mini|rechts|Neue Welt bei OpenStreetMap Die Neue Welt ist ein inneralpines Becken westlich von Wiener Neustadt in Niederösterreich.
Namensgebung Es wird angenommen, dass der ungewöhnliche Name von der „eigentümlich versteckten Lage“ abgeleitet wurde. Am deutlichsten wird dieser Umstand, wenn man von der Ebene des Steinfelds durch die Prosset in das nach allen Seiten abgeschlossene Becken kommt. Da die Geröllhalden zur Hohen Wand früher nicht verwachsen waren, war das noch akzentuierter sichtbar. Die Neue Welt war landwirtschaftlich auch bessergestellt, da es keine Wasserarmut gab. 1833 wurde die Neue Welt als „Gadner-Thale am Fuße der hohen Steinwand“ bezeichnet. 1827 spricht man vom „Thal der neuen Welt“.
Geographie Die Neue Welt erstreckt sich spindelförmig südöstlich der Hohen Wand und wird gegen Wiener Neustadt hin von den Fischauer Vorbergen begrenzt. Im Südwesten beginnt das Becken bei Zweiersdorf und im Nordosten bei Muthmannsdorf. Das Becken mit einer Fläche von ungefähr 13,4 Quadratkilometer hat eine Länge von ca. 7 km und eine maximale Breite von 2,6 km zwischen Stollhof und dem früheren Gasthof Teichmühle. Dort ist auch der tiefste Punkt der Neuen Welt mit rund Das Becken bildet eine fruchtbare Ebene, die über die Prosset in die Warme Fischa entwässert.
Der Verein Biosphäre Neue Welt dokumentiert die Diversität dieses Lebensraumes.Biosphaere Neue Welt auf winzendorf-muthmannsdorf.gv.at
Verwaltung mini|Blick von Zweiersdorf nach Nordosten, rechts der Kienberg Die Neue Welt ist keine eigenständige Verwaltungseinheit. Ein kleiner Teil um Zweiersdorf am südwestlichen Ende gehört zur Gemeinde Höflein an der Hohen Wand, der mittlere und größte Teil um Maiersdorf zur Gemeinde Hohe Wand und der nordöstliche Teil um Muthmannsdorf zur Gemeinde Winzendorf-Muthmannsdorf. Die Grenzen der Katastralgemeinden liegen näher an den geografischen Gegebenheiten als die Gemeindegrenzen. Ganz oder zum Teil in der Neuen Welt liegen die Katastralgemeinden Zweiersdorf (KG 23357), Maiersdorf (KG 23421), Netting (KG 23425), Emmerberg (KG 23406), Gaaden (KG 23410) und Muthmannsdorf (KG 23423).
Geologie mini|Blick nach Westen zur Hohen Wand und zum Schneeberg (links hinten) Die Neue-Welt-Mulde, die im Südwesten in die Grünbacher Mulde übergeht, ist eine Gosau-Entwicklung. Im Kreide genannten Erdzeitalter vor ca. 100 Millionen Jahren hoben sich die Alpen aus dem Ozean, wobei sich zwischen den entstehenden Inseln und Landrücken sogenannte Gosausedimente bildeten (Sandsteine, Mergel, Kalksteine, teilweise steinkohleführend). Diese wurden in den darauffolgenden Jahrmillionen gemeinsam mit den umgebenen älteren Gesteinen wie Kalksteinen und Dolomiten verfaltet, verschuppt, eingeengt und muldenförmig in den Untergrund gepresst.
Geschichte Frühgeschichte mini|links|Die Goldscheiben von Stollhof Die Neue Welt hat eine sehr lange Siedlungsgeschichte. Die Funde im westlichen und nördlichen Teil reichen bis in die Jungsteinzeit zurück. Viele der rund 250 Höhlen im Kalkstock der Hohen Wand sowie in den Fischauer Vorbergen boten den Menschen einen sicheren natürlichen Zufluchtsort. Zu den bekanntesten Fundplätzen gehört die Schwarzgrabenhöhle bei Maiersdorf. In den 1920er Jahren wurden dort von Franz Mühlhofer Knochenwerkzeuge sowie die Knochen der Beutetiere der steinzeitlichen Jäger wie Höhlenbär, Höhlenlöwe, Höhlenhyäne, Mammut, Riesenhirsch, Wollnashorn, Rentier, Eisfuchs oder Schneehase gefunden. Da aus der Höhle im Zuge der Österreichischen Höhlendüngeraktion 2,4 Tonnen Erde zur Gewinnung von künstlichem Dünger zur Zeit des Ersten Weltkriegs entfernt wurde, sind fundierte wissenschaftliche Analysen nicht mehr möglich.
