mini|Aufmarsch des Stahlhelm im Berliner Lustgarten, März 1931. Dritter von rechts (mit weißem Kreuz markiert) Prinz Eitel Friedrich von Preußen. Der Stahlhelm, Bund der Frontsoldaten war ein nationalistischer Wehrverband zur Zeit der Weimarer Republik, der kurz nach Ende des Ersten Weltkrieges am 25. Dezember 1918 von dem Reserveoffizier Franz Seldte in Magdeburg gegründet wurde. Seldte war zusammen mit Theodor Duesterberg Vorsitzender der Vereinigung. Sie galt als der republikfeindlichen Deutschnationalen Volkspartei (DNVP) nahestehend, so stellte der Stahlhelm bei deren Parteiversammlungen vielfach den (bewaffneten) Saalschutz.
Ab 1933 wurde der Stahlhelm schrittweise von den Nationalsozialisten gleichgeschaltet und 1935 aufgelöst. Nach dem Krieg erfolgte 1951 eine Neugründung als Der Stahlhelm – Kampfbund für Europa.
Name Der Name geht zurück auf den 1916 im deutschen Heer eingeführten Stahlhelm. Für viele Frontsoldaten wurde er zum Sinnbild für Härte und Opferbereitschaft.
1918 bis 1933 mini|Der Festmarsch der über 5000 Teilnehmer mit mindestens 100 Fahnen beim Stahlhelm- und Treubundtag in Lübeck (1927).Als Datum des Stahlhelmtages wurde der 18. September 1927, an diesem Tag weihte der Reichspräsident und Ehrenmitglied des Stahlhelms das Tannenberg-Denkmal ein, gewählt. mini|Einzug der Fahnenkompanien des Stahlhelm während der Großveranstaltung „Zehn Jahre Versailler Vertrag“, Deutsches Stadion (Berlin), Juni 1929 mini|13. Frontsoldatentag des Stahlhelms auf dem Flughafen Berlin-Tempelhof mit rund 150.000 Teilnehmern im September 1932 Der Stahlhelm wurde am 25. Dezember 1918 in Magdeburg auf Initiative des Reserveoffiziers Franz Seldte als Stahlhelm-Bund der Frontsoldaten gegründet. Seldte war bis 1927 alleiniger Bundesführer und ab 1927 kam es zu einer Doppelspitze mit dem bis dahin stellvertretenden Vorsitzenden Theodor Duesterberg.Anke Hoffstadt: Stahlhelm. In: Organisationen, Institutionen, Bewegungen. Hrsg.: Wolfgang Benz, Brigitte Mihok (Hrsg.); Band 5 von Wolfgang Benz: Handbuch des Antisemitismus, De Gruyter, Berlin 2012, S. 585. ISBN 978-3-598-24078-2. Finanziert wurde der Stahlhelm von ehemaligen Militärs und den im Deutschen Herrenklub zusammengeschlossenen Unternehmern sowie von ostelbischen Großgrundbesitzern.
Der Stahlhelm verstand sich als Organisation, in der das Wirken aller Kriegsteilnehmer Anerkennung finden sollte, und stand in eindeutiger Opposition zum politischen System der Weimarer Republik. Im Stahlhelm herrschte eine Weltanschauung vor, die sich stark an der Kaiserzeit orientierte. Ehemaligen Frontsoldaten jüdischen Glaubens wurde die Mitgliedschaft verwehrt (siehe hierzu Reichsbund jüdischer Frontsoldaten). In eigenen Untergliederungen (Scharnhorstbund, Jungstahlhelm, Stahlhelm-Studentenring Langemarck, Landsturm) wurden ab 1924 interessierte Heranwachsende und ältere frontunerfahrene Männer militärisch ausgebildet, wobei die Reichswehr tatkräftige Unterstützung leistete. Die Mitglieder und ihre Führer verstanden sich als Personalreserve für die durch den Friedensvertrag von Versailles zahlenmäßig auf 100.000 Mann beschränkte Reichswehr. Die Mitgliederzahl vergrößerte sich bis 1930 auf über 500.000 Mitglieder. Der Stahlhelm war somit nach dem Reichsbanner Schwarz-Rot-Gold der zweitstärkste paramilitärische Verband der Weimarer Republik.
Mindestens bis zur Gründung eines eigenen Stahlhelm-Frauenbundes im Jahr 1928 galt der Bund Königin Luise als inoffizielle Frauenorganisation des Verbandes.Bernhard Mahlke: Stahlhelm. Bund der Frontsoldaten (Stahlhelm) 1918–1935 (1934–1935: „Nationalsozialistischer deutscher Frontkämpferbund [Stahlhelm] [NSDFB]“). In: Dieter Fricke u. a. (Hrsg.): Lexikon zur Parteiengeschichte. Die bürgerlichen und kleinbürgerlichen Parteien und Verbände in Deutschland (1789–1945). Band 4, VEB Bibliographisches Institut, Leipzig 1986, ISBN 3-7609-0879-9, S. 145–158, hier S. 146.
