Die Krúsrak ist eine Straßenbrücke über den Autoweg N7 in der niederländischen Stadt Sneek, Provinz Friesland. Die N7 bildet den südlichen Abschnitt der Ringstraße um die Stadt und ist Teil der Autobahn A7 (Rijksweg 7). Die Holzbrücke führt zwei Fahrstreifen der Straße Akkerwinde sowie einen Rad- und Fußweg. Sie wurde 2008 im Zuge des kreuzungsfreien Ausbaus der Umgehungsstraße als Überführung errichtet und verbindet den Stadtteil Duinterpen im Süden mit dem Stadtzentrum. Eine weitere, baugleiche Holzbrücke über die N7 entstand 2010 mit der Dúvelsrak etwa einen Kilometer weiter westlich. Mitte 2025 war der Start einer umfassenden Sanierung nötig, die aber auf Grund zu größer Schäden am Holzüberbau ein Jahr später abgebrochen wurde. Als Ersatz dient eine Stahl-Notbrücke.

Geschichte mini|links|hochkant=1.2|Lage der Dúvelsrak (links) und Krúsrak (rechts) über die N7 (Rijksweg 7) in Sneek Im Jahr 2004 wurde der Ausbau des südlichen Teils der Ringstraße um die Stadt Sneek zu einer kreuzungsfreien Autostraße (vergleichbar mit einer Kraftfahrstraße) beschlossen,Tracébesluit Rijksweg 7 Sneek. Rijkswaterstaat, 11. Oktober 2004, abgerufen am 24. Dezember 2023 (niederländisch). die als Autoweg N7 Teil der niederländischen Autobahn A7 (Autosnelweg) ist. Da die Erreichbarkeit der südlich der N7 gelegenen Stadtteile Tinga und Duinterpen gewährleistet werden musste, war der Bau mehrerer Überführungen notwendig. Neben einem Kreisverkehr als zentraler Überführung, der als Anschluss der N353 an die N7 dient, waren etwa 500 Meter davor und dahinter zusätzliche Brücken für die ins Stadtzentrum führenden Straßen Westhemstraat (Dúvelsrak) und Akkerwinde (Krúsrak) geplant. Die Ausschreibung der Stadt gewann ein Holzbrückendesign von Hans Achterbosch (Achterbosch Architectuur) aus Leeuwarden und den beiden Architekten Haiko Meijer und Alex van de Beld (Onix Architects) aus Groningen.A. J. Woortman: Houten viaducten unieke landmarks voor Friese waterstad. In: Bruggen. Band 15, Nr. 1, 2007, S. 10–15 (niederländisch).

Das Design in Form eines umgedrehten Bootsrumpfes mit nach innen gebogenen Fachwerkträgern in Form von Gitterträgern ist weltweit einzigartig, obwohl ungedeckte Hängewerke aus Holz für Straßenbrücken zum Beispiel schon für die Vihantasalmi-Brücke (1999) in Finnland zum Einsatz kamen. Um die geforderte Lebensdauer von 80 Jahren und die Auslegung für den Schwerlastverkehr mit einer Traglast von 60 Tonnen zu ermöglichen, waren eingehende Untersuchungen am niederländischen Holzbauinstitut SHR (Stichting Hout Research) in Wageningen in Zusammenarbeit mit der Technischen Universität Eindhoven nötig. Als Baumaterial wurde daraufhin Brettschichtholz aus Monterey-Kiefer (Pinus radiata) ausgewählt, die in Neuseeland kommerziell angebaut wird. Durch Acetylierung, das heißt Behandlung mit Essigsäure, wird das Material langlebig und bleibt umweltfreundlich; es lässt sich zudem gut verkleben. Die Behandlung wurde ab Januar 2008 von Titan Wood Arnhem durchgeführt. Für die geforderte Tragfähigkeit musste aber eine Vielzahl von Stahlgewindestangen in die Konstruktion eingebracht werden und das Fahrbahndeck besteht bei der Krúsrak vollständig aus Stahl. Für die Herstellung der Holzkonstruktion war die Schaffitzel Holzindustrie aus Schwäbisch Hall zuständig, beraten durch das im Holzkuppelbau erfahrene Ingenieursbüro Emil H. Lüning aus Doetinchem. Mit der Krúsrak wurde im November 2008 die erste Brücke fertiggestellt, gefolgt von der Dúvelsrak im Jahr 2010.Irene Kremer: Enerpac’s hefsysteem brengt unieke houten brug op hoogte. In: Bruggen. Band 17, Nr. 2, 2009, S. 17–19 (niederländisch).Frank Miebach: Schwerlastbrücke aus acetyliertem Brettschichtholz. In: Bauen mit Holz. 2/2009, S. 10–13.