Etwa 3 km nordöstlich von Muthmannsdorf in den Fischauer Vorbergen liegt eine der größten urgeschichtlichen Siedlungen Österreichs. Auf der Malleiten bei Bad Fischau bestand zwischen etwa 1000 und 500 v. Chr. – in der Urnenfelderkultur und der älteren Hallstattzeit – eine ausgedehnte Siedlung mit Werkstattbereichen für Metall und Keramik, die von Hügelgräberfeldern umgeben war. Für dieses Zentrum handwerklicher Fertigkeit ist intensive Bronzegießerei und Metallverarbeitung nachgewiesen.
Im Süden der Neuen Welt liegt der zu den Fischauer Vorbergen gehörende Kienberg (650 m). Auf der Maiersdorf zugewandten Seite gibt es mehrere Geländestufen, die als menschlich angelegte Terrassen identifiziert wurden. Funde von Kupferschlacken zeigen, dass es auch hier eine intensive Metallverarbeitung gab. Der gipfelnahe Bereich dürfte im 10./9. Jh. v. Chr. bewohnt gewesen sein. Eine tieferliegende Siedlungsterrasse zur Neuen Welt hin könnte ältereisenzeitlich (8./7. Jh. v. Chr.) sein. Es gibt auch Hinweise für eine jungneolithische / älterkupferzeitliche (4./3. Jt. v. Chr.) Höhensiedlung. Am Fuße des Berges finden sich Pingen im Wald, die beim Kupferabbau in der Bronzezeit entstanden sein könnten. Etwa in der Mitte zwischen Maiersdorf und Netting gibt es die Leberwiesen und Leberäcker. Der Flurname verweist auf alte Hügelgräber, die aber seit langem der Erde gleich gemacht sind.
Mittelalter Aus der Zeit nach dem Untergang des Römischen Reiches gibt es keine schriftlichen Quellen. Die Bewohner der Gegend erschließen sich nur indirekt. Sicher ist, dass im Gebiet bis zum südlichen Wienerwald im 6. bis 7. Jhdt. Südslawen lebten. Orts- und Flussnamen haben slawische Wurzeln wie Prosset (prozath = Verhau, Verschanzung oder Burgstall), Strelzhof (strelic = Schütze), Flatz (blato = Sumpf oder Piesting (bes(i)nica = die Rasende). Neben den Slawen könnte es Altsiedler aus germanischen Stämmen gegeben haben (wahrscheinlich Langobarden, Goten, Quaden, Heruler und Rugier). In römischer Zeit wurden vermutlich lateinische und keltische Dialekte gesprochen. Nach dem Ende der Awarenkriege wird 869 Pitten (ad Putinu) im Zuge der deutschen Kolonisierung erwähnt. Die ältesten Hinweise auf deutschsprachige Bewohner in der Neuen Welt sind die Ortsnamen Winzendorf und Muthmannsdorf aus dem 12. Jhdt.
Stausee Neue Welt – Unrealisiertes Projekt „Heil Land“ 1922 mini|links|Malchers „Heil Land“-Projekt Die geologische Gegebenheit der Neuen Welt inspirierte schon zu Stadt-utopischen Ideen. Wenige Jahre nach dem Ende des Ersten Weltkriegs präsentierte der Badener Architekt Fritz Malcher (1888–1933) sein „Heil Land“ ProjektRollettmuseum Baden / Rudolf Maurer: Nachlass Fritz Malcher 1996, abgerufen am 26. Dezember 2024 eine „Wald und Gartenstadt“ von Wien an den Südhängen der Hohen Wand. Er entwickelte in 5.000 Arbeitsstunden ein detailreiches Konzept für eine Fläche von insgesamt 45 km² und für 100.000 Menschen. Die Wiener Satellitenstadt sollte in 15 Minuten vom Karlsplatz aus mit einer Hängeschnellbahn erreichbar sein, wobei die Endstation bei Stollhof vorgesehen war. Am Bahnhof wäre auch die Talstation einer Seilbahn auf die Hohe Wand gewesen. Für die Güterversorgung war eine Lastenbahn von Höflein kommend nach Maiersdorf vorgesehen, wo eine Zahnradbahn über den Leitergraben ebenfalls auf die Hohe Wand führen sollte. Oben waren Berggasthäuser, Touristenhotels, Sanatorien und Heilanstalten für Kriegsinvaliden und Rekonvaleszenten vorgesehen. In Maiersdorf war am Wasser ein Flugplatz mit Land- und Wasserhangars angedacht.