Obwohl sich der Stahlhelm offiziell als überparteilich darstellte, trat er seit 1928 offen als republik- und demokratiefeindlich und auch als antisemitisch und rassistisch in Erscheinung. Ziele waren die Errichtung einer Autokratie in Deutschland, die Vorbereitung eines Revanchekrieges und die Errichtung eines antiparlamentarischen Ständestaates. In der „Fürstenwalder Haßbotschaft“ vom September 1928 hieß es: „Wir hassen mit ganzer Seele den augenblicklichen Staatsaufbau, seine Form und seinen Inhalt“, weil er ein Hindernis dagegen darstelle, „unser geknechtetes Vaterland zu befreien, […] den notwendigen Lebensraum im Osten zu gewinnen und das deutsche Volk wieder wehrhaft zu machen“.Hans-Ulrich Wehler: Deutsche Gesellschaftsgeschichte. Bd. 4: Vom Beginn des Ersten Weltkrieges bis zur Gründung der beiden deutschen Staaten 1914–1949. München 2003, S. 390 f. Deshalb bezeichneten die Stahlhelm-Mitglieder gegen Ende der Weimarer Republik sich selbst in Abgrenzung zur NSDAP auch als die „deutschen Faschisten“. Zu weiteren Grundforderungen gehörten die Schaffung eines „völkisch großdeutschen Reiches“,Uwe Schulte-Varendorff: Kolonialheld für Kaiser und Führer. General Lettow-Vorbeck – Mythos und Wirklichkeit. Berlin 2006, S. 96. Zitiert von Schulte-Varendorff aus: Verfassungswidrig und niemals rechtsgültig! In: Deutsche Zeitung. 30. Jg., Nr. 557, Morgenausgabe, vom 28. November 1925. die Bekämpfung der Sozialdemokratie sowie des „Händlergeistes des Judentums“ und der demokratisch-liberalen Weltanschauung, die Vergabe führender Stellen im Staat an Frontsoldaten und eine Politik für Lebensraum im Osten.Uwe Schulte-Varendorff: Kolonialheld für Kaiser und Führer. General Lettow-Vorbeck – Mythos und Wirklichkeit. Berlin 2006, S. 96. Zitiert von Schulte-Varendorff aus: Maike Wächter: Der Stahlhelm in Bremen. Hausarbeit für die erste Lehrerprüfung, Bremen 1964, S. 9.
Im Jahre 1922 stand ein Arierparagraph, der alle jüdischen Mitglieder entfernen sollte, auf der Tagesordnung des „Frontsoldatentags“. Die Entscheidung wurde verschoben und dann 1924 mit einem Beschluss zur „Ausschaltung fremdrassiger Einflüsse“ getroffen.Jacob Rosenthal: Die Ehre des jüdischen Soldaten. Die Judenzählung im Ersten Weltkrieg und ihre Folgen. Campus, Frankfurt am Main / New York 2007, S. 149. Damit wurden politische, wirtschaftliche und kulturelle Antisemitismen wie „Drückeberger“, „Kriegsgewinnler“, „Novemberverbrecher“ und „jüdische Bolschewisten“ aufgerufen, die schon seit Gründung des Verbandes als Feindbilder verankert waren.Anke Hoffstadt: Stahlhelm., S. 586. Wie die anderen Organisationen auf der politischen Rechten war auch der Stahlhelm eine dezidiert antikommunistische Formation.Andreas Wirsching: Vom Weltkrieg zum Bürgerkrieg? Politischer Extremismus in Deutschland und Frankreich 1918-1933/39 Berlin und Paris im Vergleich. Quellen und Darstellungen zur Zeitgeschichte, Band 40, De Gruyter Oldenbourg, München 1999, ISBN 978-3-486-56357-3, S. 618.
Im Laufe der 1920er Jahre traten dem Stahlhelm mehrere Prinzen des vormaligen preußischen Königshauses und anderer deutscher Fürstenhäuser bei. Beim Stahlhelmtag im Mai 1927 marschierten im ersten Zug die Prinzen Eitel Friedrich, Oskar und August Wilhelm neben Herzog Carl Eduard von Sachsen-Coburg und Gotha als „einfache Stahlhelmleute ohne Chargengrad“ durch Berlin. Beim Stahlhelmtag 1928 in Breslau traten der ehemalige sächsische König Friedrich August III., Kronprinz Wilhelm, Kronprinzessin Cecilie und Prinz Wilhelm auf.Stephan Malinowski: Die Hohenzollern und die Nazis. Geschichte einer Kollaboration. Propyläen, Berlin 2021, ISBN 978-3-549-10029-5, S. 196–197 Auf dem Bayerischen Stahlhelm-Tag in Regensburg trat im Jahr 1930 Franz Joseph Prinz von Thurn und Taxis als Stahlhelm-Mitglied auf.Fabian Fiederer: „... an allen alten Traditionen festhalten“. Lebenswelt und Selbstverständnis des Hochadels am Beispiel des Fürstenhauses Thurn und Taxis in der Zeit Fürst Albert I. (1888–1952). Verlag Friedrich Pustet, Regensburg 2017, S. 123 ff. Gegen die Gründung einer Stahlhelm-Ortsgruppe mit dem Namen des Kronprinzen Wilhelm intervenierte der exilierte Kaiser Wilhelm II., dem eine zu eindeutige politische Positionierung seiner Söhne missfiel, allerdings im Mai 1931.Stephan Malinowski: Die Hohenzollern und die Nazis. Geschichte einer Kollaboration. Propyläen, Berlin 2021, ISBN 978-3-549-10029-5, S. 216.
