. 4–6.. Von 1903 bis 1905 absolvierte sie die Damen-Akademie des Künstlerinnen-Vereins München e.V.Deseyve, Yvette: Der Künstlerinnen-Verein München e.V. und seine Damen-Akademie : eine Studie zur Ausbildungssituation von Künstlerinnen im späten 19. und frühen 20. Jahrhundert. München: Utz, 2005, S. 187. Sie hatte ferner Kontakte zu prägenden Persönlichkeiten des Blauen Reiters, darunter Wassily Kandinsky, Franz Marc und Gabriele Münter. In Berlin gehörte sie 1916 wie Oskar Maria Graf, Otto Gross, Max Hermann-Neisse, Franz Jung, Richard Oehring, Claire Otto und Georg Schrimpf zum Kreis um die anarchistisch-dadaistische Zeitschrift „Die freie Straße“Die von Richard Oehring herausgegebene „Fünfte Folge der Vorarbeit“ mit dem Titel „Verantwortung - zu fremdem Zwang“ von 1916 enthält zwei Arbeiten von Elsa Schiemann, vgl. S. 7 u. 9.. Zusammen mit Georg Schrimpf gestaltete sie verschiedene Arbeiten, Lampenschirme in Papier und Seide, für das Hohenzollern-Kunstgewerbehaus Friedmann & WeberUtitz, Emil: Über dekorative Kunst. In: Innendekoration. Die gesamte Wohnungskunst in Bild und Wort. Verlagsanstalt Alexander Koch, Darmstadt. Jg. 30. 1919, S. 103–108, bes. S. 103 u. 105. https://doi.org/10.11588/diglit.10021#0121. In erster Ehe war sie mit Eduard Schiemann verheiratet, dem Vater ihres Sohnes Heinrich.

Von 1922 bis 1923 unternahm Schiemann mit ihrem Sohn und Leopold Weiss eine erste Orientreise, die Ägypten, Palästina, Transjordanien, Syrien und die Türkei umfasste. Auf einer zweiten Orientreise von 1924 bis 1926 besuchten sie, ihr Sohn und Weiss wieder Ägypten und Syrien sowie außerdem Irak, Persien und AfghanistanWindhager, Günther (Hg).: Arabische Reise. Wallstein, Göttingen 2026, S. 327 ff.. 1926 heiratete sie Weiss und vollzog mit ihm die Konversion zum Islam, wobei sie den Vornamen Azîza annahm.Windhager, Günther: Leopold Weiss alias Muhammad Asad. Böhlau, Wien 2002, S. 178. 1927 brach sie zusammen mit ihrem Sohn und Weiss zur Pilgerfahrt nach Mekka auf. Auf dem Weg dorthin wurden Heirat und Konversion nach islamischem Recht in Kairo bestätigt. Auch der Sohn Heinrich wurde zum Islam bekehrt.Windhager, Günther: Leopold Weiss alias Muhammad Asad. Böhlau, Wien 2002, S. 181f. und Windhager, Günther (Hg).: Arabische Reise. Wallstein, Göttingen 2026, S. 342 f. Wenige Tage nach Abschluss der Pilgerfahrt starb Schiemann in Mekka an einer Malaria-Tropika-InfektionWindhager, Günther (Hg).: Arabische Reise. Wallstein, Göttingen 2026, S. 380..

Literatur Asad, Muhammad: Der Weg nach Mekka. Reporter, Diplomat, islamischer Gelehrter. Das Abenteuer eines Lebens. Luchterhand, Hamburg/Zürich 1992. ISBN 3-630-71071-9. Pereña, Helena: Elsa & Eduard Schiemann. In: Friedel, Helmut und Annegret Hoberg (Hrsg.): „Der Blaue Reiter“. Aquarelle, Zeichnungen und Druckgrafik aus dem Lenbachhaus. Ein Tanz in Farben. Hirmer, München, 2010. ISBN 978-3-7774-2851-2, S. 318–323, 347, 362–363. Weise-Minck, Mathilde: Kindertage in Reinbek. Hamburg, Hamburgische Bücherei, 1948. Weiss, Leopold: Unromantisches Morgenland. Aus dem Tagebuch einer Reise. Frankfurter Societäts-Druckerei, Abteilung Buchverlag, Frankfurt am Main 1924. Windhager, Günther: Leopold Weiss alias Muhammad Asad: von Galizien nach Arabien 1900–1927. Wien, Böhlau, 2002. ISBN 3-205-99393-4. Windhager, Günther (Hg).: Arabische Reise. Muhammad Asads Reiseberichte und Reportagen 1927 – 1932. Wallstein, Göttingen 2026. ISBN 978-3-8353-5649-8

Weblinks Elsa Schiemann Werke im Lenbachhaus Eduard Schiemann - der “lange Russe” mit dem unfehlbaren System von Raimund Dehmlow Muhammad Asad: "Die Botschaft des Koran"(Auszug) Website von Jörg Tietjen

Einzelnachweise

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