Trotz der angestrebten Lebensdauer von 80 Jahren bekam der Überbau durch eindringende Feuchtigkeit Risse und veranlasste Rijkswaterstaat Mitte 2024 zur Planung einer umfassenden Überprüfung und Sanierung. Dazu wurde der komplette Überbau im Mai 2025 mittels selbstfahrender Modulfahrzeuge (Self-Propelled Modular Transporter, SPMT) zu einer etwa 300 Meter östlich gelegenen Baustelle transportiert und durch eine Notbrücke gleicher Spannweite aus Stahl-Vollwandträgern ersetzt.Tjerk van Duinen: Krúsrak-Brücke über die N7 wird an eine provisorische Baustelle verlegt. Beton & Staalbouw, 9. September 2025, abgerufen am 19. Juli 2026. Um den Holzüberbau vor der Sanierung ausreichend zu trocknen, wurde dieser auf der Baustelle eingehaust.Suzanne van Gaale: Renovation Krúsrak bridge: Controlled drying process in purpose-built shed. GWW Bouw Mat, 23. September 2025, abgerufen am 19. Juli 2026. Im März 2026 musste Rijkswaterstaat auf Grund zu großer Schäden die Sanierung einstellen, eine Vielzahl der Klebeverbindungen im Brettschichtholz hatten sich witterungsbedingt gelöst, was eine Reparatur des Überbaus unwirtschaftlich machte. Die Straßenbaubehörde leitete daraufhin auch eine Untersuchung der baugleichen Holzbrücke Dúvelsrak ein, um bei der Erarbeitung einer langfristigen Lösung gegebenenfalls beide Brücken zu berücksichtigen.Herstelwerk aan houten brug Krúsrak Sneek permanent stopgezet. Rijkswaterstaat, 19. März 2026, abgerufen am 19. Juli 2026.

Beschreibung mini|links|Blick auf die Krúsrak aus Nordost, im Profil sind die nach innen gebo­genen Holzträger erkennbar, 2011 Die etwa 40 m lange Krúsrak gliedert sich in eine kurze Stahlbeton-Balkenbrücke auf der Nordseite, die hier eine der vielen Grachten der Stadt überquert, und die 32 m lange Holzbrücke über die N7 auf der Südseite. Die Holzbrücke hat eine 12 m breite orthotrope Fahrbahnplatte aus Stahl, die mit den Untergurten der seitlichen Holz-Fachwerkträger verbunden ist. Die 16 m hohen, dreieckigen Fachwerkträger aus Brettschichtholz sind zur Spitze hin nach innen gebogen und dort über Stahlplatten miteinander verbunden. Die vor Ort verarbeiteten Holzbalken hatten Abmessungen von bis zu 1,1 m × 1,5 m × 32,0 m und wogen bis zu 20 Tonnen. Für die Stabilität der Konstruktion sind in die Balken – beziehungsweise als Verbindung zwischen ihnen – bis zu 2 m lange Gewindestangen von 34–52 mm Durchmesser eingeklebtHoegina De Boer: Accoya verkeersbrug Sneek. In: Het Houtblad. Februar 2009, S. 30–35 (niederländisch). und die Untergurte mit den Druckbögen und mit der Fahrbahnplatte durch vorgespannte Stahlseile in Längs- beziehungsweise Querrichtung zusätzlich verbunden. Das Gesamtgewicht des Tragwerks der Holzbrücke belief sich auf 360 Tonnen.

Literatur Hoegina De Boer: Accoya verkeersbrug Sneek. In: Het Houtblad. Februar 2009, S. 30–35 (niederländisch). Frank Miebach: Schwerlastbrücke aus acetyliertem Brettschichtholz. In: Bauen mit Holz. 2/2009, S. 10–13. Frank Miebach: Sneek bridges show potential of timber. In: Civil + Structural Engineer. Juni 2011. A. J. Woortman: Houten viaducten unieke landmarks voor Friese waterstad. In: Bruggen. Band 15, Nr. 1, 2007, S. 10–15 (niederländisch). Irene Kremer: Enerpac’s hefsysteem brengt unieke houten brug op hoogte. In: Bruggen. Band 17, Nr. 2, 2009, S. 17–19 (niederländisch).

Weblinks

Viaducten Sneek. Adviesbureau Lüning.

Einzelnachweise

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