mini|links|Neue Welt bei Maiersdorf im Bereich der „Leberäcker“ Für den zentralen See hätte die Neue Welt auf eine Seehöhe von 410 m geflutet werden sollen. Die Staumauer sollte ungefähr auf Höhe des alten Posthauses in der Prosset stehen und die Schlucht sperren. Ein kleines Kraftwerk hätte die Gegend mit Strom versorgt. Den Fluten sollten Netting, Gaaden, die Teichmühle, Emmerberg Dörfl und die alte Kirche St. Peter im Moos geopfert werden. „Muthmannsdorf am See“ wäre durch eine 20 m Mauer geschützt gewesen, da es tiefer liegt als der geplante Wasserspiegel. Das alte Forsthaus unter der Burgruine Emmerberg hingegen wäre knapp über dem Wasserspiegel gelegen.
Am Ufer bei Stollhof, rundherum Bootsanlegestellen, war das Zentrum der neuen Stadt vorgesehen. Die Siedlung sollte über Verwaltungs- und Einkaufszentren, Kinos, Volks-, Schwimm- und Turnhallen sowie Schulen und Sportplätze verfügen, wobei ein Opernhaus und Theater markant in der Mitte positioniert war. An den Hängen zur Wand hin waren Gartenparzellen bzw. Waldparzellen für Ein- und Zweifamilienhäuser vorgesehen. Der Namensteil „Heil“ bezieht sich auf vorgesehene Sanatorien in der klimatisch begünstigten Lage im Windschatten der Hohe Wand. Die Tuberkulose war in Wien nach dem Krieg ein ernstes Problem, ebenso die große Wohnungsnot. „Land“ steht für geplante Einfamilienhaussiedlungen am Fuße der Hohen Wand.
Diese Stadtutopie wurde trotz intensiver Gespräche nicht realisiert. 1922 war eine wirtschaftlich (Hyperinflation) und politisch (Trennung von Wien und Niederösterreich) schwierige Zeit. Vermutlich hätte der natürliche Wasserzufluss in der Neuen Welt auch nicht ausgereicht, die Verdunstung und Versickerung (zwar weitgehend dichter Tonboden, aber z. T. auch Schotter) auszugleichen.
Verkehr mini|Blick über Stollhof nach Wr. Neustadt Durch das Tal führt die Niederösterreichische Landesstraße L87 von Dreistetten nach Winzendorf, auf der die VOR-Linie 336 verkehrt. Weitere Landesstraßen sind die L4072 von der L87 abzweigend in Emmerberg / Teichmühle über Maiersdorf-Zweiersdorf zur Puchberger Straße B26 in Unterhöflein die L4073 von der L87 ab Emmerberg Dörfel über Gaaden – Stollhof zur L4072 in Maiersdorf die L4074 von der L4073 in Stollhof zur Heilanstalt Felbring die L4075 von der Puchberger Straße B26 in Willendorf über Dörfles-Netting zur L4072 zur Teichmühle und die L4076 von der L4075 in Netting zur L4072 in Maiersdorf.
Knapp außerhalb der Neuen Welt verlaufen zwei Eisenbahnlinie, im Süden seit 1895 die Schneebergbahn (Stationen Winzendorf und Unterhöflein) und im Norden seit 1877 die Gutensteinerbahn (Stationen Piesting und Dreistetten). Heute dauert die Fahrt mit der Eisenbahn von Winzendorf nach Wien eine Stunde. 1887 verbrachte man noch zwei Stunden im Zug und eine Stunde in der Kutsche.
Es wird angenommen, dass die Neue Welt in das Straßennetz des Römischen Reichs eingebunden war. Eine Römerstraße führte von Vösendorf / Sollenau kommend über Dreistetten, Muthmannsdorf, Würflach weiter nach Neunkirchen.
Post und Telekommunikation