Am 9. Oktober 1929 sprach der preußische Innenminister Albert Grzesinski ein Verbot der Landesverbände Rheinland und Westfalen aus, welches in einem im September 1929 in Langenberg (Rheinland) illegal durchgeführten „Geländespiel“ begründet lag. Am 16. Juli 1930 wurde das Verbot wieder aufgehoben.Jürgen Lohbeck: Das Langenberg-Verbot des Stahlhelm – Bund der Frontsoldaten vom 9. Oktober 1929 – Langenberg als Ausgangspunkt einer (fast) vergessenen Affäre in der Weimarer Republik. In: Historische Beiträge des Bergischen Geschichtsvereins Abteilung Velbert-Hardenberg. Heft 27, Hrsg. Bergischer Geschichtsverein Abteilung Velbert-Hardenberg e. V. in Verbindung mit der Stadt Velbert, Velbert Dezember 2016. ISBN 978-3-926133-73-1.
Gemeinsam mit der DNVP unter Alfred Hugenberg und der NSDAP unter Adolf Hitler organisierte der Stahlhelm einen Volksentscheid gegen den Young-Plan.
Auch der Volksentscheid über die Auflösung des preußischen Landtages ging auf eine Initiative des Stahlhelm zurück. Die sozialdemokratisch geführte Regierung des Freistaates Preußen war seinen rechten Führern mit ihrem Vorgehen gegen republikfeindliche Umtriebe und vor allem mit dem Verbot des Stahlhelm vom Oktober 1929 schon länger ein Dorn im Auge.Gerhard Schulz: Von Brüning zu Hitler. Der Wandel des politischen Systems in Deutschland 1930–1933 (= Zwischen Demokratie und Diktatur. Verfassungspolitik und Reichsreform in der Weimarer Republik. Band 3). Walter de Gruyter, Berlin / New York 1992, ISBN 3-11-013525-6, S. 110–114 und 283. Duesterberg und Seldte strebten mit dieser Initiative außerdem eine möglichst breite Sammlung der Rechten an, die bis ins national- und wirtschaftsliberale Lager reichen sollte. DNVP und NSDAP setzten dagegen auf eine Polarisierung des politischen Spektrums zwischen ihnen und den angeblich marxistischen Parteien, durch die die Parteien dazwischen zerrieben werden sollten.Larry Eugene Jones: Nationalists, Nazis, and the Assault against Weimar: Revisiting the Harzburg Rally of October 1931. In: German Studies Review. 29 (2006), S. 483–494, hier S. 485. Erst nach längeren Verhandlungen, nachdem der Volksentscheid am 6. August 1931 bereits gescheitert war, konnten sie sich auf eine gemeinsame Tagung der „Nationalen Opposition“ einigen, die gegen die Regierung Brüning im Besonderen und die Weimarer Republik im Allgemeinen gerichtet war. Die Harzburger Front führte allerdings zu keiner dauerhaften Zusammenarbeit der Rechten. Bereits wenige Tage nach der gemeinsamen Veranstaltung in Bad Harzburg scheiterte am 17. Oktober 1931 ein Treffen führender Nationalsozialisten mit der Stahlhelmführung, bei dem die Friktionen zwischen beiden Organisationen hatten beigelegt werden sollen.Larry Eugene Jones: The Harzburg Rally of October 1931. In: German Studies Review. 29, 2006, S. 483–494, hier S. 490. Im ersten Wahlgang der Präsidentschaftswahl 1932 stellte der Stahlhelm mit Theodor Duesterberg einen eigenen Kandidaten auf und unterstützte den nationalsozialistischen Kandidaten Adolf Hitler nicht.
1933 bis 1935 mini|Mitglieder des Stahlhelms um 1934; die Rangabzeichen des Offiziers weisen diesen als Angehörigen des sogenannten „Ringstahlhelm“ aus, die Hakenkreuzarmbinden alle Abgebildeten als Teil der SA In der Regierung Hitler